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28Sep/10Off

Eintauchen ins Social Web zur morgendlichen Tasse Kaffee – Interview mit der Kurdirektorin von Oberstaufen

Autor des Artikels: Matias Roskos

Sehr geehrte Frau Keybach. Vor wenigen Wochen hatte ich Bernhard Lingg und Benjamin Buhl über die Marketing-Aktion „Du bist Oberstaufen“ und über die vielfältigen Social Media Aktivitäten von Oberstaufen interviewt. Heute ein paar Fragen an sie, als letztendlich Hauptverantwortliche für das Marketing von Oberstaufen.

Das offensive Online-Marketing der Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH hat in den vergangenen Jahren für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Zumindest in der deutschen Web 2.0 Szene. Hatten sie damit von Anfang an gerechnet?

Nein. Wir waren eine der ersten touristischen Destinationen, die sich ins Web 2.0 vor gewagt hat. Anfangs stellte ich mir schon die Frage der Notwendigkeit und der Zielgruppen-Affinität. Der größte Teil unserer Gäste ist über 50 Jahre alt. Vor 15 Monaten war es nicht vorhersehbar, dass genau diese Altersgruppe zwischenzeitlich das Web 2.0 für sich entdeckt hat und es teilweise leidenschaftlicher nutzt als manch ein "Digital Native". Auch bewegt sich unsere Zielgruppe tendenziell in die mittleren und höheren Einkommensschichten. Es stand die Frage im Raum, ob vielbeschäftigte Manager überhaupt die Zeit für facebook und Co haben und damit über dieses neue Marketing-Instrument erreicht werden können.

Dank und durch Benjamin Buhl konnten wir frühzeitig Erfahrungen sammeln, unsere Präsenz und spezielle Aktionen optimieren und haben nun sicher einen beachtlichen Vorsprung gegenüber vielen anderen Tourismusorten/-regionen. Auf diesen Vorsprung sind jetzt wahrscheinlich mehr Oberstaufener stolz als damals offen waren für das Web 2.0.

So viele wie möglich mit zu nehmen

Wie lange hat Herr Buhl gebraucht, um sie von einer so offensiven Social Media Strategie zu überzeugen?

Herr Buhl hat mich nicht überzeugt, er hat mich überfallen. Wie bei vielen anderen neuen Themen ist es wichtig, die Menschen zu sensibilisieren, Ihnen Zeit zu geben, sich mit der neuen Materie zu befassen und dann zu entscheiden, ob man sich damit anfreunden oder gar identifizieren kann - bzw. in meinem Fall für entsprechenden Verantwortungsbereich einen Sinn erkennt. Unsere offensive Social Media Strategie musste sich entwickeln.

Als "Kurdirektor" hat man immer das große Ganze im Blick und das ist in unserer Branche sehr komplex. Die zahlreichen Anspruchsgruppen, vom Gast über den Gastgeber, die einheimische Bevölkerung, die politischen Entscheidungsgremien bis hin zum Friseur und zum Bäcker. Alle sind am Tourismus beteiligt und alle kennen sich im Tourismus aus, denn jeder war schon mal im Urlaub. Es ist sehr wichtig, im Rahmen von Revolutionen wie diesen so viele wie möglich "mit zu nehmen".

Kannten sie Social Media schon vorher?

Ich hatte bereits ein Facebook-Profil, als Herr Buhl noch im Fahrschul-Unterricht saß. ;-) Damals gab es die Plattform noch ausschließlich in der englischen Version. Ich war vor einigen Jahren als Au Pair in Kanada und blieb über Facebook mit den dortigen Bekannten und Freunden in Kontakt. Damals war es allerdings ein rein persönliches Interesse meinerseits.

Im Social Web gibt es keine Geschäftszeiten

Nutzen sie selbst Social Media Plattformen?

Natürlich. Als @kurdirektor von Oberstaufen - DEM Social Media Tourismusort - ist Twitter, Facebook, Youtube, Holidaycheck usw. nicht nur ein Muss aus beruflicher Sicht. Social Media nimmt auch einen wichtigen Platz im privaten Alltag ein, denn im Web 2.0 gibt es keine Geschäftszeiten. Zur morgendlichen Tasse Kaffee lese ich keine Zeitung mehr sondern tauche ins Social Web ein. Genauso sind meine facebook- und hootsuite-Apps meine täglichen "Betthupferl".

Kurdirektorin von Oberstaufen auf Twitter

Immer wieder wird ja auch die Frage nach dem Nutzen von Social Media Marketing gestellt. Eine berechtigte Frage, wie ich finde. Für sie als Verantwortliche für die Marketingbudgets, wie rechnen sie Kosten und Nutzen gegeneinander auf? Welchen Wert hat Social Media für Oberstaufen?

Weder die Kosten noch der Nutzen von Social Media kann in monetären Werten dargestellt werden - genauso wenig wie z.B. echte Gastfreundschaft und Service-Qualität in Euro quantifiziert werden kann. Entscheidend sind Herzblut und Authentizität. Social Media kann man nicht bezahlen, man kann es nur leben.

