SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

7Jan/13Off

Arbeit mit Blacklist und Greylist in Foren und Chats

Autor des Artikels: Matias Roskos

Das Monitoring von Foren-Einträgen, Postings in Social Networks, Direktnachrichten auf Online-Portalen sowie von Chat-Nachrichten wird für ein gutes Communitymanagement immer wichtiger. Nicht nur, weil immer mehr Trolle im Netz ihr Unwesen treiben. Bei Projekten wie Galileo GENIAL, für das ich als Community Manager mit verantwortlich bin, geht es darum Kindern im Internet eine sichere Umgebung zu schaffen, damit sie dort spielen, lernen und auch kommunizieren können. "Erziehung zur Medienkompetenz" wird das auch hin und wieder genannt. Immer mehr Kinder im Grundschulalter beginnen das Internet zu nutzen.

Gerade wenn Kinder sich auf einer Plattform im Netz treffen, spielt der Sicherheitsaspekt eine gesteigerte Rolle. Denn Kinder können sich nur bedingt selbst schützen. Selbstverständlich stehen hier zuerst einmal die Eltern in der Verantwortung. Doch nicht immer verfügen diese über deutlich mehr Wissen darüber, wie man sich im Internet schützt und wie man so agiert, dass einem kein Schaden entstehen kann. Diese Aufgabe müssen zu großen Teilen die Plattformen mit übernehmen. Aber auch Lehrer und Schulen werden hier in der Zukunft immer stärker gefordert sein. Medienkompetenz gehört aus meiner Sicht unbedingt mit ins Unterrichtsprogramm des Jahres 2013. Leider ist das fast nie der Fall bisher.

Mehr Sicherheit in Chats durch den Einsatz einer Blacklist

Sobald Kinder direkt angesprochen werden können - mittels einer Nachrichtenfunktion, in Forenbeiträgen oder in einem Chat - muss Sorge getragen werden, dass diese Umgebung kinderfreundlich und sicher ist. Hier greifen verschiedene Sicherheitsmechanismen. Ganz wichtig ist dabei die Arbeit mit einer sogenannten Blacklist. Auf dieser finden sich alle Worte, die "gefährlich" sind. Sie werden aus den Nachrichten heraus gefiltert und werden dann nur noch als *** dargestellt. Hierzu zählen pornografische Begriffe genauso wie rechtsradikales Vokabular.

Außerdem ist es oft so, - so auch bei in dem Tool, mit dem ich selbst für Galileo GENIAL arbeite - dass diese Nachrichten im der hinter dem Chat oder dem Forum liegenden Monitoring-Software gesondert hervorgehoben visualisiert werden. Um diese Gespräche und die Nutzer, die diese Worte versuchten zu schreiben, intensiver beobachten zu können.

Zusätzlich zur Blacklist gibt es auch die Möglichkeit mit einer Whitelist (= alle definitiv ungefährlichen Worte) und einer Greylist zu arbeiten. So machen wir das auch auf Galileo GENIAL. In der Greylist finden Weiterlesen …

22Sep/11Off

In der Zukunft Mehr-Arbeit für die Admins von Facebook-Seiten

Autor des Artikels: Matias Roskos

In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Veränderungen auf Facebook. Ganz offensichtlich treibt der Innovationsdruck durch Google+ die Facebook-Mannschaft zu ständiger Optimierung ihres Produktes. Was prinzipiell ja nicht verkehrt ist. Über die Einführung des Follower-Prinzips, Abonnements genannt, hatte ich ja schon ausführlich berichtet.

Es gab aber noch eine andere, weitreichende Veränderung. Ab sofort können Facebook-Nutzer auf Seiten von Marken, Unternehmen, Schauspielern, Musikern usw. auch kommentieren und bei einzelnen Beiträgen auf "gefällt mir" klicken (=liken), ohne Fan dieser Seite zu sein. Also auch "Nicht-Fans" können sich nun in Diskussionen einschalten, Inhalte mit ihren Freunden teilen und so weiter. An sich eine feine Sache. Denn nicht immer will man gleich Fan dieser Marke (im Screenshot: einer Automarke) werden, hat aber doch ein konkretes Anliegen. Oder möchte etwas Konkretes kommentieren.

