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12Nov/10Off

Lab UK – die BBC nutzt die Kraft des Internets um Massen einzubinden

Autor des Artikels: Matias Roskos

Der Prix Europa ist der alljährliche Preis aller öffentlich-rechtlichen TV- und Radioanstalten. Den (leider) kaum jemand kennt. Gewinner in der Kategorie "Emerging Media" 2010 wurde nun vor wenigen Tagen Lab UK von der BBC. Warum die Rubrik noch mit "Emerging" betitelt wird, ist mir zwar ein Rätsel. Aber die Entscheidung gefällt mir.

Lab UK BBC

Thomas Weibel, ein fast schon "alter" Online-Freund von mir (schön dich endlich auch mal live in Berlin kennen gelernt zu haben, Thomas!), berichtete via Live-Blogging von der Veranstaltung und schrieb über den späteren Gewinner Folgendes:

Den Web-2.0-Slogan von der wisdom of the crowds nimmt die BBC beim Wort – und stellt die Site “Lab UK” vor, auf der das Publikum an web- und publikumsgerecht aufbereiteten, realen wissenschaftlichen Experimenten teilnehmen kann. Beispiel aus der Intelligenzforschung gefällig? Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen Fr. 1.10; der Schläger ist ein Franken teurer als der Ball. Wieviel kostet der Ball?

Hintergrund: Forscher und wissenschaftliche Experimente sind auf Versuchspersonen angewiesen, die sie nicht immer in genügender Anzahl finden können. Mit Hilfe der BBC (“Science is fun!”) lassen sich grosse, motivierte Probandengruppen rekrutieren; das Ziel ist dabei die Durchführung von vier grösseren Experimenten pro Jahr. Das allererste nannte sich Brain Test Britain, mobilisierte 67 000 Menschen, von denen 13 000 ein volles Jahr lang dabei blieben. “Lab UK” bot ein Hirntrainingsprogramm in Form von (für vergleichbare Experimente jederzeit rezyklierbare) Quizzes und Games; aus den Ergebnissen resultierte eine klinische Hirnforschungs-Studie (deren aufbereitete Ergebnisse wiederum auf der Site veröffentlicht wurden), ein grosses BBC-Fernsehspecial namens “Can You Train Your Brain?” und eine tüchtige Portion Publikumsbindung. (Und, by the way, die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Hirntraining nicht wirklich funktioniert.) Eine andere Studie, “Big Personality Test”, schaffte es sogar, 700 000 Probandinnen und Probanden zu rekrutieren – und daraus wird die womöglich grösste Studie werden, die jemals durchgeführt wurde. Detail am Rande: Das Projekt, auf die Beine gestellt von einem nur vierköpfigen Team, stand unter grossem Zeitdruck, dem unter anderem auch eine Facebook-Einbindung zum Opfer fiel. Die Breitenwirkung war jedoch so enorm, dass das britische Publikum Facebook mit Verweisen auf “Lab UK” förmlich flutete. Mehr als 400 Medien weltweit haben bisher über “Lab UK” berichtet.

Großartig, wie man hier die technischen Möglichkeiten des Internets nutzt um Reichweite zu erzielen und so wissenschaftliche Experimente zu ermöglichen. Unter Nutzung von Crowdsourcing-Mechanismen ist es möglich Tausende von Menschen zu motivieren mitzumachen. Wie die BBC beweist. Allerdings müssen dafür auch die Rahmenbedingungen stimmen. Die alles entscheidene Frage muss beantwortet werden: "Und warum soll ich da mitmachen?"

Die BBC löste dieses Problem mit der cleversten aller Optionen. Sie setzen auf den Faktor "Spaß" und bauten Spiele, die die Nutzer motivierten mitzumachen. Glückwunsch zum tollen Erfolg und zu diesem gelungenen Projekt. Ich würd mir wünschen, dass wir davon auch hierzulande mehr sehen in der Zukunft.

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Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Nachtrag – der Ball? 10 Rappen? Volltreffer daneben. Richtig ist: deren 5. (Bei 10 Rappen müsste der Schläger Fr. 1.10 wert sein, macht zusammen aber Fr. 1.20…)


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