Wie war in Oberstaufen - bei der Gemeinde genauso wie bei den Hotels und Pensionen - die Resonanz auf die neuen Marketing-Bausteine? Stießen diese Aktivitäten ausschließlich auf offene Ohren und positives Feedback? Und gab es mit der Zeit womöglich einen Wandel in der Akzeptanz und Nutzung?

Es gab die ganze Bandbreite an Reaktionen - von Begeisterung über kritische Beobachtung bis hin zu ignorierendem Augen- und Ohren-Zuhalten. Da die Oberstaufener aber generell neugierig und offen für Neues sind, waren relativ schnell einige Einheimische und Geschäftsleute aktiv im Social Web. Hilfreich waren sicher die ständigen Informationen zu diesem Thema über das örtliche Mitteilungsblatt und vor allem die Infoveranstaltungen, die Benjamin Buhl durchgeführt hat.

Natürlich gibt es auch heute noch einzelne touristische Leistungsträger, die mit dem Web 2.0 nichts zu tun haben möchten - es gibt ja sogar ein paar wenige, die sind nicht einmal im Web 1.0 angekommen. Das ist und bleibt letztendlich die Entscheidung von jedem Einzelnen. Genauso muss jeder Einzelne seine Entscheidungen dann aber auch langfristig verantworten. Wir können nur Empfehlungen aussprechen und unterstützen.

Können sie Beispiele benennen, bei denen Touristiker aus der Region inspiriert durch ihre Social Media Maßnahmen selbst Social Media für sich entdeckten?

Das ganze Allgäu wurde durch die Social Media Aktivitäten Oberstaufens sensibilisiert für dieses Thema. Aktuellstes Beispiel sind unsere Nachbarn aus Bad Hindelang, die erst vor wenigen Wochen leidenschaftlich ins Web 2.0 eingetaucht sind. Vor Ort sind es natürlich zahlreiche Gastgeber und Gastronomen wie das Wellnesshotel Bergkirstall, das Landhaus Nagelfluh, Bubis Bar oder das Restaurant Silberbühl.

Social Media Kompetenz mit Herzblut weiter ausbauen

Wie geht es weiter, nachdem mit Benjamin Buhl nun der entscheidene Ideengeber im Bereich Social Media gegangen ist? Wird Social Media nun wieder an Bedeutung verlieren für Oberstaufen?

Natürlich hat das Social Web für Oberstaufen mittlerweile eine große Bedeutung und stellt ein wichtiges Instrument im Marketing-Mix dar. Gleichzeitig ist dieses Thema für Benjamin eine Bestimmung, eine Lebensaufgabe und die größte Passion. Aus diesem Grund gab es nur einen Weg für ihn, nämlich sich auch beruflich auf die Internet-Kommunikation zu spezialisieren. In Oberstaufen werden wir weiterhin mit Herzblut daran arbeiten, unsere Social Media Kompetenz weiter auszubauen. Das muss Teil einer Unternehmensphilosophie sein und darf nicht von einer einzelnen Person abhängen. Wir sind ja auch DER Schrothkur-Ort in Deutschland, obwohl die Begründer dieses Naturheilverfahrens schon lange nicht mehr hier tätig sind.

Ich weiß – Oberstaufen hat weit mehr zu bieten als nur eine großartige Social Media Strategie. Erzählen sie uns zum Abschluss noch, warum man unbedingt einmal vorbei schauen sollte in Oberstaufen?

Oberstaufens Landschafts-Trilogie ist einzigartig, weil es mit weitläufigen Ebenen, hügeligem Gelände und hochalpinen Zügen einen vielseitigen Naturgenuss verspricht. Als touristisches Zentrum des Naturpark Nagelfluhkette stehen wir gleichzeitig für einen Nachhaltigen Tourismus im Einklang mit der Natur. Unsere Alleinstellungsmerkmale sind aber vor allem die Schrothkur - ein Naturheilverfahren zur Entgiftung und Entschleunigung, das breit gefächerte Angebot der "Getränke bezogenen Kommunikationsgastronomie" und unser preisgekröntes Mehrwert-Angebot "Oberstaufen PLUS". Bei über 300 Oberstaufen PLUS Gastgebern genießen die Urlauber während ihres Aufenthaltes freie Fahrt mit Bussen und Bergbahnen, freien Eintritt in Museen und Bäder sowie kostenloses Ski fahren und Golf spielen. Das verstehen wir unter Gästeservice!

Vielen Dank, Frau Keybach, für dieses Interview. Ich wünsche Oberstaufen weiterhin ein so gutes Händchen in Sachen Social Media Marketing und viel Erfolg der ganzen Region in den kommenden Jahren. Vielleicht schaffe ich es ja auch endlich einmal, bei ihnen vorbei zu schauen. Als leidenschaftlicher Social Media Reporter wäre das ja fast ein Muss.

Und ich hoffe, dass die ein oder andere Tourismus-Region in Deutschland sich öffnet für die Möglichkeiten, die Social Media ihnen als Kommunikationsraum bietet. Als Instrument der Gästebindung und des Marketings im Internet.

Auf dem VisualBlog gibt es zudem ein Interview mit Frank Netzband von Freiland über die Erstellung der Webseite zu “Du bist Oberstaufen”.

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