SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

13Dez/10Off

Hyperlokal – der Trend für 2011

Autor des Artikels: Matias Roskos

Nennen Sie es, wie Sie wollen. Hyperlokal, sublokal, local based oder wie auch immer. Einer der Trends für 2011 wird - neben TouchPads und mobilen Endgeräten - das Thema "Lokales" sein. Also das, was in meiner direkten Umgebung geschieht, abgebildet, zu finden, zu bewerten - über das Internet. Das bedeutet dann: Hyperlokal.

Hierbei spielt natürlich ein anderer Mega-Trend, die mobilen Endgeräte wie Smartphones, Netbooks und Pads, eine ganz enorme Rolle. Denn erst durch die schnelle, unkomplizierte Erreichbarkeit des Internets über ein Smartphone machen solche auf Lokales ausgerichteten Anwendungen und Seiten erst richtig Sinn.

Auf n-tv war neulich Folgendes zu lesen:

In den USA bereiten sich immer mehr Verbraucher mit einer Internetsuche auf ihre Einkaufstour vor. Das Online-Auktionshaus Ebay will auf diesen Trend aufspringen und sichert sich dazu ein lokal orientierte Produktdatenbank.
Der US-Konzern Ebay will seinen Kunden mit der Übernahme des Internet-Einkaufsführers "Milo.com" die Suche nach Produkten vor der eigenen Haustür erleichtern.

Ebay steigt also auch in dieses Segment mit ein. Zumindest wenn es um die Produktsuche, also um Geschäfte in der Nachbarschaft geht. Spannend.

Qype, das ich immer wieder mal kritisiere, das aber aber schon lange am Start ist und dabei vieles gut und richtig macht, hat sich eine glänzende Ausgangsposition erarbeitet in den vergangenen Jahren. Und nun scheint sich das Thema Hyperlocal massiv zu etablieren.

Qype

Ich selbst war involviert in ein Projekt der Telegate (11880.com) und entwarf Szenarien für den Communityaufbau für WerWieWas.de, das Anfang 2010 an den Start ging. Ziel war es, eine Agora des 21. Jahrhunderts zu schaffen. Wie ich auch heute noch finde: ein tolles Ziel. Eine großartige Grundidee. Leider wurden von meinen konzeptionellen Vorschlägen keine umgesetzt. Ein Communityaufbau fand so gut wie gar nicht statt. Ich hatte unter anderem angeregt, Weiterlesen …

23Nov/10Off

Das Qype von Google: Hotpot

Autor des Artikels: Matias Roskos

Es könnte eng werden für Qype, Yelp (die hier in Deutschland noch nicht so richtig Fuß fassen konnten) und andere Local Based Bewertungsportale in den kommenden 12 Monaten. Denn: Google greift auf diesem Segment massiv an. Oder probiert es zumindest. Wie wir an Google Wave gesehen haben, stampfen sie ein Projekt auch genau so schnell wieder ein, wenn es nicht läuft wie erhofft.

Google Maps ist schon seit geraumer Zeit extrem erfolgreich. Dort wurden Bewertungen von anderen Portalen schon seit einiger Zeit mit angezeigt. Eine wunderbare Sache für diese Bewertungsportale. Denn Google sorgte so für zusätzlichen Traffic. Immer mehr Menschen kennen, lieben und nutzen Google Maps.

Darauf baut nun Hotpot auf. Hotpot zeigt Ihnen Bewertungen zu Locations an. Diese werden witzigerweise vor allem von Qype aggregiert, aber auch von anderen Seiten. Auf den ersten Blick sehe ich noch cityguide.com und Prinz.de. Aber auch Bilder aus Google Streetview scheinen integriert zu sein, wenn ich das richtig erkenne.

Ohne, dass Qype oder andere Content-Sammelbecken sich dagegen wehren könnten. Sie wollen ja von Google gefunden und verlinkt werden. Google ist die Haupt-Traffic-Maschine des Internets. Auch im Jahr 2010.

