SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

30Aug/12Off

Anonymität und das fehlende Gegenüber verleiten zu virtueller Aggressivität in einer Community

Autor des Artikels: Matias Roskos

Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage: Warum wird im Netz so erbittert gestritten? Gerade in Communities ist der Ton oft rau und kann auch schonmal unter die Gürtellinie gehen. Doch was ist der Grund dafür? Ist es die Anonymität des Internets? Oder der fehlende Augenkontakt? Beides trifft zu. Und auch wieder nicht.

Die Forscher sagen unter anderem:

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen realer und virtueller Diskussion ist: Im Netz treffen Menschen aufeinander, die sich nicht kennen. Diese Aussage mag banal klingen, doch aus ihr leiten sich Erkenntnisse ab, warum der Ton in Foren, Blogs und Kommentarbereichen oft so rau ist. Mit Anonymität hat das laut Psychologie-Professor Arvid Kappas von der Jacobs University in Bremen nämlich nicht viel zu tun.

Der an dem Projekt beteiligte Forscher hat dazu ein Experiment mit zwei Kleingruppen durchgeführt: Jede Gruppe besteht aus zwei Personen, die über das Internet zu einem Thema diskutieren sollten. Die eine Gruppe sollte sich vorher kennenlernen, fragen, wo die andere Person herkommt, was sie macht. Die andere Gruppe startete sofort in die Diskussion. Das Ergebnis: Die Personen, die sich vorher nicht über persönliche Dinge unterhalten haben, gingen rauer miteinander um als die, die sich vorher gegenseitig kennengelernt hatten.

Die Anonymität und das Fehlen des direkten Gegenübers verleiten dazu, sich anders zu verhalten und agressiver zu argumentieren.

Auch meine Erfahrung hat mir immer wieder gezeigt, dass es gut und auf Diskussionen entschärfend wirkend wirkt, wenn das Gegenüber weiß, mit wem es redet. Wenn also das "Gespräch" auf eine nicht-komplett-anonyme Ebene gebracht wird. Darum rate ich auch immer dazu Moderatoren und Community Managern einen Namen und ein Gesicht zu geben. So fällt es ihnen leichter in der Community für einen vernünftigen Umgangston zu sorgen.

Ich sehe aber auch in Communities immer wieder Lernkurven in der Kommunikation untereinander. In gewachsenen Communities sprechen die Menschen ganz anders miteinander, als in einer Community, in der sich viele ganz frische Communitymitglieder, oft noch mit wenig Erfahrung im Social Web, aufhalten. "Neue Nutzer" motzen gern drauf los. Nutzer, die schon länger dabei sind, haben gelernt das virtuelle Gegenüber zu respektieren.

Meine Schlussfolgerung daraus:

  1. Geben Sie Moderatoren ein Gesicht (Profilbild) und einen Namen (sollte allerdings nicht Vor- und Nachname sein!).
  2. Greifen Sie vor allem bei jungen Communities frühzeitig in Diskussionen und unter die Gürtellinie Kommentare ein und sorgen Sie für einen für alle Seiten akzeptablen Umgangston. Mit der Zeit lernen die Communitymitglieder respektvoll miteinander umzugehen.
  3. Geben Sie Ihrer Community Zeit. Und binden Sie frühzeitig besonders aktive Communitymitglieder als Stakeholder mit ein. Zum Beispiel, in dem Sie ihnen einen Moderatorenstatus geben.
20Jun/12Off

So sieht es aus – mein Buch „Social Media Communities erfolgreich nutzen“

Autor des Artikels: Matias Roskos

Es ist da. Und bei Google orderbar. Mein erstes eigenes Buch "Social Media Communities erfolgreich nutzen". (Warum die Lieferzeit auf Amazon noch so lang angegeben wird, weiß ich nicht.)