Dacia auf Facebook

Bis letzte Woche war dies nicht möglich. Man musste zwingend Fan einer Seite sein, um kommentieren und liken zu können. Das ist jetzt anders. Es ist erstmal gut, weil es die Kommunikation fördert. Noch mehr Menschen können sich einbringen. Man wird Weiterlesen …

6Mai/11Off

Tom Noeding und Tom Kedor im Videointerview

Autor des Artikels: Matias Roskos

Tom Kedor von Motor-Talk.de und Tom Noeding von Evangelisch.de gehören zum Dozenten-Team für den Lehrgang "Community Manager" an der Social Media Akademie, dessen Leitung ich innehabe. Während der Aufzeichnung ihrer Vorträge hat Ralph Scheurer-Lee von der Social Media Akademie die beiden interviewt und mit ihnen über das Berufsbild des Communitymanagers, die aktuell neuen Herausforderungen und das stetige Erstarken von Facebook geplaudert. Herausgekommen ist ein interessanter Plausch, den ich jedem Interessierten gern ans Herz lege. Viel Spaß.

14Jan/11Off

Die Rollen in einer Community

Autor des Artikels: Matias Roskos

Nachdem ich mich zuletzt in drei Beiträgen intensiv mit den Aufgaben und Anforderungen eines Community Managers beschäftigt habe (siehe Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3), gehe ich nun der Frage nach, welche Rollen es in einer Community gibt. Dieses Thema wird auch Bestandteil des Lehrgang “Community Manager SMA“ sein, für den ich mit verantwortlich zeichne.

Und hier nun verschiedene Rollen, die Menschen in einer Community bzw. im Zusammenhang mit einer Community innehaben können. Es kann dabei zu Überschneidungen kommen. Und nicht jede Rolle muss in jeder Community vorkommen. Doch in den meisten kann man davon ausgehen.

Community Manager

Der Community Manager muss fester Bestandteil der Community sein. Hierfür ist es aus meiner Sicht auch wichtig, dass er (oder sie, wenn es bei großen Communities mehrere sind) namentlich bekannt ist. Denn nur so kann er wirklich authentisch agieren.
Alles weitere zum Communitymanager finden Sie in diesen drei Artikeln: Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3)

Admin

Die Admins sind verantwortlich für das technische Funktionieren der Plattform. Sie können, müssen aber nicht, auch namentlich agieren in der Community. Oft sind sie "unsichtbar" und arbeiten auf Anweisung durch den Community Manager oder auch zu großen Teilen eigenverantwortlich. Vielen ist aus der Vergangenheit noch die Bezeichnung "Webmaster" geläufig.

Moderator

Oft ist ein Community Manager auch zugleich Moderator in der Community. Dies muss aber nicht Weiterlesen …

12Jan/11Off

Wer ist verantwortlich für die Strategie einer Community?

Autor des Artikels: Matias Roskos

Im Zusammenhang mit meinem Artikel Die 7 wichtigsten Aufgaben eines Community Manager – führende Experten geben Auskunft kam die Diskussion auf, wer für die strategische Planung des Communityaufbaus und des Communitywachstums zuständig ist. Für solche kritischen und zugleich kontroversen Diskussionen liebe ich das Social Web. Danke für die Anregungen, Johannes und Dirk. Auch wenn ich Eurer Kritik nicht zu zustimmen kann.

Bei allen sieben von mir befragten Community Managern spielte in der Aufgabenbeschreibung des Community Managers Strategie eine eher untergeordnete Rolle. Andere Dinge stehen im Vordergrund. Vor allem die tägliche Arbeit, die permanente Kommunikation in und mit der Community.

Wer ist zuständig für die Community-Strategie?

