SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

15Feb/12Off

Zur Zeit in aller Munde: Pinterest im Tutorial

Autor des Artikels: Matias Roskos

PinterestAlles redet über Pinterest zur Zeit in der Social Media Welt. Der aktuelle Hype kommt an den Umfang von Twitter seinerzeit locker heran. Was noch nichts sagen muss. Aber: Pinterest ist extrem spannend. Darum habe ich es für Sie getestet.

Zwar läuft die Plattform aktuell noch im geschlossenen Modus. Aber wenn man Interesse an einem Account signalisiert, wird relativ zügig eingelassen. Erhält man dann seine Bestätigungs-Email (Ich habe drei Tage warten müssen.), kann man sich via Facebook-Connect oder alternativ via Twitter einloggen. Das geht einfach und schnell. Die Einstiegshürde ist wunderbar gering.

Danach erhält man sofort Vorschläge, welchen Personen man folgen sollte. Diese Auswahl wird gesteuert durch Themenbereiche, die Sie als nächsten Schritt für sich definieren. So erkennt die Plattform Ihre Interessen und versucht Sie mit Gleichgesinnten zu verknüpfen. Ein cleverer Schachzug. Auf Pinterest heißt es dazu nun: "You're now following some people we think you’ll like."

Alles klar. Damit schafft es Pinterest, dass man nicht ewig lang allein ist in diesem Social Network und sofort tief drin steckt in der Community. Danach werden Sie aufgefordert eigene Boards zu kreieren. Darin werden dann Ihre "Pins" gesammelt. Außerdem können Sie nun Ihren Pinterest-Account mit Facebook verknüpfen, so dass Ihre Pins auch auf Facebook angezeigt werden. Passen Sie aber bitte auf, dass Sie über diese Funktion nicht Facebook vollspamen und möglicherweise Ihre Freunde dort nerven.

Die Plattform ist also nicht so unclever zu glauben, dass sie allein existieren kann. Vielmehr schafften es die Macher so schnell die Verknüpfung zu den reichweitenstärksten Social Media Seiten aufzubauen: zu Facebook und Twitter.

Pinterest Board anlegen

Sehr auffällig ist auch der "Invite Friends" Button rechts oben. So sollte es sein! Die eindeutige Aufforderung an die Communitymitglieder andere auf diese Plattform einzuladen. Ein ganz wichtiger Knopf, der nur allzu oft bei neuen Webprojekten vergessen wird.

Pinterest

Nun kann es losgehen. Kommen wir zum Kern von Pinterest: dem "Pinnen". Es geht darum Bilder und Videos, also visuelle Bausteine aus dem Internet, zu sammeln und mit anderen zu teilen. Dies geschieht in den eigenen Boards, zu denen man auch die Pins anderer hinzufügen kann.

Über "Add a pin" können Sie die URL zu einer Webseite mit einem Bild oder Video eingeben und dann auswählen, was konkret Sie auf Pinterest pinnen wollen. Die Software findet alle Bilder auf der angegebenen Webseite und bietet diese zur Auswahl an. Pinnen können Sie aber immer nur ein einziges Bild! (siehe Screenshot).

Pinterest Screenshot

Im Prinzip erinnert das alles stark an Flickr, die weltweit nach Facebook größte Bilder-Sammlung. Doch dreht Pinterest den Spieß geschickt um. Man kann hier zwar auch eigene Fotos hochladen, aber darum geht es weniger. Es geht um das Sammeln von Bausteinen aus dem gesamten Netz. Die Community trägt Bilder und Videos zusammen. Und daraus entstehen themenbezogene Sammlungen. So können Sie beispielsweise die Pins anderer repinnen (Siehe den "Repin" Button auf dem Screenshot. Dieser erscheint, wenn Sie über das Bild wandern). Ja - stark an Twitter erinnernd. So wird die Viralität angekurbelt. Das Sharing von bereits vorhandenen Inhalten auf der Plattformen wird extrem einfach gemacht für die Nutzer.

