SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

30Jul/12Off

Auch als B2B-Anbieter die eigene Zielgruppe im Blick – ein Interview mit der Spielwarenmesse Nürnberg

Autor des Artikels: Matias Roskos

Seit geraumer Zeit hat die wichtigste Messe für Spielwaren weltweit, die Spielwarenmesse Nürnberg, das Social Web für sich entdeckt. Gerade auch, weil die Spielwarenmesse eine reine Fachmesse ist und so nun auf den B2B-Markt abzielt, finde ich das super spannend. Nun konnte ich Michael Hubl, den Marketing Manager Online Communication Spielwarenmesse eG, für ein Interview gewinnen.

Guten Tag Herr Hubl. Vielen Dank für die Zeit für dieses Interview. Sie sind für die Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg verantwortlich für das Digital Marketing. Seit wann ist denn die Spielwarenmesse im Social Web aktiv? Welche Bausteine gehören dazu?

Michael HublWir beobachten die Entwicklungen im Social Web schon seit einigen Jahren. 2009 haben wir einen ersten Vorstoß mit Twitter und einer eigenen Branchen-Community gewagt. Seitdem sind weitere Kanäle wie Facebook und YouTube hinzugekommen. Wichtig war für uns zunächst, ein Verständnis für unsere Kunden zu entwickeln: Wo sind sie aktiv? Was erwarten sie? Und wie kann Social Media für uns als Fachmesse funktionieren? Auf dieser Basis haben wir eine ganzheitliche Strategie entwickelt und jeden Kanal mit einer klaren Zielsetzung und Ausrichtung versehen.

Hinter jedem B2B-Kunden steckt ein Mensch

Die Spielwarenmesse ist eine reine B2B-Messe. Nur Fachbesucher haben jedes Jahr im Februar Zutritt zur Messe. Und trotzdem macht Social Media Sinn für Sie? Viele B2B-Mittelständler sagen ja noch immer: "Das ist nix für mich, dieses Social Web."

Im Social Web treffen sich Menschen - und hinter jedem B2B-Kunden steckt letztlich ein Mensch. Natürlich funktionieren Geschäfte im B2B-Bereich anders als im B2C-Bereich. Und dementsprechend sind auch die Anforderungen an Kommunikationskanäle im Web unterschiedlich. Es geht nicht um schnelle Kaufentscheidungen; viel entscheidender ist es, Vertrauen aufzubauen und dem Kunden eine direkte und persönliche Kommunikation zu bieten. Über Facebook, Twitter und Co. rücken wir als Unternehmen näher mit unseren Kunden zusammen.

Wie alt ist die Messe eigentlich? Welchen Stellenwert nimmt die Nürnberger Spielwarenmesse weltweit ein?

Die Spielwarenmesse zählt mittlerweile zu den Silver Surfern (lacht, Anm. d. R.). Im kommenden Jahr feiert sie ihr 64. Jubiläum, ist aber so lebendig wie kaum eine andere Messe. Sie ist die weltweite Nummer 1, weit vor den Veranstaltungen in Hongkong und New York. Jedes Jahr kommen 2.700 Aussteller und über 76.000 Besucher aus 120 Ländern nach Nürnberg, um neue Produkte zu präsentieren und Spielwaren hautnah zu erleben.

Wie groß ist das Social Media Team? Und wer pflegt die einzelnen Bausteine? Geschieht dies intern oder mit externen Partnern?

Das Online Marketing Team der Spielwarenmesse eG besteht aus Weiterlesen …

16Mai/12Off

Mittelständler im Social Web – Aktionen mit nachhaltiger Wirkung – LED Lenser im Interview

Autor des Artikels: Matias Roskos

Die Marke "LED LENSER" aus dem Hause "Zweibrüder Optoelectronics" ist schon seit längerem sehr aktiv im Social Web. Für mein demnächst erscheinendes Buch "Social Media Communities" habe ich mit Herrn Ingo Dieners von der Zweibrüder Optoelectronics GmbH, ein ausführliches Interview zu den Social Media Aktivitäten des Unternehmens geführt. Herr Dieners ist Teil eines dreiköpfigen Teams, das Social Media Kampagnen für die hauseigene Marke LED Lenser entwickelt. Sicherlich ein spannender Case, gerade auch für Unternehmen des Mittelstandes.

Das Interview wurde im Dezember 2011 geführt.

LED Lenser ist sehr aktiv im Social Web. Seit wann sind Sie in den sozialen Medien präsent und welches sind die einzelnen Bausteine?

Wir haben im Februar 2009 mit dem LED LENSER Forum begonnen, um für die Rückmeldungen unserer Kunden einen Kanal zu schaffen. Kurze Zeit später startete die erste Bloggerkampagne. Ende 2009 kam die Facebookpräsenz von LED Lenser und ein Twitteraccount dazu.

Sie sind ein mittelständisches Unternehmen, richtig? Wie aufwendig ist die Arbeit im Social Web für Sie? Wie groß ist das Social Media Team? Arbeiten Sie mit externen Partnern zusammen?

Ja, wir sind ein mittelständisches Unternehmen. Die Arbeit, die durch die Social Media Aktivitäten entsteht, hängt stark von der Art unserer Aktivität ab. Eine Bloggerkampagne ist beispielsweise aufwändiger als ein Gewinnspiel bei Facebook. Obwohl wir hier auch mit einer externen Agentur zusammenarbeiten, nimmt die Betreuung der Blogger (Nachfragen, Versandprobleme bei den Testmustern etc.) recht viel Zeit ein.