Ob diese Entwicklung nun gut oder schlecht ist für Qype? Glücklich ist man mit Hotpot sicherlich nicht. Denn Geld verdient man ja unter anderem mit Werbung, die auf Qype angezeigt wird. Bleiben die Menschen nun auf Hotpot, sehen sie keine auf Qype eingeblendete Werbung oder bezahlte Einträge auf Qype.

So schaut die Suche nach meinem aktuellen Lieblings-Mittagsrestaurant im Friedrichshain bei Hotpot und bei Qype aus.

Google Hotpot

Qype - Datscha im Friedrichshain

Das finde ich eine faszinierende Entwicklung. Die für Qype, Yelp oder womöglich auch Holidaycheck heftige Einschneidungen bedeuten kann. Ich betone: kann. Denn mittelfristig verlieren sie durch Hotpot Traffic, den ihnen vorher Google bereitwillig zugeführt hat. Nun versucht Google einen Großteil dieses durch Suche erzeugten Traffics bei sich zu behalten.

Warum? Zum einen, weil sie den Suchenden Klicks ersparen und mehr Service liefern möchten. Und - selbstverständlich - weil sie darauf aufbauend wiederum mehr Geld über Werbeanzeigen direkt auf Google-Seiten verdienen möchten. Nicht unclever die Google-Jungs und -Mädels.

Ich bin gespannt, wie sich Hotpot entwickelt (die deutsche Version kommt demnächst) und wie Qype, Yelp & Co. darauf reagieren. Good luck, Qype! Vielleicht bahnen sich da ja auch ganz neue Kooperationen an. Sinn würde es auf jeden Fall für alle Seiten machen. Wenn Google bereit ist abzugeben. Oder Qype letzten Endes zu kaufen...

24Sep/10Off

Der Qype-Schock: Ein Jahr danach / Ich liebe Qype Radar – Qype aber ist weiterhin viel zu passiv

Autor des Artikels: Matias Roskos

Qype habe ich in der Vergangenheit mehr als einmal stark kritisiert. Warum? Weil ich es von seiner Grundstruktur her für ein großartiges Crowdsourcing-Projekt halte. Und Crowdsourcing nun mal mein Lieblingsgebiet ist, über das ich mir viel Gedanken mache und immer mehr Unternehmen beratend oder auch projektbegleitend unterstütze. Und Qype könnte aus meiner Sicht einige Dinge deutlich besser machen, vor allem im Bereich Community-Incentivierung und Anreizsystheme.

Ich mag Qype. Und nutze es immer mal wieder gern. Manchmal funktioniert es gut, manchmal überhaupt nicht. Wenn ich unterwegs bin und ein nettes Café oder Restaurant suche. Und manchmal lade ich auch selbst Bilder hoch und schreibe etwas zu der Location, in der ich mich gerade aufhalte. Auch wenn ich mich immer wieder frage: wozu? Die Mehrwerte reichen mir nicht. Und vielen meiner Freunde auch nicht. Darum schreiben sie nichts auf Qype. Die Ansprüche an die Plattformbetreiber sind gestiegen in den vergangenen Jahren. Da kann man nicht immer alles an die Community delegieren wollen.

Aber das neue Qype Radarist schon ein paar Monate alt, ich weiß – motiviert mich deutlich stärker aktiv zu sein. Darum: ein dickes Lob für die iPhone-App Qype Radar! Die es natürlich auch für Smartphones mit einem Android-Betriebssystem gibt. Eine gut gemachte Software, deren Usability verdammt gut ist, senkt deutlich die Hürden für Aktivität. Wie ich an mir selbst merke. Wenn es schnell und einfach geht etwas zu schreiben oder ein Bild hoch zu laden, dann macht man dies viel eher.

