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24Mai/11Off

Warum liest das denn keiner auf Facebook? 3 entscheidende Faktoren für den Erfolg eines Facebook-Postings

Autor des Artikels: Matias Roskos

Diese Frage - "Warum liest und kommentiert das denn keiner auf Facebook? Können Sie mir das erklären, Herr Roskos?" - höre ich etwa drei Mal pro Woche. Und ich weiß, Hunderte, vermutlich sogar Tausende von neuen Social Media Verantwortlichen in Agenturen und Unternehmen fragen sich das tagtäglich. Oft werden die Nachrichten anderer Seiten, die eher belangloser Natur sind, deutlich öfter kommentiert und mit einem "Gefällt mir" versehen als die eigene. Das ärgert oft den Schreiber des Postings. Und ich kann das verstehen.

Zuerst einmal: auch nicht alle meiner Postings werden kommentiert. Auch bei mir geht hin und wieder mal was unter in der proppevollen Facebook-Welt. Aber ich kenne die Mechanismen die dafür verantwortlich sind. Jedenfalls zu, sagen wir mal, 90%. Darum wunder ich mich nur noch selten darüber.

Das was ich jetzt ausführe gilt für private Postings genauso wie für Postings auf Ihrer Unternehmens-Seite. Und es betrifft Text-Postings genauso wie Videos, Links oder Bilder. Wobei es in der Wahrnehmung bei den Facebook-Nutzern durchaus Unterschiede gibt zwischen Textnachrichten und Bildern/Videos. Aber darum soll es hier jetzt nicht gehen.

1. Haben Sie die Nielsen-Regel im Blick

Haben Sie schon mal etwas von der Nielsen-Regel gehört? Sie stammt vom dänischen Web-Experten Jabok Nielsen und hat auch im Jahr 2011 nichts von ihrer Richtigkeit verloren. Das zeigt sich nicht nur immer wieder in der täglichen Arbeit, sondern wird mir auch von anderen Communitymanagern stetig aufs Neue bestätigt.

Die Nielsen-Regel ist eine wunderbare Orientierung (kein Dogma) für die Aktivität in einer Community. Sie gibt Orientierung und hilft bei der Planung des Communitymanagements. Sie sagt, dass 90% einer Community - Auf Facebook sind das die Fans der Seite. Facebook besteht so aus vielen "kleinen" Subcommunities. - inaktiv sind. Und nur 1% tatsächlich aktiv ist und 90% des gesamten Contents liefert. Nicht beachtet ist hier die Contenterstellung durch Plattformbetreiber und Communitymanager, die immer wichtiger wird. Gerade in der Startphase von Community-Projekten.

Die Nielsen-Regel

Jetzt kann jeder, der für eine Facebook-Seite verantwortlich ist, mal schnell durchrechnen, mit wie vielen aktiven Menschen er zu rechnen hat. Und dann vergleichen, ob das der Realität entspricht. Meine Erfahrung sagt mir, gekoppelt mit der Nielsen-Regel, dass wirklich gelebte Kommunikation erst ab etwa 500 Fans auf Facebook stattfindet. Vorher passiert kaum und nur selten etwas. Also nicht wundern, wenn bei 300 Fans kaum was los ist. Aber nicht aufgeben! Weiter stetig am Communitywachstum arbeiten. Es lohnt sich.

2. Unterschied Newsstream und Pinwand

Der zweite Punkt, der von vielen oft nicht beachtet wird, ist der kleine, sehr feine und wichtige Unterschied zwischen dem Newsstream und der Pinwand des Unternehmens. Die wenigsten Fans besuchen regelmäßig die eigentliche Facebook-Seite. Sie nehmen die Nachrichten, Bilder, Videos, Umfragen einer Seite zu 99% über ihren Newsstream war. Und nicht über den Besuch der eigentlichen Facebook-Seite und der Pinwand dort.

Also über die eigene Startseite auf Facebook, die ihnen Facebook vorsetzt. Ein wenig zum Newsstream hatte ich neulich schonmal geschrieben: "Wie Sie auf Facebook jemanden wieder los werden... oder unsichtbar machen".

Untersuchungen der letzten Zeit haben ergeben, dass etwa nur jede 500. Nachricht dem Nutzer tatsächlich im Newsstream angezeigt wird. Aus der Summe der Postings seiner Freunde und von Seiten, von denen er Fan ist. Das bedeutet: ein Facebook-Nutzer sieht ihre Nachricht oft erst gar nicht! Und darum kommentiert er auch nicht oder klickt auf "Gefällt mir". Kann er gar nicht. Weil er es nicht zu Gesicht bekommt. Das ist den wenigsten Betreuern von Facebook-Seiten bewusst.

