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14Mrz/11Off

Cajong is nothing – 1.500 Facebook-Fans in 5 Tagen

Autor des Artikels: Matias Roskos

Kennen Sie Cajong? Nicht? Können Sie auch nicht. Denn Cajong ist nichts. Es ist eine von mir erfundene Marke. Okay, es gab mal ein Projekt namens Cajong, dass ich vor ein paar Jahren zusammen mit Martin Oetting ins Leben gerufen hatte. Aber Cajong ist schon seit Jahren nicht mehr existent. Ich habe also der Einfachheit halber nur Logo und Namen genommen und auf Facebook ein Experiment gestartet.

Ich habe vor fast einem Jahr die "German Brands on Facebook" als Facebook-Charts entwickelt. Um zu zeigen, welche für den deutschsprachigen Markt relevanten Marken auf Facebook aktiv sind. Demnächst werden wir dieses Projekt übrigens weiter ausbauen und tägliche Facebook-Charts liefern! Gemessen werden dabei allerdings (bisher) nur die Anzahl der Fans. Doch wie aussagekräftig sind die reinen Fanzahlen?

In letzter Zeit gibt es immer mehr schnell und stark wachsende Facebook-Seiten. Heidi, das schielende Opossum, die Stuttgart21-Seiten oder die Pro-und-Contra-Guttenberg-Geschichten. Auf Facebook ist mächtig was los in Deutschland. Dabei wird immer wieder gemunkelt, dass das manchmal nicht mit rechten Dingen zugeht.

Eins vorweg: ich behaupte NICHT, dass auf irgendeiner Seite die ich kenne geschummelt wird oder was nicht mit rechten Dingen zugeht. Darüber habe ich keine Kenntnis und möchte hier auch keine Vermutungen anstellen. Ich möchte ausschließlich über mein kleines Cajong-Experiment berichten.

Start des Cajong-Experiments auf Facebook

Ich habe also am Samstag, 5. März 2010, eine Facebook-Seite mit dem Namen Cajong eingerichtet. Ich habe via Statusmeldung meine Facebook-Kontakte darum gebeten, dieser Seite zu folgen, damit ich schnell eine sogenannte VanityURL beantragen kann. Innerhalb von fünf Stunden hatte ich 25 Fans beisammen und konnte http://www.facebook.com/Cajong anmelden als URL. Danke nochmal an alle, die diesen Spaß mitgemacht haben!

So sah die Seite dann Sonntag morgen aus.

Start von Cajong auf Facebook

Dann startete ich mein Experiment. Mein Ziel war es möglichst schnell 1.000 Fans "einzusammeln". Am Montag, zwei Tage nach Start, hatte ich knapp über 100 Fans. Am Dienstag morgen waren es dann bereits über 500 Fans. Dienstag Abend hatte ich mein Ziel erreicht: 1.000 Fans. Nach nur vier Tagen. Am Mittwoch, fünf Tage nach Seiten-Start, stieg die Zahl bis auf 1.550 Fans, bis ich das Experiment vorerst stoppte.

1.500 Fans auf Facebook in 5 Tagen

Mir war es also gelungen, innerhalb von fünf Tagen mehr als 1.500 Fans auf einer Facebook-Seite zu versammeln. Auf einer Seite, die außer einem Namen und mir als Admin nichts zu bieten hatte. Erstaunlich? Ja, erstaunlich. Ich war selbst ein wenig überrascht, wie extrem gut und wie extrem schnell das Wachstum vonstatten ging.

Nochmal: niemand wusste worum es dabei geht. Es gab kein Produkt, keine Story, nichts. Nur mich und die bitte an Freunde mir zu helfen. Sonst nichts. Ich ließ die Fans auch bewusst weiter im Unklaren und stellte nur ein paar banale Fragen an der Pinwand, damit diese nicht leer blieb. Kein Gewinnspiel! Keine geheimnisvolle Story. Keine lustigen Videos. Nichts.

Cajong-Experiment auf Facebook

Facebook-Wachstum mit nichts

Ich wollte zeigen, dass es geht. Dass man schnell Wachstum erzeugen kann.

Jetzt werden viele fragen: Und wie haben Sie das nun gemacht? Naja - ich wär ja schön blöd, wenn ich alles in Sachen Facebook verraten würde. Ich kann und will nur so viel sagen: es waren keine Bots, keine Software am Werk, die mir die Arbeit abgenommen hat. Das würde Facebook (zum Glück) sofort merken und die Seite dicht machen. Alles echte Fans, echte Menschen.

Was mir jedoch viel wichtiger ist, und was Punkt 2 ist, den ich mit diesem Experiment antippen wollte, ist die entscheidende Frage: Wie nachhaltig ist solch ein schnelles Wachstum? Auch andere Seiten wachsen rasant. Sogar noch schneller als die Cajong-Seite. Allerdings haben die meist auch eine echte Story, eine starke Marke dahinter. Ich berichtete letzte Woche ja schon über einige dieser Seiten, die ich weiterhin für sehr gelungen halte!

