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30Nov/10Off

Erfolg von Postwurfsendungen im Selbsttest – Wie effektiv sind Flyer?

Autor des Artikels: Matias Roskos

Neulich saß ich in einem Meeting und erzählte von der Kommunikation auf Facebook-Seiten. Ich zeigte ein Beispiel, wo 16 Nutzer innerhalb von wenigen Stunden sich begeistert über eine Marke geäußert hatten. Die Seite hat knapp 5.000 Fans. Daraufhin meinte der Chef der Presseabteilung: "Aber entschuldigen Sie, Herr Roskos. 16 Kommentare schön und gut. Aber wir schicken jeden Monat mehr als eine Million Flyer hinaus und erreichen so MILLIONEN von Menschen? Was sind denn da 16 Kommentare?!"

Ich bin ehrlich. Ich konnte mir ein Losprusten gerade noch so verkneifen. Millionen von Flyern... So so. Die erste Frage, die da in meinem Kopf auftauchte, war: "Wer verdient sich denn daran eine goldene Nase? Herzlichen Glückwunsch."

Meine Antwort aber sah anders aus. Sie lautete:

"1. Es sind nicht allein 16 begeisterte Kommentierende, die sich hier als echte Fans freiwillig outen. Sie sind potentielle Markenbotschafter, die einen viel viel höheren Stellenwert haben sollten als ein x-beliebiger Flyer-Empfänger.
2. Lesen diesen Beitrag DEUTLICH mehr Menschen als nur diese 16. Diese Kommentierenden sind die Spitze des Eisbergs. Aber ich gebe ihnen Recht, Millionen erreichen wir (noch?) damit nicht.
3. Der Kontakt zu meinen potentiellen Markenbotschaftern, die nur am Rande Kunden sind - Denn darum geht es erstmal nicht beim Social Media Marketing. Aber das kapieren viele Unternehmensvertreter auch in 20 Jahren wohl noch nicht. :( - ist so eng, wie er niemals vorher war! Es findet ein Austausch mit meinen wertvollsten Fans auf direktem Wege statt. Was bedeutet, dass ich nicht nur wertvolles Feedback über meine Produkte von ihnen erhalte, sondern mit ihnen gemeinsam auch das Marketing der Zukunft gestalten kann könnte.
4. Und, lieber Herr XYZ - wer bitteschön liest denn diese Flyer wirklich? Und wieviele von denen landen ungelesen oder nur flüchtig durchgeblättert im Müll? Wie hoch ist denn die Trefferquote.
Da wird doch mit Schrotkugeln auf Spatzen geschossen."
Was ja okay ist, wenn man es sich leisten kann unendlich viel Schrot Monat für Monat zu verballern. Nix gegen einzuwenden.

Aber ob das effektiv ist, möchte ich bezweifeln.

Ich habe mir dann gedacht: teste es doch einmal selber. Ich habe ja auch ständig irgendwelche Werbung im Briefkasten. Ich habe einmal ein paar dieser Sachen gesammelt (siehe Foto) und bin dann klingeln gegangen.

Hauspost-Werbung

Ich wohne in einem ganz normalen, sanierten Mietshaus in Berlin. 34 Mietparteien. Sehr durchwachsene Mieterstruktur. Etliche Studenten, ein paar Familien mit Kind. Wenig ältere Bürger. Eine Woche bin ich jeden Abend oder auch mal vormittags klingeln gegangen, habe den Mietern erklärt was ich da tue, ihnen die Postwurfsendungen gezeigt und gefragt, was sie damit gemacht haben. Nicht alle Mieter habe ich erreicht. Aber die meisten fanden das ganz witzig und habe mir bereitwillig geantwortet. Insgesamt 26 Mietparteien konnte ich befragen. Und hier nun die Auswertung dieses kleinen Selbstversuchs. Bitte dieses PDF aufrufen, um die Auswertung zu sehen. Auf dem Bild ist leider nicht alles so einfach platzierbar.

Postwurfsendung Teilscreen - PDF Aufruf

Natürlich ist diese Umfrage nur zum Teil repräsentativ. Aber ernüchternd ist sie auf jeden Fall, oder? Welche Wirkung haben denn solche Sendungen? Was taugen diese Millionen von Flyern, die tagtäglich in Umlauf gebracht werden? Wenig. Wenn sie nicht zielgerichtet sind. Oder die Marke so derartig stark und beliebt, dass man das Heftchen nicht gleich wegwirft.

Sicherlich sind Flyer, die bei den großen Discountern liegen und dann aktiv von den Käufern mitgenommen werden, noch ein Stück weit effektiver. Das gebe ich zu.

Aber kann ich nicht im Internet deutlich zielgerichteter die Menschen erreichen, die wirklich interessant für mich sind? Ich denke schon.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (6) Trackbacks (0)
  1. Herzliche Dank für den Beitrag! Ich überlege gerade einen Postwurf… Idee verworfen.

    Danke

  2. Ich habe neben meinem Briefkasten die Papiertonne… Wer kann 1 und 1 zusammenzählen?

    Aber ganz ehrlich gesagt: Ich nehme die Werbeflyer, Zeitungen usw. sehr oft mit ins Haus – Ich habe nen Holzofen und der muss ja auch angefeuert werden…

  3. Wenn du die „90% – 9% – 1%“ als Faustregel nimmst (z.B.: http://www.connectedmarketing.de/cm/2006/11/wie_funktionier.html), dann hast du bei 16 Kommentaren also 1.600 Menschen erreicht.
    Das nochmal als quantitativen Nachtrag, wobei ich deine qualitativen Ausführungen viel wichtiger finde.

  4. Kann dein Ergebnis Rosko, mit meiner eigenen Verfahrensweise in Bezug auf Wurfsendungen unterstreichen. Zum Glück ist gleich neben dem Briefkasten bei uns im Hause ein Papierkorb aufgestellt :-).
    Ich denke auch eine größere Befragung würde auf dasselbe Spatzenschiessen herauslaufen. Aber wer hätte von solch eine Umfrage etwas ? :-) Ähnlich verhält es sich doch auch mit immer wiederkehrenden Zeitungannoucen viele kleinen Gewerbetreibenden. Die Auflage als gigantisch angepriesen, aber wer liest bitte Werbung, da auch hier lange bekannt sein sollte, das nur noch gute aktive PR-Arbeit Wirkung und somit wirkliche und nicht nur potentielle Leserzahlen zustande kommen.

  5. Wirklich netter Beitrag, ich musste schmunzeln. Auch ich gehöre zu 98% zu dem Typ => „direkt in den Mülleimer“.

    Aber die Idee das mal so zu betrachten ist weit aus ehrlicher und realistischer als irgendwelche Marketing-Zahlen. Prima gemacht!

  6. Danke für die vielen Kommentare!
    Hier, genauso wie in meinem Facebook-Account, wo auch heftig diskuttiert wird.

    Da hab ich wohl einen Nerv getroffen…


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