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24Sep/10Off

Der Qype-Schock: Ein Jahr danach / Ich liebe Qype Radar – Qype aber ist weiterhin viel zu passiv

Autor des Artikels: Matias Roskos

Qype habe ich in der Vergangenheit mehr als einmal stark kritisiert. Warum? Weil ich es von seiner Grundstruktur her für ein großartiges Crowdsourcing-Projekt halte. Und Crowdsourcing nun mal mein Lieblingsgebiet ist, über das ich mir viel Gedanken mache und immer mehr Unternehmen beratend oder auch projektbegleitend unterstütze. Und Qype könnte aus meiner Sicht einige Dinge deutlich besser machen, vor allem im Bereich Community-Incentivierung und Anreizsystheme.

Ich mag Qype. Und nutze es immer mal wieder gern. Manchmal funktioniert es gut, manchmal überhaupt nicht. Wenn ich unterwegs bin und ein nettes Café oder Restaurant suche. Und manchmal lade ich auch selbst Bilder hoch und schreibe etwas zu der Location, in der ich mich gerade aufhalte. Auch wenn ich mich immer wieder frage: wozu? Die Mehrwerte reichen mir nicht. Und vielen meiner Freunde auch nicht. Darum schreiben sie nichts auf Qype. Die Ansprüche an die Plattformbetreiber sind gestiegen in den vergangenen Jahren. Da kann man nicht immer alles an die Community delegieren wollen.

Aber das neue Qype Radarist schon ein paar Monate alt, ich weiß – motiviert mich deutlich stärker aktiv zu sein. Darum: ein dickes Lob für die iPhone-App Qype Radar! Die es natürlich auch für Smartphones mit einem Android-Betriebssystem gibt. Eine gut gemachte Software, deren Usability verdammt gut ist, senkt deutlich die Hürden für Aktivität. Wie ich an mir selbst merke. Wenn es schnell und einfach geht etwas zu schreiben oder ein Bild hoch zu laden, dann macht man dies viel eher.

Qype Radar 2010

Man hat bei Qype nun auch eine Checkin-Funktion eingeführt, wie sie Social Media Nerds schon von Foursquare, Gowalla und anderen kennen. Das macht noch wenig Sinn, weil viel zu wenig Freunde Qype nutzen. Auf Facebook, wo der Launch dieser Checkin-Funktion für Deutschland kurz bevorsteht, macht das schon deutlich mehr Sinn. Sehen, wer von den eigenen Freunden gerade in der Nähe ist. Sinnvoll und von mir sicherlich in der Zukunft auch genutzt.

Vielleicht würde hier perspektivisch ein Verknüpfen dieser Ortungs-Funktion von Qype mit Facebook-Places Sinn machen? Warten wir es ab.

Das neue Qype Radar ist deutlich verbessert in der Usability. Es macht Spaß Bilder hoch zu laden! Was ich für elementar wichtig halte. Denn der Mensch ist nun mal ein visuelles Wesen. Und ich schaue mir gern Bilder von einem Restaurant an, bevor ich dorthin gehe. Aber es gibt noch viel zu wenig Bilder auf Qype? Warum nutzt man hier nicht Schnittstellen zu Flickr oder auch Facebook? Und zeigt passende Bilder an, die dort hochgeladen wurden? Nur so eine Idee... Ich selbst lade, wenn ich als Social Media Reporter unterwegs bin, viele Bilder auf Flickr hoch. Da hab ich dann keine Lust mehr, sie auch noch auf Qype oder anderen Bewertungsportalen separat hochzuladen. Würd mich aber dennoch freuen, wenn sie auch dort zu finden sind.

Klasse finde ich auch die Kartenfunktion, mit der mir Qype Radar nicht nur in einer Liste, sondern auch in einer Kartenfunktion die entsprechenden Orte in der näheren Umgebung anzeigt. Das hilft, sich in einer fremden Stadt zu orientieren.

Was mich total nervt, ist die Einordnung in Rubriken, die nur bedingt funktioniert. Immer wieder passiert es mir, dass ich in einem Café sitze, dieses aber nicht unter „Cafés & Coffee Shops“ finde. Sondern dann nach längerem Suchen unter „Bars & Kneipen“ oder unter „Fast Food & Imbiss“. Hier würde es helfen, wenn die Suche stärker mit Tags (also Schlagworten) kombiniert wird und man Locations in mehrere Rubriken - Café + Restaurant zum Beispiel - einsortieren könnte. Damit sie auch wirklich gefunden werden. Denn darum muss es doch gehen: dass Menschen passende Locations finden! Schnell und unkompliziert.

