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18Okt/11Off

Clevere Incentivierungsstrategie beim Crowdsourcing-Portal unserAller – 7 Gründe, warum sie so gut sind

Autor des Artikels: Matias Roskos

Bei unserAller geht es komplett in die richtige Richtung. Die machen nen Klasse Job in Sachen Crowdsourcing. Das ist mein Eindruck schon seit längerem, der nach einem langen Telefonat letzte Woche, in dem ich Informationen für mein Buch gesammelt habe, noch verstärkt wurde. Ich werde begründen, warum ich aus der Sicht einer Person, die sich schon seit Jahren intensiv mit Crowdsourcing auseinander setzt, unserAller so gelungen finde.

1. Neue Produkte durch die Community

Es gibt auch andere, spannende Crowdsourcing-Projekt hier im deutschsprachigen Raum. Tchibo-ideas zum Beispiel. Deren Ansatz ich auch extrem gut finde. Aber unserAller geht noch ein ganzes Stück weiter. Weil sie ihre Plattform und ihre Community Kunden aus allen möglichen Bereichen und jeder Größe zur Verfügung stellen. Und das, um neue Produkte zu finden. Es geht nicht wie allzuoft allein um das Design eines Produktes oder der Verpackung. (Wobei ich Crowdsourcing im Design-Bereich auch extrem mag. Wenn es gut gemacht ist. Schließlich setze ich ja selbst mit unserer Design-Community solche Design-Contests um, wie zuletzt für den IPV.)

unserAller

2. Eigene, unabhängige Plattform mit Whitelabel-Modul

unserAller ist nach einem großen Relaunch komplett neu. Nun sind sie auch den Schritt gegangen, den ich ihnen schon vor etlichen Monaten empfohlen hatte. Bis vor kurzem gab es unserAller "nur" als Facebook-Seite und App. An sich ja extrem innovativ. Und strategisch auch nicht unclever.

Doch ich hielt es für gefährlich, sich so komplett mit seinem Startup auf Facebook zu verlassen. Mit einer eigenen Plattform ist man einfach unabhängiger. Man kann seine Daten besser auswerten. Und sie liegen vor allem nicht irgendwo in den USA auf einem Server. Man ist nicht einer Fremdfirma ausgeliefert.

Geschäftsführerin Catharina van Delden sagte mir aber dann im Interview letzte Woche, dass dieser Schritt - Start komplett auf Facebook - genau der richtige war. Denn man war (und ist) genau dort, wo sich die meisten Konsumenten und Fans von Produkten nunmal aufhalten: auf Facebook. Daran hat sich prinzipiell auch nach dem Relaunch nichts geändert.

Mit dem Relaunch letzte Woche wurde aber eine kleine, feine Kurskorrektur vollzogen, die ich gut und richtig finde. "Als zentrale Erweiterung wurden der häufig gewünschte facebook-unabhängige Zugang ermöglicht." heißt es in der Pressemitteilung. Super! Denn damit können die, die Vorbehalte gegenüber Facebook haben, auch abgeholt werden. Und gerade auch viele mittelständische Unternehmen haben noch ihre Probleme Facebook zu verstehen und effektiv zu nutzen. Denen kommt man damit entgegen.

Mindestens genauso spannend ist der zweite, strategische Schachzug bei unserAller. Der es übrigens auch für mich als Berater in diesem Bereich möglicherweise spannend macht in der Zukunft noch enger mit unserAller zusammen zu arbeiten. Sie schreiben:

Ab sofort können auch kleine und mittlere Unternehmen selbst Open Innovation Projekte durchführen und so das Potential von Crowdsourcing-Projekten nutzen.
...
Darüber hinaus kann die Software in der eigenen facebook-Fanpage als App integriert sowie direkt auf der unserAller-Plattform mit eigener URL (z.B.: www.unserAller.de/Iloveleo) verwendet werden.

Das finde ich sehr sehr cool! Dabei wird die Basisversion kostenlos sein! Jeder kann sie nutzen und so Crowdsourcing auch mal "ausprobieren". Testen, wie es sich "anfühlt". Ich bin ehrlich begeistert! Und freue mich schon darauf, einige der unserAller-Crowdsourcing-Aktionen ins Buch mit einfließen lassen zu können.

3. Clevere Incentivierungsstrategie

Wenn man von einer Community etwas möchte, muss man sich auch überlegen, was man bereit ist zu geben. Social Web funktioniert nur auf Augenhöhe. Und durch Geben und Nehmen. Ein einseitiges "Aussaugen" einer Community funktioniert nicht. Man spricht dann von der Incentivierungsstrategie. An dieser sind schon viele ambitionierte Projekte, vor allem auch im Bereich Crowdsourcing gescheitert.

unserAller kann hier als Vorbild stehen, wie man es clever anpackt. Während einer Crowdsourcing-Aktion, die durch das unserAller-Team gemanagt wird, gibt es verschiedene Projekt-Phasen. Am Anfang steht immer das Finden der Grundidee, auf der dann alles Weitere aufbaut.

Zu jedem Zeitpunkt des Projektes kann man als Community-Mitglied Punkte erhalten. Diese werden gesammelt. Und sie sind maßgebend dafür, wer in der Phase, in der die extrem beliebten "Selbermach-Päckchen" verschickt werden, eins bekommt. Und wiederum dann am Ende, wenn es darum geht, wer wieviele Produktpäckchen erhält. Viele Punkte = viele Salatdressings. Auf diese einfache Formel kann man es bringen. Zumindest bei der Dressing-Aktion mit Egi-Öl, wo es um Salatdressings ging.