Die Fanzahlen schnell nach oben zu schrauben ist also nicht das Problem, wenn man weiß wie es geht. Ich könnte die Zahlen auch locker auf 5.000, ja sogar auf 10.000 Fans hochschrauben kurzfristig. Ich würd mir sogar 20.000 - 25.000 Fans zutrauen. Aber was soll das? Was sind nackte Fanzahlen wert? Ich weiß, dass genau solche Zahlen in etlichen Marketing-Abteilungen sehr viel wert sind. Dass dort genau mit solchen Zahlen gearbeitet wird. Und sie verglichen werden mit TV-Quoten und Auflagen von Zeitungen. Was ich auch von diesen Zahlen halte, können Sie sich denken.

Wer mich kennt, weiß, was ich davon halte. Ich mag selbst Charts (siehe German Brands on Facebook). Fanzahlen sind eine nette Spielerei. Und ich selbst freue mich auch, wenn auf einer von mir betreuten Facebook-Seite die Zahl der Fans stetig steigt. Aber diese Zahl allein sagt fast gar nichts. Sie ist nicht allzu viel wert, bestenfalls ein Anhaltspunkt. Eine Krücke. Ein Hilfsmittel für eine Erfolgsbewertung. Aber bitte nie nie nie der alleinige Gradmesser für den Erfolg einer Seite.

Der eigentliche Wert: Interaktion, Kommunikation, eine lebendige Community

Viel wertvoller ist die Interaktion der Communitymitglieder auf der Seite. Entstehen Dialoge, virtuelle Gespräche? Wird miteinander interagiert? Werden Links, Bilder, Videos weitergereicht an die eigenen Freunde? Wird gesprochen über die transportierten Inhalte?

Darüber sagt eine nackte Fanzahl absolut gar nichts aus. Der eigentliche Wert entsteht erst in der Kommunikation. Denn Facebook, wie alle anderen Social Media Kanäle auch, ist kein "Fan-Sammelbecken", sondern ein Kommunikationsraum. Und Kommunikation findet immer in viele verschiedene Richtungen statt.

Man kann mit einer Community, ob nun auf Facebook, einem anderen Social Network wie zum Beispiel Motor-Talk.de oder der eigenen Unternehmensplattform wie Fressnapf oder Tchibo ideas wunderbare Mehrwerte zum Nutzen der eigenen Marke generieren. Zusammen mit der Community. Als Bestandteil der Community. Oft mit Hilfe von Crowdsourcing-Mechanismen, mit denen ich mich schon seit ein paar Jahren intensiv beschäftige. Natürlich ist es wichtig, dass meine Community dafür auch eine gewisse Größe hat. Denn erst ab einer gewissen Größe wird sie lebendig werden und wird tatsächlich Kommunikation stattfinden. Aber eine schnell und künstlich aufgeblasene Größe bringt (fast) gar nichts.

Kommunikation muss angeregt und gefördert werden

Es ist unabdingbar, dass die Communitybetreiber nicht nur aufs Wachstum schielen, sondern dass Kommunikation angeregt und massiv gefördert wird. Durch Schaffung von Kommunikationsanlässen, durch Themenrelevanz, durch Geschick und Fingerspitzengefühl. Durch ein aktiv tätiges Community Management. Durch die Bereitschaft selbst Bestandteil der Kommunikation zu werden. Auch bei Kritik, unangenehmen Fragen und Vergleich mit der direkten Konkurrenz. Das kann man blöd finden und sich zurück ziehen. Oder aber daraus lernen und besser werden.

Schnelles Wachstum - wie am Beispiel meines Cajong-Experimentes - ist also für viele vordergründig toll und spannend. Doch wenn dieses Wachstum nicht nachhaltig ist, ist es nichts wert. Erst gelebte Kommunikation führt zu einer wertbringenden Community, aus und mit der man tatsächlich Mehrwerte für eine Marke, für ein Produkt, für eine Dienstleistung gewinnen kann.

Was wird aus Cajong?

Und was wird nun aus meinem kleinen Experiment? Nun habe ich dort über 1.500 Fans versammelt. Und jetzt? Ich wollte zeigen, wie schnell man Wachstum erzeugen kann. Und darauf hinweisen, wie wenig wert ein solches reines Wachstum eigentlich ist, wenn keine Nachhaltigkeit dahinter steckt.

Machen Sie mir doch mal einen Vorschlag? Wohin soll die Reise gehen mit Cajong? Ich könnte weiter experimentieren und ein Gewinnspiel starten. Mal sehen, was passiert. Ich könnte auch den Beweis antreten, dass man zügig 10.000 Fans einsammeln kann. Ich könnte mir auch ein Produkt ausdenken? Gemeinsam mit der Community? Was meinen Sie? Ich freue mich über Feedback zu diesem kleinen Experiment. Und wer Fan von Cajong werden möchte: bitteschön.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (12) Trackbacks (1)
  1. Endlich schreibt mal Jemand was wichtig ist. Nicht die Anzahl Fans – auch wenn man mal eine kritische Masse braucht – sondern die Qualität. #ilike

    Ich würde gerne die Statistik mal anschauen, sobald du 10’000 Fans erreicht hast. Deine Tricks würde mich aber schon noch interessieren :)

  2. Wie du das geschafft hast ist doch viel interessanter! Klar ist das nicht nachhaltig, aber die kritische Schwelle muss erst einmal erreicht werden.

