Community – die Deppen, die für mich arbeiten?
Im Frühjahr erreichte mich die Bitte, einen Einwurf zum Thema Communities für das "HMD" zu schreiben. Diesem Wunsch kam ich gern nach. Und so entstand der Artikel "Community - die Deppen, die für mich arbeiten?".
Hier ein kleiner Auszug daraus:
Wenn ich Unternehmen berate und Konzepte für den Community-Aufbau ausarbeite, dann versuche ich meinen Kunden zu erklären, was die wichtigsten Aspekte für den Erfolg eines Community-Projektes sind. Der wichtigste Aspekt ist die Beantwortung der Frage: „Warum soll ich da mitmachen?“ Genau diese Frage stellt sich jedes potentielle Mitglied einer Community! „Warum? Was bringt mir das? Was habe ich davon?“ Eigentlich ganz einfach, oder? Und diese Frage können die wenigsten Unternehmen, die davon träumen eine Community für sich arbeiten zu lassen, wirklich beantworten.
Wobei in der Formulierung „für sich arbeiten lassen“ bereits der erste Kardinalfehler liegt. Denn es sollte nicht darum gehen, eine Community FÜR sich arbeiten zu lassen, sondern vielmehr darum GEMEINSAM MIT EINER COMMUNITY etwas zu erreichen. Wie die konkrete Zielsetzung einer Community-Plattform dann ausschaut, muss in der Strategie-Planung vorab ausgearbeitet werden. Auch das machen die wenigsten zur Zeit.
Mehr im jetzt vorliegenden gedruckten Heft 280, August 2011, HMD. Das Blog dazu findet man hier. Danke an die Macher für die Möglichkeit diesen Artikel bei ihnen zu platzieren. Hat Spaß gemacht.
Wer ist verantwortlich für die Strategie einer Community?
Im Zusammenhang mit meinem Artikel Die 7 wichtigsten Aufgaben eines Community Manager – führende Experten geben Auskunft kam die Diskussion auf, wer für die strategische Planung des Communityaufbaus und des Communitywachstums zuständig ist. Für solche kritischen und zugleich kontroversen Diskussionen liebe ich das Social Web. Danke für die Anregungen, Johannes und Dirk. Auch wenn ich Eurer Kritik nicht zu zustimmen kann.
Bei allen sieben von mir befragten Community Managern spielte in der Aufgabenbeschreibung des Community Managers Strategie eine eher untergeordnete Rolle. Andere Dinge stehen im Vordergrund. Vor allem die tägliche Arbeit, die permanente Kommunikation in und mit der Community.
Wer ist zuständig für die Community-Strategie?
Dies kann ganz unterschiedlich sein. Wünschenswert ist es auf jeden Fall, dass der Community Manager in die strategischen Planungen eng eingebunden wird. Zu jedem Zeitpunkt. In der Phase des Communityaufbaus genauso wie beim Communityausbau und bei Social Media Kampagnen, bei denen die Community involviert werden soll.
Oft ist es auch üblich, dass der künftige Community Manager entscheidend am Strategiekonzert mitarbeitet und den Communityaufbau federführend mitgestaltet. Oft, aber nicht immer. Aus meiner Erfahrung der letzten drei Jahre weiß ich, dass auch erst während der Planung der bzw. die passenden Community Manager und Community Managerinnen gefunden werden. Und immer wieder auch kommt es vor, dass in der ersten Phase des Communityaufbaus (meist 3 - 6 Monate) aus der Community heraus Community Manager gewonnen werden, die sich vorher als besonders aktiv und zugleich geeignet heraus kristallisiert haben. Oft ein Idealfall, den man aber nicht immer voraussetzen kann und sollte.
Selten aber ist ein Community Manager ein Theoretiker. Jemand der gern Konzepte schreibt und Ideen zu Papier bringt, mit denen dann die Verantwortlichen im Unternehmen (und damit letztendlich auch die Geldgeber - ich weiß wovon ich rede...) überzeugt werden sollen.
Die meisten Community Manager lieben das Arbeiten in der Praxis und lassen ihre Erfahrungen und Weiterlesen …
Ein guter Communitymanager ist…
Schon neulich hatte ich über die wichtigsten Aufgaben eines Communitymanagers geschrieben und dabei unter anderem sechs Community Manager von namhaften Portalen zitiert. Via Email hatte ich in Vorbereitung auf den Lehrgang “Community Manager SMA“; für den ich mit verantwortlich zeichne, nicht nur nach den wichtigsten Aufgaben gefragt, sondern auch um eine Einschätzung gebeten, was denn eigentlich einen wirklich guten Community Manager ausmacht.