Und wie kann man das "abstellen"? Hierfür muss man wissen, dass es den Edgerank gibt.

3. Der Edgerank ist Schuld

Der Edgerank ist ein Facebook-eigener Algorithmus zur Darstellung der "Hauptmeldungen" des Facebook-Newsstreams. Er setzt sich zusammen aus diversen Faktoren, die die Facebook-Macher für relevant halten, um jede einzelne auf Facebook erzeugte Nachricht, egal ob Text, Umfrage, Bild, Video oder Link einzuordnen und dementsprechend auf der Startseite eines Nutzers darzustellen (oder auch nicht).

Hinweis: Sollten sie über einen "Edgerank-Checker" stolpern im Nezt - der ist Schwachsinn! Da versucht ihnen jemand Müll als Schokolade zu verkaufen. Es gibt keine Software, die den Edgerank messen oder auslesen kann. Denn nicht ihre Seite oder ihr Profil hat einen Edgerank (im Unterschied zum Google-Pagerank). Er ist "nur" ein Algorithmus, der ihre einzelne Meldung in Relevanz setzt zu den vielen anderen Nachrichten auf Facebook, die zur gleichen Zeit erstellt werden. Man kann den Edgerank seiner Seite nicht verbessern!

Man kann aber versuchen Postings so zu gestalten, dass sie schnell vom Edgerank höher gewichtet werden. Hierfür ist es notwendig, dass ihre Postings "viral funktionieren". Dass sie Kommentare und "Likes" hervorrufen und von den Nutzern geteilt werden. Denn dadurch steigt der Edgerank und die Nachricht wird schnell immer viraler. Sie gelangt auf die Startseite der Nutzer.

Die einzelnen Faktoren, aus denen sich der Edgerank ergibt, werden von Facebook natürlich nicht öffentlich genannt. Aber einige Details sind mittlerweile bekannt. Hierzu zählen die Aktualität, die Anzahl der Kommentare und Likes, die Anzahl der Freunde die auch mit der Seite verbunden sind usw. Wer an der Social Media Akademie einen Community Manager Kurs gebucht hat, wird meine ausführlichen Ausführungen dazu entweder schon kennen oder demnächst hören können.

Außerdem habe ich ein Whitepaper zum Edgerank von Facebook erarbeitet mit vielen kleinen Details zu diesem spannenden Thema, dass ich den Abonnenten des Roskos-Report kostenlos zur Verfügung stellen und dann später - wohl im Juli oder August - auch hier auf Socialnetworkstrategien.de verlinken werde.

Ein Fazit, um mehr Interaktion auf Facebook zu erreichen

Wenn wir also die drei genannten Punkte uns noch einmal vor Augen halten - die Nielsen-Regel (90-9-1 Prozent), der Facebook-Newsstream auf der Startseite der Nutzer und der Edgerank - wird schnell klar, warum viele Nachrichten auf Facebook kaum oder keinerlei Reaktion hervor rufen. Ihre "Viral-Kraft" ist zu schwach. Die Facebook-Seite hat noch zu wenige Fans, um Interaktion hervor zu rufen. Dadurch schafft es eine Nachricht nur mit viel Glück auch mal in den Newsstream einiger Nutzer, der wiederum durch den Edgerank bestimmt wird. Und schafft es die Nachricht kaum auf die Startseite der Nutzer, geht sie unter und erhält keine Kommentare und Likes. Ziel muss es also sein, es direkt in den Newsstream der Nutzer zu schaffen.

Was also tun um dies zu erreichen?

  1. Arbeiten Sie kontinuierlich am Communityaufbau auf Facebook!
    Ohne eine Community in vernünftiger Größe wird es keine oder kaum Lebendigkeit auf der Seite geben.
    Nicht aufgeben. Unermüdliche, ehrliche und engagierte Arbeit zahlt sich mittelfristig aus. Geben Sie sich und Ihrer Seite aber auch die notwendige Zeit. Und erwarten Sie nicht von heut auf morgen eine lebendige, konstruktive Diskussion auf Ihrer Seite.
  2. Beachten Sie den Edgerank. Schauen Sie, ob Ihre Postings an der ein oder anderen Stelle noch verbessert werden können, um bei mehr Menschen auch im Newsstream angezeigt zu werden.
  3. Bringen Sie die Menschen dazu Ihre Nachrichten zu kommentieren und zu liken.
    Das geht jedoch nur, wenn es auch was zu kommentieren gibt. Fragen zum Beispiel schreien ja nach einer Antwort. Auch spannende Bilder werden sehr gern geliked. Neutrale Kurz-Berichte von einem Ereignis werden kaum Reaktion hervor rufen. Ein gutes Bild aber, ein Eyecatcher, hat größere Chancen geliked zu werden. Was sofort den Edgerank des Postings verbessert.
    Schaffen Sie also proaktiv Kommunikationsanlässe und sorgen Sie dafür, dass Ihre Seite lebendig wird.
    Mehr dazu finden Sie auch in folgenden Beiträgen:

Ich hoffe mit diesem Beitrag mehr Licht ins Dunkel um den viralen Erfolg von Facebook-Postings gebracht zu haben und dem ein oder anderen Betreuer einer Facebook-Seite eine Hilfe an die Hand gegeben zu haben. Denn es ist kein Hexenwerk erfolgreich zu sein auf Facebook. Aber auch nicht ganz so einfach, wie oft gedacht und propagiert wird. Man braucht ein gewisses Fingerspitzengefühl für den Umgang mit der eigenen Community, eine Themenrelevanz der Postings, das Wissen um die Mechanismen von Facebook und Ausdauer und Geduld. Dann wird man langfristig erfolgreich sein.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (5) Trackbacks (2)
  1. Hallo Matias, sehr schöner Artikel, gefällt mir. Entscheidend ist doch aber das, was und vor allem wie es gepostet wird. Keinen Menschen wird es hinter dem Ofen hervorlocken und zur Interaktion verleiten, wenn lediglich stumpf irgendwelche Links oder Fotos gepostet werden ohne auch nur den Hauch eines Kommentars seitens des „Posters“. Oder wenn bspw. nur Tweets auf der Page gespiegelt werden und an der Zielgruppe vorbei gepostet wird (bspw. auf der Facebook Page der Finanzverwaltung Rheinland-Pfalz). Und dann wundern sich die Page-Administratoren, wenn sich nichts auf deren Seite tut, bzw. die Fans ausbleiben. Auch irgendwelche Gewinnspiele als kurzfristige Fan-Generatoren bringen gar nichts, wenn im Nachhinein der relevante Content ausbleibt. Denn, wie Felix schon richtig bemerkt, Content rules!

  2. Ich stimme dir da absolut zu. Ohne Themen-Relevanz und ohne das richtige Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Community geht nix. Auch nicht mit 2.000 Fans, die man wie auch immer eingesammelt hat.

    Aber darum sollte es in diesem Beitrag nicht gehen. Darauf bin ich schon so oft eingegangen, dass ich das Gefühl habe mich permanent zu wiederholen. ;)
    Unter anderem in diesen Beiträgen:

    http://www.socialnetworkstrategien.de/2009/10/10-bausteine-fur-eine-erfolgreiche-facebook-fanpage-1-000-facebook-fans-in-6-wochen/

    http://www.socialnetworkstrategien.de/2010/06/wenn-die-facebook-seite-leer-bleibt-facebookmarketing-fanpage/

    http://www.socialnetworkstrategien.de/2010/11/was-ist-social-media-was-ist-das-social-web/

    http://www.socialnetworkstrategien.de/2010/04/wachstum-durch-relevanz-mittelstand-facebookseite-kauperts/

    http://www.socialnetworkstrategien.de/2011/03/cajong-is-nothing-1-500-facebook-fans-in-5-tagen/

    Heute wollte ich mal ganz konkret die drei oben genannten Punkte (Edgerank, Unterschied Pinwand – Newsstream, Nielsenregel) beleuchten. Weil ich weiß, dass viele dies noch gar nicht kennen. Oder immer wieder vergessen.

    Aber wie gesagt: du hast Recht. Die Inhalte und ihre Relevanz für die Fans sind das Nonplusultra.

  3. Herzlichen Dank für diese Informationen. Sehr hilfreich, gut geschrieben. Empfehlenswert.
    Ihre Susanne Blake

  4. Einfach zum Nachdenken!

  5. Beachten Sie den Edgerank. Schauen Sie, ob Ihre Postings an der ein oder anderen Stelle noch verbessert werden können, um bei mehr Menschen auch im Newsstream angezeigt zu werden.
    ==
    Daran kann man doch aber nur bedingt aktiv arbeiten, indem man eben kontinuierlich Content erstellt, der leicht verdaulich und „teilbar“/likable ist, oder hab ich das missverstanden?