Interview mit dem Geschäftsführer von Hamburg.de über Städte-Facebook-Seiten: “Wer gegen seine eigenen Kunden vorgeht, hat bald keine mehr.”
Autor des Artikels: Matias RoskosEinleitung: Georg Konjovic ist Geschäftsführer von Hamburg.de. Als Reaktion auf den Innsbruck-Fall auf Facebook, den ich hier ausführlich beschrieben habe, berichtete er in den Kommentaren, dass es auch anders geht und nahm die Kollegen aus Wien etwas in Schutz. Darum habe ich ihn um ein kurzes Interview gebeten, um zu zeigen, dass Kommunikation statt Löschen der richtige Weg sein sollte. In Hamburg hat man vorgemacht, wie es geht.
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Vielen Dank Herr Konjovic, dass sie sich so kurzfristig für ein Interview zur Verfügung gestellt haben! Erzählen sie kurz etwas über sich. Seit wann sind sie Geschäftsführer von Hamburg.de? Und wer ist damit ihr Arbeitgeber? Die Stadt Hamburg? Die Tourismusbehörde?
Ich bin seit Juli 2007 Geschäftsführer der hamburg.de GmbH und Co. KG, einem Gemeinschaftsunternehmen von Axel Springer, der Freien und Hansestadt Hamburg, der HSH Nordbank, der Haspa sowie der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Unser Auftrag ist es ein unabhängiges Angebot für Hamburger und Touristen zu betreiben, das sich finanziell selbst trägt, wobei das Stadtportal hamburg.de mit rund 35 Mio. Page Impression im Monat bei etwa 3 Mio. Visits unser Haupttätigkeitsfeld darstellt.
Wann haben sie für Hamburg.de eine Facebook-Seite eingerichtet? Und wieviele Fans konnten darauf gewonnen werden?
Wir haben keine Fanpage für „hamburg.de“ eingerichtet, sondern zunächst einen Useraccount namens hamburg.de eröffnet. Dies verstieß nicht nur gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook, sondern gefiel uns auch aus Datenschutzgründen überhaupt nicht. Wir wollten als Unternehmen nicht Einsicht haben in private Details von „Freunden“. Wir waren schon zu so einem frühen Zeitpunkt Mitglied bei Facebook als es die Möglichkeiten der Fanpages noch nicht gab, daher der Umweg über den Account.
Sie entdeckten dann andere Hamburg-Seiten auf Facebook? Wer waren die Betreiber? Inhaltlich lagen sie dicht an ihrem Angebot? Wieviele Fans hatten diese Seiten in etwa?
Es gab Ende 2009 etwa 6-7 Fanpages mit Weiterlesen …
Eintauchen ins Social Web zur morgendlichen Tasse Kaffee – Interview mit der Kurdirektorin von Oberstaufen
Autor des Artikels: Matias RoskosSehr geehrte Frau Keybach. Vor wenigen Wochen hatte ich Bernhard Lingg und Benjamin Buhl über die Marketing-Aktion „Du bist Oberstaufen“ und über die vielfältigen Social Media Aktivitäten von Oberstaufen interviewt. Heute ein paar Fragen an sie, als letztendlich Hauptverantwortliche für das Marketing von Oberstaufen.
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Das offensive Online-Marketing der Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH hat in den vergangenen Jahren für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Zumindest in der deutschen Web 2.0 Szene. Hatten sie damit von Anfang an gerechnet?
Nein. Wir waren eine der ersten touristischen Destinationen, die sich ins Web 2.0 vor gewagt hat. Anfangs stellte ich mir schon die Frage der Notwendigkeit und der Zielgruppen-Affinität. Der größte Teil unserer Gäste ist über 50 Jahre alt. Vor 15 Monaten war es nicht vorhersehbar, dass genau diese Altersgruppe zwischenzeitlich das Web 2.0 für sich entdeckt hat und es teilweise leidenschaftlicher nutzt als manch ein "Digital Native". Auch bewegt sich unsere Zielgruppe tendenziell in die mittleren und höheren Einkommensschichten. Es stand die Frage im Raum, ob vielbeschäftigte Manager überhaupt die Zeit für facebook und Co haben und damit über dieses neue Marketing-Instrument erreicht werden können.