Auf die aus meiner Sicht drei wichtigsten Punkte war ich schon neulich eingegangen.
- Fingerspitzengefühl in der Kommunikation und im Umgang mit einzelnen Mitgliedern der Community
- Spaß an der virtuellen Kommunikation
- Identifikation mit dem Plattformbetreiber und den Themen der Community
Nur wenn diese drei Punkte passen, bin ich davon überzeugt, dass die Arbeit des Community Managers erfolgreich sein wird.
Franz Schiller von Sellaband meint, dass wenn es ihm gelingt eine "freundliche, konstruktive und aktive Community" aufzubauen und zu managen, er bewiesen hat, dass er ein Guter ist.
Auch Nadja Waldraff (Holidaycheck) sagt:
Ein guter Community-Manager ist sich seiner Verantwortung beiden Seiten gegenüber bewusst. Es lässt sich natürlich auch ganz pragmatisch benennen: wer es schafft als Community-Manager seine vom Unternehmen gesetzten Ziele zu erreichen, ist ein guter Community-Manager.
Schlichtweg geht es darum, als Schnittstelle einen guten Job zu machen und die Bedürfnisse auf beiden Seiten in seinem Output zu vereinen.
Das mir so wichtige Fingerspitzengefühl spricht auch Tom Noeding (Evangelisch.de) ganz deutlich Weiterlesen …
Die 7 wichtigsten Aufgaben eines Community Manager – führende Experten geben Auskunft
Aktuell bin ich mit den Vorbereitungen für die neuen Kurse an der Social Media Akademie beschäftigt, speziell mit dem neuen Lehrgang "Community Manager SMA". In diesem Zusammenhang habe ich einige namhafte Community Manager Deutschlands zur Rolle des Community Managers befragt.
Noch immer ist das Aufgabengebiet selten klar umrissen und wird in vielen Unternehmen unterschiedlich ausgelegt. Und viele Manager und Markenverantwortliche können mit diesem ganz neuen Berufsprofil noch nicht wirklich etwas anfangen. Dem möchten wir an der Social Media Akademie entgegen wirken. Aufklärungsarbeit, Hilfe, Praxisbeispiele, Erfahrungswerte - dies alles wollen wir weitergeben.
Zu den Aufgaben eines Community Managers befragt, antwortete mir Nadja Waldraff von Holidaycheck.de zum Beispiel:
Ein Community-Manager hat vor allem wichtige soziale Aufgaben, er muss authentisch und loyal sein. Ich vergleiche es immer gerne mit dem Klassensprecher in der Schule. Er steht zwischen der Community und dem Community-Betreiber und muss beide Interessen vertreten und als vertrauenswürdiger Ansprechpartner für beide Seiten fungieren.
Tom Kedor, der wie Tom Noeding auch zum Dozenten-Team an der Social Media Akademie gehören wird, ist seit Jahren federführend für den Communityaufbau bei Motortalk.de verantwortlich. Er führte Weiterlesen …
Communitymanagement und Social Media an der Social Media Akademie
Heute mal der Hinweis auf einen Artikel auf t3n, der sich mit dem Thema Communitymanagement beschäftigt. Und zugleich für die Social Media Akademie wirbt, an der ich auch 2011 als Dozent tätig sein werde. Die Vorbereitungen für einen neuen Kurs, der sich speziell dem Communitymanagement widmen wird und für den ich verantwortlich sein werde, laufen auf Hochtouren.