Dies kann ganz unterschiedlich sein. Wünschenswert ist es auf jeden Fall, dass der Community Manager in die strategischen Planungen eng eingebunden wird. Zu jedem Zeitpunkt. In der Phase des Communityaufbaus genauso wie beim Communityausbau und bei Social Media Kampagnen, bei denen die Community involviert werden soll.

Oft ist es auch üblich, dass der künftige Community Manager entscheidend am Strategiekonzert mitarbeitet und den Communityaufbau federführend mitgestaltet. Oft, aber nicht immer. Aus meiner Erfahrung der letzten drei Jahre weiß ich, dass auch erst während der Planung der bzw. die passenden Community Manager und Community Managerinnen gefunden werden. Und immer wieder auch kommt es vor, dass in der ersten Phase des Communityaufbaus (meist 3 - 6 Monate) aus der Community heraus Community Manager gewonnen werden, die sich vorher als besonders aktiv und zugleich geeignet heraus kristallisiert haben. Oft ein Idealfall, den man aber nicht immer voraussetzen kann und sollte.

Selten aber ist ein Community Manager ein Theoretiker. Jemand der gern Konzepte schreibt und Ideen zu Papier bringt, mit denen dann die Verantwortlichen im Unternehmen (und damit letztendlich auch die Geldgeber - ich weiß wovon ich rede...) überzeugt werden sollen.

Die meisten Community Manager lieben das Arbeiten in der Praxis und lassen ihre Erfahrungen und Weiterlesen …

7Jan/11Off

Ein guter Communitymanager ist…

Autor des Artikels: Matias Roskos

Schon neulich hatte ich über die wichtigsten Aufgaben eines Communitymanagers geschrieben und dabei unter anderem sechs Community Manager von namhaften Portalen zitiert. Via Email hatte ich in Vorbereitung auf den Lehrgang “Community Manager SMA“; für den ich mit verantwortlich zeichne, nicht nur nach den wichtigsten Aufgaben gefragt, sondern auch um eine Einschätzung gebeten, was denn eigentlich einen wirklich guten Community Manager ausmacht.

Auf die aus meiner Sicht drei wichtigsten Punkte war ich schon neulich eingegangen.

  • Fingerspitzengefühl in der Kommunikation und im Umgang mit einzelnen Mitgliedern der Community
  • Spaß an der virtuellen Kommunikation
  • Identifikation mit dem Plattformbetreiber und den Themen der Community

Nur wenn diese drei Punkte passen, bin ich davon überzeugt, dass die Arbeit des Community Managers erfolgreich sein wird.

Franz Schiller von Sellaband meint, dass wenn es ihm gelingt eine "freundliche, konstruktive und aktive Community" aufzubauen und zu managen, er bewiesen hat, dass er ein Guter ist.

Auch Nadja Waldraff (Holidaycheck) sagt:

Ein guter Community-Manager ist sich seiner Verantwortung beiden Seiten gegenüber bewusst. Es lässt sich natürlich auch ganz pragmatisch benennen: wer es schafft als Community-Manager seine vom Unternehmen gesetzten Ziele zu erreichen, ist ein guter Community-Manager.
Schlichtweg geht es darum, als Schnittstelle einen guten Job zu machen und die Bedürfnisse auf beiden Seiten in seinem Output zu vereinen.

Das mir so wichtige Fingerspitzengefühl spricht auch Tom Noeding (Evangelisch.de) ganz deutlich Weiterlesen …

2Nov/10Off

Meine Gedanken zum Communitycamp am vergangenen Wochenende

Autor des Artikels: Matias Roskos

Letztes Wochenende fand in Berlin das mittlerweile 3. Communitycamp statt. Das erste vor zwei Jahren hatte ich noch mit initiiert und tatkräftig mit organisiert. Diesmal habe ich das Feld lieber anderen überlassen. Die das super gemacht haben!