Ich mit meinem Buch

Geschrieben wurde es mit starkem Fokus auf kleine und mittelständische Unternehmen - KMU. Ich habe versucht in für jeden verständlichen Worten das Thema Social Web näher zu beleuchten und Unternehmern jeglicher Couleur, egal welchen Alters, egal ob B2C oder B2B, egal welcher Unternehmensgröße, die Angst vor einem Hineintasten ins Social Web zu nehmen. Und dann Schritt für Schritt Wege der sinnvollen und letztendlich erfolgreichen Arbeit mit einer Community aufzuzeigen.

Dazu gehören für mich nicht nur ganz konkrete Handlungsempfehlungen, sondern auch viele Stimmen von Unternehmern, die bereits im Internet aktiv und erfolgreich sind. Außerdem findet der Leser im Buch auch viele ganz konkrete Beispiele von Kampagnen, Facebook-Seiten und anderen Social Media Strategien, die in den vergangenen zwei bis drei Jahren erfolgreich umgesetzt wurden. So konkret wie nur möglich, nah an der Praxis - das war mir die ganze Zeit des Schreibens über enorm wichtig.

Unter anderem mit dabei im Buch sind:

Ein großes Dankeschön an die vielen Menschen, die mir für dieses Buch in zahlreichen Interviews Rede und Antwort gestanden haben! Das hat Spaß gemacht, und es macht das Buch so wunderbar lebendig.

Ich freue mich nicht nur über Käufer, sondern auch über jegliches konstruktives Feedback zum Buch "Social Media Communities erfolgreich nutzen".

18Jun/12Off

Social Media Communities erfolgreich nutzen – Interview zum Buch

Autor des Artikels: Matias Roskos

Am 13.6.2012 erschien offiziell mein erstes Buch: Social Media Communities erfolgreich nutzen. Es ist ein wunderbares Gefühl, sein erstes Buch in Händen zu halten. Darum Danke an den Verlag Wiley-VCH für die Möglichkeit dieses Buch schreiben zu können. Es hat mir viel Spaß gemacht. Ich hoffe, das merkt man beim Lesen.

Social Media Communities erfolgreich nutzen

Zur Einführung könnte ich jetzt viel schreiben wieso, weshalb und warum. Aber viel spannender finde ich, wie es zu dem Buch kam. Und warum der Verlag gerade mich dafür ausgewählt hat. Deshalb hier ein kurzes Interview mit der für dieses Projekt verantwortlichen Programmleiterin über Ziel und inhaltliche Ausrichtung des Buches. Danke, Frau Neuendorf, für die zur Verfügung gestellte Zeit. Und für Ihre Initiative, dieses so spannende Thema näher zu beleuchten!

Guten Tag Frau Neuendorf. Sie haben als Programmleiterin bei Sybex von Lektoratsseite aus mein Buch "Social Media Communities erfolgreich nutzen" initiiert und intensiv begleitet. Dafür erst einmal herzlichen Dank. Wie kam es zu der Idee über dieses spezielle Gebiet aus der vielfältigen Welt des Social Web ein Buch ins Verlagsprogramm zu nehmen?

Esther NeuendorfAllgemeine Bücher über Social Media Marketing gibt es inzwischen genug. Wir wollten konkreter werden und fanden den Ansatz, das Thema Communities aufzugreifen, spannend Viele Firmen fragen sich, ob sie selbst eine Community aufbauen sollen und wie sie das am besten angehen. Sie zeigen in Ihrem Buch, dass nicht immer die große Lösung sinnvoll und nötig ist, sondern dass man auch mit ersten vorsichtigen Schritten auf Facebook loslegen oder sich einem bereits erfolgreichen Partner anschließen kann.

Zielgruppe: Insbesondere KMU mit überschaubarem Marketingbudget

Wer ist die Zielgruppe für dieses Buch?