Bei der Entwicklung von Kampagnen, Gewinnspielen oder Forumstests arbeiten wir mit einem Team von bis zu vier Personen zusammen und bündeln unsere Ideen. Die tägliche Pflege des Forums und der Facebookpräsenz nimmt außerhalb der arbeitsintensiven Kampagnen und Gewinnspiele ca. ein bis zwei Stunden pro Tag in Anspruch.

Facebook und Blogs als Marktforschungsinstrument für den Mittelstand

Wie gut passt Social Media in die Kommunikationsstrategie bzw. in die Marketing-Strategie von LED Lenser?

Zweibrüder Optoelectronics steht für Innovation, frische Ideen und Flexibilität. Wir haben schon vor dem Web 2.0 auf die Rückmeldungen unserer Kunden großen Wert gelegt und diese, soweit möglich, aufgegriffen und bei Revisionen bzw. Neuheiten berücksichtigt. Die Möglichkeiten, die durch die sozialen Medien eröffnet werden zu erkunden und zu nutzen, ist da nur eine logische Konsequenz. Facebook und Blogs sind wichtige Medien, um die Bedürfnisse unserer Kunden besser kennenzulernen und zu beobachten, wie die Produkte bei unseren Kunden ankommen. Somit können diese Kanäle gut als Marktforschungsinstrument genutzt werden.

Im Herbst 2011 haben Sie eine Blog-Kampagne gestartet und Blogger zum Testen der LED Lenser Lampen eingeladen. Wie gut kam diese Aktion bei den Bloggern an? Wieviele Blogs waren eingebunden? Und wie zufrieden sind Sie mit dieser Aktion?

Wir haben bislang ca. 10 Kampagnen abgeschlossen, bei denen insgesamt zu 15 Produkten Bloggertests durchgeführt wurden. Während es in den ersten Kampagnen eher um Testberichte ging, haben wir die späteren Kampagnen immer mehr um kreative Aspekte bzw. um soziale Aktivitäten erweitert. So gab es beispielsweise Kampagnen „LED LENSER fördert den Umweltschutz“ oder „LED LENSER fördert Bildung und Wissenschaft“. Bei diesen Aktionen wurde ein hochwertiges Produkt durch die Blogger an entsprechende Aktivisten bzw. Institutionen verschenkt. Pro Kampagne waren zwischen 50 und 250 Blogger beteiligt.

Diese Aktivität hatte eine nachhaltige Wirkung. Der Bekanntheitsgrad der Marke LED LENSER in der Szene hat sich massiv erhöht, das Image der Marke LED LENSER wurde gestärkt bzw. geprägt und die Besucherzahlen auf der Webseite haben sich durch die Aktionen nahezu verdoppelt. Insofern kann man sagen, dass wir zufrieden sind.

300 Videos im Rahmen von Blog-Kampagnen entstanden

Gibt es konkrete Zahlen zu den Blog-Aktionen?

Während den laufenden Bloggeraktionen, hat sich Weiterlesen …

23Apr/12Off

Bestes Crowdsourcing made in Germany: unserAller.de – Catharina van Delden im Interview

Autor des Artikels: Matias Roskos

unserAller.de gehört für mich zweifelsohne zu den spannendsten Internetprojekten in Deutschland (Ich berichtete im November darüber.) Das innosabi-Team, dass hinter unserAller steckt, hat verstanden worauf es ankommt bei gutem, erfolgreichen Crowdsourcing. Darum freue ich mich, dass Catharina van Delden, Geschäftsführerin von innosabi, mir für dieses Interview Rede und Antwort gestanden hat. 

Catharina van Delden von unserAller.deHallo Catharina. Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie läuft es bei unserAller? Wieviele Projekte sind aktuell am Start?

Vorab erst einmal Danke für die Einladung. Es macht immer wieder Spaß, sich mit Dir auszutauschen! Ich bin mit der aktuellen Entwicklung von unserAller sehr zufrieden. Wir konnten uns nach nun gerade einmal eineinhalb Jahre nach dem Launch als führender Player im Bereich „Produktentwicklung durch Konsumenten“ in Deutschland positionieren! Aktuell kannst Du bei ca. 80 verschiedenen Crowdsourcing-Projekten auf unserAller.de teilnehmen – da ist von Pferdefutter über Schmuck bis hin zu Schwimmbadausstattung einfach alles dabei.

Worum geht es bei unserAller? Wie setzt Ihr die Idee von Crowdsourcing um?

Bei uns können Konsumenten mit bestimmen, wie die Produkte von morgen aussehen, heißen, schmecken oder funktionieren sollen. Und Unternehmen finden heraus, was sich ihre Kunden wünschen und welche Produkte am Markt möglicherweise noch fehlen. Mit unserer Software können in diesem spannenden Dialog Crowdsourcing-Projekte effizient abgewickelt werden. Dabei kommt es darauf an, die richtigen Teilnehmer zu erreichen und zu wirklich umsetzbaren Ergebnissen zu kommen.

Die jeweiligen Projektseiten auf unserer Plattform mit angeschlossener Community können auch als Appikation in Facebook-Fanpages oder als Overlay in Webseiten integriert werden.

