SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

4Nov/10Off

Social Media ist nicht nur Facebook

Autor des Artikels: Matias Roskos

Facebook hier, Facebook da. Jeder führt Facebook im Munde. Jede Marke muss jetzt unbedingt eine Facebook-Seite haben. Und dann ist sie da. Und sie wundern sich, warum da nicht plötzlich 10.000 Fans sind. Ging doch bei der Deutschen Bahn auch Ruckzuck. Auf dieses Beispiel will ich hier aber nicht eingehen. Das Wachstum ist leicht zu erklären. Und der Erfolg hat einen nicht so angenehmen Beigeschmack. Aber der stört die Deutsche Bahn womöglich überhaupt nicht.

Aber Leute - Facebook ist kein Selbstläufer. Social Media ist kein Selbstläufer. Und vor allem: Social Media ist nicht allein Facebook! Auch wenn man aktuell fast den Eindruck haben könnte.

Social Media allein auf diesen einen Baustein zu reduzieren ist nicht nur ungerecht gegenüber all den anderen Elementen und Facetten. Es ist zumeist auch fahrlässig.

Es wird dabei nur allzu deutlich, dass viele Markenverantwortliche noch immer nicht wissen und nicht wirklich begriffen haben, was Social Media ist. Und vor allem: was Social Media bedeutet. Dazu dann morgen ein weiterer Artikel. Versprochen.

Eine Facebook-Seite ist wunderbar einfach eingerichtet. Kann man selber machen. Oder für verhältnismäßig wenig Geld machen lassen. Und dann? "Naja - dann sind da die Fans. Und die machen da schon was. Oder?" (Originalzitat neulich auf einer Konferenz!)

Ach nö - so ist es nicht. Meist jedenfalls nicht. Bei wirklich starken Marken mag es so sein. Ob das dann jedoch effektiv ist, möchte ich auch noch bezweifeln. Brands wie Adidas, Coca-Cola oder Pringles lassen ihre Seiten und die Community, die sich dort versammelt hat, nicht allein, sondern sind aktiver Bestandteil der Community. Damit eine Facebook-Seite "funktioniert", muss der Betreiber selbst aktiv sein. Täglich. Damit nicht das passiert, was beim WeTab passiert ist. Was tägliche Aktivität und gutes Communitymanagement auf einer Facebook-Seite bedeutet habe ich hier und hier ausführlich beschrieben.

Was mich jedoch aktuell ganz gewaltig stört, ist das Reduzieren von Social Media auf Facebook. Und vielleicht noch auf Twitter. Doch Social Media ist viel mehr. Und deutlich vielschichtiger. Und nicht für jede Marke mag Facebook der ideale Platz, der passende Kommunikationsraum sein.

Was notwendig ist um das heraus zu finden, ist eine passende Strategie. Schritt 4 oder 5 wäre dann erst das Eröffnen und Pflegen (!) einer Facebook-Seite. Schritt 1 ist: sich hinsetzen, beraten lassen, Gedanken machen. Und daraus die für die Marke passende Strategie ableiten. Unseren Kindern sagen wir immer: "Erst denken, dann reden." Das Gleiche trifft hier auch zu.

Dabei könnte sich dann herausstellen, dass Facebook vielleicht nur ein zusätzlicher Baustein ist von mehreren. Sinnvoller aber ist womöglich ein eigenes Blog, über das man seine Botschaften, seine Mitarbeiter, seine Philosophie, Neuigkeiten der Produkte nach außen trägt. Vielleicht mit einem spannenden Youtube-Kanal passend dazu. Oder - wenn es viel Bildmaterial gibt - einer cleveren Kombination von Flickr-Galerien und dem Involvieren von Multiplikatoren auf Facebook und Twitter. Oder aber die enge Zusammenarbeit mit drei, vier, fünf passenden Nischenblogs, deren Autoren man als Unterstützer gewinnen und mit denen man zusammen die eigenen Produkte nicht nur promoten, sondern womöglich auch verbessern kann. Oder oder oder. Social Bookmarking, eine eigene Community auf der hauseigenen Plattform, Zusammenarbeit mit passenden Foren und spezifischen Themen-Networks, das Nutzen von Crowdsourcing-Mechanismen, virale Kampagnen gestreut auf mehreren Kanälen... und so weiter und so fort.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie solch eine Social Media Strategie aussehen kann. Dies sind nur ganz knappe Skizzen.

Sehr gut gefällt mir - von außen betrachtet! - das Agieren der Fidor Bank. Nicht nur, dass sie einfach sympathisch rüber kommen und permanent präsent sind auf Facebook und Twitter. Herzstück ihrer Social Media Strategie ist die eigene Community. Und das finde ich genial. Gemeinsam, basierend übrigens auf Crowdsourcing-Mechanismen, versucht man die eigenen Produkte zu verbessern und vor allem neue, zukunftsträchtige Dienstleistungen und Produkte zu finden. Das, finde ich, ist ein toller Weg.

Und er zeigt, dass Social Media weit mehr ist wie nur Facebook. Social Media kann (und solllte) so vielschichtig sein. Und für (fast?) jeden gibt es eine passende Strategie. Aktionismus in Sachen Facebook jedoch ist nur selten die richtige Strategie. Und kann bei vielen Markenverantwortlich schnell zu Frust führen. Das wäre schade. Denn - ich sagte es schon (glaub ich) - Social Media ist so vielfältig und so großartig...

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (2) Trackbacks (4)
  1. Wie Du schreibst:

    Das Problem ist, dass viel zu oft Taktik und Strategie verwechselt werden.

    Vor allem wird Marketing oftmals einfach falsch verstanden und gewisse Themen werden gern als Allheilmittel verkauft.

    Man braucht eine durchdachte, grundsätzliche Strategie, auf der aufbauend, dann die entsprechenden Werkzeuge und Kanäle ausgewählt werden sollten. Facebook kann eines dieser Werkzeuge sein, aber es gibt eben viele andere.

    Leider wird heute Social Media schon fast als Religion gepredigt. Schade eigentlich, aber ich denke mal, dass wird sich ebenso „normalisieren“, wie sich die Religion „Internet“ nach der dotcom-Blase vor rund 10 jahren normalisiert hat.

  2. Endlich mal einer der mir das bestätigt von dem ich immer rede. Ich hab nicht lange gebraucht um zu erkennen was man mit Facebook alles machen kann.Auf FB hat sich ein Markt aufgetan den noch nicht viele nützen.
    mfg Richtsfeld Domenik
    (Geschäftsführer und Inhaber von Net-Gastros)