Für den Artikel "Neue Herausforderungen im Community Management" hat mich der Autor des t3n-Artikels via Email kurz interviewt. Danke für diese Möglichkeit. Ganz wichtig war mir dabei folgender Punkt:
Dabei stellen sich dem Verantwortlichen viele Fragen: Wie geht man mit User-Kommentaren um? Wie schnell sollte man auf Diskussionen im Netz reagieren? Wann muss man eingreifen? Welche juristischen Grenzen müssen beachtet werden? Zudem ist der Manager auch Motivator, der Anreize schafft, Themen setzt, Diskussionen anregt, Aktionen ins Leben ruft und immer ansprechbar ist. So sieht das auch Mathias Roskos, der noch ergänzt: „Es ist wichtig, dass der Verantwortliche seine Community immer im Blick hat, um helfend, auch mal schlichtend oder regulierend mit dabei zu sein. Er muss ein fester Bestandteil der Community sein, damit sie ein konstruktiver und angenehmer Kommunikationsraum wird.“ Überlasse man eine Community sich selbst, werde sie zumeist zum Tummelplatz von Plaudertaschen, Störern, Nörglern und anderen destruktiven Zeitgenossen.
Das wird immer wieder von Unternehmen verkannt. Wie wichtig es ist, dass sie selbst, in Form eines oder mehrerer Communitymanager, ein echter Bestandteil der Community werden! Dies immer wieder nach außen zu tragen, liegt mir sehr am Herzen. Und werde ich auch nicht müde in meinen Vorträgen und Workshops zu kommunzieren. So dann bald auch wieder im Basis Lehrgang Social Media und 2011 in den neuen Lehrgängen der Social Media Akademie. Für die ich übrigens verdammt gerne arbeite. Weil das Team einen super Job macht.
Der WeTab-Fail als Social Media Learning Case: So dämlich wie Herr Anker von Ankershoffen? Bitte machen sie es besser.
Es ist unfassbar. Wie dämlich muss man sein um über ein halbes Jahr hinweg so im Internet zu agieren wie Herr Hoffer von Ankershoffen, Geschäftsführer und Unternehmenssprecher von Neofonie (170 Mitarbeiter laut Wikipedia), Erfinder der Suchmaschine Fireball in den 90er Jahren und bis gestern Geschäftsführer und Sprecher der WeTab GmbH.
Gestern verkündete er seinen Rückzug als Geschäftsführer der WeTab GmbH. Grund: er hatte auf Amazon unter einem Pseudonym Lobhudeleien auf das bisher mäßig gestartete WeTab abgegeben, was jedoch - zu seinem Ärger - schnell aufflog. So dämlich wie Herr Ankershoffen dachte, ist die Internet-Gemeinde einfach nicht. Auch wenn er das jetzt vielleicht doof findet. Mehr dazu findet man unter anderem auf ntv, SpiegelOnline, heise und anderen.
Kompliment an Blogger Richard Gutjahr, dem es aufgefallen war, dass hinter dem Amazon-Pseudonym sich der WeTab-Geschäftsführer versteckte. Er prägte dafür den Begriff "WeDepp".
Aber dieser Fauxpas ist nur ein weiterer Stein in einer ganzen Kette von Fehltritten, die wunderbar als Beispiel dienen können, wie Weiterlesen …
Für 1.800 € monatlich wird Fan-Vieh angekarrt
[Dies ist ein Gastbeitrag von Timo Maier.]
Mein Name ist Timo Maier. Ich bin hauptberuflich Konzepter für Kommunikationsstrategien im Social Web. Da es sich im Unternehmenssinn hierbei maßgeblich um Öffentlichkeitsarbeit handelt, ist mein Posten im Unternehmen, für das ich derzeit tätig bin, auch innerhalb der PR angesiedelt. Was ich als sehr sinnvoll ansehe, da jeder einzelne Social Media Dienst für die Nutzer, egal ob Neu-, Alt- oder Kunden in spe, immer auf Kommunikation basiert und einen Mehrwert darstellen muss.
Bitte keine Werbung einwerfen!
Jedes Profil in allen sozialen Netzwerken dieser Welt sollte eigentlich den typischen Aufkleber tragen: Bitte keine Werbung einwerfen!
Der Wert einer Marke im Sinne der Social Media, ihre Authentizität mit der sie für die sogenannte ‚Awareness’ sorgt, liegt immer in ihrem Mehrwert begründet. Einfach ausgedrückt heißt das, dass das Angebot so gut sein muss, dass sich die Kunden von ganz allein für selbiges entscheiden. Sicher spielt die Aufstellung sowie die Auffindbarkeit (nicht zuletzt durch SEO) eine zentrale Rolle. Denn wenn man nicht weiß, dass ein Produkt existiert, kann man sich auch nicht dafür entscheiden. Doch die Grundlage der Entscheidung bilden immer die kommunizierten Inhalte, die Diskussion über diese und die Benutzerfreundlichkeit der Online-Dienste, auf welchen die Inhalte veröffentlicht werden.