Die Zielgruppe sind alle, die für ihre Firma für das Social Media Marketing zuständig sind. Das können explizit Marketing-Mitarbeiter sein oder auch der Inhaber einer kleineren Firma, der sich um den Social-Media-Aufritt seines Unternehmens kümmert. Das Buch richtet sich ausdrücklich nicht nur an große Firmen, sondern insbesondere an KMUs mit einem überschaubaren Marketingbudget.

Wo wird man mein Buch überall kaufen können?

Überall, wo es Bücher gibt. Im stationären und natürlich auch im Online-Buchhandel. Und wenn es in der Buchhandlung um die Ecke gerade nicht vorhanden ist, kann der Buchhändler Ihres Vertrauens das Buch in der Regel vom einen auf den anderen Tag für Sie bestellen.

Welche anderen, korrespondierenden Bücher gibt es passend dazu im Verlagsprogramm?

Im August wird Social Media Markterfolg messen und analysieren erscheinen, ein Buch, das zeigt, wie man ganz einfach und mit oft kostenlosen Monitoring-Tools ermitteln kann, ob die letzte Social-Media-Kampagne ein Erfolg war, wie die eigene Firma im Vergleich zum Mitbewerber dasteht oder auch ob die geplanten Marketing-Ziele erreicht werden. Und für das Frühjahr 2013 sind weitere Bücher zum Thema Social Media geplant.

Buch mit Mutmach-Charakter

Ihnen ganz persönlich - welcher Teil meines Buches hat Ihnen am besten gefallen? Was sind die Stärken dieses Buches?

Eigentlich dreierlei:

1. Am allerbesten haben mir die spannenden, inspirierenden und vielfältigen Fallbeispiele gefallen, die Spaß machen und die Lust wecken, selbst was Tolles auf die Beine zu stellen.

2. Mir gefällt an Ihrem Buch auch der "Mutmach"-Charakter. Sie machen klar, dass es durchaus okay ist, erst einmal vorsichtig zu flanieren und auszuprobieren, und zeigen aber auch zugleich, welche tollen Dinge man auch mit überschaubarem Aufwand realisieren kann.

3. Ich finde Ihre klare Botschaft, dass das Social Web ein Kommunikationsraum ist, ein Ort des Gebens und Nehmens, ein Miteinander aller Beteiligten sehr einleuchtend und glaube, dass es ein Umdenken gerade bei den Lesern auslöst, die aus dem klassischen Marketing kommen und im Social-Media-Marketing eine ganz andere Welt erleben.

Wer sollte sich dieses Buch unbedingt kaufen?

Am besten jeder. ;-) Nein, im Ernst, auch wenn es vor allem an Marketeers gerichtet ist, so ist es auch eine echte Bereicherung für alle, die anschaulich erfahren möchten, was im Social Web möglich ist.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, dass ich genau der Richtige für ein solches Buch wäre? Wir kannten uns ja vorher gar nicht.

Ich habe gesehen, dass Sie bei der Social Media Akademie Seminare zum Thema Social Media Communities anbieten und in Ihrer Marketingagentur viele kleinere und mittelgroße Firmen betreuen. Unter www.Socialnetworkstrategien.de habe ich Texte von Ihnen gelesen, die mir inhaltlich und vom Stil gut gefallen haben. Und in einem Telefonat habe ich dann schnell Ihre Begeisterung für das Thema gespürt und als Sie davon sprachen, dass Sie das Buch gerne mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis füllen wollen, da war mir klar: das ist der richtige Autor für dieses Buch!

Ich hoffe, die Zusammenarbeit mit mir war nicht nur anstrengend! Ich bedanke mich bei Ihnen und beim Verlag Wiley-VCH für die Möglichkeit dieses Buch Realität werden zu lassen! Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht.

Mir hat es viel Spaß gemacht, Sie beim Schreiben des Buchs zu begleiten. Ich hatte den Eindruck, dass meine Anmerkungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind und empfand unsere Zusammenarbeit als sehr angenehm und konstruktiv. Toll, dass Sie auch in Zeiten, in denen viel anderes zu tun war, immer noch die Zeit gefunden haben, am Ball zu bleiben. Herzlichen Dank dafür!