Aktuell nutzen viele unserer Partner-Unternehmen unserAller auch zur Kommunikation rund um ihr Angebot: Dabei geht es beispielsweise um Namen oder Aussehen für neue Produkte, Wünsche für Bonusprogramme oder Ergänzungen des bestehenden Angebots. EineBand beispielsweise möchte auf diese Weise sogar ihr Repertoire nach den Wünschen ihrer „echten“ Fans erweitern.

unserAller.de

Wie kam es dazu, eine Crowdsourcing-Plattform mit dieser doch sehr komplexen Kernstruktur am Markt zu platzieren?

innosabi kommt ursprünglich aus der Produktentwicklung. In dieser Zeit kamen wir oft an einen entscheidenden Punkt: Immer dann, wenn wir Weiterlesen …

13Dez/11Off

Menschen kaufen gern bei Menschen – Kirstin Walter im Interview – ein Social Media Beispiel für KMU

Autor des Artikels: Matias Roskos

Kirstin WalterKirstin Walter von der Kelterei Walter wollte ich schon lange mal interviewen. Weil sie so viel richtig macht im Social Web. Und damit schon so einiges erreicht hat für ihr mittelständisches Unternehmen. Damit ist sie Vorbild für so viele andere KMU. Im Rahmen meiner Recherchen für mein Buch über Communities und KMU führt kein Weg vorbei an Walters Säfte. Und Kirstin Walter nahm sich viel Zeit und beantwortete meine Fragen geduldig und ausführlich. Dafür ein ganz dickes Dankeschön!

Hallo Kirstin,
vielen Dank, dass Du einem Interview zugestimmt hast und mir und meinen Lesern ein wenig Auskunft gibst über die Social Media Arbeit der Kelterei Walther.

Seit wann bist du im Social Web aktiv? Und womit begann es?

Alles begann im Januar 2006 mit unserem Saftblog. 2007 folgte Twitter und seit 2009/2010 versuchen wir auch über eine Facebookseite mit Gott und der Welt zu kommunizieren. Ja und seit kurzem probiert man sich natürlich auch bei Google+.

Und was ist für dich heute der wichtigste Online-Kanal?

Die Kanäle sind eigentlich gleich wichtig, weil überall unsere Fans und Kunden sind. Wenn dann würde ich nur danach unterscheiden, welcher Kanal mehr Spaß macht oder einfacher zu handeln ist. Bei mir ist es so, dass mir nach wie vor Twitter am meisten Freude macht. Und ich glaube, das ist deswegen so, weil ich dort quasi nur eine Identität habe – mich aka Safttante. Nicht getrennt in Firma und Person so wie zum Beispiel bei Facebook. Das fällt mir nach wie vor schwer diesbezüglich zu trennen.

Ich schreibe gerade an einem Buch für den Mittelstand und die Arbeit mit Communities. Wo befindet sich die Community Walther's Säfte? Auf Facebook? Auf Twitter? Auf mehreren Plattformen parallel? Oder gibt es „die Community“ vielleicht gar nicht?

Hmm Community… Das ist so ein Wort was ich nie verwende. Wie oben schon gesagt, sind Fans und Kunden überall, weil wahrscheinlich jeder eben einen anderen oder mehrere Kanäle bevorzugt. Und ich für meinen Teil versuche halt dort zu sein, wo die Leute sind.

Wie findet Monitoring bei euch statt? Mit Hilfe von Software? Oder eher der tägliche persönliche Check, wo über eure Produkte gesprochen wird?

Eher der tägliche persönliche Check mit einfachsten Hilfsmitteln, die man als „normaler Mensch“ eben so verwendet. Google Alerts, Twittersuche und bei Facebook schau ich eigentlich nur auf die Meldungen, die standardmäßig angezeigt werden. Jedenfalls mit dem geringsten nötigen Aufwand.

Wo und wie kann dir denn die Community helfen? Gibt es Beispiele aus den letzten Jahren, wo die Community eine Hilfe für die Kelterei Walther war?

Oh ja – da gibt es sogar mehrere Beispiele. Die Beeindruckendsten kann ich ja mal Weiterlesen …

7Nov/11Off

Ein Spiel entsteht mittels Crowdsourcing

Autor des Artikels: Matias Roskos

Karin Janner ist die Gründerin von Spieltz, dem Community Verlag für Brettspiele. Für die Weihnachtszeit hat sie sich eine wunderbare Crowdsourcing-Kampagne ausgedacht, über die sie uns etwas im folgenden Interview erzählt. Ich wünsche auf jeden Fall: viel Erfolg!

Du machst gerade ein Spiel via Crowdsourcing. Kannst Du die Idee kurz beschreiben?

Die Idee ist, dass wir mit der Community gemeinsam ein Spiel machen, und zwar ein Weihnachtswichtel Roulette.

Wer mitmachen will schickt uns ein Bild von einem „Weihnachtswichtel“, die 36 besten werden in das Spiel aufgenommen. Alle eingesandten Wichtel nehmen an einer Preisverlosung teil, ich habe im Vorfeld der Aktion tolle Preise eingesammelt für die Wichtelzeichner. Das Spiel wird es dann zum kostenlosen Download sowie zum Kauf bei Spieltz geben.

Der gesamte Erlös aus dieser Aktion kommt Project Human Aid zugute, einem gemeinnützigen Verein, der Schulen in Burundi baut und Lehrpersonal finanziert.

Zum Spiel: Die Regeln stehen also schon fest, die Community schickt nur noch die Bilder dazu, richtig?

Ja, diesmal versuchen wir das mal auf diese Weise.