Dank und durch Benjamin Buhl konnten wir frühzeitig Erfahrungen sammeln, unsere Präsenz und spezielle Aktionen optimieren und haben nun sicher einen beachtlichen Vorsprung gegenüber vielen anderen Tourismusorten/-regionen. Auf diesen Vorsprung sind jetzt wahrscheinlich mehr Oberstaufener stolz als damals offen waren für das Web 2.0.
So viele wie möglich mit zu nehmen
Wie lange hat Herr Buhl gebraucht, um sie von einer so offensiven Social Media Strategie zu überzeugen?
Herr Buhl hat mich nicht überzeugt, er hat mich überfallen. Wie bei vielen anderen neuen Themen ist es wichtig, die Menschen zu sensibilisieren, Ihnen Zeit zu geben, sich mit der neuen Materie zu befassen und dann zu entscheiden, ob man sich damit anfreunden oder gar identifizieren kann - bzw. in meinem Fall für entsprechenden Verantwortungsbereich einen Sinn erkennt. Unsere offensive Social Media Strategie musste sich entwickeln.
Als "Kurdirektor" hat man immer das große Ganze im Blick und das ist in unserer Branche sehr komplex. Die zahlreichen Anspruchsgruppen, vom Gast über den Gastgeber, die einheimische Bevölkerung, die politischen Entscheidungsgremien bis hin zum Friseur und zum Bäcker. Alle sind am Tourismus beteiligt und alle kennen sich im Tourismus aus, denn jeder war schon mal im Urlaub. Es ist sehr wichtig, im Rahmen von Revolutionen wie diesen so viele wie möglich "mit zu nehmen".
Kannten sie Social Media schon vorher?
Ich hatte bereits ein Facebook-Profil, als Herr Buhl noch im Fahrschul-Unterricht saß. ;-) Damals gab es die Plattform noch ausschließlich in der englischen Version. Ich war vor einigen Jahren als Au Pair in Kanada und blieb über Facebook mit den dortigen Bekannten und Freunden in Kontakt. Damals war es allerdings ein rein persönliches Interesse meinerseits.
Im Social Web gibt es keine Geschäftszeiten
Nutzen sie selbst Social Media Plattformen?
Natürlich. Als @kurdirektor von Oberstaufen - DEM Social Media Tourismusort - ist Twitter, Facebook, Youtube, Holidaycheck usw. nicht nur ein Weiterlesen …
Miguel Helfrich, der Erfinder hinter Tchibo-ideas, im Interview: Crowdsourcing-Konzepte entfalten ihre ganze Wirkung, wenn sie in die Marketingaktivitäten integriert sind
Autor des Artikels: Matias Roskos
Ich traf Miguel Helfrich Mitte Februar in einem Restaurant in Berlin, um über das Thema Crowdsourcing zu plaudern und zu hören, was ihn dazu veranlasst hat Tchibo zu verlassen und nach Berlin über zu siedeln. Heraus kam dabei dieses Interview.
Miguel Helfrich ist der Gründer von Tchibo-ideas, einem Startup aus dem Hause Tchibo. Bevor er als Head of Marketing Development Consumer Goods dieses Crowdsourcing-Projekt an den Start brachte, leitete er die Innovationsabteilung Non Food bei Tchibo.
Herr Helfrich, Tchibo-ideas ging im Sommer 2008 an den Start und stieß auf große Resonanz in der deutschen Internet-Landschaft. Hatten sie damit gerechnet?
Tchibo-ideas ist ein sehr neuartiges Konzept. Wir haben vermutet, dass wenn gerade Tchibo mit einem solchen offenen Ideenportal kommt, es eine entsprechende Resonanz geben würde. Dass dann soviel darüber berichtet wurde, hat uns sehr gefreut.