Wer mag, kann es natürlich gern auf Amazon bestellen. Ich würd mich freuen!

13Jun/12Off

Unfassbarer Sexskandal auf Habbo

Autor des Artikels: Matias Roskos

HabboHabbo (ehemals Habbo-Hotel) ist eine der bekanntesten virtuellen Welten des Internets. Habbo ist (war?) extrem beliebt bei Teenagern. Habbo lebte von der Möglichkeit mit anderen zu chatten, virtuelle Freundschaften zu schließen und sich ein virtuelles Zuhause in einem lustigen, bunten Pixelstyle einzurichten.

Seit heute müssen die Avatare der Nutzer auf Habbo schweigen. Die Betreiber-Firma Sulake hat die Chat-Funktion abgeschaltet. Vorerst. Grund ist ein schockierender Bericht des britischen Fernsehsenders Channel 4, in dem gestern gezeigt wurde, wie offensichtlich Pädophile auf Habbo ihr Unwesen treiben. Nicht nur, dass es in den Chats immer wieder ganz direkt sexuelle Anspielungen gibt. Auch wurden die Avatare offensiv aufgefordert sich via Skype oder MSN mit anderen zu treffen und sich vor Webcams auszuziehen. Eine Journalistin von Channel 4 war insgesamt 50 mal eingeloggt und wurde dabei jedesmal entsprechend angesprochen.

Habbo

Niemand kann verhindern, dass Pädophile oder andere Kriminelle sich im Internet bewegen, versuchen Kontakte zu knüpfen und in Social Networks aktiv zu werden. Ein Plattformbetreiber kann aber, nein: er muss ausschließen, dass Kriminelle über Wochen auf einer Plattform wirken und Kinder ansprechen können, ohne dass durch das Communitymanagement eingeschritten wird. Das ist der Skandal an sich. Die Untätigkeit. Es ist mir (fast) unbegreiflich, wie so etwas passieren kann. Die Rede ist hier nicht von einem Einzelfall, wie bei Channel 4 nachzulesen und zu sehen ist.

Was das für Habbo bedeutet ist noch vollkommen unklar. Ein Investor hat sich bereits zurückgezogen. Die britischen Supermärkte haben heute umgehend alle 10-Pfund-Gutschein-Karten für Habbo aus dem Sortiment genommen. Was für Habbo umsatztechnisch eine Katastrophe werden könnte.

Was für mich als Community Manager und Social Media Mann aber viel spannender ist, ist natürlich die Frage, wie so etwas passieren kann. Denn ganz klar: es darf einfach nicht passieren, dass das Communitymanagement es über einen Zeitraum von mehreren Wochen nicht mitbekommt, wenn über solche Themen in der Community gesprochen wird. Und nicht einschreitet.

Das bedeutet wiederum ganz klar, dass ein gut funktionierendes Communitymanagement und ein professionelles Moderatorenteam unerlässlich ist für eine Plattform, deren Kernbestandteil die virtuelle Kommunikation ist. Permanente Moderation, intensives Monitoring und ein professionelles Communitymanagement sind unabdingbar, um den Nutzern die Sicherheit zu bieten, die sie zu recht erwarten.

26Jul/11Off

BlindAd in der Review

Autor des Artikels: Matias Roskos

Blog Marketing Dies ist ein durch hallimash vermittelter, honorierter Eintrag

Die Idee gefällt mir. BlindAd möchte sich als Soziales Netzwerk etablieren, welches auf sogenannte Adventures setzt. Erst seit dem 29. Mai 2011 online, möchte man "die Leute weg vom Schreibtisch nach draußen bewegen". Ich bin gern draußen. Ein Grund, warum ich aus Berlin weg gezogen bin. Das macht mir BlindAd schonmal irgendwie sympathisch. Auch auf Facebook ist BlindAd präsent.