Wir haben im Sommer 2010 schon mal Weiterlesen …

3Nov/11Off

Social Media bald so selbstverständlich wie Telefonat oder Email – Charles Schmidt von der Krones AG im Interview

Autor des Artikels: Matias Roskos

Die Krones AG gilt als Vorreiter in Sachen Social Media Einsatz hier in Deutschland. Da das Unternehmen ausschließlich im B2B-Umfeld agiert aus meiner Sicht ein doppelt spannender Case. Darum bat ich einen der Verantwortlichen, Herrn Charles Schmidt, um ein sehr ausführliches Interview. Teile des Interviews werden auch in mein Buch einfließen, an dem ich gerade arbeite und das sich dem Thema "Mittelstand und Communities" annehmen wird. Hier ist das Interview mit Charles Schmidt:

Charles Schmidt / Krones AGHerr Schmidt, ich bedanke mich erst einmal, dass Sie sich die Zeit nehmen für dieses Interview.

Gerne! Kommunikation gehört ja schließlich auch zu meinen Aufgaben.

Sie sind bei der Krones AG, einem Konzern mit über 11.000 Mitarbeitern, davon etwa 8.000 allein in Deutschland, verantwortlich für die Kommunikation. Ist das richtig?

Das stimmt so nicht ganz. Lassen Sie mich das etwas einordnen. Die Krones AG beschäftigt weltweit in der Tat über 11.000 Menschen. Innerhalb der Unternehmenskommunikation bin ich als Teammanager Creations tätig. Ich bin verantwortlich für 17 Mitarbeiter. Gemeinsam mit meinem Team werden Filme produziert, Broschüren erstellt, Fotos gemacht, Artikel geschrieben, Messeauftritte organisiert, Kampagnen geplant und viele weitere spannende Sachen.

Hinzu kommt der Bereich Social Media. Hier bin ich als Corporate Social Media Officer tätig und verstehe mich als zentraler Ansprechpartner im Unternehmen. Ich leiste diesbezüglich Aufklärungs- und Koordinationsarbeit im Konzern und verantworte natürlich auch die Kommunikation der Krones AG im Social Web.

Was bedeutet das konkret? Gibt es parallel auch noch eine PR-Abteilung? Und dazu Marketing und eine Pressestelle?

Parallel zum Bereich Social Media sind selbstverständlich auch die „klassische“ PR und unsere Pressestelle innerhalb der Unternehmenskommunikation angesiedelt. Wir verstehen Social Media als ein zusätzliches Instrument in unserer Kommunikationsstrategie, welches andere Kommunikationsmittel bündelt und auch ergänzt. Dank unserer breit aufgestellten Kommunikationsabteilung, können wir so auf einen reichen Fundus an Inhalten aus den verschiedensten Bereichen zurückgreifen.

Warum wurde Social Media bei Krones der Kommunikation zugeordnet? Oft ist es dem Marketing unterstellt.

Hier muss man differenzieren. Die Aufgaben von Kommunikations- und Marketingabteilung sind je nach Unternehmen unterschiedlich strukturiert. Wir sind ja im Maschinen- und Anlagenbau unterwegs. Unser Marketing arbeitet mehr in Richtung Marktforschung. Es geht um Tendenzen und Marktbeobachtungen. Auch Bedürfnisse und Trends wie beispielsweise hinsichtlich der Getränkenachfrage in verschiedenen Ländern werden da untersucht. Die Schwerpunkte bei der Kommunikationsabteilung sind wieder anders gesetzt. Wir übernehmen hier eine Filterfunktion, bündeln Informationen und kommunizieren diese je nach Bedarf intern wie extern weiter. Daher ist Social Media als Kommunikationsweg und Medium auch in die Unternehmenskommunikation integriert. Außerdem verfügen wir hier auch über den notwendigen Content wie beispielsweise Fotos, Texte und Filme. Letztendlich gehen aber all unsere Tätigkeiten in der Unternehmenskommunikation Hand in Hand mit allen Abteilungen. Nur gemeinsam sind wir Krones.

Was genau macht die Krones AG eigentlich? Sie bewegen sich ausschließlich im B2B-Umfeld?

Die Krones AG plant, entwickelt und fertigt Maschinen und komplette Anlagen für die Bereiche Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik sowie Intralogistik. Zu unseren Kunden zählen Unternehmen aus der Getränkeindustrie, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie aus den Bereichen Chemie, Pharmazeutik und Kosmetik. Damit bewegen wir uns in der Tat ausschließlich im B2B Umfeld.

Social Media bald so selbstverständlich sein wie Telefonat und Email

Und warum ist dann Social Media so spannend? Ich kenne eine eher ablehnende Haltung aus zahlreichen Konferenzen, wo mir Manager immer wieder sagen „Ach, wir sind im B2B unterwegs. Da ist Social Media nicht wichtig.“ Was waren und sind die Ziele der Krones AG beim Social Media Engagement?

Das Ziel, das wir in den Sozialen Medien verfolgen, ist schnell erklärt: Ein offener und ehrlicher Dialog – und zwar dort, wo sich unsere Kunden, Interessenten und (potentiellen) Mitarbeiter bewegen und auch „wohlfühlen“ – sei es auf einer klassischen Website, einer Fachmesse oder eben in Social Media. Das gilt selbstverständlich für B2B-Unternehmen genauso wie auch im B2C-Bereich, schließlich hat man es in beiden Bereichen mit Menschen zu tun – und diesen sollte man auf kommunikative Weise Wertschätzung entgegenbringen. Social Media ist dabei nur ein Kommunikationsmittel unter vielen, genauso wie auch die „klassische“ Website oder unser Kundenmagazin. Die Frage nach der Relevanz oder der Wichtigkeit von Social Media stellt sich somit für uns nicht, denn diese neue Form der Kommunikation wird meiner Meinung nach bald so selbstverständlich sein wie ein Telefonat oder eine Email.

