Eintauchen ins Social Web zur morgendlichen Tasse Kaffee – Interview mit der Kurdirektorin von Oberstaufen
Sehr geehrte Frau Keybach. Vor wenigen Wochen hatte ich Bernhard Lingg und Benjamin Buhl über die Marketing-Aktion „Du bist Oberstaufen“ und über die vielfältigen Social Media Aktivitäten von Oberstaufen interviewt. Heute ein paar Fragen an sie, als letztendlich Hauptverantwortliche für das Marketing von Oberstaufen.
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Das offensive Online-Marketing der Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH hat in den vergangenen Jahren für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Zumindest in der deutschen Web 2.0 Szene. Hatten sie damit von Anfang an gerechnet?
Nein. Wir waren eine der ersten touristischen Destinationen, die sich ins Web 2.0 vor gewagt hat. Anfangs stellte ich mir schon die Frage der Notwendigkeit und der Zielgruppen-Affinität. Der größte Teil unserer Gäste ist über 50 Jahre alt. Vor 15 Monaten war es nicht vorhersehbar, dass genau diese Altersgruppe zwischenzeitlich das Web 2.0 für sich entdeckt hat und es teilweise leidenschaftlicher nutzt als manch ein "Digital Native". Auch bewegt sich unsere Zielgruppe tendenziell in die mittleren und höheren Einkommensschichten. Es stand die Frage im Raum, ob vielbeschäftigte Manager überhaupt die Zeit für facebook und Co haben und damit über dieses neue Marketing-Instrument erreicht werden können.
Dank und durch Benjamin Buhl konnten wir frühzeitig Erfahrungen sammeln, unsere Präsenz und spezielle Aktionen optimieren und haben nun sicher einen beachtlichen Vorsprung gegenüber vielen anderen Tourismusorten/-regionen. Auf diesen Vorsprung sind jetzt wahrscheinlich mehr Oberstaufener stolz als damals offen waren für das Web 2.0.
So viele wie möglich mit zu nehmen
Wie lange hat Herr Buhl gebraucht, um sie von einer so offensiven Social Media Strategie zu überzeugen?
Herr Buhl hat mich nicht überzeugt, er hat mich überfallen. Wie bei vielen anderen neuen Themen ist es wichtig, die Menschen zu sensibilisieren, Ihnen Zeit zu geben, sich mit der neuen Materie zu befassen und dann zu entscheiden, ob man sich damit anfreunden oder gar identifizieren kann - bzw. in meinem Fall für entsprechenden Verantwortungsbereich einen Sinn erkennt. Unsere offensive Social Media Strategie musste sich entwickeln.
Als "Kurdirektor" hat man immer das große Ganze im Blick und das ist in unserer Branche sehr komplex. Die zahlreichen Anspruchsgruppen, vom Gast über den Gastgeber, die einheimische Bevölkerung, die politischen Entscheidungsgremien bis hin zum Friseur und zum Bäcker. Alle sind am Tourismus beteiligt und alle kennen sich im Tourismus aus, denn jeder war schon mal im Urlaub. Es ist sehr wichtig, im Rahmen von Revolutionen wie diesen so viele wie möglich "mit zu nehmen".
Kannten sie Social Media schon vorher?
Ich hatte bereits ein Facebook-Profil, als Herr Buhl noch im Fahrschul-Unterricht saß. ;-) Damals gab es die Plattform noch ausschließlich in der englischen Version. Ich war vor einigen Jahren als Au Pair in Kanada und blieb über Facebook mit den dortigen Bekannten und Freunden in Kontakt. Damals war es allerdings ein rein persönliches Interesse meinerseits.
Im Social Web gibt es keine Geschäftszeiten
Nutzen sie selbst Social Media Plattformen?
Natürlich. Als @kurdirektor von Oberstaufen - DEM Social Media Tourismusort - ist Twitter, Facebook, Youtube, Holidaycheck usw. nicht nur ein Weiterlesen …
Crowdsourcing: Doritos tut es schon wieder – Neuauflage von Crash the Superbowl
Doritos Marketing-Aktion "Crash the superbowl" ist eines der großartigsten Beispiele dafür, wie gut Crowdsourcing funktioniert, wenn man es richtig anpackt. So wie es der zu Pepsi gehörende Chips-Hersteller bereits mehrere Male getan hat.
Beim diesjährigen Super-Bowl-Finale, dem Event mit den höchsten Einschaltquoten im TV in den USA, landete der via Crowdsourcing generierte Clip auf Rang 2 des angesehenen TV-Admeter von USA Today. Ich berichtete darüber.
Gelingt dies mit der neuen Aktion (die Einsendephase beginnt am 27. September und endet am 17. November 2010) auch, winken der Produktionsfirma erneut 600.000 Dollar Prämie von Doritos. Gelingt sogar der Sprung auf Rang 1 des TV Admeter, gibt es eine wunderbare, runde Million US-Dollar. Das nenne ich eine spannende Incentivierungsstrategie. Wobei allein die Ausstrahlung eines eigenen TV-Spots während des Superbowl für jede Werbeagentur und jeden in diesem Bereich tätigen Freelancer ein absoluter Traum ist.
Da die „Crash the Superbowl" Aktion 2010 so erfolgreich verlief (coole Spots und Platz 2 im TV Admeter) und man im Pepsi-Konzern ganz klar die verschiedenen Mehrwerte, die Crowdsourcing bieten kann, erkannt hat, wird nun die Aktion erweitert. Es geht diesmal nicht nur um zwei Spots für Doritos, sondern um zwei weitere Spots für Pepsi Max. Es rückt also ein zweites Produkt an die Seite von Doritos.
