SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

1Nov/10Off

Spieltz ist Mass Customization für Brettspiele – Karin Janner im Interview

Autor des Artikels: Matias Roskos

Neulich habe ich mich in Berlin-Friedrichshain zum Mittag mit Karin Janner im "Datscha" getroffen. Karin ist Social Media Expertin und dort fokussiert auf den Bereich Kulturmanagement. Unter anderem war sie eine der Organisatorinnen des stART-Konferenzen 2009 und 2010. Ihr jüngstes Projekt ist Spieltz, über das ich mich mit ihr im folgenden Interview unterhalten möchte.

Karin, so kurz nach der stART-Konferenz 2010 - lebst du noch? Oder bist du erstmal in ein Wach-Koma gefallen?

Die Konferenz war auch beim 2. Mal unglaublich viel Arbeit, und auch die Dokumentation frisst Zeit. Gerade sitze ich am Tagungsband, der Anfang 2011 erscheinen soll.

Wie lief die Konferenz?

Wir haben sehr gutes Feedback bekommen und sind zufrieden. Die Atmosphäre war inspirierend und kreativ. Und ich bin mir sicher, dass wir wieder für etliche Kulturbetriebe und Künstler der Auslöser für einen - erfolgreichen - Start ins Social Web waren – wie schon im letzten Jahr.
Von den Vorträgen selbst habe ich als Veranstalterin leider nur wenige gehört – auf so einer Konferenz gibt es ja dauernd irgendwas zu erledigen. Und man will ja auch noch Leute treffen, networken, Ideen für gemeinsame Projekte schmieden…

Gehört habe ich bspw. den Vortrag von Shelley Bernstein, Social Media Managerin des Brooklyn Museums, die – sehr enthusiastisch und mitreißend - über Community Aufbau und Partizipation im Brooklyn Museum sprach und dafür stürmischen Beifall erntete.

Wir haben nach der Konferenz einen Online-Bewertungs-Fragebogen ausgeschickt – unser Programm und die Angebote (Vorträge, Workshops, Diskussionen) wurden sehr gelobt.

Ihr habt dort auch Spieltz vorgestellt, richtig?

Wir hatten einen Stand in der Konferenzhalle, in dem wir unsere Spiele präsentierten und den Besuchern Idee und Geschäftsmodell erklärten.

Und unser Projekt „startspiel“ stellten wir im Rahmen eines Vortrags – mit Probespiel – vor.

Erzähl mal etwas mehr über Spieltz. Worum geht es dabei?

Wir sind „Community-Verlag“, Plattform und Marktplatz für Brettspiele - und zwar für besondere, individuelle Brettspiele. Das heißt: Nicht eine Handvoll Spieleautoren entwickelt unser Verlagsprogramm, sondern die Community.

Den Themen, Designs und der Größe der Spiele sind kaum Grenzen gesetzt, denn jeder kann bei uns einen eigenen Online-Shop eröffnen (kostenlos) und dort seine Brettspiel-Kreationen verkaufen. Die Rechte am Spiel bleiben beim Autor. Wir drucken die Spiele „on Demand“ auf LKW-Plane, als Einzelstück oder in einer Kleinauflage, auf Wunsch mit eigenen Fotos versehen.

Interessant ist das besonders für Autoren, die noch keinen bekannten Namen haben, (und es damit schwer haben, ihre Spiele in einem großen Verlag unterzubringen), und auch für jemanden, der ein Spiel zu einem Nischenthema entwerfen will – z.B. ein Museum/Theater für seinen Shop, womit wir wieder beim Thema Kultur wären.

Und natürlich für alle, die Produkte mögen, die nicht „von der Stange“ kommen.

Spieltz

Wir drucken „on Demand“, sobald eine Weiterlesen …

26Jan/09Off

Individualisierbare Produkte kommen immer stärker

Autor des Artikels: Matias Roskos

Die Individualisierung von Produkten für den Massenmarkt nennt man Mass Customization. Einer der Vorreiter dieses Trends war Spreadshirt aus Leipzig, denen man nicht genug danken kann, das die Jungs und Mädels um Lukasz Gadowski und Andreas Milles dieses Thema derartig gekonnt vorangetrieben haben. In den letzten 12 Monaten wurde immer deutlicher, das die Nachfrage, und damit auch der Markt, für individualisierbare Produkte immer stärker wächst. Die Menschen wollen es. Julie & Grace aus Hamburg erzielen extrem befriedigende Umsatzzahlen im Bereich Schmuckdesign. CROW'n'CROW, das ich mit meiner Agentur VOdA für den Bereich Kreativ-Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien betreue - siehe hierzu zum Beispiel das Bag-Race, das wir konzipiert haben und das gerade läuft - geht den Bereich Livestyle- und Trendprodukte aggressiv an. Und auch Mars hat sich nun an dieses spannende Thema herangewagt. Kompliment!