Sie sprachen das Thema "potentielle Mitarbeiter", also Recruiting an. Ist da Krones so schlecht aufgestellt? Und gibt es bereits konkrete Erfolgsbeispiele?

Natürlich steht auch die Krones AG mit anderen Unternehmen im Wettbewerb, besonders wenn es um die Fachkräfte von morgen geht. Social Media bietet hier für uns eine fantastische Möglichkeit, um uns als attraktive Arbeitgebermarke zu positionieren. Von unseren rund 10.000 Fans auf Facebook entfällt bestimmt ein Drittel auf Krones Mitarbeiter. Diese bekennen sich nicht nur offen zur Krones AG als Arbeitgeber, sondern beteiligen sich auch an Diskussionen, „liken“ unsere Beiträge und teilen ihre Erfahrungen mit anderen Usern. Könnte man sich bessere Markenbotschafter vorstellen, als die eigenen, zufriedenen Mitarbeiter? Unser Recruiting in Social Media geht also weit über das reine Einstellen von Stellenangeboten hinaus. Im Dialog mit Bewerbern und Mitarbeitern geben wir uns authentisch und erhalten deshalb auch regelmäßig Bewerbungen über die verschiedenen Plattformen auf denen wir vertreten sind. Als konkretes Erfolgsbeispiel ließe sich wohl auch unser sechster Platz im Ranking der deutschsprachigen Facebook-Karriereseiten anführen – für ein Unternehmen aus dem B2B Bereich sicher nicht schlecht.

Wird Kommunikation im Social Web bei Krones separat angegangen oder integriert in die gesamte Kommunikationsstrategie?

Wir verfolgen bei Krones eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie. Das beinhaltet neben Social Media selbstverständlich auch „klassische“ Kommunikationsmittel wie unser Kundenmagazin (das bei unseren Kunden ein besonders hohes Ansehen genießt), unsere Corporate Website und natürlich auch unsere Messeauftritte. In Social Media begleiten und bündeln wir alle diese Kommunikationsmaßnahmen und erhöhen so deren Reichweite. Als Paradebeispiel für diesen ganzheitlichen Ansatz ist wohl unsere Website magazine.krones.com zu nennen. Hier veröffentlichen wir besonders interessante Inhalte aus dem Kundenmagazin, begleiten unsere Auftritte auf Fachmessen multimedial und bieten mit einem „Social Media Newsroom“ auch jenen Interessenten, die selbst nicht auf Facebook & Co. aktiv sind, einen Einblick in unsere Aktivitäten im Social Web.

Krones Magazin

Es gibt auch eine Xing-Seite der Krones AG. Wie sehen Ihre Erfahrungen damit aus im Vergleich zu Facebook, Twitter, Flickr und Youtube?

Was uns hier zunächst sehr freut, ist Weiterlesen …

22Aug/11Off

Interview mit einem Hotelier aus Garmisch-Partenkirchen zu Groupon: “Kunden werden mit Angeboten überhäuft und somit bleibt einzelnes Angebot nicht haften”

Autor des Artikels: Matias Roskos

Andreas Griess ist Inhaber des Rheinischen Hofes in Garmisch-Partenkirchen, des einzigen Inhaber-geführten Vier-Sterne-Hotels im Ort. Jessica Reindl ist im Rheinischen Hof für das Online-Marketing und die Social Media Aktivitäten verantwortlich.

Sie erzählten mir neulich, dass eine Vertriebsmitarbeiterin von Groupon bei ihnen im Haus war. Und dass diese sie letztendlich nicht von Groupon überzeugen konnte. Das fand ich - auch weil ich vom Geschäftskonzept von Groupon nur wenig halte - extrem spannend und bat die beiden um ein Interview. Hier nun das Interview mit dem Rheinischen Hof zum Thema Groupon.

Hallo Frau Reindl, hallo Herr Griess. Sie haben mir erzählt, dass der Vertrieb von Groupon den Kontakt zum Rheinischen Hof gesucht hat. Wann war das und was konkret hat man Ihrem Hotel angeboten?

Jessica Reindl: Das war heuer im Frühjahr. Eine ausgesprochen nette Vertreterin hat sich mit uns persönlich bei uns im Hotel getroffen und uns das Konzept von Groupon erklärt. Dabei wollte sie uns natürlich auch -am liebsten sofort- als Partner gewinnen. Wir sollten ein Hotelpaket bei Groupon einstellen, das wir gerne selber schnüren könnten, sie würden uns dabei aber auch behilflich sein.

Andreas Griess: Die Hotelpakete, die andere Hotels bereits eingestellt hatten, hatte Sie dabei. Hierbei handelt es sich meist um Wochenenden bzw. verlängerte Wochenenden, weniger Langzeitbuchungen. Hierbei wurden oft größere Zimmer als auch Zusatzleistungen inkludiert, sprich hierdurch erschienen die Pakete relativ hochwertig.

Sie haben ja viel mit Vertretern und Internetportalen zu tun. Wie war der Eindruck vom Groupon-Vertrieb?

JR: Die Dame, die bei uns war, war extrem sympathisch und wahnsinnig gut geschult! Der erste Eindruck ist sehr professionell und trotzdem persönlich.