Was ich auch weiterhin nicht leiden kann, sind Orte, bei denen die Daten eindeutig aus einem Branchenbuch gezogen wurden, es aber keine Fotos oder Bewertungen gibt. Das hatte ich bereits letztes Jahr heftig kritisiert. Ich bin gerade in Garmisch-Partenkirchen und muss feststellen: Wirklich passiert ist in der Richtung nichts. Hier würde eine spannende Kampagne Sinn machen, um Nutzer zu motivieren noch undokumentierte Lokalitäten mit virtuellem Leben zu füllen. "Leaduser ausfindig machen und stärker involvieren" heißt dies in meinen Vorträgen und Workshops.

Noch immer bleibt meine Kritik: die Community wird durch Qype viel zu wenig eingebunden. Qype verhält sich viel zu passiv gegenüber den Mitgliedern und dem Social Web. Man lässt vieles laufen und hofft, dass die Community von allein funktioniert. Tut sie auch. Aber nur in Ballungsräumen. Doch gerade in nicht so stark frequentierten Gegenden brauche ich doch gute Informationen! Nischen müssen besetzt werden. Ich denke da zum Beispiel an „Schmilka“ in Sachsen. Dort gibt es einiges zu entdecken. Ich war ja gerade erst da. Dies nur ein Beispiel von vielen.

Den Fokus derartig stark auf die Technik (und die Expansion in andere Länder) und weniger auf die Community zu lenken, ist ein großer Fehler, den nur allzu viele Internetprojekte tun. Und der mittelfristig schädlich sein wird für eine Social Media Plattform.

Dennoch: Qype Radar ist eine mittlerweile erstklassige App, die ich super gern nutze! Bitte weiter so. Und irgendwann vielleicht auch mit spannender, funktionierender Incentivierungsstragie, um Menschen in „Nischen-Regionen“ zu motivieren sich aktiv einzubringen und die Plattform weiter mit Leben zu füllen. Denn Social Media bedeutet, dass Menschen sich aktiv einbringen und ein gelebtes Geben und Nehmen stattfindet. Erst dann werden Crowdsourcing-Projekt wie Qype und andere ihre wirkliche Kraft voll entfalten können.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Hallo Matthias,

    vielen Dank für den interessanten Artikel. In der Tat funktioniert Qype in Ballungsgebieten am allerbesten. Aber auch im Bereich von Reisen und Freizeit gibt es auf Qype einiges zu finden. Den von Dir erwähnten Ort „Schmilka“ musste ich erstmal nachschlagen. Er hat 137 (in Worten: Einhundersiebenunddreißig) Einwohner. Ich glaube mehr müsste ich dazu nicht sagen. :)

    Aber selbst in Schmilka gibt es einen Eintrag samt Bewertung für das Hotel Helvetia in dem Du warst – von Dir ist dort zum Hotel leider noch kein Beitrag zu finden, Du kannst also selbst dazu beitragen dass es dort noch mehr zu lesen gibt. So wie beim dazugehörigen Restaurant Strandgut schon geschehen, und zu diesem Restaurant gab es nach Deinem Beitrag im August sogar schon zwei weitere Beiträge.

    In Bad Schandau, zu dem Schmilka seit 1973 gehört sieht es sogar ziemlich gut aus: So finden sich durchaus einige Bewertungen zu Restaurants, Freizeit & Ausflügen, usw.

    Bad Schandau selbst hat auch nur knapp 3000 Einwohner und ich glaube im Verhältnis zur Größe dieser Orte kann sich der Content der für diese Orte abrufbar ist durchaus sehen lassen.

    Auf Qype gibt es in meinen Augen gerade dadurch, dass Qyper auch gerne ihre Urlaube oder Ausflüge qypen, und dadurch dass es einige aktive Qyper gibt die auf dem Lande leben, durchaus einige interessante Nischen zu entdecken. Wirklich „kritische Masse“ wie in den Städten wird man in diesen sehr kleinen Orten wahrscheinlich nicht erreichen können, was den Gegebenheiten vor Ort, quasi „offline“, wohl auch entsprechen dürfte. Je geringer die Auswahl und die Zahl der Alternativen vor Ort ist, desto kleiner dürfte wohl auch die Rolle einer Online-Empfehlung werden.

    Aber wie gesagt sehe ich Qype selbst in so kleinen Gegenden eigentlich nochmal deutlich besser aufgestellt als man meinen sollte. :)

  2. Hi Moe,
    ich habe fleißig Bilder hochgeladen auf Qype, als ich dort unten war.
    Ja, Schmilka ist sauklein, was die Einwohnerzahl anbelangt. Aber da kommen Tausenden von Touristen hin, weil es Startpunkt für zahlreiche Wandertouren ist! Der „Durchlauf“ ist extrem hoch. Und viele Wanderer kennen Schmilka.
    Richtig – gehört offiziell zu Bad Schandau. Aber auch in Bad Schandau gibt es viiiiieeeel mehr als man aktuell auf Qype findet.
    Ihr seid auf dem richtigen Weg. Aber aus meiner Sicht noch viel zu langsam. Aber ich kann mich auch täuschen. ;)


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