Pinterest

Das Pinnen von Webinhalten wird einfach gemacht durch eine iPhone-App, über die man Dinge pinnen kann und über ein Browser-Plugin, sodass man die Pinterest-Seite gar nicht mehr ansteuern muss, möchte man etwas pinnen. Dieses Prinzip gibt es schon seit längerem bei anderen Social-Bookmarking-Seiten wie zum Beispiel StumbleUpon.com. Aber noch nie in dieser Konsequenz für einzelne visuelle Inhalte von Webseiten. (Siehe Screenshot, wenn ich für mein Blog "Ich in Garmisch-Partenkirchen" auf "Pin it" in meiner Browser-Zeile klicke.)

So schaut dann die Bilder-Auswahl aus beim Klick auf "Pin it":

Pinterest von Ich in Garmisch-Partenkirchen.de

Faszinierend fand ich, dass man sofort sieht, wer noch Bilder dieser Quelle gepinnt hat. Für das VisualBlog zum Beispiel, mein ältestes Blogprojekt, gibt es bereits zahlreiche Pins von anderen Nutzern. Wie einfach das Pinnen geht, zeigt dieses Video:

Erfolg durch...

Was auffällt bei der Nutzung von Pinterest, ist der hohe Suchtfaktor. Schnell verliert man sich auf der Seite und klickt und pint und klickt und pint. Die Verweildauer auf Pinterest ist extrem hoch. Hier zeigt sich der Erfolg dreier ganz wichtiger Komponenten:

  1. Der visuelle Aspekt
    Wir Menschen ticken stark visuell. Genau dieser Punkt wird bei Pinterest zu 100% angesprochen. Es geht um Bilder. Menschen schauen sich diese gern an.
  2. Nutzerfreundlichkeit
    Es gibt kaum eine Plattform, die von der Usability so super funktioniert wie Pinterest. Alles ist extrem übersichtlich und das Meiste selbsterklärend. Man findet sich bestens zurecht. Die Eingewöhnungszeit ist extrem kurz. Das führt dazu, dass man Pinterest gern nutzt und sich schnell wohl fühlt.
  3. Viralität
    Durch das clevere Produktdesign der Plattform wird an jeder erdenklichen Stelle das Teilen, Liken und Kommentieren von Inhalten gefördert. Zudem ist eine enge Verzahnung mit Twitter und Facebook gleich mit eingebaut. So verbreiten sich die Inhalte von Pinterest optimal und ziehen ständig neue Nutzer an.
    Außerdem ist das Projekt dadurch extrem lebendig. Was wiederum den Nutzern Spaß macht die Plattform intensiver zu nutzen.

Vorbildcharakter

Pinterest hat Vorbildcharakter für alle, die über eine neue Social Web Plattform nachdenken. Was den schnellen, unkomplizierten Zugang zur Plattform angeht, ist Pinterest erstklassig. Auch die Usability der Funktionen ist absolut vorbildlich. Alles ist übersichtlich und meist selbsterklärend. Texte sind groß, Eingabefelder nicht zu übersehen, Button vor allem eindeutig. Pinterest lebt nicht davon stylish und cool auszusehen. Das Design ist funktional.

Leben haucht der Plattform dann ganz automatisch die Community ein, die Content einpflegt. Hier wirken - mal wieder - Crowdsourcing-Mechanismen.

Viel zu oft noch denken Unternehmen, wenn sie eine Plattform ins Netz bringen, zuerst an sich und ihre Produkte. Doch stattdessen sollten sie an die künftigen Nutzer denken. Nur dann wird die Plattform auch funktionieren.

Macht Pinterest für Unternehmen Sinn?

Klare Antwort: Ja, auf jeden Fall! Auch wenn ein Unternehmen mit plumper Werbung hier - wie fast überall im Social Web - fehl am Platz ist, ist Pinterest für Marken extrem spannend. Denn es wird unter anderem genau über das geredet, um dass es auch bei Marken geht: Themengebiete, Trends, Vorlieben der Menschen.