Die Agentur hingegen, die mir heute ihr Angebot schickte, scheint an so etwas keine Gedanken zu verschwenden – hier geht es lediglich um das Prinzip der steigenden Zahl, ein rein quantitatives Merkmal:
Angebot 1: Pro Kopf-Provision
„Jeder neue Fan in der Gruppe [gemeint ist wohl die Fanpage] wird mit „einmalig“ 0,60 € (netto) vergütet. Geben Sie uns direkt einen Auftrag über 100.000 Fans, gebe ich Ihnen noch einen Rabatt von 10 % (0,54 €/Fan). Abgerechnet wird monatlich.“
Ein Mensch im sozialen Netzwerk wird mir also für 0,60 € angeboten, 0,54 € wenn ich en Gros bestelle. Aber Vorsicht: „Es ist möglich, dass wir auch mal mehr als 10.000 Fans pro Monat besorgen.“
Außerdem lässt sich nicht genau bestimmen, wer über die zweifelhafte Kopfpauschale zu der Marke gekommen ist, so dass eigentlich Option 2 das Mittel der Wahl darstellt:
Angebot 2: Pauschal-Angebot
„Hier zahlen Sie für unseren kompletten Service (Facebook – Outsourcing) 1.800 € (netto) im Monat. Dieser Betrag beinhaltet folgende Punkte, die Sie alle nutzen KÖNNEN, aber nicht müssen. Sollten Sie aber auf eine Option verzichten, ist kein Nachlass möglich, weil wir alleine durch die Reichweitengewinnung schon die 1.800 € locker erreichen können!“
Facebook-Fan-Vieh für 1.800 € monatlich
Für 1.800 € monatlich wird mir also Fan-Vieh angekarrt. Dies können auch Menschen sein, die rein gar nichts mit der Marke am Hut haben und sich vielleicht für den Klick bezahlen lassen. Eben von jener Agentur, die diese Klicks dann für 0,60 € weiter verkauft.
Die zusätzlichen Leistungen werden hochtrabend als „Kommunikationsstrategie“ betitelt, was „Mo-Fr 1-3 Posts täglich – Am Wochenende reduziert“ meint. Eine Analyseleistung (Auswertung einmal im Monat) und das Erkennen „imageschädigender Posts“ natürlich auch mit inbegriffen.
Ich schreibe noch mal den Preis, nur damit man sich der Wertigkeit des Angebots in vollem Maße bewusst wird: 1.800 € im Monat, Mindestlaufzeit 6 Monate. Natürlich übernimmt die Agentur auch den kompletten Aufbau der Fanpage. Dieses Starterpaket ist dann für den Spottpreis von 2.500 € zu haben. Und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Support inklusive ist.
Für 13.300 € (netto) erhält ein Unternehmen in einem halben Jahr also Zehntausende von Fans, zu denen kaum eine Bindung besteht. Eingekauftes Klickvieh, dass die Unternehmensseite höchstwahrscheinlich nach Anklicken des ‚Gefällt mir-Buttons’ nie wieder besuchen wird, samt Design, 1-3 Posts täglich (außer natürlich am Wochenende) und einer monatlichen Auswertung.
Der Mülleimer sollte auf solch ein Angebot warten
Da ich persönlich den Ansatz eines respektvollen Miteinanders vertrete, verzichte ich auf die Nennung der Agentur. Dieser Beitrag dient nur einem Ziel, nämlich der Warnung. Sollten Sie als Verantwortliche eines Unternehmens ein solches Angebot bekommen, tun sie gut daran, selbiges sofort in den digitalen Mülleimer wandern zu lassen. Denn Sie werden ganz offensichtlich über den Tisch gezogen!
Leider sind davon zumeist Unternehmen betroffen, die sich mit dem Thema Social Media noch nicht oder nur rudimentär auseinandergesetzt haben. Mein Rat: Stellen Sie qualifizierte Mitarbeiter ein, die konzept- wie analysestark sind und im Bestfall nicht nur projektbezogene Erfahrung mitbringen, sondern auch privat im Social Web (z.B. als Blogger) arbeiten und Kommunikation auf Augenhöhe leben.
