SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

23Sep/11Off

Das neue Facebook droht uns zu überfordern

Autor des Artikels: Matias Roskos

Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Denn es besteht aus meiner Sicht die Gefahr, dass die Menschen sich überfordert fühlen. Dass es einfach zu viel wird. Dass man nicht mehr mitkommt auf Facebook. Das nur mein erster Eindruck.

Auf t3n ist zu lesen:

CTO Bret Taylor erklärt, wie Opengraph funktioniert und verdeutlicht, dass das Rollout der Timeline-Features, also das neue Facebook, über mehrere Monate ausgerollt werden wird. Taylor geht relativ kritisch an die Sache heran und will so klar machen, dass man zwar alles teilen kann, aber nicht alles teilen muss. Die Entscheidung liegt beim User. Taylor setzt ebenfalls auf Nike+ Lauftracking, aber vor allem, weil er die empfohlenen Routen seiner Freunde zu schätzen weiß.

Stimmt. Empfehlungen von Freunden sind etwas Tolles! Aber wenn alles überhand nimmt, wenn meine virtuelle Timeline proppevoll ist mit Empfehlungen, dann hat Otto-Normalnutzer irgendwann die Schnauze voll. Dann wird ein System unnutzbar.

Facebook-Timeline

Facebook-Timeline

Korrekt - es kommt auf die richtige Mediennutzung an. "Einfach mal den Fernseher aus lassen." So hieß es früher. Aber schade, wenn man Facebook nur noch nutzen kann, wenn man vorher stundenlang an den Einstellungen rumgeschraubt hat und das dann wöchentlich wiederholen muss. Wenn Medienkompetenz in permanente Filteranpassung ausartet, ist das Tool kein hilfreiches Tool mehr, sondern nur noch eine nervige Webseite.

Viele angekündigte Dinge, so auch die grafisch deutlich bessere Darstellung des Profils, gefallen mir ausgesprochen gut. Nicht, dass wir uns missverstehen! Aber ich schaue immer darauf, was die Menschen im Netz damit anfangen können. Und ich habe so meine Befürchtungen.

Beim "Netzökonom" der FAZ ist zu lesen:

Aus den bisher eher langweiligen Profilseiten werden optisch ganz nette Bilderstrecken, auf denen die Nutzer ihr gesamtes „Leben" darstellen können - zumindest in der Facebook Sprachregelung. Dazu gehören neben den Fotos auch Karten mit den Orten, an denen man gewesen ist, welche neuen Freunde man gewonnen hat, künftig wohl auch, welche Musik man gehört und welche Film man gesehen hat. „Alle wichtigen Geschichten Deines Lebens auf Deiner Seite", sagte Mark Zuckerberg dazu. Wer es mag, kann nun also sein ganzes „digitales Leben" auf Facebook hinterlegen.

Ganz ehrlich - ich kenne etliche Menschen, die Facebook den Rücken kehren werden, wenn Karten zu sehen sind, wo sie die letzten Monate waren. Es besteht die große Gefahr, dass es ZU VIEL wird.

Klar, man kann - falsch: man MUSS - noch stärker darauf achten, was man welcher App, genehmigt. Was hinter welchem Button liegt. Denn erst dann weiß Facebook ja, wo man wann war. Aber das iPhone weiß über uns ja auch schon viel mehr als vielen Recht ist. Wenn ich nur noch damit beschäftigt bin zu überlegen, was das System darf und was nicht, dann verliere ich den Spaß daran. Und dann kann Facebook einem schon Angst machen. Dann ist es kein hilfreiches Tool mehr, sondern ein angsteinflößendes Monstrum.

t3n schreibt weiter:

Auf den ersten Blick mag man die Neuerungen für wenig spektakulär halten. Tatsächlich hat Zuckerberg heute abend ein komplett neues Facebook vorgestellt. Das beschränkt sich nicht auf die Optik, die sich ebenfalls deutlich ändert, sondern insbesondere auf die Funktionalität.

War Facebook V1 eine Art erweitertes Adressbuch, konnte Facebook V2 als Wohlfühl-Empfehlungsbuch bezechnet werden. Alles, was einem gefiel, brachte man per Like auf die Plattform. Erst jetzt aber bietet Facebook ein universelles Sharingerlebnis, eine nahezu vollständige Kopie des Selbst, wenn man das will.

Facebook möchte das Internet-Betriebssystem der Zukunft werden. Davon sprach ich bereits vor zwei Jahren. Diese Entwicklung finde ich prinzipiell gut. Eine Bündelung der Dinge im Web, die für mich spannend sind. "Geliefert" direkt in mein virtuelles Zuhause. Aber wie schon gesagt: Facebook muss aufpassen, dass sie den ganz normalen Nutzer, der einmal am Tag für 20 Minuten reinschauen möchte, nicht überfordert. Und ihn damit verliert.