Ich war selbst Samstag vor Ort. Um mit einigen nun schon "alten Bekannten" aus der Social Media Welt zu plaudern. Das hat Laune gemacht! Aber auch, um zu horchen, worüber diskutiert wird in Sachen Communitys, Communitymanagement und Social Networks. Folgende Punkte sind bei mir haften geblieben.

1. Das Niveau war extrem hoch und hatte einen sehr professionellen Charakter.
Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Doch diesmal waren zahlreiche Communitymanager von starken Plattformen da, die schon über jahrelange Erfahrung verfügen. Und sie brachten sich wunderbar ein in den Sessions. Das sorgte für ein starkes Niveau in den Diskussionen.

2. Der Frauenanteil war endlich mal bei einem Barcamp in etwa so, wie er erwiesenermaßen auch im Social Web ist: hoch!
Frauen sind kommunikationsgetrieben. Und darum ist das Social Web wie gemacht für sie. Auch auf dem Communitycamp habe ich diesen Frauenanteil als sehr inspirierend und bereichernd empfunden.

3. Zahlen versus Qualität
Zahlen sind das eine. Gerade Markenverantwortliche fragen immer nach nackten Zahlen. Und auch wir bieten mit den "German Brands on Facebook" ja reines Zahlenmaterial.
Aber was in vielen Diskussionen auf dem Communitycamp von denen, die täglich mit den Menschen im Netz zu tun haben (und das sind nicht die Markenverantwortlichen), deutlich gesagt wurde, ist, dass die Qualität der Beziehungen letztendlich das Wertvolle ist. Und nicht die reinen Zahlen (Mitglieder, Follower, Liker, Leser).

Silke Schippmann von Wer-weiss-was.de (ehemals Xing und Qype) sagte in ihrem Vortrag in etwa: "Nicht nur auswerten, wieviel positive und negative Bewertungen, sondern auch Qualität der einzelnen Bewertungen super wichtig."
So ist es. Nur will das nur selten in die Köpfe der Werber, der betreuenden (alten) Agenturen, der PR- und Marketing-Chefs hinein.

Es geht darum, die Menschen auch wirklich zu erreichen. Authentisch. Mit Engagement und Herzblut. Es geht um Beziehungen und den Aufbau und Ausbau von Beziehungen. Und dann erreicht man langfristig deutlich mehr. Für die Marke und seine Produkte.
Der Beziehungsaufbau, vor allem zu sogenannten Gatekeepern, "Gurus" und Heavy Usern muss im Mittelpunkt guter Social Media Arbeit stehen.

4. Ein guter Communitymanager ist einer, der mit dem Herzen bei der Sache ist. Reines Verwalten, Beobachten, Managen reicht nicht aus um eine langfristig erfolgreiche Community aufzubauen.

5. Trolle und Störer sind immer wieder ein ernsthaftes Problem für das Funktionieren einer Community. Darauf muss man zum einen vorbereitet sein und dann auch gekonnt und geschickt damit umgehen.

6. Manchmal ist es dann auch notwendig, rechtlich, also mit einem Anwalt und über die Staatsanwaltschaft, gegen notorische Störer vorzugehen.
Es geht dabei nicht um Kritik. Die ist immer und jederzeit willkommen.
Es geht um einige wenige Ausnahmen, die tatsächlich kriminelle Energie entwickeln. Auch in Communitys. Dagegen muss man unbedingt vorgehen.

7. Der Job des Communitymanagers wird immer noch oft unterschätzt. Unternehmen denken, das könnte man nebenbei machen. Die verschiedenen Facetten, die Erfahrung und das Fingerspitzengefühl, die so enorm wichtig sind für einen guten Communitymanager, werden von den Marken-Verantwortlichen viel zu sehr unterschätzt.

