Sixt gibt sich der Peinlichkeit preis
Autor des Artikels: Matias RoskosEs gibt Dinge im Marketing, da kann ich nur noch traurig mit dem Kopf schütteln. Den Klops, den sich Sixt nun ganz aktuell geleistet hat, ist ein solcher Fall, bei dem ich nur noch heulen oder mit dem Kopf auf die Tischplatte hauen könnte. Wie peinlich. Wie dämlich. Wie blöd ist diese Aktion. Und wie sehr werden hier Menschen mit einem ernsten Anliegen ins Lächerliche gezogen. Man verarscht sie. Nicht mehr und nicht weniger. Und findet das auch noch cool.
Worum es geht? Um die Kastor-Transporte. Und wie sich Sixt-Leute unter die Anti-Atomkraft-Demonstranten mischten, bescheuerte Plakate hochhielten und das nun Guerilla-Marketing nennen. Dabei ist es einfach nur eine peinliche Aktion, bei der man vor Scham im Boden versinken möchte.
Auf dem Sixt-Blog liest sich das dann so:
Das hat es in der deutschen Werbegeschichte noch nicht gegeben: Werbung bei einer Protestveranstaltung.
In einer beispiellosen Guerilla-Aktion haben sich dazu kurzerhand einige Anhänger der Pullacher „Van&Truck“-Sparte unter die Castor-Gegner gemischt um dort ihre, als Castor-Protest getarnte, Botschaft zu platzieren. Denn im Gegensatz zu den üblichen Anti-AKW-Parolen las man im Getümmel der Demonstranten plötzlich den geschickt formulierten Slogan:
Und so weiter. Ganz bewusst verlinke ich hier nicht ins Blog von Sixt. Ich möchte ihnen diesen Link nicht schenken. Den haben sie in keinster Weise verdient. (Wer in den Kommentaren einen Link dorthin postet, wird von mir definitiv gelöscht.)
Die Kommentare im Sixt-Blog nun quellen über vor Entrüstung, Enttäuschung, Wut, Unverständnis über diese Aktion. Dort heißt es unter anderem:
Diese Aktion ist Grund genung meine Mitgliedskarte wegzuwerfen und zukünftig bei anderen Verleihern zu mieten.
Es muss Bereiche des öffentlichen Lebens geben die vor Werbung geschützt sind.
Hoffentlich findet ein cleverer Anwalt einen entsprechenden Paragraphen der ihre Geschmacklosigkeit nachträglich justiziabel macht.
Oder weiter:
vollkommen daneben. machen wir uns doch nen jux aus allem! willkommen spaßgesellschaft. ich könnt kotzen. im strahl.
Und einen noch:
Hallo,
vollkommen geschmacklos. Ihr habt hiermit einen Kunden verloren – ich miete in Zukunft woanders. Und lest den Jungs von Jung von Matt bitte jeden einzelnen Kommentar hier vor, während ihr ihnen in ihre arroganten Werberarsch tretet.
P. Werner
Und auf Facebook ist in einem Kommentar sogar Folgendes zu lesen:
Sixt hat allerdings an die Polizei Fahrzeuge zur Durchsetzung des Castortransports vermietet. Von daher: Total daneben
Stimmt das? Weiß das jemand. Wie unglaublich wäre das denn?
Sixt feiert sich, weil sie glauben mit dieser angeglich ach so cleveren Aktion Millionen von Menschen vor den TV-Geräten und auf Youtube erreicht zu haben (Nein - ich binde hier auch kein Video der Aktion ein. Bitte selbst auf Youtube suchen, wen das interessiert.)
Aber was wurde denn wirklich erreicht? Ja - man ist zu sehen. Aber ist das alles, was Marketing bewirken soll? Wie wird die Marke Sixt denn wahrgenommen? Als peinlich, extrem ungeschickt, als Unternehmen ohne Gespür für die Wünsche und Belange von Menschen. Als Marke, der kein Spaß zu weit geht? Als jemand, dem Geschmacklosigkeit extrem wichtig ist und der andere Menschen gern verarscht. Als Marke, die eine ernste Aktion, die vielen Menschen sehr wichtig ist, ins Lächerliche zieht.
Das nennt man übrigens Guerilla Marketing. Allerdings ungeschickter geht es kaum.
