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3Nov/11Off

Social Media bald so selbstverständlich wie Telefonat oder Email – Charles Schmidt von der Krones AG im Interview

Autor des Artikels: Matias Roskos

Die Krones AG gilt als Vorreiter in Sachen Social Media Einsatz hier in Deutschland. Da das Unternehmen ausschließlich im B2B-Umfeld agiert aus meiner Sicht ein doppelt spannender Case. Darum bat ich einen der Verantwortlichen, Herrn Charles Schmidt, um ein sehr ausführliches Interview. Teile des Interviews werden auch in mein Buch einfließen, an dem ich gerade arbeite und das sich dem Thema "Mittelstand und Communities" annehmen wird. Hier ist das Interview mit Charles Schmidt:

Charles Schmidt / Krones AGHerr Schmidt, ich bedanke mich erst einmal, dass Sie sich die Zeit nehmen für dieses Interview.

Gerne! Kommunikation gehört ja schließlich auch zu meinen Aufgaben.

Sie sind bei der Krones AG, einem Konzern mit über 11.000 Mitarbeitern, davon etwa 8.000 allein in Deutschland, verantwortlich für die Kommunikation. Ist das richtig?

Das stimmt so nicht ganz. Lassen Sie mich das etwas einordnen. Die Krones AG beschäftigt weltweit in der Tat über 11.000 Menschen. Innerhalb der Unternehmenskommunikation bin ich als Teammanager Creations tätig. Ich bin verantwortlich für 17 Mitarbeiter. Gemeinsam mit meinem Team werden Filme produziert, Broschüren erstellt, Fotos gemacht, Artikel geschrieben, Messeauftritte organisiert, Kampagnen geplant und viele weitere spannende Sachen.

Hinzu kommt der Bereich Social Media. Hier bin ich als Corporate Social Media Officer tätig und verstehe mich als zentraler Ansprechpartner im Unternehmen. Ich leiste diesbezüglich Aufklärungs- und Koordinationsarbeit im Konzern und verantworte natürlich auch die Kommunikation der Krones AG im Social Web.

Was bedeutet das konkret? Gibt es parallel auch noch eine PR-Abteilung? Und dazu Marketing und eine Pressestelle?

Parallel zum Bereich Social Media sind selbstverständlich auch die „klassische“ PR und unsere Pressestelle innerhalb der Unternehmenskommunikation angesiedelt. Wir verstehen Social Media als ein zusätzliches Instrument in unserer Kommunikationsstrategie, welches andere Kommunikationsmittel bündelt und auch ergänzt. Dank unserer breit aufgestellten Kommunikationsabteilung, können wir so auf einen reichen Fundus an Inhalten aus den verschiedensten Bereichen zurückgreifen.

Warum wurde Social Media bei Krones der Kommunikation zugeordnet? Oft ist es dem Marketing unterstellt.

Hier muss man differenzieren. Die Aufgaben von Kommunikations- und Marketingabteilung sind je nach Unternehmen unterschiedlich strukturiert. Wir sind ja im Maschinen- und Anlagenbau unterwegs. Unser Marketing arbeitet mehr in Richtung Marktforschung. Es geht um Tendenzen und Marktbeobachtungen. Auch Bedürfnisse und Trends wie beispielsweise hinsichtlich der Getränkenachfrage in verschiedenen Ländern werden da untersucht. Die Schwerpunkte bei der Kommunikationsabteilung sind wieder anders gesetzt. Wir übernehmen hier eine Filterfunktion, bündeln Informationen und kommunizieren diese je nach Bedarf intern wie extern weiter. Daher ist Social Media als Kommunikationsweg und Medium auch in die Unternehmenskommunikation integriert. Außerdem verfügen wir hier auch über den notwendigen Content wie beispielsweise Fotos, Texte und Filme. Letztendlich gehen aber all unsere Tätigkeiten in der Unternehmenskommunikation Hand in Hand mit allen Abteilungen. Nur gemeinsam sind wir Krones.

Was genau macht die Krones AG eigentlich? Sie bewegen sich ausschließlich im B2B-Umfeld?

Die Krones AG plant, entwickelt und fertigt Maschinen und komplette Anlagen für die Bereiche Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik sowie Intralogistik. Zu unseren Kunden zählen Unternehmen aus der Getränkeindustrie, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie aus den Bereichen Chemie, Pharmazeutik und Kosmetik. Damit bewegen wir uns in der Tat ausschließlich im B2B Umfeld.