Hinter diesem Social Network stecken zwei Brüder und Studenten aus Freiburg und Heidelberg. Das Ganze funktioniert ein wenig nach dem Blind-Date-Prinzip. Man weiß nicht hundertprozentig, wer zum "Adventure" kommt. Aber: man weiß, dass diejenigen aus der Nachbarschaft bzw. der Region kommen. Denn wer reist schon aus Hamburg zu einem "Adventure" in Kaufbeuren? Es existiert zum Beispiel auch keine Such-Funktion für Personen, wie man sie von Facebook kennt.

Auf der Startseite wird das Prinzip so beschrieben:

Langeweile? Neu in der Stadt? Freizeitpartner gesucht? Du hast Lust, alleine oder zusammen mit deinen Freunden, neue Leute aus deiner Stadt kennenzulernen? Dann bist du bei BlindAd.de genau richtig!

"Blind", denn vor dem Adventure siehst du von den Personen nur den Vornamen, das Alter, das Geschlecht und ein Miniaturprofilbild. Anders als du es von anderen sozialen Netzwerken gewohnt bist, gibt es auf BlindAd keine Personensuchfunktion.

Ein "Adventure" kann jede mögliche Aktivität sein wie z.b. Sport, Kneipentour, Grillen, Tanzen, Karaoke, Flashmob, Kino etc.

BlindAd

Erst nach einem solchen Adventure kann man die Teilnehmer zur eigenen Bekanntenliste hinzufügen. Erst dann Weiterlesen …

14Jan/11Off

Die Rollen in einer Community

Autor des Artikels: Matias Roskos

Nachdem ich mich zuletzt in drei Beiträgen intensiv mit den Aufgaben und Anforderungen eines Community Managers beschäftigt habe (siehe Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3), gehe ich nun der Frage nach, welche Rollen es in einer Community gibt. Dieses Thema wird auch Bestandteil des Lehrgang “Community Manager SMA“ sein, für den ich mit verantwortlich zeichne.

Und hier nun verschiedene Rollen, die Menschen in einer Community bzw. im Zusammenhang mit einer Community innehaben können. Es kann dabei zu Überschneidungen kommen. Und nicht jede Rolle muss in jeder Community vorkommen. Doch in den meisten kann man davon ausgehen.

Community Manager

Der Community Manager muss fester Bestandteil der Community sein. Hierfür ist es aus meiner Sicht auch wichtig, dass er (oder sie, wenn es bei großen Communities mehrere sind) namentlich bekannt ist. Denn nur so kann er wirklich authentisch agieren.
Alles weitere zum Communitymanager finden Sie in diesen drei Artikeln: Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3)

Admin

Die Admins sind verantwortlich für das technische Funktionieren der Plattform. Sie können, müssen aber nicht, auch namentlich agieren in der Community. Oft sind sie "unsichtbar" und arbeiten auf Anweisung durch den Community Manager oder auch zu großen Teilen eigenverantwortlich. Vielen ist aus der Vergangenheit noch die Bezeichnung "Webmaster" geläufig.

Moderator

Oft ist ein Community Manager auch zugleich Moderator in der Community. Dies muss aber nicht Weiterlesen …

22Jul/09Off

myComics.de – neue Comic-Community aus dem Hause Panini

Autor des Artikels: Matias Roskos

mycomics.de

Panini hat sich in den vergangenen fast 40 Jahren einen Namen gemacht mit Klebebildchen von Fussballern. Nach und nach, vor allem nach dem Kauf durch Marvel, stieg man zu einem der drei größten Comicverlage in Europa auf. Die Klebebildchen sind seit den 90ern also nur noch ein Standbein von mehreren. Nun testet man in Deutschland einen neuen Weg, um die Comic-Gemeinde hierzulande weiter an Panini zu binden. Mit myComics.de brachte man vor wenigen Wochen eine Seite an den Start, die erste Anlaufstelle für die deutschen Comicfans werden soll.