Qype Radar 2010

Man hat bei Qype nun auch eine Checkin-Funktion eingeführt, wie sie Social Media Nerds schon von Foursquare, Gowalla und anderen kennen. Das macht noch wenig Sinn, weil viel zu wenig Freunde Qype nutzen. Auf Facebook, wo der Launch dieser Checkin-Funktion für Deutschland kurz bevorsteht, macht das schon deutlich mehr Sinn. Sehen, wer von den eigenen Freunden gerade in der Nähe ist. Sinnvoll und von mir sicherlich in der Zukunft auch genutzt.

Vielleicht würde hier perspektivisch ein Verknüpfen dieser Ortungs-Funktion von Qype mit Facebook-Places Sinn machen? Warten wir es ab.

Das neue Qype Radar ist deutlich verbessert in der Usability. Es macht Spaß Bilder hoch zu laden! Was ich für elementar wichtig halte. Denn der Mensch ist nun mal ein visuelles Wesen. Und ich schaue mir gern Bilder von einem Restaurant an, bevor ich dorthin gehe. Aber es gibt noch viel zu wenig Bilder auf Qype? Warum nutzt man hier nicht Schnittstellen zu Flickr oder auch Facebook? Und zeigt passende Bilder an, die dort hochgeladen wurden? Nur so eine Idee... Ich selbst lade, wenn ich als Social Media Reporter unterwegs bin, viele Bilder auf Flickr hoch. Da hab ich dann keine Lust mehr, sie auch noch auf Qype oder anderen Bewertungsportalen separat hochzuladen. Würd mich aber dennoch freuen, wenn sie auch dort zu finden sind.

Klasse finde ich auch die Kartenfunktion, mit der mir Qype Radar nicht nur in einer Liste, sondern auch in einer Kartenfunktion die entsprechenden Orte in der näheren Umgebung anzeigt. Das hilft, sich in einer fremden Stadt zu orientieren.

Was mich total nervt, ist die Einordnung in Rubriken, die nur bedingt funktioniert. Immer wieder passiert es mir, dass ich in einem Café sitze, dieses aber nicht unter „Cafés & Coffee Shops“ finde. Sondern dann nach längerem Suchen unter „Bars & Kneipen“ oder unter „Fast Food & Imbiss“. Hier würde es helfen, wenn die Suche stärker mit Tags (also Schlagworten) kombiniert wird und man Locations in mehrere Rubriken - Café + Restaurant zum Beispiel - einsortieren könnte. Damit sie auch wirklich gefunden werden. Denn darum muss es doch gehen: dass Menschen passende Locations finden! Schnell und unkompliziert.

Was ich auch weiterhin nicht leiden kann, sind Orte, bei denen die Daten eindeutig aus einem Branchenbuch gezogen wurden, es aber keine Fotos oder Bewertungen gibt. Das hatte ich bereits letztes Jahr heftig kritisiert. Ich bin gerade in Garmisch-Partenkirchen und muss feststellen: Wirklich passiert ist in der Richtung nichts. Hier würde eine spannende Kampagne Sinn machen, um Nutzer zu motivieren noch undokumentierte Lokalitäten mit virtuellem Leben zu füllen. "Leaduser ausfindig machen und stärker involvieren" heißt dies in meinen Vorträgen und Workshops.

Noch immer bleibt meine Kritik: die Community wird durch Qype viel zu wenig eingebunden. Qype verhält sich viel zu passiv gegenüber den Mitgliedern und dem Social Web. Man lässt vieles laufen und hofft, dass die Community von allein funktioniert. Tut sie auch. Aber nur in Ballungsräumen. Doch gerade in nicht so stark frequentierten Gegenden brauche ich doch gute Informationen! Nischen müssen besetzt werden. Ich denke da zum Beispiel an „Schmilka“ in Sachsen. Dort gibt es einiges zu entdecken. Ich war ja gerade erst da. Dies nur ein Beispiel von vielen.

Den Fokus derartig stark auf die Technik (und die Expansion in andere Länder) und weniger auf die Community zu lenken, ist ein großer Fehler, den nur allzu viele Internetprojekte tun. Und der mittelfristig schädlich sein wird für eine Social Media Plattform.

