Vor wenigen Tagen noch war ich auf die Erfolgsfaktoren des Markenaufbaus bei Apple eingegangen. Unter anderem hatte ich dort geschrieben:
Qualität: Immer wieder setzt Apple neue Qualitätsstandards. Wie jetzt ganz aktuell beim beeindruckenden Display des iPhone 4. Sobald jedoch dieser Punkt vernachlässigt wird, was in den 90ern und wiederum 2004/2005 der Fall war, bekommt das Unternehmen Image- und Umsatzprobleme. Und besinnt sich dann wieder auf diesen Schlüsselfaktor ihres Erfolges: Qualität.
Nun droht ihnen genau dieser Punkt auf die Füße zu fallen. Das iPhone4 ist Schrott. Das bestätigte nun auch ein amerikanisches Testinstitut, das sich das iPhone genauer unter die Lupe genommen hat.

Wie konnte so etwas passieren? Wie kann Apple ein Gerät auf den Markt werfen, dass massive Empfangsprobleme hat? Ich weiß es nicht. Und ich kann es mir nur mit dem enormen Innovationsdruck erklären. Apple will und muss aus dem Eigenverständnis heraus Vorreiter sein. Die Konkurrenz schläft aber nicht und ist Apple mittlerweile dicht auf den Fersen, was Smartphones und Touchpads anbelangt.
Dabei hat dieses Mal die Qualität gelitten. Massiv. Dies könnte Kosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verursachen, hat ein Analyst von Bernstein Research ausgerechnet (nachzulesen auf n-tv).
Was ich daran so spannend finde, ist nicht nur das Beobachten, wie ungeschickt Apple mit diesem Thema umgeht. Bisher wurde knallhart behauptet, das Problem wäre kein echtes Problem, sondern nur ein kleiner Softwarefehler. Wie nun wird Apple reagieren? Heute ist eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz angesetzt. Start 19 Uhr MESZ.
Noch spannender finde ich aber die Tatsache, dass dieses Problem wieder einmal über die Social Media Kanäle blitzschnell nach oben gespült wurde. Über Blogs und dann via Twitter und Facebook fand die Nachricht, dass das iPhone ein massives Empfangsproblem hat, seinen Weg hin zu den Nutzern. Die Viralität des Social Web funktionierte bestens und setzt Apple massiv unter Druck.
Genauso wie das Social Web für einen arbeiten kann, wenn man was Gutes zu bieten hat, kann es einen aber auch blitzschnell darauf hinweisen, dass man Mist gebaut hat. Nichts Schlimmes an sich. Feedback zum Produkt kann zu kundennäheren Produkten und Produktverbesserungen führen. Wenn man denn bereit ist zuzuhören und schnell zu reagieren.
Leider hat Apple auf diese Signale der Nutzer erst einmal nicht hören wollen. Nun ist der Imageschaden immens. Und von Tag zu Tag an dem Apple sich in seiner Trutzburg verschanzt und so tut, als wäre die Welt da draußen so böse zu ihnen, wird der Schaden größer. Apple – ihr habt Mist gebaut! Seht es ein. Gebt es zu. Reagiert, so wie man es von einer innovativen Marke erwartet.
Schauen wir, wie es weiter geht.
Vielen Dank an Ulf Kollwitz für die Illustration zum Artikel!