Was uns aber jetzt im Nachhinein negativ aufgefallen ist: Wir haben letzte Woche denselben Brief bekommen, wie im Frühjahr. In dem wurde uns auch wieder angeboten, dass ein Vertreter uns gerne besuchen würde, um uns kennenzulernen und uns das Konzept von Groupon vorzustellen.
Ist wohl schlechtes Datenbankmanagement, kommt aber beim Kunden nicht gut an.

AG: Kann ich bestätigen. Verteter anderer namhafter Portale wie z.B. booking.com oder expedia.com erscheinen auch nicht professioneller. Auf Fragen konnte Sie antworten, auch die etwas unangenehmeren.

Und konnte Groupon bei Ihnen einen Deal abschließen?

JR: Nein, die Vertreterin konnte uns nicht überzeugen.

Hotel Rheinischer Hof Garmisch-Partenkirchen

Warum kam es nicht zu einer Aktion des Rheinischen Hofes auf Groupon? Was waren letztendlich die Gründe, warum es für ein Vier-Sterne-Haus wie das Ihrige nicht spannend ist auf Groupon Zimmer anzubieten?

JR: Das Problem waren die Bedingungen zu denen Groupon verkaufen will.
Zum Einen ist es so, dass Weiterlesen …

30Mrz/11Off

Viele einzelne finanzieren gemeinsam ein Projekt. Neues Crowdfunding-Portal Pling.de im Interview

Autor des Artikels: Matias Roskos

Pling.deAuf Pling.de bin ich durch Freunde aus dem Bereich Comic und Illustration aufmerksam gemacht worden. Die Jungs von Punks'n'Banters wollen ihren Comic filmisch umsetzen und brauchen dafür 8.000 € Startinvestition. Sie haben sich entschieden, dafür auf Crowdfunding, einem Spezialgebiet von Crowdsourcing, zu setzen und einen Aufruf auf Pling.de zu starten.

Schon mit einem Euro kann man dort Projekte supporten. Natürlich tat ich dies umgehend und investierte eine kleinere Summe in ihr Comic-Projekt. (Viel Erfolg, Jungs!)

Da ich Pling vorher noch überhaupt nicht kannte, war ich doppelt neugierig und habe die Macher hinter Pling.de gleich zu einem Interview eingeladen.

Herr Holetzeck, Herr Heberling, Sie sind die Gründer von Pling.de. Wann wurde Pling gelauncht?

Die Plattform www.pling.de ging im November 2010 live.

Sind auch Investoren mit an Bord?

Nein, wir haben pling.de aus eigenen Mitteln aufgebaut.

Wann entstand die Idee für Pling?

Wie so oft über Umwege: mein jetziger Geschäftspartner und ehemaliger Studienkollege, David Heberling, und ich hatten 2008 eine Idee für eine Bewegt-Bild-Serie, die im Internet laufen sollte. Wir waren felsenfest davon überzeugt, ein äußerst interessantes Projekt auf die Beine zu stellen. Ein großer deutscher Fernsehsender teilte unsere Meinung und lud uns zu einem Pitch ein. Zwar kamen wir unter die Top Drei, aber im Endeffekt bekamen wir keinen Zuschlag und leider bis heute noch nicht einmal eine Absage. Hätten wir damals eine Plattform wie pling* gehabt, hätten wir unsere Idee realisieren können. Und genau deswegen machen wir pling*. Um eine unbürokratische, schnelle, einfache, persönliche Plattform zu bieten, für jeden, der gute Ideen und Projekte hat.

Punks'n'Banters – DIE Punkcomicserie auf Pling.de

Was bedeutet das Wort Crowdfunding eigentlich?

Finanzierung durch eine (anonyme) Menschenmenge. Klingt etwas eigenartig. Deswegen benutzen wir auch den englischen Ausdruck. Bisher funktionierte die Finanzierung von Projekten meist nur in einer Form: Ein einzelner Geldgeber fördert ein bestimmtes Projekt. Wir halten diese Form der Finanzierung für verstaubt und sind der Meinung, dass mit Hilfe des Internets, sich Menschen finden, die an Projekte glauben und bereit sind dieses mit Geld zu unterstützen.

Und genau das ist die Idee hinter Crowdfunding: Viele einzelne finanzieren gemeinsam ein Projekt - im Internet.

Mit Sellaband für den Bereich Musikbusiness oder auch Betterplace.org für Spenden im karitativen Bereich gibt es gerade auch in Deutschland schon zwei sehr starke Player im Bereich Crowdfunding. Wo sehen Sie da die Abgrenzung von Pling.de zu anderen Crowdfunding-Plattformen?

Sellaband spielte definitiv eine inspirierende Rolle für uns. Jedoch zeigt der Weg von „Sellaband“, wie schwierig sich der Weg nach oben gestallten kann. Nach der Insolvenz 2010 hatte die holländische Plattform mit teils gravierenden Problemen zu kämpfen. Wir hoffen jedoch, dass uns Sellaband noch möglichst lange erhalten bleibt, da sie eine Vorreiter-Rolle im Bereich Crowdfunding spielten.

(Anmerkung von mir, Matias Roskos: Sellaband bleibt uns definitiv erhalten und ist aktuell auf einem sehr guten Weg. Das kann ich sagen, da ich in engem Kontakt zu den jetzigen Sellaband-Machern stehe.)