8. Die vielfältigen Mehrwerte, die man gemeinsam mit seiner Community generieren kann, werden oft noch verkannt.
Bei Lokalkompass.de, einem beeindruckenden Projekt aus der WAZ-Gruppe, werden die Leser zu Lokalreportern. Anfang des Jahres gestartet, läuft es gigantisch gut. Bei Tchibo ideas, fast schon einem "Oldie", zeigt man, dass Crowdsourcing zu echten Produkten führen kann. Mit Hilfe einer eigenen Community. Und Motor-Talk zählt für mich hierzulande zu den am besten geführten Communitys. Und das nun schon über Jahre hinweg.

Crowdsourcing ist da aus meiner Sicht ein immer wichtiger werdener Faktor für die virtuelle Werschöpfung und das Erbringen echter Mehrwerte für alle. Kundennähere Produkte, marktgerechtere Dienstleistungen, Werbung die Spaß macht. Und noch vieles mehr.

Dies nur einige, wenige Stichpunkte aus meiner Sicht zum Communitycamp 2010 in Berlin. Es hat richtig richtig Spaß gemacht! Und ich freue mich schon auf das Communitycamp 2011.

Ich bin mit vielen Gedankenanstößen nachhause gegangen. Auch für den neuen Communitymanager-Kurs für die Social Media Akademie, für den ich 2011 verantwortlich zeichnen werde. Danke für den inspirierenden Input und das tolle Niveau des Camps.

25Jun/08Off

Markencommunities – Wie es funktionieren wird

Autor des Artikels: Matias Roskos

Die Markenverantwortlichen der weltweit agierenden Marken haben in den vergangenen zwei bis drei Jahren angefangen zu erkennen, welche Bedeutung das Internet und vor allem die in ihm aktiv agierenden Menschen für die Meinungsbildung haben. Und das diese Wichtigkeit der im Netz abgebildeten Meinungen stetig zunimmt ist längst kein Geheimnis mehr.

Jedoch – wovor haben Markenverantwortliche am meisten Angst?

Sie haben Angst davor ihre Marke in die Hände anderer, in die Hände der virtuellen Öffentlichkeit zu geben. Was könnte dort um Himmels Willen mit ihrer Marke geschehen? Welcher Schaden könnte angerichtet werden, ohne das sie Einfluss darauf nehmen könnten. Angst und zu großen Teilen auch Unverständnis der Entwicklungen bestimmt ihr Handeln.

So ist es für mich nicht verwunderlich, wenn in der Internetworld nachzulesen ist, das die von den Markenverantwortlichen in der Vergangenheit gestarteten Marken-Communities zumeist gefloppt sind. Es heißt in der Internetworld:

Frustrierende Ergebnisse für Marketing-Verantwortliche hält eine aktuelle Studie von Jupiter Research über den Erfolg von Marken-Communities parat. Wie die Marktforscher eruierten, schaffen es die meisten Unternehmen nicht, Social Networks erfolgreich für die eigene Marke zu nutzen. Mehr als die Hälfte der Marken-Communities in Europa, so das ernüchternde Fazit, zählten nicht mehr als 1.000 Mitglieder. Und auch wenn einige Marketingabteilungen mehrere hundert tausend Euro in den Aufbau derartiger Angebote investieren würden, läge die durchschnittliche Zahl der Mitglieder bei eher enttäuschenden 6.494 Freunden.
Diese Schlappe allerdings, so zeigt die Studie weiter, ist hausgemacht. Viele Marketer hätten noch nicht verstanden, wie die Kommunikation auf Social Networks funktioniert. Statt auf Interaktion mit dem Verbraucher setzen viele Angebote noch immer auf die einseitige Verbreitung von Nachrichten und nutzen Marken-Communities als eine Art Microsite für den eigenen Internetauftritt.