Als Leseproben stehen bereits etablierte Comics bereit. Es gibt "Web-Cartoons, witzige Kurzgeschichten, Science-Fiction, Superhelden, Fantasy und die edleren Graphic Novels". Man verlässt sich also nicht allein auf eine erst im Entstehen befindliche Community, von der man nie zu 100% sagen kann ob und vor allem wie schnell sie eine relevante Größe erreicht. Ein redaktionell gepflegter Unterbau soll dafür sorgen dass die Seite wie ein Magnet interessierte Comicleser, Fans und dann auch Zeichner anzieht. Eine Strategie, die aus meiner Sicht absolut richtig ist und leider von so vielen Startups, hinter denen Verlage oder andere größere Unternehmungen stecken, mit den Worten abgetan wird: "Redaktion brauchen wir nicht. Kostet nur unnötig Geld. Das muss auch so funktionieren mit dem Wachstum und so. Das macht die Community schon von allein. Oder?" Genau: Oder?! Es gibt keine Automatismen im Internet. Aber es gibt Cases, wo bestimmte Dinge funktioniert haben. Und auch nicht.

Ich freue mich, dass man bei Panini diesen Mischweg beschreitet und hoffe, dass eine redaktionelle Zuarbeit auch mittelfristig erhalten bleibt. Herzstück der Plattform soll aber sicherlich die Community werden. Sie kann bewerten und natürlich kommentieren. Und vor allem kann sie auch selbst Inhalte hochladen. User Generated Content, der an dieser Stelle absolut Sinn macht. Dass es hierbei schon wirklich Vorzeighaftes gibt, beweisen einige gute Beispiele, so diese Death Dealer Zeichnungen. Die technische Umsetzung mit dem Flashplayer, den man auch auf Fullscreen schalten kann, ist sehr gelungen.

mycomics.de

Es wäre schön, wenn neue Talente entdeckt werden, die dann den Sprung zum Print schaffen, oder aber schon bestehende Comics neue Fangruppen erschließen könnten.

erklärte Max Müller, Verlagsleiter Comics beim deutschen Ableger der Panini-Gruppe in einer Pressemitteilung.

Ob gerade dieser spannende Teil der Plattform angenommen wird, müssen die kommenden Monate zeigen. Ich weiß von einigen befreundeten Comiczeichnern, dass sie dem skeptisch gegenüber stehen. "Schade um die Zeit" sagen sie. Ich kenne die Firmenpolitik von Panini zuwenig um einschätzen zu können, wie ernst es dem Verlag mit dem Entdecken neuer Talente ist. Und ob das letztendlich auch finanziell interessant für diese ist. Denn ein solches Portal muss aus Nehmen und auch Geben bestehen. Will sagen: wenn man Talenten eine Plattform geben möchte, muss man diese auch fördern und ihnen echte Möglichkeiten bieten.

Es gefällt mir als jemand der mit seiner Agentur VOdA regelmäßig Crowdsourcing-Contests im Kreativbereich umsetzt selbstverständlich ausgesprochen gut, dass man gleich mit einem Contest versucht Aufmerksamkeit zu gewinnen und der Community etwas zu bieten. So heißt es bei myComics.de:

Es ist soweit, der erste Wettbewerb ist gestartet!
Ab sofort kann jeder registrierte User am Wettbewerb mitstimmen. Der Wettbewerb läuft vom 01.07.2009 bis zum 31.07.2009. Ihr könnt einen oder mehrere Comics wählen. Ihr könnt alle 24 Stunden neu wählen.
Für die Sieger gibt es neben Ruhm und Ehre auch noch ein paar handfeste Preise zu gewinnen:

  • 1. Preis: 300,- Euro
  • 2. Preis: Einkaufsgutschein über 100,- Euro für den Online-Shop von www.paninicomics.de
  • 3. Preis: Einkaufsgutschein über 50,- Euro für den Online-Shop von www.paninicomics.de

Naja - noch nicht die Welt. Damit lockt man wahre Könner nicht hinter dem Ofen vor. Aber es ist ein (richtiger) Anfang.