Die Idee, Spenden online einzusammeln, setzte Weiterlesen …

9Mrz/11Off

Ein Facebook-Star im Interview – Heidi, das schielende Opossum steht Rede und Antwort

Autor des Artikels: Matias Roskos

Kennen Sie Heidi, das schielende Opossum? Wenn noch nicht, dann... Ich weiß nicht. Man ist in den letzten Monaten in den Medien eigentlich an Heidi nicht mehr vorbei gekommen. Das possierliche Tierchen ist ein Facebook-Mega-Star und hat mittlerweile weit über 320.000 Fans. Für mich ein Grund zu versuchen, Heidi zu interviewen. Und es ist mir gelungen. Vielen Dank dafür an die Verantwortlichen beim Zoo Leipzig, die schnell und klasse reagiert haben. Und hier nun das Interview mit Heidi, dem schielenden Opossum.

Hallo Heidi, ich freue mich, dass du dich bereit erklärt hast mir für ein Interview zur Verfügung zu stehen.

Mein Terminkalender ist zwar eng bemessen, aber für dich und die unglaubliche Menge an Social-Media-Freunden mache ich eine Ausnahme.

Du bist mittlerweile ein echter Star auf Facebook und hast dort mehr als 320.000 Fans. Bist du stolz darauf? Und wie kam es zu diesem Erfolg?

Ja, mehr als 320.000 Fans sind es inzwischen. Einfach unglaublich, nicht wahr? Und wo die alle leben. In aller Welt sind die Leute aus der facebook-Gruppe verstreut. Na klar bin ich stolz darauf, meine Heimat, den Zoo Leipzig und unsere neue Tropenerlebniswelt Gondwanaland, über alle Grenzen hinweg zu präsentieren und etwas für den Artenschutz zu tun. Den medialen Erfolg habe ich, wie soll es dem Namen nach auch sonst sein, den Medien zu verdanken. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich es Dominoeffekt oder Schneeballsystem nennen möchte. Auf jeden Fall hat einer angefangen und alle anderen haben einer nach dem anderen mitgemacht. Bis auf große Titelseiten und auf die US-Mattscheiben ging es dabei.

Hast du dir deine Facebook-Seite allein eingerichtet?

Aber nicht doch. Wo denkst du hin? Ich bin ein Opossum, kein Internet-Spezi. Da hatte ich kompetente Unterstützung.

Heidi, das schielende Opossum

Heidi - Quelle: Zoo Leipzig

Du sagtest, du tust etwas für den Artenschutz?

Ja, genau. Opossums gibt es wie Sand am Meer. Nicht in Europa, aber anderswo. Andere Tierarten dagegen, wie beispielsweise das Sabah-Nashorn auf Borneo, sind vom Aussterben bedroht. Wenn meine Popularität helfen kann, auf diese Tatsache aufmerksam Weiterlesen …

2Dez/10Off

Ist das Social Media? Die Deutsche Bahn auf Facebook. Ein Interview mit den Machern

Autor des Artikels: Matias Roskos

Man - hat das gedauert. Nach etwa drei Wochen bekam ich die Antworten auf meine Interviewfragen von den Machern der Chefticket-Seite der Deutschen Bahn auf Facebook zurück. Ich höre dabei schon wieder die Kalauer von Freunden: "Was haste erwartet? Is doch die Deutsche Bahn." Aber ich muss ganz ehrlich sagen: Ich fahr gern mit der Deutschen Bahn! Und ich bin 2010 äußerst selten zu spät gekommen. Nur ab und zu hauts nicht hin. Aber das kann mir genauso gut mit dem Auto passieren, wenn ich in einen Stau gerate oder wieder einmal an einer Baustelle aufgehalten werde. Und gerade in den letzten Monaten hatten auch die Flugunternehmen immer wieder mit Verspätungen und Ausfällen zu kämpfen.

Zurück zum angepeilten Interview. Okay. Ich sehe ja ein, dass gerade auch bei großen Konzernen, Freigaben eingeholt werden müssen. Und das kann dauern. Wenig begeistert bin ich dann allerdings, wenn an anderer Stelle ähnliche Interviews mit den gleichen Protagonisten veröffentlicht werden. Ich warte und woanders antworten sie. Dankeschön.

Jegliche Nachfragen zum Interview habe ich mir verkniffen, weil ich nicht erneut Wochen warten wollte. Das sei mir bitte verziehen. Wer sich für das Thema interessiert, unbedingt auch das Interview bei den Kollegen von Facebookmarketing.de lesen. Dort finden sich weitere interessante Antworten.

Insgesamt - das auch vorab - finde ich es großartig, dass nun auch die Deutsche Bahn den Schritt hinein ins Social Web gewagt hat. Dass sie diesen Schritt erstmal gegangen sind, muss unbedingt begrüßt werden. Ich finde es immer positiv, wenn eine Marke es wagt sich hinein zu wagen in diesen neuen Kommunikationsraum.

Die Chefticket-Aktion der Deutschen Bahn ruft bei mir jedoch durchaus zwiespältige Gedanken hervor. Da ich davon ausgehe, dass nicht jeder meiner Leser bereits von der (abgelaufenen) Aktion erfahren hat, hier kurz worum es ging: Die Deutsche Bahn hat auf Facebook Billig-Tickets unter die Leute gebracht. Dafür hat man sich eine Facebook-Seite von ihrer betreuenden Agentur Ogilvy in Frankfurt einrichten und betreuen lassen. Man startete bei Null. Soweit so gut.

