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29Sep/11Off

Was Facebook alles nicht über mich weiß

Autor des Artikels: Matias Roskos

Die Hass-Kampagne gegen Facebook läuft auf vollen Touren. Facebook scheint ja so böse zu sein, weil sie Daten sammeln. Und diese aller Wahrscheinlichkeit einsetzen um Werbung gezielt zu platzieren.

Auch ich habe meine Zweifel, ob alle Änderungen der letzten Wochen so clever sind. Siehe dazu meinen Beitrag "Das neue Facebook droht uns zu überfordern".

Aber:
1. Ist das nicht neu. Das tun sie nicht erst seit gestern. Facebook ist ein Unternehmen! Und sie müssen Geld verdienen. Dies sollte jedem bewusst sein, der sich dort anmeldet.
Mir ist das bewusst. Ich habe einen Deal mit Facebook: sie bekommen ein paar Daten von mir. Können sie gern ein Profil draus machen. Diese Daten nutzen sie um Werbung auf die Plattform zu bekommen. Und ich darf im Gegenzug ihre zweifelsohne gut gemachte Plattform kostenlos nutzen. Um mein Netzwerk zu pflegen. Um mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die mir wichtig sind.
Wenn mir das nicht mehr passt, kündige ich den Deal und verlasse Facebook. Dann aber bitte mit aller Konsequenz. Und nicht so scheinheilig wie einige, die nun Facebook erstmal nicht nutzen wollen. Deren Profil aber dort bleibt. Und die sich nun auf Google+ tummeln. Als wenn Google anders ticken würde...

2. Nicht nur Facebook tut dies. Jede kommerzielle Internet-Plattform muss Geld verdienen. Und das geschieht zumeist durch Werbung. Oder durch gezielte Kaufanreize. Wie bei Amazon zum Beispiel. Oder Ebay. Auch Google muss Geld verdienen. Und all die anderen Plattformen die wir nutzen.
Es ist scheinheilig nun so zu tun, als wäre Facebook schlimmer als die anderen. Vielleicht nur cleverer. Und vor allem: größer. Glückwunsch, Facebook! Das Wachstum ist beeindruckend. Und das führt dazu, dass man mehr in den Fokus gerät.

3. Das ist das aus meiner Sicht wichtigste (ich sagte es gestern schon): Es kommt darauf an, wie wir selbst mit dem Medium Internet umgehen! Facebook weiß von uns nur so viel, wie wir preisgeben. Es liegt also an uns, was Facebook weiß. Und was nicht. Und Facebook weiß wahrlich nicht alles. Was ich auch gut so finde.

Hier mal eine kleine Liste, was Facebook alles NICHT weiß von mir.

  • mein wirkliches Geburtsdatum
  • mein Jahreseinkommen
  • meine Automarke die ich aktuell fahre
  • meine Marathon-Bestzeit
  • meine Krankheiten (also: die wirklichen)
  • meine Operationen
  • die Steuern, die ich für 2010 gezahlt habe
  • meine Lieblings-Schuhmarke
  • meine Urlaubsziele in den nächsten fünf Jahren
  • meine Urlaubsziele von vor 10 Jahren
  • welche Miete ich bezahle
  • wo mein Büro ist
  • meine sexuellen Vorlieben
  • welcher Partei ich angehöre
  • welche Partei ich zuletzt gewählt habe
  • an wessen Gott ich glaube
  • ob ich Alkohol trinke und wenn ja wie oft

Und so weiter.

Diese Liste könnte ich bis ins Unendliche fortsetzen. Sie ist lang, verdammt lang. Und es gibt verdammt viel, was Facebook nicht von mir weiß. Weil ich das so will. Weil ich die (weitestgehende) Kontrolle darüber habe. Aber: es liegt an mir. Beziehungsweise an jedem Einzelnen.

Mir ist durchaus klar, dass Facebook wiederum eine ganze Menge über mich weiß. Vielleicht sogar mehr als mir lieb ist. Aber ich weiß das. Und ich weiß, dass ich damit umgehen muss. Und kann. Es gehört dazu, wenn ich das Internet nutze. Es ist eine kommerzielle Sache. Wir leben in einer kommerziellen Welt. Nennt man den Kapitalismus. Wird nur allzuoft gern vergessen. Hab ich mir nicht ausgesucht. Und auch das Internet gehört dazu. Es muss bezahlt werden, damit es funktioniert. Es ist nicht für umsonst. Wie nix auf dieser Welt.

Aber: Es liegt an uns, was wir von uns preisgeben! Wie wir das Medium Internet nutzen. Das zu verstehen ist aus meiner Sicht das elementar Wichtigste. Und nicht, wie "böse" eine bestimmte Plattform ist. Nur weil sie gerade so groß und damit durchaus auch mächtig geworden ist.

Und das noch zu guter Letzt: Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass Datenschützer Facebook - und bitte auch allen anderen - genau auf die Finger schauen, was die dort so treiben! Find ich Klasse. Den Menschen da draußen aber ist es noch wichtiger eine andere Botschaft mitzugeben: Ihr seid selbst verantwortlich für das, was eine Plattform über euch weiß. Geht verantwortungsvoll damit um. So wie auch im nicht-virtuellen Leben da draußen.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (3) Trackbacks (4)
  1. Gut geschrieben. Ich bin der gleichen Meinung. Danke für diesen Beitrag!

  2. Auch das Selbstverständliche muß immer wieder gesagt werden. Gut gemacht!

  3. Also ich habe innerhalb der letzten Tage mehrere Anfragen bekommen, wo ich Profilinhalte freigeben sollte: „XY hat angegeben, dass du mit ihm zusammen bei Firma XZ arbeitest.“ …oder: „XY hat angegeben, dass du in XZ wohnst.“ …. natürlich hab ich auf „ignorieren“ geklickt… aber es dürfte wohl klar sein, dass Facebook sich diese Dinge sehr wohl merkt! Wenn ein paar Freunde angeben, dass ich in einer bestimmten Stadt wohne oder in einer bestimmten Firma arbeit, ist aus Facebooks Sicht recht wahrscheinlich, dass dem auch so ist – da kann ich auf ignorieren klicken, soviel ich will.
    Auch völlige Facebook-Verweigerer sind längst katalogisiert – dann irgendwelcher „intelligenten“ Freunde, die ihre eMailkonten oder Handyadressbücher mit Facebook synchronisieren.
    Es liegt also leider NICHT nur an uns, was wir preisgeben!