Für Comictalente ist ein solches Portal, das durchaus dem Bereich Crowdsourcing zugeordnet werden kann, eine spannende Option um auf sich aufmerksam zu machen und möglicherweise neue Fans zu finden. Was ich jedoch nicht ganz verstehe ist, warum man sich nicht mit den relevanten Social Networks verbindet. Auf MySpace sind ja viele Artists bereits unterwegs. Hier sollte man seine neue Plattform ankoppeln. Auch auf Facebook gibt es Fangruppen in diesem Segment. Zu denen sollte man den Kontakt suchen, ohne sie mit Marketing-Spam zu nerven! Aber vielleicht ist das ja auch bereits geschehen. Eine umfassende Social Media Strategie ist von außen zumindest noch nicht zu erkennen. Aber: Panini ist einen wichtigen und richtigen Schritt gegangen. Viel Erfolg damit!

19Mai/08Off

Communitys und Social Networks – eine Differenzierung der Begrifflichkeiten

Autor des Artikels: Matias Roskos

Immer wieder merke ich bei meinen Kunden, das der Unterschied zwischen einer Community und einem Social Network nicht klar ist. Beides wird willkürlich in einen Topf geworfen. Darum hier ein paar Ausführungen, worin konkret der Unterschied besteht.

Wenn ich von einer Community spreche, dann ist damit eine „Online-Community“ gemeint. Es gibt auch andere Formen von Communitys, die hier nicht Gegenstand sein werden. Der Einfachheit halber spreche ich aber weiter einfach nur von „Community“.

Community als Gemeinschaft von Menschen

Eine Community ist eine Gemeinschaft von Menschen, die im Internet mit Hilfe einer Plattform sich zu einem bestimmten Themenkomplex austauschen, beziehungsweise ähnliche Interessen haben und diese im Internet mit Gleichgesinnten teilen. Eine solche Plattform kann ein Forum sein, ein Chat-System, ein Blog, ein Webportal, ein virtueller Marktplatz oder ein Social Network. Sie treffen sich also virtuell und nutzen eine technische Lösung um miteinander zu kommunizieren oder gar gemeinsam zu agieren. Zwischen diesen technischen Lösungen gibt es unzählige Schnittmengen. Viele Webportale haben auch ein Forum. Virtuelle Marktplätze haben Blogs. Ein Social Network beinhaltet ein Chat-System. Klare Trennungen sind nicht immer möglich und sinnvoll.

Eine Community ist also ein soziales Phänomen. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen. Diese benötigen aber eine technische Lösung, eine Plattform, auf der sie sich treffen können. Dort kommunizieren sie miteinander. Sie vernetzen sich untereinander. Sie arbeiten gemeinsam an Problemlösungen. Sie geben Informationen weiter. Sie informieren sich und beziehen News und Tipps zu ihren Interessens-Gebieten.

Ein Social Network ist eine technische Lösung

Im Web 2.0 Zeitalter sind diese Plattformen immer häufiger Social Networks. Ein Social Network ist also in erster Linie eine technische Lösung. Aber es ist durchaus ebenso ein soziales Phänomen. Denn hier treffen sich Menschen, tauschen sich aus und vernetzen sich miteinander. Die namhaftesten Beispiele für Social Networks sind MySpace, Facebook, StudiVZ oder Xing.

Auch hier ist wieder der Hinweis darauf notwendig, das ich von einem virtuellen Social Network spreche. Oder noch besser: einem Social Network Service. Dies ist die korrekte Bezeichnung. Denn soziale Netzwerke gibt es nicht nur im Internet sondern auch im realen Leben. Gegenstand dieses Artikels sind aber ausschließlich die Erscheinungen, die das Internet betreffen.