Kritik kam auf, weil man Facebook zuvorderst als Abverkaufskanal nutzen wollte. Das hat wenig (oder eigentlich gar nichts) mit Social Media zu tun. Kann man diesen Weg gehen? Darf man diesen Weg gehen, möchte man als innovative, ehrliche, authentische Marke wahrgenommen werden? Oder anders herum gefragt: Ist man offen und ehrlich genug, um Social Media so in Angriff zu nehmen, dass man den Menschen, seinen Kunden, das bietet was das Social Web in der Lage ist zu bieten und was die Menschen - und um die geht es ja letztendlich - von einer Marke erwarten?

Oder nutzt man es als reinen Abverkaufskanal? Oder ist es gar das, was die Menschen wirklich wollen und erwarten? Schnäppchenangebote auch im Social Web? Sie merken, lieber Leser - mehr Fragen als Antworten. Die sicherlich für 2010 in Deutschland in Bezug auf das Social Web nicht eindeutig beantwortet werden können. Wir, auch ich, lernen jeden Tag dazu.

Dieses Beispiel zeigt aus meiner Sicht vor allem zwei Dinge:

  1. Das Social Web kann (ich betone: KANN) als Abverkaufskanal funktionieren. Wenn die Marke stark und das Angebot verlockend genug ist.
    Diese Weisheit des Viralmarketing ist nicht neu, funktioniert aber immer wieder: Ist das Produkt gut genug, verbreitet es sich viral im Internet.
  2. Man kann solche abverkaufsorientieren Aktionen (oder alternativ auch Gewinnspiele, wie es zur Zeit Gang und Gebe ist in Deutschland) nutzen, um eine Facebook-Seite schnell mit Zahlen zu füllen und um Menschen anzulocken.
    Dagegen ist an sich nix einzuwenden. Im Interview ist dabei vom "Werbemittel" die Rede.
    Immerhin konnte man auf diese Art über 50.000 Menschen "einsammeln" innerhalb weniger Wochen.

Aber einen faden Beigeschmack bekommt es, wenn man dem Dialog, den die Menschen im Social Web ganz offensichtlich suchen, ausklammert. Und ob dies alles nachhaltig ist, lass ich mal dahingestellt. Aber: man kann was draus machen, aus dieser Seite und den entstandenen, sehr losen Kontakten hin zu seinen Kunden. Den Betreuern der Chefticket-Seite kann man dabei zugute halten, dass sie sich redlich Mühe gegeben haben, nicht allein Tickets zu verkaufen, sondern auch Fragen zu beantworten, auf die sie antworten dürfen können. Dass diese Seite der falsche Ort für Diskussionen um Stuttgart21 ist, sollte allen klar sein. Aber: es fand letztendlich vordergründig Abverkauf statt. Aber nicht das allein. Es gab auch Kommunikation auf der Facebook-Seite. Und das ist ein klar positives Signal aus meiner Sicht.

Trotz meiner Enttäuschung über das lange Warten auf die Antworten, hier nun das Interview mit den Jungs von Ogilvy. Dr. Ulf Schmidt, "Social Web Strategist" bei Ogilvy & Mather in Frankfurt am Main, habe ich via Twitter kennen gelernt. Er ist zusammen mit Thorben Meier, Leiter der strategischen Planung bei Ogilvy PR in Düsseldorf, zuständig für die Strategie hinter der Facebook-Seite zur Chef-Ticket-Aktion der Deutschen Bahn.

Für viele Unternehmen, die über ein Engagement im Social Web nachdenken, sicherlich ein interessanter Case mit einer interessanten Herangehensweise. Die ich in dieser Radikalität allerdings nur selten empfehlen, sondern immer zu einer strategisch anders konzipierten Herangehensweise raten würde.

Wie kam es zu der Idee des Cheftickets? Und warum gerade auf Facebook? Und nicht zum Beispiel Twitter oder ein Corporate Blog?

Schmidt: Die Agentur hatte die Idee, ein spezielles Ticketangebot in einem begrenzten Zeitraum exklusiv über Facebook zu verkaufen, um eine junge Zielgruppe für die Bahn zu gewinnen, die über andere Kanäle nur sehr schwierig und zu hohen Kosten erreicht werden kann. Dazu haben wir dann Werbemittel entwickelt, die dieses Angebot passend zur Zielgruppe kommunizieren. Also ein echter, greifbarer Mehrwert und eine echte Neuheit. Hätten wir reine Kommunikation gemacht, wären sicher auch andere Kanäle wie Twitter u.ä. stärker eingebunden worden.

Meier: Einen idealeren Ort als Facebook kann es dafür doch gar nicht geben. Hohe Nutzerzahlen und Frequenz, großes Viralpotenzial und durch die technische Flexibilität hochgradig auf eine Kampagne zuschneidbar. Und dabei noch überaus kosteneffektiv.

Wer ist für den provokanten Videoclip verantwortlich? War dabei die Facebook-Seite konzeptionell bereits mit angedacht? Oder lief die Entwicklung dieser beiden Bausteine parallel und unabhängig voneinander?

Schmidt: Das war eine gemeinsame Entwicklung. Im Zentrum stand das Angebot, über Facebook ein extrem günstiges Ticket buchen zu können. Andere Werbemittel sollten auf dieses Angebot aufmerksam machen.

Wie wurde zum Start auf die Facebook-Seite aufmerksam gemacht? Gab es Werbeschaltungen auf Facebook? Andere Initialbausteine?

Meier: Der erste „Hype“ um das Ticket wurde allein durch Weiterlesen …