Wie lange hat es gedauert von der ersten Idee bis zum Launch des Portals?
Die Grundidee entstand im Herbst 2006. Bis diese dann genauer ausgearbeitet war, verging aber ein wenig Zeit. Damals wurde ein sehr kleines Team mit der Konzeption und Umsetzung dieser Idee betraut. Das hat sich als vorteilhaft herausgestellt, denn durch die kurzen Entscheidungswege ging die Ausarbeitung der Konzeption sehr schnell voran. Trotzdem gab es natürlich eine Vielzahl von Punkten, die zu berücksichtigen und zu klären waren. Neben der Kommunikation und Darstellung nach draußen mussten auch intern die Voraussetzungen geschaffen werden. Nach wenigen Monaten waren wir aber dann so weit, dass wir den Gang nach draußen gewagt haben.
Wie kam es zu dieser Idee? Von einer Brand wie Tchibo hätte ich diesen mutigen Schritt ehrlich gesagt nicht erwartet. Wurde die Idee vom Management angeregt oder wurde sie in ihrem Team geboren?
Tchibo möchte seine Kunden ständig durch neue Ideen begeistern. Meine Aufgabe war es, auch außerhalb der normalen Denkpfade nach neuen Wegen zu suchen und das Management und die Organisation davon zu überzeugen diese Wege zu gehen. Bei dem damaligen Management fiel das Konzept von Tchibo-ideas auf fruchtbaren Boden und ich habe schnell große Unterstützung und die nötigen Freiheiten bekommen, um Tchibo-ideas umzusetzen.
Immer mehr Unternehmen hinterfragen die Einsatzmöglichkeiten von Crowdsourcing, Open Innovation und Co-Creation. Ist das aus ihrer Sicht nur ein kurzer Hype oder steckt darin langfristiges Potential?
Der Grundgedanke von Tchibo-ideas war es, sich als Unternehmen zu öffnen, ganz bewusst auch viele Freiheiten zulassen. Durch dieses auf Crowdsourcing-Mechanismen basierende Portal hat Tchibo die Möglichkeit eine andere Form der Kommunikation zu den Menschen und zu den Kunden aufzubauen. Die Menschen werden bei der Produktentstehung direkt beteiligt. Die Produktmanager denken sich nicht an ihren Schreibtischen neue Angebote aus, sondern die Kunden wirken aktiv mit bei der Produktentwicklung.
Zwischen den Unternehmen und seinen Kunden entsteht so im Laufe der Zeit eine Beziehung, die eine ganz andere Qualität erhält. Ich bin der festen Überzeugung, dass vielen Menschen das einseitige Konsumieren von Produkten nicht mehr ausreicht. Die Konsumenten sind besser informiert, selbstbestimmter und selbstbewusster. Und sie wollen mitmachen. Man muss ihnen nur faire und geeignete Möglichkeiten dafür bieten.
Um schnell und günstig an neue Ideen heranzukommen ist Crowdsourcing nicht geeignet. Crowdsourcing, oder wie man es auch immer nennen möchte, ist in meinen Augen eine Chance eine enge Beziehung zwischen den Unternehmen und seinen Kunden aufzubauen. Die Menschen wirken direkt an den Produkten mit. Dadurch kann eine viel stärkere Identifikation mit dem Unternehmen entstehen. Am Anfang steht die Kundenbindung. Am Ende kann aus dieser Kundenbindung eine stabile Kundenloyalität werden. Es gibt eine Vielzahl von Indizien die anzeigen, dass wir erst am Anfang dieser Entwicklung stehen.
Gibt es spezifische Voraussetzungen in den Unternehmen, die erfüllt werden müssen, um Crowdsourcing-Konzepte umzusetzen?