Web 2.0, also das neue, auf zweiseitiger Kommunikation - Statt Sender-Empfänger-Beziehung stehen sich gleichberechtigte Partner gegenüber! – basierende Internet bedeutet mehr wie nur ein neues Webprojekt ins Netz zu stellen und dann zu schauen was passiert. Wie hat es Martin Oetting so gut beschrieben:

Der Grund dafür, dass viele Marketing-Communities nicht funktionieren, liegt letztlich am sogenannten Stimulus-Organism-Response-Paradigma, einem ganz fundamentalen Ansatz im Massenmarketing. Dieser Ansatz geht zunächst mal davon aus, dass die Kunden auf nachvollziehbare Weise manipulierbar sind und letztlich deutlich weniger intellektuelle Macht und Einflussbereitschaft aufbringen als das Marketingunternehmen. Folglich muss das Marketing nur eine Anregung (Stimulus) setzen, der "Endverbraucher" (quasi als "niederes Wesen") hat einen im Inneren vorprogrammierten Ablauf, der dadurch angeregt wird (Organism), und er produziert dann ein Ergebnis (Response) - Dinge wie "Änderung der Markenwahrnehmung", oder "Kaufabsicht". Das Marketing muss also nur die richtigen Knöpfe kennen, um die richtigen Prozesse anregen und damit die gewünschten "Responses" erreichen zu können.
Und genau so werden auch Marken-Communities betrieben: man versucht Adressen anzusammeln, und die Leute dann mittels geplanter Kommunikation zu irgendwelchen "Reponses" anzuregen: gucken, klicken, kaufen.
Das kann nicht funktionieren, denn dieses Paradigma gilt heute einfach nicht mehr.
In ganz vielen Fällen nicht. Die potenziellen Abnehmer sind keine "Endverbraucher" mehr, sondern Kunden, mit denen auf Augenhöhe interagiert werden muss. Die Marketing-Wissenschaft erkennt das längst an und sagt, dass ein Wechsel nötig ist - weg von der Idee von Stimulus und Response und hin zu einem echten Interaktionsmodell, bei dem man anerkennt, dass der Gegenüber kein leicht manipulierbares Wesen niederer Ordnung ist, sondern ein echter Gegenüber, der ernst genommen werden will. Dazu kommt: das Kaufen und die Interaktion im Marketing sind soziale Prozesse, die nicht in Isolation funktionieren.

Um in einen regen und für alle Seiten fruchtbaren Gedanken- und Ideenaustausch zu gelangen, muss man auf Seiten der Markenverantwortlichen zuallererst die Mitglieder einer Community voll und ganz akzeptieren. Als das absolut Wichtigste! So anstrengend wie das manchmal sein mag. Nicht die Marke, nicht die Firma, nicht die Marketingabteilung sind das Wichtigste. Der einzelne Internet-Nutzer ist das Wichtigste. Das und nichts anderes muss zuallererst in die Köpfe der Marketingfachleute und der Manager.

Menschen sind wichtiger als Software

Dann muss man sich bewusst sein, das eine technische Lösung allein nicht ausreicht. Einfach für 50.000 oder 100.000 Euro ein Social Network zu seiner Marke oder eine schicke Microsite mit Voting- und Bildhochlade-Mechanismen ins Netz zu zaubern ist oft sinnlos und mittelfristig nicht erfolgreich. Man muss in Menschen investieren. In erfahrene und engagierte Communitymanager. Und in Experten, die wirklich etwas von Web 2.0, seinen Funktionsmechanismen, seiner Philosophie und seiner sozialen Bedeutung verstehen. Und es ist notwendig, das dieses Team auch die Chance bekommt langfristig zu arbeiten. Man baut eine Community nicht von heute auf morgen auf. StudiVZ als das Paradebeispiel in Deutschland hat etwa ein Dreivierteljahr gebraucht, bis die Post so richtig abging. StudiVZ ist sicherlich ein Extrembeispiel, aber auch dort ging es nicht von heute auf morgen. Das Team um Ehssan Dariani hat für den Erfolg wochen-, monatelang tagtäglich wie irre gearbeitet. Ohne das wäre dieser enorme Erfolg nie möglich gewesen.