Dennoch: Qype Radar ist eine mittlerweile erstklassige App, die ich super gern nutze! Bitte weiter so. Und irgendwann vielleicht auch mit spannender, funktionierender Incentivierungsstragie, um Menschen in „Nischen-Regionen“ zu motivieren sich aktiv einzubringen und die Plattform weiter mit Leben zu füllen. Denn Social Media bedeutet, dass Menschen sich aktiv einbringen und ein gelebtes Geben und Nehmen stattfindet. Erst dann werden Crowdsourcing-Projekt wie Qype und andere ihre wirkliche Kraft voll entfalten können.

12Jan/10Off

Warum die Leute nichts für Qype und andere Portale schreiben

Autor des Artikels: Matias Roskos

Zwischen den Feiertagen sitzt man oft mit Freunden und Familiemitgliedern zusammen und redet über alles mögliche. Oft habe ich mich dann auch in Restaurants und Cafés getroffen. Und selbstverständlich redet man dabei heutzutage auch übers Web 2.0, Facebook, Twitter, Bloggen und so weiter.

Wenn man in einem Restaurant sitzt, kommt bei mir automatisch auch der Gedanke: „Schreibe ich dazu jetzt was auf Qype?“ Meine Antwort ist meist „Nein.“. Bei diesen Gesprächen zwischen den Feiertagen habe ich dann auch meine Freunde gefragt, ob sie was auf Qype schreiben. Erstaunlich fand ich, wie viele schon von Qype gehört hatten. Einigen musste ich erklären worum es geht. Bei diesen Gesprächen tauchte dann immer wieder eine zentrale und entscheidende Frage auf: „Warum sollte ich auf Qype was schreiben?

Wo ist der Mehrwert?

So ungefähr geht es mir selbst auch. Warum? Was habe ich davon? Wo ist der Mehrwert? Qype steht hier nur exemplarisch für viele andere Bewertungsportale. Es gibt so viele Bewertungsportale da draußen, die alle unter dem gleichen Problem leiden. Sorry, Qype, dass ich schon wieder euch heraus picke. Ich hoffe, ihr seht das positiv. Denn über euch wird geredet. Das ist ein an sich gutes Zeichen.

Es gibt sie – diese Mehrwerte auf Qype. Es gibt gute Gründe, warum man was auf Qype schreiben sollte. Dessen bin ich mir bewusst. Ich kann meine Tipps zu guten gastronomischen Einrichtungen easy weiter teilen auf Facebook und Twitter. Ich kann so meine favorisierten Restaurants sammeln und mit Freunden teilen. Ich kann auch was Gutes tun, in dem ich Restaurants gut bewerte in denen ich mich wohlgefühlt habe. Und genau das ist auch der Hauptgrund, warum ich immer mal wieder was schreibe oder ein Bild hochlade. Aber ich gebe es zu, ich tue dies eher selten.

Die Leute machen zu wenig mit bei zahlreichen durchaus spannenden Web-Startups. Es fehlt die Motivation der Menschen. Man kann nicht omnipräsent sein im Netz. Es ist schier unmöglich aktiv zu agieren auf seinem bevorzugten Social Network (bei mir ist das Facebook), möglicherweise seinem Bilder-Account bei Flickr, seinem eigenen Blog und vielleicht noch in ein oder zwei Foren für Spezial-Themen. Dazu gibt es auch noch Email. Und dann ist da ja auch noch das echte Leben mit Job, Familie, Haushalt und allem was dazu gehört.

Der Wikipedia-Vergleich

Aber auf Wikipedia schreiben ja auch Tausende von Menschen, jeden Tag. Dann muss das bei uns doch auch funktionieren.“ Diese Sätze höre ich immer wieder. Und sicherlich gehört Qype zu den Portalen, die einigermaßen funktionieren, was die Community angeht. Aber Qype ist nicht Wikipedia. Das bedeutet ganz konkret: Wikipedia ist ein nichtkommerzielles Projekt, bei dem die Leute mitmachen um an einer gigantischen, weltweiten Wissenssammlung mitzuarbeiten. Aus Spaß. Und für "Ruhm und Ehre". Es geht auch ein Stück um das Erarbeiten eines Expertenstatus dort.