Auf My M&M's kann man sich seine Süßigkeiten individualisieren. Eine wunderbare Idee, die gerade zu Festtagen wie dem bevorstehenden Valentinstag, Ostern oder Weihnachten wunderbar funktioniert. Das hat Charme und ist gut gemacht. Hier ist eine große Marke endlich mal wieder mutig an einen innovationen Internetbaustein herangegangen. Ich bin mir sicher, das wir davon in der Zukunft noch viel mehr sehen werden.

Was mir aber noch ein wenig fehlt bei My M&M's ist die Anbindung an die relevanten Social Networks. Wenn man auf Facebook sucht, findet man eine ganze Menge. Das ist schon mal gut so. Und sicherlich ist Facebook zur Zeit das wichtigste Netzwerk will man mit seiner Marke Menschen im Internet erreichen.

M&M's auf Facebook

Aber auch die anderen Kanäle sollte man nicht vernachlässigen. Auf MySpace konnte ich zu meiner großen Überraschung nichts finden. Es gibt auch keinen Youtube-Channel und auch eine betreute Flickr-Gruppe konnte ich nicht entdecken. Auf StudiVZ ist man auch nicht aktiv. Es geht mir nicht darum, das man dort sinnlose Bannerwerbung schaltet (wobei dieses sicherlich noch sinnvoller wäre wie TV-Spots, die jeder Zweite wegzappt und die super teuer sind). Es geht darum dort in den Social Networks seine vorhandenen Fans zu erreichen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Fürs positive Marken-Image. Um enger am Konsumenten dran zu sein und so schnell zu erfahren, was er sich wünscht und wo die Reise hingehen kann.

M&M's auf Facebook

Das dies funktioniert, sieht man ja schon an den Facebook-Gruppen. Man muss nur permanent am Ball bleiben. Und genau darin liegt eines der großen Probleme. Man braucht nicht nur eine Marke bzw. ein Produkt, das viral im Netz funktioniert. Man muss zudem auch noch aktiv sein und Manpower einbringen, um Profile, Seiten, Channels zu pflegen und mit neuen Inhalten zu bedienen. Einen Teil davon nehmen die Fans, die Nutzer ab. Aber die wollen auch Antworten auf Fragen. Von der Marke, vom Unternehmen. Sie wollen kommunizieren. Es bringt nichts, einfach nur eine Seite ins Netz zu stellen, man muss dort auch aktiv sein, mit guten, engagierten Communitymanagern oder einer professionellen Agentur, die die Betreuung der Network-Seiten übernehmen kann.

Das dürfte der Grund sein, warum My M&M's noch nicht auf MySpace & Co. aktiv ist. Man braucht Manpower. Und die kostet Geld. Aber es wird in der Zukunft unumgänglich sein in dieses Segment, in Socialnetworkstrategien zu investieren. Zum einen in die technische Anbindung mittels Widgets, Applications, RSS-Feeds, einem Blog möglicherweise auch. Zum anderen aber auch in "human power".

M&M's hat den ersten Schritt getan. Viele andere haben sich noch nicht mal dieses getraut. Nun muss irgendwann auch Schritt 2 folgen. Auf der Webseite ist davon leider noch nichts zu sehen. Her mit

  • der MySpace-Seite die ich adden kann
  • das Widget für mein Blog
  • die Application für mein Facebook-Profil
  • den RSS-Feed zum Abonnieren von News, Gewinnspielen und mehr
  • dem Twitter-Channel, dem ich folgen kann

Macht bitte weiter so. Der eingeschlagene Weg ist genau der richtige. Mass Customization hat eine gewaltige Zukunft vor sich. Socialnetworkstrategien mit Herz und Verstand werden unumgänglich sein. Viel Erfolg.

12Dez/08Off

Bloß nicht zu mutig werden

Autor des Artikels: Matias Roskos

Marcel Weiss hat auf Netzwertig gerade einen Artikel veröffentlicht, den ich jedem nur ans Herz legen möchte. Dort geht es unter dem Titel "Von der Unfähigkeit zu lernen" über den Zusammenbruch der Verlage in den USA und vor allem auch darum, das fast die komplette Medienbranche weiter fröhlich vor sich hindöst und die Zeichen der Zeit einfach nicht erkennen will.