Aber für mich stellt sich nicht allein die Frage, ob die Markenverantwortlichen schon begriffen haben, wie das Web 2.0 wirklich funktioniert und ob sie bereit sind in erfahrene Communitymanager langfristig zu investieren. Beides ist unbedingt notwendig will man erfolgreich sein.

Wozu eine eigene Marken-Community-Plattform?

Eine weitere Frage ist aus meiner Sicht: braucht eine Marke überhaupt eine eigene Plattform im Internet? Oder ist es nicht intelligenter die möglicherweise schon existierende Community im Netz ausfindig zu machen und sie zu unterstützen? In Marketingkreisen spricht man von internen und externen Communitys sowie von Cross-Over Communities, wobei diese Begriffe leicht verwirrend sind. Denn eine eigene Microsite mit Socialnetwork-Elementen ist ja auch nicht wirklich mehr "intern".

Daher sollte die Aufgabe nicht lauten: Wie baue ich am besten und schönsten ein eigenes Socialnetwork für meine Marke und ihre Fans. Die Frage muss lauten: Wo sind meine Markenfans? In welchen Foren treiben sie sich rum? In welchen bereits existierenden Socialnetworks sind sie aktiv und organisiert? Gibt es eine StudiVZ-Gruppe zu meiner Marke? Gibt es auf Facebook schon Seiten und Gruppen zu meiner Marke? Haben sich MySpace-Nutzer schon als Fans geoutet?

DAS wäre für mich Schritt Nummer 1.

Und dann: Wie komme ich am besten an meine Fans heran? Wie kann ich ihnen helfen? Wie kann ich mit ihnen offen und ehrlich kommunizieren? Welche charmanten, witzigen, ausgefallenen Aktionen oder Applikationen kann ich mir einfallen lassen um sie in der richtigen Art und Weise anzusprechen?

Hier ist wieder die Zusammenarbeit mit guten Communitymanagern und Web 2.0 Eperten (die sich nicht nur so nennen, sondern das moderne Internet auch verinnerlicht haben) unbedingt notwendig.

Die Suche nach den eigenen Fans

Es gibt so viele Möglichkeiten im Internet um auf mich und meine Marke aufmerksam zu machen. Etwas mit viel Geld ins Netz zu blasen und zu schauen was passiert ist immer der einfachste Weg. Aber zugleich auch der langweiligste, uninspirierendste und vermutlich letztendlich erfolgloseste.
Es gibt schon so viele verdammt gute Socialnetworks, Blogs und Foren. Dort sind die Menschen bereits. Das können durchaus auch Nischennetworks und kleinere Foren sein. Sie können dann zur Keimzelle einer gut funktionierenden Markencommunity werden.

Doch ob Markencommunitys in der Zukunft auf nur einer eigenen Plattform funktionieren werden, möchte ich bezweifeln. Die Marketingfachleute müssen begreifen, dass das Netz deutlich vielschichtiger ist. Meine Community wird sich auf etliche verschiedene Plattformen verteilen. Sie wird auf Facebook, Myspace, StudiVZ, Wer-kennt-wen, Lokalisten, Bebo sein, auf Flickr Foto-Alben anlegen, auf Youtube, Sevenload oder MyVideo die passenden Videos hochladen und in Foren über Probleme und Tipps diskuttieren. Dazu kommen womöglich einige Blogger, die sich schon als Fans geoutet haben und wunderbar als Gatekeeper funktionieren können.

Fazit: Eine Markencommunity wird sich in der Zukunft aus vielen verschiedenen Gruppen verteilt im Internet zusammensetzen.

Gute Communitymanager werden dafür sorgen, das ein offener und ehrlicher Austausch mit dieser Community stattfindet. Die Inhaber der Marke und ihre Marketingfachleute müssen bereit sein für den Weg ins Web 2.0. Gemeinsam, auf vielen verschiedenen Plattformen, wird man spannende, witzige, ausgefallene und charmante – so meine Hoffnungen - Marketingaktionen durchführen. Zum Nutzen aller: der Marke und dem Wichtigsten – dem mündigen Nutzer.