Oder wenden Sie sich an eine Agentur, deren Ansatz ein kommunikativer ist, der auf Qualität statt Quantität, auf Mehrwert statt Werbung setzt. Mit allem anderen tun Sie sich keinen Gefallen!
Kommunikation ermöglichen
In erster Linie geht es darum im Unternehmen selbst Synergien zu erzeugen, d.h. Schnittstellen zu den einzelnen Bereichen und den dort angesiedelten Projekten zu schaffen, Strukturen online zu erweitern und Inhalte zu bündeln. Und vor allem Kommunikationsplattformen bereitzustellen, die den Austausch der User / Kunden untereinander fördern und eine direkte Kommunikation der User / Kunden mit dem Unternehmen ermöglichen.
Die Kanäle sollten seitens des Unternehmens mit hochwertigem Content bespielt werden. Transparenz und Kritikfähigkeit sollten zu jedem Zeitpunkt gegeben sein. Gerade eine gepflegte und ausgebildete Kritikfähigkeit ist von fundmentaler Wichtigkeit, eine Eigenschaft, die großen Einfluss auf die Verbesserung eines Produkts, sogar des ganzen Unternehmens haben kann.
Diese rudimentär benannten Punkte machen meiner Ansicht nach den tatsächlichen Mehrwert der Dienste im Social Web aus, für ein Unternehmen wie seine Kunden. Im Optimalfall wird noch Crowdsourcing als Baustein hinzugefügt. Seine Kunden ernst zu nehmen, einen gelebten Dialog anzustreben, sollte für jede Unternehmenskommunikation essentiell sein. Wird dies mit Geduld, Respekt und Beharrlichkeit betrieben, können sich sogenannte „starke Bindungen“ aufbauen.
Lieber 50 Stammkunden
Stellen wir uns einen Einzelhändler vor, der Küchenartikel vertreibt. Wenn besagter Einzelhändler am Ende des Monats nun gefragt werden würde, was ihm lieber sei, 50 Stammkunden, die regelmäßig bei ihm einkaufen, die sich gerne von ihm beraten lassen und wissen, dass sie sich im Problemfall jederzeit vertrauensvoll an ihn wenden können und sogar Hilfe bekommen oder 1.000 Kunden, die statistisch gesehen durch den Laden gestolpert sind - was würde dem Einzelhändler wohl lieber sein?
Eine rhetorische Frage, die eigentlich überflüssig erscheint. Natürlich sollte jederzeit der Aufbau einer Stammkundschaft das vorrangige Ziel sein. Und im Social Web bedeuten Stammkunden nichts anderes als erwähnte starke Bindungen. So evident und kaum einer Erwähnung würdig dieser Mechanismus erscheinen mag, so befremdlich erscheint es doch, wenn man, wie ich beruflich bedingt, Angebote erhält, die sich ungefähr so lesen:
Ich habe mir ihre Fanpage (Facebook) angeschaut und das „Wachstum ist absolut zu wenig und kann sehr stark beschleunigt werden“. Ich kann Ihnen einen Service anbieten, „den Ihnen keine andere Agentur in Deutschland bieten kann“.
Na klar, kann Agentur XY das. Und wie soll dieses exponentielle Wachstum erreicht werden? Ganz einfach:
Durch die „Einsammlung“ aller Personen auf Facebook, die mit der Marke assoziiert und per Monitoring ausfindig gemacht werden. Das heißt unterm Strich nicht das Aufmerksammachen auf die eigenen Dienste in öffentlichen Gruppen oder Interessensseiten. Es meint die aggressive Belästigung privater Personen mittels Anschreiben, in einem Wort: Reklame im Briefkasten, sprich Spam.
Nein Danke.
Timo Maier
B2B mit einer Community? Rückblick auf meinen Vortrag in der Social Media Akademie
Letzte Woche hielt ich meinen fast dreistündigen Vortrag an der Social Media Akademie. Es hat Spaß gemacht. Vor allem auch das viele positive Feedback hat mich sehr gefreut. Angeblich wurde sogar mal getanzt während meiner Präsentation. Dann ist es mir wohl gelungen zu vermitteln, was "Spaß" in Social Networks bedeutet und dass das durchaus wichtig ist. Eine meiner Kernaussagen: Social Media darf und sollte Spaß machen. Aber natürlich nicht nur.