Qype dagegen ist, wie fast alle Portale im Web, ein kommerzielles Projekt. Das macht durchaus einen gewaltigen Unterschied für die Nutzer. Es geht dabei ums Image eines Portals. Bei einem Open Source Projekt macht man viel eher mit wie bei einem Webprojekt hinter dem ein Startup steckt.

Der kommerzielle Background ist aber sicherlich kein Killerkriterium. Wenn es gelingt ein spannendes Portal an den Start zu bringen, dass den Leuten echte Mehrwerte bietet, steht einem Erfolg an sich nichts im Weg. Aber – die alles entscheidende Frage muss von jedem Portalbetreiber beantwortet werden:

Was hat der Nutzer von seiner aktiven Teilnahme?

Diese Frage wird ganz offensichtlich selten gestellt und meist unzureichend beantwortet. Es müssen echte Mehrwerte geschaffen werden. Dann und nur dann wird man langfristig eine starke und vor allem spannende Community aufbauen. Und damit letztendlich erfolgreich sein.

4Nov/09Off

Aufruf zum proaktiven Dialog vom Qype-Communitymanager

Autor des Artikels: Matias Roskos

Der (bisher erschreckenderweise einzige) Communitymanager von Qype, Stephan ‘Moe’ Mosel, hat einen langen und verdammt guten Beitrag zum Thema "Bewertungsportale effektiv als Unternehmer nutzen" geschrieben. Nachdem ja gerade auch Qype von mir heftig kritisiert wurde in diesem Beitrag, möchte ich ausdrücklich betonen, wie richtig und gut ich diese Worte aus dem Hause Qype finde. Ich kann in allen Punkten zustimmen. Allerdings ohne meine im August geäußerte Kritik außer acht zu lassen. Denn auch eine community-orientierte Bewertungs-Plattform (die nicht nur mit Bots Daten irgendwo anders im Netz aggregiert) muss aus meiner Sicht mehr investieren um Nutzer - und das sollten auch die Destinations, Restaurants, Geschäfte sein - zu motivieren sich einzubringen. Sicherlich stehen wir noch immer ganz am Anfang einer Entwicklung. Auch dies betont Stephan Mosel ganz richtig.

Stephan Mosel ruft die Unternehmen zum proaktiven Dialog auf und schreibt:

Bewertungsplattformen haben nun aber den sagenhaften Vorteil, dass sie Bewertungen zusammenführen können, leicht auffindbar machen, ein vertrauenswürdiges Netzwerk zwischen Usern auf der Platform unterstützen (denn eine Bewertung ohne Community erscheint mir fast wertlos), und darüber hinaus auch Unternehmern viele Chancen geben, dies proaktiv zu nutzen. Denn wenn man schon bewertet wird, möchte man einerseits ja in der Lage sein, dies mitzubekommen und darauf reagieren zu können, aber andererseits auch proaktiv sich bzw. sein Unternehmen ansprechend darstellen, so dass man auf der Plattform selbst und auch via Google gut gefunden wird. So generiert man neue Kunden im Web.

Genau so ist es. Und die wenigsten Unternehmen haben das bisher verstanden. Es findet Kommunikation im Web 2.0 statt. Ob es einem nun passt oder nicht. Und man kann Augen und Ohren verschließen. Oder man kann die Chancen nutzen und in einen echten Dialog mit seinen Kunden treten. Hierfür sind Bewertungsplattformen wie Qype, Tipsbytrips und andere bestens geeignet.

Noch besser ist eine gut durchdachte und mittelfristig angelegte Social Media Strategie, bei der ein Social Media Team aufgebaut wird und bei dem mehrere für das Unternehmen sinnvolle Bausteine (das können Facebook, Twitter, ein Corporate Blog, Bewertungsplattformen, Flickr, Youtube und etliche andere Kanäle im Web 2.0 sein) integriert werden. Dies kann und sollte helfen Mundpropaganda zu erzeugen und auch unter dem Gesichtspunkt Onlinemarkerting/Viralmarketing beleuchtet und konzipiert werden. Wenn man es nicht selbst tut - die Konkurrenz wird es tun.