Social Media bald so selbstverständlich sein wie Telefonat und Email

Und warum ist dann Social Media so spannend? Ich kenne eine eher ablehnende Haltung aus zahlreichen Konferenzen, wo mir Manager immer wieder sagen „Ach, wir sind im B2B unterwegs. Da ist Social Media nicht wichtig.“ Was waren und sind die Ziele der Krones AG beim Social Media Engagement?

Das Ziel, das wir in den Sozialen Medien verfolgen, ist schnell erklärt: Ein offener und ehrlicher Dialog – und zwar dort, wo sich unsere Kunden, Interessenten und (potentiellen) Mitarbeiter bewegen und auch „wohlfühlen“ – sei es auf einer klassischen Website, einer Fachmesse oder eben in Social Media. Das gilt selbstverständlich für B2B-Unternehmen genauso wie auch im B2C-Bereich, schließlich hat man es in beiden Bereichen mit Menschen zu tun – und diesen sollte man auf kommunikative Weise Wertschätzung entgegenbringen. Social Media ist dabei nur ein Kommunikationsmittel unter vielen, genauso wie auch die „klassische“ Website oder unser Kundenmagazin. Die Frage nach der Relevanz oder der Wichtigkeit von Social Media stellt sich somit für uns nicht, denn diese neue Form der Kommunikation wird meiner Meinung nach bald so selbstverständlich sein wie ein Telefonat oder eine Email.

Sie sprachen das Thema "potentielle Mitarbeiter", also Recruiting an. Ist da Krones so schlecht aufgestellt? Und gibt es bereits konkrete Erfolgsbeispiele?

Natürlich steht auch die Krones AG mit anderen Unternehmen im Wettbewerb, besonders wenn es um die Fachkräfte von morgen geht. Social Media bietet hier für uns eine fantastische Möglichkeit, um uns als attraktive Arbeitgebermarke zu positionieren. Von unseren rund 10.000 Fans auf Facebook entfällt bestimmt ein Drittel auf Krones Mitarbeiter. Diese bekennen sich nicht nur offen zur Krones AG als Arbeitgeber, sondern beteiligen sich auch an Diskussionen, „liken“ unsere Beiträge und teilen ihre Erfahrungen mit anderen Usern. Könnte man sich bessere Markenbotschafter vorstellen, als die eigenen, zufriedenen Mitarbeiter? Unser Recruiting in Social Media geht also weit über das reine Einstellen von Stellenangeboten hinaus. Im Dialog mit Bewerbern und Mitarbeitern geben wir uns authentisch und erhalten deshalb auch regelmäßig Bewerbungen über die verschiedenen Plattformen auf denen wir vertreten sind. Als konkretes Erfolgsbeispiel ließe sich wohl auch unser sechster Platz im Ranking der deutschsprachigen Facebook-Karriereseiten anführen – für ein Unternehmen aus dem B2B Bereich sicher nicht schlecht.

Wird Kommunikation im Social Web bei Krones separat angegangen oder integriert in die gesamte Kommunikationsstrategie?

Wir verfolgen bei Krones eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie. Das beinhaltet neben Social Media selbstverständlich auch „klassische“ Kommunikationsmittel wie unser Kundenmagazin (das bei unseren Kunden ein besonders hohes Ansehen genießt), unsere Corporate Website und natürlich auch unsere Messeauftritte. In Social Media begleiten und bündeln wir alle diese Kommunikationsmaßnahmen und erhöhen so deren Reichweite. Als Paradebeispiel für diesen ganzheitlichen Ansatz ist wohl unsere Website magazine.krones.com zu nennen. Hier veröffentlichen wir besonders interessante Inhalte aus dem Kundenmagazin, begleiten unsere Auftritte auf Fachmessen multimedial und bieten mit einem „Social Media Newsroom“ auch jenen Interessenten, die selbst nicht auf Facebook & Co. aktiv sind, einen Einblick in unsere Aktivitäten im Social Web.

Krones Magazin

Es gibt auch eine Xing-Seite der Krones AG. Wie sehen Ihre Erfahrungen damit aus im Vergleich zu Facebook, Twitter, Flickr und Youtube?

Was uns hier zunächst sehr freut, ist Weiterlesen …