Deutlich wurde während meines Vortrages, dass viele sich nach einem Patentrezept für den Bereich B2B sehnen, wenn es um Communitys geht. Aus meiner Sicht muss man ganz klar sagen: ein Patentrezept gibt es an dieser Stelle keines. Und ich selbst kenne auch keine wirklich gut funktionierende B2B-Community, wenn man von Innocentive mal absieht (dazu weiter unter etwas mehr).
Xing könnte man hier möglicherweise anführen. Aber zum einen ist Xing eine Art Generalist. Und zum anderen sagt meine Erfahrung mir, dass es wirkliche Zusammenarbeit dort kaum gibt. Die meisten Gruppen sind extrem passiv. Viele Unternehmen und Mitarbeiter pflegen zwar ihr Profil dort. Das ist es aber auch schon. Eine gute Visitenkarte, ein gutes Adressbuch - so nutzen die meisten Xing.
Wenn man über Community-Konzepte für B2B nachdenkt, wird schnell klar, wie ambitioniert und kompliziert eine effektive Strategie wird. Denn man kann hier eigentlich nur mit geschlossenen Bereichen arbeiten. Der Consumer soll ja bewusst außen vor bleiben. Doch das hat dann eigentlich nur noch wenig mit Social Web zu tun.
Sicherlich finden sich viele brauchbare Konzepte und Bausteine in der Enterprise 2.0 Welt. Zwar gehts es dort um unternehmensinterne Prozesse, die aus der Social Media Welt bekannte Bausteine nutzen. Doch ließe sich das zumindest zum Teil auch auf eine B2B-Community übertragen.
Was aber aus meiner Sicht unabdingbar ist, wenn man an B2B-Konzepte im Bereich Social Media denkt, sind folgende Punkte:
- Welche Mehrwerte ist man bereit zu bieten!
(In diesem Fall nicht für einen normalen Nutzer, sondern für andere Unternehmen) - Social Web bedeutet Offenheit. Bin ich bereit mich recht weit zu öffnen? Für potentielle Partner, B2B-Kunden, gleichzeitig aber auch für mögliche Konkurrenten?
- Kann ich mich gegenüber direkter Konkurrenz effektiv schützen, damit diese mir nicht Ideen und Wissensvorsprung stiehlt? Ein ganz heißes Thema. Das ist mir durchaus bewusst.
- Man darf vordergründig nicht an den Abverkauf denken. Social Media bietet eine Vielzahl von Mehrwerten, die gerade auch in ihrer Komplexität enorm wertvoll sein können für ein Unternehmen.
- Einer dieser Mehrwerte - und aus meiner Sicht ein ganz entscheidender - ist die Nähe zu meinen Kunden. Auch wenn dies andere Unternehmen sind. Gemeinsam kann man neue Konzepte, Ideen, Strategien und Produkte entstehen lassen. Gemeinsam ist man stark. Und man weiß, was die Kunden sich wünschen und wonach sie suchen. Gerade hier wird Social Media, auch auf einer B2B-Plattform, so enorm wertvoll.
- Und zu guter Letzt: es ist unablässig die Mechanismen zu verstehen und dann zu verinnerlichen, die Social Media funktionieren lassen. Darin ging es unter anderem in meinem Vortrag. Vor dem erfolgreichen Agieren, steht das Verstehen der Mechanismen im Web 2.0.
Und darauf aufbauend kann man dann starke Konzepte entwickeln und spannende, in die Zukunft weisende Projekte an den Start bringen.
Mein Fazit: Beispiele gibt es kaum welche bisher. Innocentive aus den USA, eine Crowdsourcing-Plattform zum Lösen firmeninterner Probleme (u.a. Procter & Gamble) ist ein solches Beispiel. Wobei diese Plattform nur bedingt in den Bereich B2B gerechnet werden kann.
Ja, ich glaube dass man spannende und funktionierende B2B-Konzepte entwickeln kann. Man muss die von mir skizzierten, besonderen Rahmenbedingungen beachten. Und gerade Crowdsourcing-Mechanismen bieten sich hier aus meiner Sicht perfekt an um vielfältige Mehrwerte zu generieren, die dann für alle Teilnehmer spannend sind. Da trifft dann eine weitere Kernaussage meines Vortrages zu: Nutzen sie die Kraft der Masse. Mit Hilfe von Social Media.