Es gibt Boards, die nennen sich "My Style", "All these lovely clothes", "bags", "Kids", "Wheels" oder einfach nur "Red". Überall und immer wieder sind Produkte zu sehen. Und das ist nur ein winzig kleine Auswahl von Boards. Bei "Red" beispielsweise habe ich gefunden: Bionade! Lecker. Ein Bild von Puma ist in dem Board auch mit dabei.

Pinterest: "Red"

Wie so oft im Social Web, bietet Pinterest wunderbar Anknüpfungspunkte, um mit Fans in Kontakt zu kommen. Und um Viralität zu unterstützen.

Fehlen nur noch die guten Ideen und Konzepte, um auch Pinterest in die kommenden Social Media Aktivitäten zu integrieren. Ins Monitoring wird Pinterest ganz sicher überall schnell Eingang finden. Und da die Nutzerzahlen exorbitant steigen, macht man sich bei den Marken, die im Social Web sowieso schon ganz weit vorn sind, sicherlich bereits Gedanken.

Und eines sollte man als Markenverantwortlicher nicht vergessen: auch mit Blick auf Google dürfte Pinterest in der Zukunft immer spannender werden! SEO ist also auch ein Faktor, der eine Rolle spielen wird. Gleiches gilt ja bereits für Youtube. Was die wenigsten Unternehmen jedoch bisher im Blick haben.

Warnung!

Zu guter Letzt will ich aber auch nicht verhehlen, dass Pinterest an einer Stelle ein Risiko darstellt. Wie wiederum jede Plattform - auch Facebook, auch ein eigenes Blog - auf der man Inhalte anderer teilt. Es geht um das Recht am eigenen Bild! Wem gehört das Bild, dass dort auf Pinterest geteilt wird? Möchte der Urheber überhaupt, dass sein Bild auf dieser Plattform zu sehen ist?

Auf Spiegel.de heißt es dazu:

Bei Pinterest wird ein bekanntes rechtlichtes Problem besonders augenfällig. Denn der Kern von Pinterest ist ein Verhalten, das nach deutschem Recht in den meisten Fällen schlicht illegal sein dürfte: Das Anpinnen der Bilder ist eine Urheberrechtsverletzung, wenn der Fotograf dieser Nutzung nicht ausdrücklich zugestimmt hat. Stellt man solche Bilder auf Pinterest, in sein Blog oder ein anderes soziales Netzwerk, macht man sie "öffentlich zugänglich". Kann der Rechteinhaber herausfinden, wer da sein Bild illegal nutzt - etwa, weil man unter richtigen Namen auftritt - kann er eine Rechnung schicken oder gleich einen Anwalt beauftragen.

Jeder Nutzer muss also auch auf Pinterest eigenverantwortlich mit der Nutzung umgehen! Nicht die Software ist Schuld, sondern wir Menschen.

Fazit

Pinterest ist eine neue, extrem spannende Social Web Plattform zum Sammeln und Teilen von Bildern, die ein beachtliches Wachstum an den Tag legt. Schon allein deswegen haben immer mehr Agenturen, die sich mit Social Media Marketing beschäftigen, Pinterest mit im Fokus. Für Marken ist die Plattform überaus spannend, weil hier auch Produkte abgebildet und weiter gereicht werden. Allerdings steht hier das Visuelle stark im Vordergrund.

Zugleich erfährt man viel über die Vorlieben und Interessen der Communitymitglieder. Pinterest bildet einen Teil des persönlichen Interessensspektrums auf visuelle Art ab und spricht damit ganz offensichtlich viele Menschen sehr stark an. Pinterest macht Spaß. Es wird spannend sein zu verfolgen, wie sich diese Plattform weiter entwickelt und welchen Stellenwert sie in den kommenden Monaten gewinnt.

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