17Aug/09Off

Der Qype-Schock – Wenn Crowdsourcing nicht funktioniert

Autor des Artikels: Matias Roskos

Ich war zwei Wochen im Urlaub. Garmisch-Partenkirchen war das Ziel meiner Familie. Und wir hatten wirklich eine fantastische Zeit dort. Als "Netzmensch" und intensiver iPhone-Nutzer wollte ich unter anderem intensiv die entsprechenden iPhone-Apps nutzen um Ausflugsziele und Tipps mir anzeigen zu lassen. Hierfür hatte ich mir von Merian die App zum "Zugspitzland" herunter geladen. Die Qype-App hatte ich schon seit längerem installiert und ab und zu mal ausprobiert. Nun sollten diese beiden Apps so richtig zum Einsatz kommen. Zusätzlich hatte ich den Versuch unternommen mir via Facebook von Freunden ein paar Tipps geben zu lassen. Ich hatte aber eigentlich nicht so sehr damit gerechnet, dass das etwas bringen würde.

Um so größer war dann meine Überraschung im zweiwöchigen Praxistest. Vorweg nur ganz kurz die Merian-App. Um es kurz zu machen: sie taugt nicht viel. Viel zu wenig Tipps. Viel zu weit weg von meinem Urlaubsort. Kaum Text, keine Bilder. Damit kann man nicht wirklich was anfangen. Und als Web 2.0 Mann stelle ich mir natürlich die Frage: Warum kann ich keine Kommentare zu den Tipps hochladen? Warum kann ich keine zusätzlichen Bilder direkt vom iPhone einpflegen? Warum kann ich keine neuen Tipps anlegen? Die Merian-App ist blind. Eine Einbahnstraße, die völlig unzeitgemäß ist. Und zudem noch nicht mal richtig was taugt. Sie verschwindet ganz schnell wieder von meinem iPhone. Sie ist ihren Preis von 1,59 € nicht wert.

Qype und Garmisch-Partenkirchen - funktioniert (bisher) nicht

Aber dafür gibt es ja Qype. Hier setzt man auf das wunderbare Crowdsourcing-Prinzip. Hier werde ich garantiert viele gute Tipps, viele Fotos, viele hilfreiche Kritiken von anderen Urlaubern finden. Dachte ich mir. Garmisch-Partenkirchen ist ja nicht irgendein Kaff irgendwo weit ab der touristischen Brennpunkte. Wenn nicht für Garmisch-Partenkirchen, wofür dann? Dachte ich mir so. Und wurde böse überrascht von Qype. Ja, es gibt den ein oder anderen Tipp. Aber: meist ohne jedes Bild. Oft ohne Öffnungszeiten. Und fast immer: ohne einen einzigen Nutzerkommentar. Ich war ehrlich geschockt wie dünn Qype für Garmisch-Partenkirchen bestückt ist. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ein Beispiel. Ich wusste (dazu später noch mehr), dass es in Grainau, nur wenige Kilometer von Garmisch-Partenkirchen entfernt, ein wunderbares Freibad gibt. Das Zugspitzbad. Ich gab also in der iPhone-App für den Ort "Grainau" den Suchbegriff "Freibad" ein. Erscheint mir logisch diese Suche. Das Ergebnis zeigt dieser Screenshot von meinem iPhone:

qype iphone grainau

Laut Qype gibt es also in Grainau kein Freibad. Ups. Ich wusste aber, dass es eines gibt. Ich wusste sogar den Namen. Also gab ich den Namen ein: "Zugspitzbad". Und siehe da, es wurde zumindest gefunden.

qype freibad grainau

Mein erster Gedanke war: "Was für ein Blödsinn! Ich suche doch nicht nach dem Namen..." Und die Enttäuschung war noch größer, als es kein einziges Bild, keine einzige Nutzerkritik gab. Das hat sich jetzt geändert, weil ich ein Bild hochgeladen und etwas dazu geschrieben habe. Nur "meckern" ist nicht mein Stil. Das im Screenshot zu sehende Bild sowie die Bewertung stammen von mir. Vorher war dort nichts.