Die Unfähigkeit, einfachste Umstände zu lernen und zu akzeptieren, ist schon bei der Musikindustrie absolut bemerkenswert. Besonders wenn man bedenkt, von welchen Zeiträumen wir hier mittlerweile reden.

Es passt nicht in’s eigene Weltbild, deswegen kann und darf es nicht wahr sein.

Dass das Gleiche ebenfalls in der Printindustrie/Journalismusbranche der Fall ist, ist nach wie vor nur schwer nachzuvollziehen. Die Branche, deren Aufgabe es ist, die Welt zu verstehen und verständlich zu machen, versteht die eigene Situation nicht einmal ansatzweise. Und statt das zu ändern, verschließt man einfach die Augen

Vollkommen richtig. Die Medienwelt verändert sich. Und das atemberaubend schnell. Profitieren davon werden Projekte wie MySpace, Flickr, Facebook und Youtube, die sich völlig und komplett auf die Nutzer (und nicht auf sich selbst) ausgerichtet haben und den Takt vorgeben. Projekte wie Qype oder Zoomer sind löbliche Ausnahmen (ich hoffe, ihr haltet durch Leute!) und zielen genau in die richtige Richtung. Auch auf StudiVZ gibt es hier und da zaghafte Versuche Infotainment und Entertainment einzubinden. Das aber noch deutlich zu unmotiviert. StudiVZ oder auch die so dramatisch wachsenden Wer-kennt-wen sind so spannend und innovativ wie ein Opel aus dem Jahr 1998. Zumindest, wenn man es schafft über den eigenen Tellerrand zu schauen und es mit MySpace und Facebook vergleicht. Ich bin auf allen aktiv und langweile mich in den deutschen Social Networks zu Tode! Keine Widgets, keine Newsfeeds, keine Infos, was die anderen so tun, keine Tipps von den Freunden. Es ist, als würde es in Deutschland in Sachen Social Networks nur Kopfsteinpflaster-Straßen geben... Es holpert und ermüdet.

Auch für andere Branchen trifft dieses Szenario von einem gewaltigen Wandel zu. Ich denke da an die Fashion-Industrie und den Lifestyle-Sektor. Immer mehr Bekleidung wird von den Menschen nicht nur im Netz gekauft, sondern mittlerweile auch selbst gestaltet. Mass Customization, Social Commerce und Crowdsourcing heißen hier die Schlagwörter der Zukunft. Der Konsument wird zum Ideengeber und Mitproduzenten. Er wird zum absolut mündigen Käufer und Konsumenten.

"The third wave of mass customization is happening now: It is driven by companies like Ponoko, Zazzle, Spreadshirt, Lulu, Shapeways, and many others, which offer design, manufacturing, and retail capacity to everyone.

So in this third stage, people are not just customizing to fulfill their own needs, but to create (micro) niche markets and serve them efficiently. Here, I think, we are just at the beginning and will see many more application soon."

sagt Frank Piller in einem Interview (Danke an Exciting Commerce für den Link). Mehr von Frank Piller findet sich auf seiner Mass Customization-Seite.

Es ist nur eine Frage der Zeit bis Portale entstehen, wo die Leute sich ihre eigenen Getränke mixen und liefern lassen, sich mit Hilfe von zugeschalteten Experten eigene Möbel designen und liefern lassen und sich ihre Kleidung ausschließlich im Internet selbst entwerfen und dann Muster zum Anprobieren schicken lassen. Immer in Zusammenarbeit mit anderen, die sich mit dem jeweiligen Metier auskennen. Statt vor dem Fernseher zu sitzen gestalten viele sich ihre eigene Kleidung, den eigenen Schmuck, die eigene Wohnungseinrichtung über Online-Designer, zusammen mit Experten der Plattform. Vieles davon gibt es schon heute in ersten Ansätzen!

Die alte Welt ist passé. Wer es nicht wahrhaben will, wird zu den Verlieren zählen. Wer jedoch mutig ist und auf die Zukunft setzt, kann viel gewinnen.

[Nachtrag]
Sagte ich eigentlich schon, das man mit solchen Dingen - Mass Customization, Crowdsourcing - auch Geld verdienen kann in der Zukunft?
Ja - sagte ich schon. Ich sprach über die Erlösmodelle der Zukunft für Social Networks. Genau DORT sind sie.

5Okt/08Off

Video: Mass Customization

Autor des Artikels: Matias Roskos

Mass Customization ist ohne Frage einer DER Trends der kommenden Jahre. Hier mal ein Video, das hilft dieses Thema ein wenig greifbarer zu machen.