Von Vorteil ist es sicherlich wenn in den Unternehmenswerten die Kunden und nicht die Eigenkapitalgeber an erster Stelle stehen. Damit wird die Basis für langfristigen Handel geschaffen. Voraussetzung ist es aber auch, sich auf diese andersartige Austauschbeziehung einzulassen und gegenüber den Menschen fair und ehrlich zu sein. Schließlich geht es darum für alle Beteiligten eine echte Win-win-Situation zu schaffen.
Unternehmen müssen auch lernen, mit Kritik anders umzugehen. Das erfordert bei vielen Managern ein verändertes Selbstverständnis. Die Manager werden zu Moderatoren in einem Innovationsprozess. Kommunikation steht an erster Stelle. Und Crowdsourcing bietet hierfür ideale Mechanismen.
Sie konnten mit Tchibo-ideas viel praktische Erfahrungen sammeln was den Communityaufbau unter Einsatz von Crowdsourcing-Mechanismen anbelangt. Für welche Marken und welche Segmente ist der Einsatz von Crowdsourcing aus ihrer Sicht spannend?
Ich meine, das Wichtigste beim Aufbau einer Community ist die Qualität. Zu Beginn ist man versucht nur auf die Anzahl der Mitglieder zu schauen. Sicher ist es wichtig viele Menschen anzusprechen. Eine Community lebt aber davon, dass die Menschen mitmachen. Karteileichen nutzen nur der Statistik. Schließlich muss man einer Community auch Zeit lassen, sich zu entwickeln. Es geht immerhin um den Aufbau von sozialen Strukturen. Das geht nicht von heute auf morgen.
Crowdsourcing-Konzete können für viele Unternehmen und Organisationen sinnvoll sein. Besonders dann, wenn sie ein Produkt oder Leistungen anbieten, zu denen die Menschen eine starke emotionale Beziehung aufbauen können. Die Spanne reicht hier von Gesundheit und Ernährung, über Wohnen und Kinder bis zu Autos, Urlaub und Finanzen. Schwieriger wird es bei eher weniger emotionalen Produkten und Dienstleistungen.
Meiner Meinung nach kann und sollte Crowdsourcing nicht allein der Ideenfindung und der visuellen Gestaltung von Aufgaben dienen. Als Instrument der Kundenbindung und gleichzeitig als Baustein im Marketingmix ist es mindestens genauso spannend. Haben sie diese Erfahrungen bei Tchibo-ideas auch sammeln können?
Die klassische Markenkommunikation hat sich in vielerlei Hinsicht überlebt. Viele Menschen empfinden diese weder unterhaltsam noch informativ. Sie ist zu laut, optisch aufdringlich und oft überdosiert. Der Dialog zwischen Verbrauchern und den Marken kann heute erheblich effizienter stattfinden.
Zwischen Online und Offline Präsenz des Unternehmens sollte es eine enge Verbindung geben. Crowdsourcing-Konzepte entfalten ihre ganze Wirkung, wenn sie in die Marketingaktivitäten integriert sind. Der Verbraucher kann über die Crowdsourcing-Aktivitäten mit Informationen versorgt werden. Bei Tchibo-ideas wird z.B. der Ideengeber eines Produkts in die Vermarktung integriert. Vom Ideengeber kommen, wenn er damit einverstanden ist, Name und Foto auf die Verpackung. Tchibo stellt damit den Urheber der Idee auf die Bühne.
Sie sind vor kurzem von Hamburg nach Berlin gezogen. Gibt es schon Pläne wie es weitergeht bei ihnen? Projekte, die in Planung sind?
Das Thema Crowdsourcing fasziniert und begeistert mich. Es geht um eine neue Form und komplett neue Wege der Ideenfindung und gleichzeitig um Kundenbindung. Wir befinden uns hier noch am Anfang dessen was möglich ist. Auch in der Zukunft werde ich mich intensiv mit diesem Bereich beschäftigen.
Ich bedanke mich für dieses Gespräch und würde es gern demnächst vertiefen.