Was es mit der neuen Timeline von Facebook auf sich hat, hat Martin Weigert auf Netzwertig einmal aufgelistet (darunter das offizielle Timeline-Video):

  • Timeline ist eine alternative Darstellung des eigenen Facebook-Profils und zeigt alle persönlichen Facebook-Inhalte und Apps in einer Art scrollbaren Magazinform an, die das komfortable Ansteuern beliebiger Zeitpunkte in der Vergangenheit erlaubt.
  • Die Timeline-Übersicht kann optisch an die persönlichen Vorlieben angepasst werden, einzelne Einträge können hervorgehoben oder verborgen werden – für alle Kontakte oder einzelne Freundeslisten.
  • Je weiter man in die Vergangenheit steuert, desto stärker fasst Facebook von einem damals publizierte Inhalte zusammen und zeigt nur die wichtigsten Einträge an.
  • Inhalte aus der Vergangenheit können rückwirkend zum jeweiligen Zeitpunkt hinzugefügt werden.
    Timeline “erzählt die Lebensgeschichte der Nutzer”.
  • Das Feature stellt diverse Filter bereit, um nur spezifische Inhaltstypen anzuzeigen (z.B. Fotos oder Status Updates).
  • Timeline kann alle Orte, an denen sich Nutzer aufgehalten und “eingecheckt” haben, auf einer Karte visualisieren.
  • Timeline enthält Einträge von Applikationen.
  • Timeline wird auch mobil erreichbar sein.
  • Timeline wird in den kommenden Monaten sukzessive allen jetzt 800 Millionen aktiven Anwendern verfügbar gemacht. Eine Beta-Phase soll heute starten

Mein Fazit zum neuen Facebook

Es geht voran bei Facebook, als dem Internetbetriebssystem der Zukunft. Es geht sogar ganz gewaltig voran. Die Macher des weltweit größten Social Network drücken weiter mächtig aufs Innovationspedal. Nur - sie müssen aufpassen, dass sie dabei nicht vergessen den ganz normalen Internetnutzer mitzunehmen. Innovationen können auch überfordern. Diese Gefahr sehe ich beim neuen Facebook.

Aber: wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Facebook-Fan bin. Und von daher: lasst uns abwarten, wie sich die Timeline und die weiteren Änderungen dann in der täglichen Nutzung anfühlen. Werden sie uns wirklich überfordern? Oder haben wir den Dreh nach 20 Minuten raus? Vielleicht werden die 800 Millionen Nutzer weltweit das alles lieben. Und Facebook wird weiter wachsen und wachsen und wachsen.

Von daher schließe ich mich durchaus Thomas Knüwer an, der sagt:

Was Zuckerberg da verkündet hat verändert Facebook nachhaltig. Es könnte das Nutzerverhalten einerseits und das Internet insgesamt grundlegend umkrempeln.
...
Dies sind so weit reichende Änderungen, dass Protestpostings und -gruppen eine logische Folge sind. Zerbrechen wird Facebook daran nicht. Viel mehr ist es die langfristige Sicht der Dinge, die entscheiden werden, ob die Plattform die Nervenbahn unseres digitalen Daseins wird – oder ihr Gründer die Welt vollkommen falsch eingeschätzt hat. Sicher ist: Mit dem heutigen Tag hat Mark Zuckerberg einen mutigen und riskanten Schritt gewagt.

So ist es. Ich bin gespannt. Und schaue mit skeptischen Blick, was da so auf uns zukommt in den nächsten Wochen.

PS: Wie ihr euch die neue "Timeline" von Facebook für euch selbst anschauen könnt, wird im Blog Stadt Bremerhaven erklärt. Viel Spaß beim Rumspielen. Aber nicht meckern, wenn was noch nicht hinhaut!

Wenn Sie regelmäßig über das Wichtigste aus dem Social Web informiert werden möchten, empfehle ich Ihnen das Abonnement meines Roskos-Report für die Welt des Social Web.

Anmeldung Roskos-Report

hat dir dieser Artikel gefallen?

Dann abonniere doch diesen Blog per RSS Feed!

Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (1) Trackbacks (1)
  1. Ich muss sagen, dass ich die Beta der Timeline aktiviert habe und ich mag es. Habe fürchtete ebenfalls erst, dass Zuckerberg sich ein Eigentor schießt. Was er womöglich auch tut, nicht jeder ist so tolerant wie ich. Da hat man sich gerade an facebook gewöhnt, da wird auf einmal alles anders. Aber ich denke, man gewöhnt sich schnell an die Neuerungen.
    Mfg. Nina