Bitte, liebe Marketing- und PR-Verantwortlichen in den Unternehmen. Lassen sie sich nicht solchen Scheiß aufschwätzen als tolle Aktion! Ihr Markenimage leidet massiv unter solchen Ballaballa-Aktionen. Schalten sie IMMER ihren gesunden Menschenverstand ein und fragen sie sich: "Wie würden sie eine solche Aktion finden? Wie würden ihre Kinder, ihre Kollegen, ihre Nachbarn, ihre Freunde so etwas finden?" Und entscheiden sie dann. Durchaus auch ein Stück weit mit Bauchgefühl. Und vor allem: mit Fingerspitzengefühl. Dies sollte uns nie verloren gehen! Auch nicht beim Marketing. Es gibt Dinge, die gehen zu weit.
Sixt! Du kannst mir gestohlen bleiben. Ich miete mir mein Auto in der Zukunft woanders.







November 9th, 2010
Man mag ja zu der Aktion von Sixt und JvM stehen wie man will. Ich für meinen Teil finde sie beispielsweise extrem gelungen und weder “Ballaballa” noch negativ zu bewerten.
Eher finde ich diejenigen im Netz nicht gerade mit der Fähigkeit zur Textinterpretation (oder dem Verständnis von Satire) gesegnet, die die Richtung der Kritik aus den Slogans nicht verstehen. Aber das ist alles persönliche Meinung – und wie heißt es so schön:
“Ich muss ihre Meinung nicht teilen, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie sie äußern dürfen.”
Was ich jedoch in einem Blog, der sich angeblich dezidiert “Social Network Strategien” beschäftigt, nicht verstehe ist die Ankündigung von Zensur in den Kommentaren, wenn jemand auf Sixt verlinkt.
Die Begründung, man wolle diesem Unternehmen nicht noch einen Link schenken, geht leider ins Leere.
Denn jeder externe Link in den Kommentaren wird vom System automatisch auf rel=”nofollow” gesetzt und somit von den Crawlern der Suchmaschinen ignoriert.
Die Begründung man wolle den Besuch auf der Seite des Bösen nicht noch erleichtern, wäre da ehrlicher und nachvollziehbarer.
November 9th, 2010
@Sven
Du schreibst: “Humorlos ist wer gar nicht lacht
Doch geht es um Castoren, Atomkraft und den kurzen Protest des braven Deutschen, dann ist der Spaß vorbei. Zumindest in der Netzgemeinde. Ein trauriges Bild. Denn hier zeigt sich mal wieder, dass die ach so tolleranten Netcitizens leider weder Spaß verstehen, noch Satire.”
Tut mir Leid. Das ist definitiv nicht mein Humor. Und ich finde es geschmacklos. Und sage das auch klar und deutlich.
Jedem sein Ding. Meins ist es nicht. Und ich glaube ganz ehrlich gesagt nicht, dass man mit einer Verarsche von Menschen – und nix anderes ist es – einen positiven Imagetransfer hinbekommt.
Und wenn doch, dann möchte ich definitiv nicht zu den Sixt-Kunden der Zukunft gehören.
Die Wahl hab ich. Zum Glück.
Und auf das Thema “Zensur” geh ich nicht weiter ein. Ist mir zu albern.
Meine Entscheidung. Darf man gern auch blöd finden.
November 16th, 2010
Ich will Dir Deine Meinung weder absprechen, noch verbieten. Das ginge gegen mein demokratisches Grundverständnis. Es war eine Frage des Verständnisses, da sich Argumentation und tatsächliche Realität widersprachen.
Zum Glück hat jeder die Wahl, wie er zu Kampagnen wie der von Sixt stehen mag und wie er sie interpretiert. Ich sah für meinen Teil darin eine Kritik, die sich gegen die Politik, nicht gegen die Demonstranten richtete. Hier steht ein Konzern sozusagen auf Seiten der Demonstranten und keiner scheint es zu verstehen.
Das wäre dann a, ein Zeichen für schlechte Kommunikation – oder b, ein Zeichen für Engstirnigkeit bei Castorgegnern udn Netzgemeinde. Kann man sehen wie man will. Ich hab mal den schönen Spruch gehört:
“Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigenen Probleme und es ist meine Entscheidung, ob ich mir die Probleme eines anderen zu meinen Problemen mache.”
Da hast Du sie wieder die Entscheidungsfreiheit. Und wie heißt es so schön:
“De gustibus et coloribus non esse disputandum.” ;-)
März 12th, 2011
Hallo,
es ist mehr als peinlich. Künftig miete ich meine Mietwagen und Lkws bei einem Broker. Die sind sowieso günstiger als dieser peinlicher Verein.