  3. Ich wette, Ihr Experiment wird von vielen Unternehmen so interpretiert: „Was, 1.500 Fans in 5 Tagen? Und noch viel mehr ist drin? Das wollen wir auch! Erst Recht, wenn diese Methode Schule macht. Wie stehen wir sonst da mit unseren paar hundert/tausend Fans? Das mit der Interaktion kommt dann schon noch.“ Lerneffekt: null. :-/

  4. @Heidi: Diese Gefahr besteht durchaus, ja.
    Aber ich hoffe, dass viele doch daraus lernen. Und darum habe ich den Artikel auch extra so geschrieben wie ich ihn geschrieben habe. Und ich werde nicht müde in Artikeln, Vorträgen und Workshops diese Botschaft immer wieder zu propagieren: „Erst gelebte Kommunikation führt zu einer wertbringenden Community, aus und mit der man tatsächlich Mehrwerte für eine Marke, für ein Produkt, für eine Dienstleistung gewinnen kann.“

  5. ich lese diesen beitrag mit gespaltenen gefühlen. mein persönlicher eindruck ist, dass der hauptfokus des beitrags die „geheimnisvolle“ schnelle aktivierung von fans ist. die schlussfolgerungen haben mit dem experiment selbst eigentlich nichts zu tun (dass es wichtig ist, nachhaltig zu kommunizieren argumentiert dieser beitrag nicht!). ich glaube auch, dass es für eine „noname“ seite einfacher ist, fans zu generieren als für eine marke, die für ganz konkrete inhalte steht. denn wenn es inhalte gibt, entscheiden sich die menschen bewusster, ob sie diese „liken“ wollen.

  6. Der Prozess erinnert ein wenig an Gold Farming.

    Da ich selber for Social Media eines Unternehmens tätig bin, das zwar eine starke Marke hat, aber trotzdem nur in gewissen Kreisen bekannt ist, verstehe ich die Problematik des Prozesses. Unsere Absicht ist es, den harten Kern der Fans auf unsere Seite zu locken und eben Dialoge einzugehen, denn sobald die Fanbasis zu breit ist, wird es mit dem Interesse am eigentlichen Kern-Thema auch schwierig.

    Man muss eben – wie bei klassischer Kommunikation – seine Zielgruppe ausfindig machen und an Land ziehen.

    Die ewige Diskussion, was ein Fan wert ist, dreht sich meiner Ansicht nach im Kreis, da jeder Fan einen unterschiedlichen Wert hat.

    Ich stimme im Übrigen Alexandra zu, dass der Beitrag einen zweispältigen Nachgeschmack hinterlässt.

  7. Matias will nur Aufträge an Land ziehen.-)

  8. Ich finde das sehr interessant.

  9. @Andre: Du meinst die sechs Projektanfragen, die ich heut schon herein bekommen habe?

  10. :-) Genau..die ankommen und sagen…äääh Herr Roskos…ich habe gelesen sie können…wenn sie wollen…15000 Fans innerhalb kürzester Zeit generieren? Können sie uns das auch machen? :-)

  11. Klasse Artikel und klasse Aktion. Auch ich schaue mir immer wieder diejenigen kopfschüttelnd an, die sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil sie doch all so viele Fans haben.
    Aber was nützt es, wenn ich bspw. gar keinen Dialog auf der Seite habe bzw. den nicht mal zulasse, was leider allzu oft vorkommt. Und was bringt es mir, wenn meine Fans die Seite gleich nach ein paar Meldungen auf nicht sichtbar schalten, weil ich allzu oft gepostet habe und das Ganze dann als Spam empfunden wird?
    Leider verstehen viele Unternehmen immer noch nicht, dass die Fanzahl nichts über den Erfolg ihrer Seite aussagt. Aber mit deinem Artikel hast du vielleicht ein Stück dazu beigetragen. Vielen Dank!

  12. Super Experiment und ein super Artikel! Das ist genau das, was mich an den unzähligen Rankings stört: Es wird immer nur nach Anzahl der Fans geranked. Deshalb bin ich selbst auch ein großer Fan von http://www.socialmediaranking.at – da hier nicht die Fananzahl im Vordergrund steht, sondern auch das Engagement, sowohl auf Twitter als auch auf der Fanseite, mit einbezogen wird. (Nein, ich hab damit nichts zu tun und will auch keine Werbung machen – es ist sogar so, dass das ein Projekt eines Mitbewerbers ist. :) Am Ende des Tages bleibt ein Ranking natürlich ein Ranking und bei der Aussagekraft eines solchen scheiden sich die Geister. Aber mir gefällt der Ansatz, endlich von der Quantität im Social Web wegzugehen und die Qualität in den Vordergrund zu stellen.