Als ich dann auf dem Rechner Qype aufrief und wiederum nach einem "Freibad" in "Grainau" suchte, wurden mir wenigstens Bäder in Garmisch und der Umgebung angezeigt. Aber nicht das herrliche Freibad Grainau. Also die Online-Version war schon etwas hilfreicher. Das ändert aber nichts daran, dass es keine Bilder (siehe Screenshot) und keine Meinungen aus der Community gibt. Und das Schlimme war: das betraf nicht allein das Freibad in Grainau. Immer wieder fand ich via Qype nur wenige Tipps, die vermutlich automatisch durch eine Software eingepflegt wurden. Da wurden vermutlich irgendwelche Branchenbücher gecrawlt. Aber nie gab es für Garmisch-Partenkirchen und Umgebung Bilder, geschweige denn Artikel von Nutzern. Ich gewann immer mehr den Eindruck: Crowdsourcing auf Qype funktioniert nicht.

Suche nach Freibädern auf Qype

Ursachen warum Qype nicht funktioniert

Da ich mich beruflich sehr intensiv mit Crowdsourcing beschäftige und Qype an sich sehr mag, weil sie genau auf diesen Baustein des Web 2.0 setzen, fragte ich mich dann: Warum ist das so? Warum funktioniert Qype an der Stelle nicht?

Es gibt Tausende von Touristen die Jahr für Jahr nach Garmisch-Partenkirchen fahren. Es gibt unendlich viele Gastronomen, Geschäfte, örtliche Einrichtungen, Tagungszentren, Hotels, Skiverleihe, Skischulen, Sportvereine, die alle ein großes Interesse daran haben, dass viele Menschen positiv über Garmisch-Partenkirchen und die anderen Orte rund um die Zugspitze berichten. Doch auf Qype ist Totentanz.

Es gibt aus meiner Sicht mehrere Erklärungen dafür. Zum einen wäre es dringend notwendig, dass Qype in solch wichtigen touristischen Zentren präsent ist. Hier müsste eine aggressive PR-Strategie gefahren werden, um Orte wie Garmisch-Partenkirchen zu penetrieren. Denkbar wären Kooperationen mit dem örtlichen Tourismusverband, Zusammenarbeit mit Skischulen, Werbung bei einem der zahlreichen sportlichen Highlights wie Skispringen Vierschanzentournee, Alpiner Skiweltcup oder dergleichen mehr.

Zum anderen muss das Communitymanagement natürlich extrem gut sein. Und mit "gut" meine ich nicht allein die Qualität, sondern auch die Quantität. Ich weiß nicht, wie viele Communitymanager bei Qype arbeiten. Aber ich befürchte: weniger als 10. Um meine Community aber zu motivieren bedarf es bei einer so weit gefassten Zielgruppe wie bei Qype deutlich mehr Menschen, die für Qype als Communitymanager agieren. Bei RUF-Reisen sind das zum Beispiel knapp 20 Leute. Siehe hierzu dieses interessante Interview.

Ungenügende Incentivierungsstrategie beim Crowdsourcing

Der dritte Punkt, der Schuld daran ist, das Qype nicht wirklich funktioniert, ist die Incentivierungsstrategie. Ich fragte meine Frau, ob wir nicht was schreiben wollen, wenn es bisher nichts gibt, zu der herrlichen Baude, in der wir gerade leckeren Rhabarberkuchen aßen. Ihre Antwort: "Vielleicht. Später. Was soll ich mit nem zweiten Qype-T-Shirt oder ner neuen Tasse?" Will sagen: Die Incentivierung bei Qype ist unspannend! Man setzt auf die Faktoren "Fame" und "Spaß", was bedingt auch funktioniert. In Großstädten wird Qype offensichtlich besser angenommen. Aber reicht das langfristig? Ich denke nicht.