Auf einem Social Network versammelt sich also eine Community. Eine Community sind Menschen mit gleichen oder ähnlichen Interessen. Ein Social Network ist eine technische Lösung, die den Nutzern Instrumente an die Hand gibt, mit denen sich die Mitglieder der Community vernetzen können. Hierzu zählt die Möglichkeit der Einrichtung eines eigenen Profils, Freunde einladen, Freunde/Kollegen suchen und finden, mit anderen Nachrichten unabhängig von Emails austauschen, Votingsysteme, eigene und gemeinsame Bildergalerien, virtuelle Geschenke, Linksammlungen (Social Bookmarking) und vieles andere mehr.

Es gibt verschieden starke Communitys. Mit „stark“ meine ich den Grad der Interaktion und die Festigkeit der Bindung untereinander. Es gibt Unterschiede, wie fest die Bindung der Community-Mitglieder ist und in welcher Form sie miteinander agieren.

Es gibt im realen Leben Hausgemeinschaften, in denen sich die Nachbarn kaum kennen. Man wohnt nur in dem Haus, teilt außer der Räumlichkeit aber nichts miteinander. In anderen Hausgemeinschaften werden Geburtstage, Silvester, Sommerfeste und andere Dinge zusammen zelebriert. Man kennt und hilft sich. Ähnlich ist es im Internet.

In Social Networks wie MySpace oder Facebook richtet man sich ein. Man lädt seine Freunde ein, vernetzt sich mit Kollegen und Geschäftspartnern. Man kommuniziert in relativ kleinen, geschlossenen Kreisen, kennt seine „Nachbarn“ aber kaum. Andere Communitys sind deutlich kollaborativer. Oft sind das Foren-Communitys, wo jeder Fragen stellen kann, die andere dann beantworten. Der Gedanke der Interaktion ist viel größer. Es geht weniger ums Vernetzen wie um Antworten auf Fragen oder die Weitergabe von Wissen. Der Grad der gemeinsamen Interessen ist deutlich höher wie in großen Social Networks.

Foren sind oft bessere Communitys

Überhaupt werden Foren in Zeiten der Social Networks stark unterbewertet! Ihre Communitys sind meist über einen viel längeren Zeitraum gewachsen. Und durch den hohen Grad der Interaktion sind die Strukturen viel enger und gefestigter wie bei den täglich um mehrere tausend Mitglieder wachsenden Social Networks. In den großen Social Networks wiederum bilden sich Nischen, in denen sich eigene Subcommunitys bilden. Zum Beispiel um eine Musikband herum. Oder um Künstler, die ihre Fans dort versammeln.

Was man bei all den Gedanken über Communitys und Social Networks nie vergessen darf: Es sind Menschen, die im Internet aktiv sind. Menschen mit Wünschen, Hoffnungen, Sehnsüchten, mit Wissen, Können, Erfahrungen.

Darum wird der Beruf des Communitymanagers in der Zukunft auch immer wichtiger sein. Denn er ist der Manager, Vermittler, Schlichter in einer Community. Auf den Communitymanager werde ich hier in naher Zukunft näher eingehen.

Community = Gefüge von Menschen / Social Network = technische Plattform für eine Community

Zusammenfassend kann man sagen, das ein Social Network eine technische Plattform ist. Wenn jedoch viele Menschen von Social Networks sprechen, meinen sie die dort existierende Community. Man kann dann auch von einer Social Network Gemeinschaft sprechen. Neue Social Networks haben oft aber noch gar keine Community und müssen sich diese erst erarbeiten.

Eine Community kann es aber auch in einem Forum geben oder auf anderen Internet-Plattformen. Mit ihr ist das Gefüge von Menschen gemeint, die gemeinsame Interessen haben und interagieren.

In den nächsten Wochen werde ich dann auf das Agieren innerhalb von Communitys, auf Monetarisierungsmöglichkeiten der Social Networks, auf sinnvolles Crowdsourcing und auf Nischencommunitys eingehen.