Punkte bekommt man übrigens für Ideen, Kommentare usw. Für jede konstruktive Aktivität also. Auf der FAQ-Seite ist dazu nachzulesen:

Das Grundprinzip dabei ist: Wer viel mitmacht, bekommt viele Punkte. Diejenigen, die das Produkt wesentlich beeinflussen, sollen auch wesentlich belohnt werden. Für folgende Aktivitäten erhältst Du Punkte in einem Projekt:

Ein Kommentar schreiben: 1 Punkt pro Kommentar
Abstimmen: 3 Punkte pro Abstimmungsphase
Anderen gefällt Dein Vorschlag: 3 Punkte pro „Herzchen“ von anderen Teilnehmern
Vorschlag einreichen: 5 Punkte pro eingereichtem Vorschlag
Eigenes, passendes Bild zu deinem Vorschlag hochladen: 3 Punkte
Dein Vorschlag ist unter den Top 5: 10 Punkte pro Vorschlag
Du verlinkst uns (zum Beispiel auf Deinem Blog): 5 Punkte pro eingesendetem und verifiziertem Link. Du kannst Links unter Deinem Profil einsenden.

Und zu den Selbermach-Päckchen heißt es:

Unsere unserAller Mitmach- und Selbermachpäckchen unterstützen Dich auch Zuhause, um an den Produkten tüfteln zu können. Darin enthalten sind Materialien, mit denen Du selber aktiv werden kannst. Wann es Päckchen gibt und was in diesen drin ist, ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Gleich bleibt, dass die meisten der Päckchen an die aktivsten MitentwicklerInnen gehen.

Diese Art der Incentivierung finde ich sehr clever. Denn dadurch wird die Produktnähe gestärkt. Was für die Auftraggeber extrem spannend ist. Außerdem gibt es so nicht einen einzigen Sieger und viele Unzufriedene. Aber dazu mehr weiter unten.

4. Produkt-Hoheit bleibt beim Unternehmen

Ein Unternehmen weiß auch im Jahr 2011 immer noch am besten, wie sie ihre Produkte herstellt. Sie haben das "Produktions-Knowhow". Und genau dieses wird ihnen bei unserAller nicht genommen. Es geht rein um Ideen. Ideen für neue, für kundennähere Produkte. Hierauf zielt Crowdsourcing made by unserAller ab. Man nimmt den Marken nicht die Produkt-Hoheit, sondern gibt ihnen ein neues Werkzeug an die Hand, um deutlich näher am Markt, an den interessierten Kunden zu sein.

Und die potentiellen Kunden wiederum haben die Möglichkeit sich einzubringen in Produktfindungs- und Innovationsprozesse. Dies ist perfekte Kundenbindung mit den Mechanismen des Social Web in Kombination mit cleverem Online-Marketing und neuen Mechanismen für Innovationsprozesse. Ein Mix an Mehrwerten, die Crowdsourcing für Unternehmen so spannend und die es für die Community so interessant und abwechslungsreich machen.

Alle Seiten haben etwas davon. So sollte Crowdsourcing sein.

5. Der unserAller-Shop

Bei unserAller entstehen Produkte zum Anfassen. Bzw. zum Kosten. Salatdressings gibt es bereits, drei verschiedene Dips (Die übrigens sehr lecker sind! Hab schon probiert.) und Badebomben. Vieles wird in den kommenden Monaten und Jahren folgen.

All diese Produkte kann man auch im unserAller-Shop kaufen! Sie werden greifbar, weil bestellbar. Die Nähe zur realen Welt ist gegeben. Kein virtuelles Abstrakt.

unserAller-Shop

Wer viele unserAller-Punkte auf seinem Konto gesammelt hat während der Aktion, kann in der Zukunft die Produkte im Shop mit Rabattierung kaufen! Auch das nochmal eine zusätzliche, clevere Incentivierung. Dazu heißt es bei unserAller:

Deine Punkte zeigen Deine Aktivität und Deinen Einfluss während eines Projektes bei unserAller. Am Ende einer Produktentwicklung berechnen wir daraus die Rabatte und Gutschriften, die Ihr für das entsprechende Produkt im unserAller Shop bekommt. Auch unsere berühmten Mitmach- und Selbermachpäckchen gehen zum großen Teil an die MitmacherInnen mit den meisten Punkten. Aktiv sein lohnt sich also!

6. Es gibt keinen einzelnen Sieger - Gewinner ist die Community (und der Auftraggeber)

Das gelungene Incentivierungsmodell hatte ich weiter oben schon beschrieben. Es gibt nicht nur einen (oder zwei oder drei) Sieger. Und viele, die leer ausgehen. Sondern jeder, wirklich jeder, kann mit dabei sein bei den Gewinnern.

Das schafft eine gute Stimmung in der Community, stärkt den Kollaborationsgedanken (statt reine Konkurrenz) und sorgt dafür, dass bei den Teilnehmern insgesamt ein positives Grundgefühl zurück bleibt. Daumen hoch dafür! Die Unternehmen, die mit unserAller zusammenarbeiten, werden das dankend zu spüren bekommen.

7. Offline-Welt und Online-Welt werden eng miteinander verzahnt

Den Shop hatte ich schon angesprochen. Auch die Selbermach-Päckchen. Und dazu am Ende das Versenden der fertigen Produkte an die Community. All das sorgt dafür, dass die Community dem Produkt und der Marke nicht nur sehr nah ist, sondern dass auch die reale, die Offline-Welt in eine solche Crowdsourcing-Kampagne fest mit integriert wird. Die Aktion findet also nicht allein virtuell statt.

Das halte ich für einen sehr wichtigen Punkt für die Zukunft in Sachen Crowdsourcing. Online- und Offline-Welt müssen und werden zueinander finden. Wie eine solche immens wichtige Verzahnung der virtuellen mit der realen Welt funktionieren kann, das zeigt unserAller ganz wunderbar.

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