Alle Crowdsourcing-Projekte müssen sich für die Zukunft die Frage stellen "Ist meine Incentivierungsstragie ausreichend?". Das betrifft nicht nur Qype. Ich arbeite aktuell an drei Crowdsourcing-Projekten in der strategischen Planung mit und muss die Geldgeber immer wieder davon überzeugen, dass es wichtig ist nicht nur nehmen zu wollen, sondern auch zu geben. Ich versuche hier Strategien zu entwickeln, die für die Nutzer spannend sind. Die die Community motivieren langfristig aktiv zu sein und bei der Stange zu bleiben. Das ist sicherlich nicht einfach. Aber das Beispiel Qype zeigt, dass dies unbedingt notwendig ist.

Mundpropaganda via Facebook funktioniert

Freibad GrainauNoch einmal zurück zum Freibad in Grainau - das übrigens wirklich wunderbar ist! Den Tipp für dieses Freibad bekam ich via Facebook! Ich hatte meine dortigen Freunde um Tipps für Garmisch-Partenkirchen und Umgebung gebeten. Und ich bekam einen Haufen guter Tipps! Danke dafür, Martin! Diese Tipps waren Gold wert und entpuppten sich allesamt als großartig. Ich musste feststellen: Mundpropaganda ist großartig und funktioniert genial. Facebook war dafür der perfekte Kommunikationskanal. Denn hier konnte ich dann auch die Bilder hochladen und mich entsprechend bedanken. Wenn man jetzt auf Facebook nach Tipps für Garmisch-Partenkirchen sucht, wird man den ein oder anderen Tipp von mir finden. Die neue Facebook-Suche machts möglich.

Garmisch-Partenkirchen auf Facebook

Fazit für ein besseres Crowdsourcing

Natürlich war ich auch so fair etliche Fotos auf Qype hoch zu laden. Aber ich kann nicht verhehlen, das ich enttäuscht war von Qype. Qype hat für Garmisch-Partenkirchen als Portal für Tipps, Bilder, Meinungen miserabel funktioniert. Die gewaltigen Möglichkeiten von Crowdsourcing wurden an der Stelle bisher nicht ausgeschöpft. Die Gründe für das Versagen an dieser konkreten Stelle habe ich weiter oben benannt: Kein Marketing in solchen Regionen. Möglicherweise personell zu dünnes Communitymanagement um die unerlässlichen Leaduser ausfindig zu machen und stärker zu binden und zu motivieren. Ungenügende Incentivierungsstragien. Das machen andere Projekte in der Zukunft in Sachen Crowdsourcing hoffentlich besser.

Nachtrag: weitere Tipps, die mir auf Qype unzureichend oder gar nicht angezeigt wurden

In Murnau gibt es eine traumhafte Konditorei, in der man herrlich Kuchen, aber auch Salat essen und Tee trinken kann: das Café Kroenner. Auf Qype ist es leider nur sehr schwer zu finden. Wenigstens gibt es jetzt ein paar Bilder von mir.

Café Kroenner in Murnau

Café Kroenner in Murnau

Ein Traum ist auch der Berggasthof Almhütte, auch "Windbeutelalm" genannt.

Windbeutelalm

Windbeutelalm

Für die Esterbergalm gab es vorher gar keinen Eintrag auf Qype. Das haben wir geändert. Ein herrliches Wanderziel vom Wank herunter ins Tal.

Esterbergalm vom Wank aus

Und den leckersten Rhabarberkuchen der Welt - der mich echt aus den Latschen gehauen hat - gibt es nach einem recht beschwerlichen Anmarsch im Berggasthof Wamberg.

Berggasthof Wamberg

Die meisten Fotos wurden übrigens mit dem iPhone geschossen. Ich bin nicht zufrieden mit der Qualität, aber für solche Zwecke reicht es.