So kompliziert ist es eine Facebook-Seite zu übernehmen
Autor des Artikels: Matias RoskosViele Social Media Betreuer die mit Facebook zu tun haben, kennen dieses Problem. Da ist eine Facebook-Seite, die einen offiziellen Eindruck macht, aber keineswegs offiziell ist. Im günstigen Fall wird sie von einem echten Fan betrieben. Im ungünstigen Fall wird sie gar nicht betreut und jeder kann dort reinschreiben was er will. Für Garmisch-Partenkirchen gibt es beispielsweise eine solche Seite, von der niemand weiß, wem sie gehört, die aber mehrere Tausend Fans hat. Daneben existieren zwei offizielle Seiten, die mit viel Herzblut und Engagement betrieben werden. Aber an die dritte Seite ist kein Herankommen.
Auch ich selbst habe einen Kunden, der gern eine alte Facebook-Seite, auf die er keinen Zugriff mehr hat, auf seine neue, von mir eingerichtete Seite übertragen lassen möchte. Doch leider reagiert Facebook einfach nicht, obwohl ich den offiziellen Weg für die Übertragung einer Seite gewählt habe. Keine Reaktion. Gar nichts. Es geht bei mir um die "Chocolaterie Amelie" in Garmisch-Partenkirchen.
Nun konnte ich gestern bei der Süddeutschen Zeitung lesen, dass sie genau das gleiche Problem haben. Sorry, liebe SZ - aber ich bin echt froh das zu lesen. Also nicht, dass Ihr auch Probleme habt. Sondern ich bin froh, dass andere, noch viel größere und namhafte Unternehmen, enorme Probleme haben mit Facebook einen Weg zu finden, er für alle Seiten schnell, unkompliziert und fair funktioniert. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ihr versteht schon.
Bei der Süddeutschen liegt der Fall allerdings ein wenig anders. Die Probleme mit Facebook an sich sind identisch. Stefan Plöchinger von der SZ schreibt in seinem Beitrag unter anderem:
Als die SZ vor Jahren ihre erste Präsenz auf Facebook erstellte, übernahm das die Redaktion von sueddeutsche.de (wie wir uns damals schrieben). Wer sonst? Schließlich war das die digitale Instanz der Zeitung. "sueddeutsche.de" wurde über die Fanseite auf Facebook geschrieben, was vielleicht kein glücklicher Einfall war. Denn in Wahrheit wissen wir ja das oben Gesagte: dass wir im Alltag eher "Süddeutsche" oder "SZ" genannt werden, nicht wie eine Internetadresse. Und so dauerte es nicht lange, bis sich auf Facebook weitere Seiten fanden, die allerdings nicht von uns stammten. Ein Fan gründete "Süddeutsche Zeitung" als inoffizielle Fanseite...
Wir haben von Facebook immerhin das Recht erhalten, die erwähnte inoffizielle Fanseite der Süddeutschen Zeitung zu übernehmen - und in eine offizielle Seite zu überführen; das ist so üblich bei derlei Markenkonflikten. Nun wollten wir dem Gründer dieser inoffiziellen Seite (einem echten Fan!) eigentlich für seine bisherige Arbeit danken und ihn bitten, an der Sache weiter mitzuarbeiten. Wir baten Facebook schon vor Monaten um die Möglichkeit, zu ihm Kontakt aufzunehmen, was ebenfalls nicht simpel möglich ist. Und bekamen ebenfalls eine Abfuhr: Wir könnten den Facebook-Regeln gemäß nur Kontakt zu unserem eigenen Fan herstellen, indem wir auf die inoffizielle "Süddeutsche Zeitung"-Fanseite ein Posting mit der Bitte schreiben, er solle sich melden. Das taten wir. Und bekamen leider nie Antwort.
Facebook, das Marken und Fans eigentlich zusammenbringen will, konnte uns beim Zusammenbringen also nicht helfen. Stattdessen half uns der Konzern tatsächlich, unserem Anhänger die inoffizielle Seite unter der Tastatur wegzuziehen. Der Mann verlor durch einen Eingriff von Facebook sein Recht, die Seite "Süddeutsche Zeitung" zu verwalten, an uns - ohne dass wir uns ihm gegenüber erklären konnten.
So soll es eigentlich nicht sein. Dass jemandem eine Seite einfach weg genommen wird, ohne Vorankündigung und die Möglichkeit eines klärenden Gespräches. Das ist super schade. Denn Facebook ist eine großartige Software, die von über 845 Millionen Menschen mittlerweile genutzt wird. Facebook ist ein grandioser Kommunikationsraum. Doch mit Facebook selbst zu kommunizieren, ist super kompliziert. Hier wird aus meiner Sicht an der falschen Stelle gespart bei Facebook. Denn nichts ist so wichtig wie die Community, die gewaltige Facebook-Familie. Und Deutschland ist für Facebook kein unwichtiges Land. Immerhin nutzen mehr als 22 Millionen Deutsche die Plattform.
Also: Wenn auch Sie Probleme mit einer Facebook-Seite haben, die einen offiziellen Eindruck macht, aber nicht offiziell ist, richten Sie sich auf keinen einfachen Weg ein, sie in eine offizielle Seite zu überführen. Der beste Weg ist und bleibt dabei IMMER die direkte Kontaktaufnahme mit dem Seitenbetreiber. Wenn dieser denn öffentlich zu erkennen ist. Und da liegt meist das Problem begraben... Ein kleiner Trost vielleicht: Sie sind nicht allein.
Und ich hoffe, dass die Chocolaterie Amelie irgendwann die zweite, alte Seite, die keinen Admin mehr hat (!), übertragen bekommt. Das wäre einfach zu schön. Die Hoffnung gebe ich jedenfalls nicht auf.