Pepsi tut es also erneut. Und setzt für eine der größten Marketing-Aktionen der Company der letzten Jahre auf Crowdsourcing! Weil es schon mehrmals exzellent funktioniert hat. Weil Crowdsourcing als Marketingbaustein mit vielen zusätzlichen Mehrwerten begleitend ein grandioses Tool ist, um im Social Web Fans und Kunden zu erreichen und zu involvieren.
Für Doritos und Pepsi geht es dabei nicht allein Weiterlesen …
Herr Oetting verschenkt ein grandioses Geschäftsmodell
Herrlich! Dieser Beitrag von Martin Oetting: "Narrensicheres Geschäftsmodell, kostenlos abzugeben".
Darin schreibt Martin unter anderem:
Das Geschäftsmodell nennt sich "Berater-Berater", und man muss nur das folgende Redemanuskript bei irgendeiner Social Media Konferenz möglichst energisch vortragen. Danach sollte man für ca. ein Jahr ausgesorgt haben.
...
„Meine Damen und Herren, es ist doch so: deutschlandweit wittern unzählige Internetfreunde die einzigartige Möglichkeit, das Thema Social Media für sich zur Goldgrube zu machen. Und das kommt nicht von ungefähr – auch wenn die Cluefest Train ja schon sehr lange im Internet herumfährt, hat ja kaum jemand verstanden, wie man diese, seien wir doch mal ehrlich, Dialogsimulation digital-sozial wirklich vernünftig monetarisiert-verkauft bekommt, ja? Das ist doch das Problem, dass hier die Basics einfach nicht stehen, dass viel zu viel Fear irgendwo auch im Markt ist, dass die klassisch verstrahlten Werbefuzzis einfach die Social Competence gar nicht mitbringen, um diese Real-Time Interaction auch wirklich auf die Straße zu bringen.
Und so weiter... Bitte bei Martin Oetting weiterlesen. Ich hab mich köstlich amüsiert. Danke dafür, Martin!
Auch wenn ich selbst aktuell sehr viel als Berater unterwegs bin. Muss man sich eigentlich dafür schämen?
Kleiner Hinweis: es gibt doch diese Software-Packages, die man auf etlichen tollen Berater-Webseiten ordern kann. Meist für 999,- €. Oder nur 499,- €. Mit allem dabei was man braucht für den hundertprozentig garantierten Erfolg im Web. Wenn man das noch mit anbietet, lassen sich die Umsatzzahlen verdreifachen. Ach was sag ich: verzehnfachen! Das "Berater-Berater-Software-Package". Odern, auspacken, beraten lassen. Mit lauter tollen Präsentationen und Videos. Auf 33 DVDs. Und für 99 € gibt es noch die iPhone-Berater-Berater-App im iTunes-Store. Im Abo versteht sich.
Ich stimme Martin zu. Da draußen rennen so viele Gesellen rum, die alles mögliche Nachplappern, ohne zu wissen, wovon sie wirklich reden.
Mein Tipp, wenn es um Beratung in Sachen Social Media geht: schauen sie, ob der Berater selbst aktiv ist im Social Web und seit wann. Praxiserfahrung ist ein genialer Indikator, bei dem schonmal 80% der sich ihnen anbietender Berater durchs Raster fallen. Und dann hilft die Expertise, der Ruf, Empfehlungen von Geschäftspartnern und das Bauchgefühl, den Passenden zu finden.
Der Qype-Schock: Ein Jahr danach / Ich liebe Qype Radar – Qype aber ist weiterhin viel zu passiv
Qype habe ich in der Vergangenheit mehr als einmal stark kritisiert. Warum? Weil ich es von seiner Grundstruktur her für ein großartiges Crowdsourcing-Projekt halte. Und Crowdsourcing nun mal mein Lieblingsgebiet ist, über das ich mir viel Gedanken mache und immer mehr Unternehmen beratend oder auch projektbegleitend unterstütze. Und Qype könnte aus meiner Sicht einige Dinge deutlich besser machen, vor allem im Bereich Community-Incentivierung und Anreizsystheme.
Ich mag Qype. Und nutze es immer mal wieder gern. Manchmal funktioniert es gut, manchmal überhaupt nicht. Wenn ich unterwegs bin und ein nettes Café oder Restaurant suche. Und manchmal lade ich auch selbst Bilder hoch und schreibe etwas zu der Location, in der ich mich gerade aufhalte. Auch wenn ich mich immer wieder frage: wozu? Die Mehrwerte reichen mir nicht. Und vielen meiner Freunde auch nicht. Darum schreiben sie nichts auf Qype. Die Ansprüche an die Plattformbetreiber sind gestiegen in den vergangenen Jahren. Da kann man nicht immer alles an die Community delegieren wollen.
Aber das neue Qype Radar – ist schon ein paar Monate alt, ich weiß – motiviert mich deutlich stärker aktiv zu sein. Darum: ein dickes Lob für die iPhone-App Qype Radar! Die es natürlich auch für Smartphones mit einem Android-Betriebssystem gibt. Eine gut gemachte Software, deren Usability verdammt gut ist, senkt deutlich die Hürden für Aktivität. Wie ich an mir selbst merke. Wenn es schnell und einfach geht etwas zu schreiben oder ein Bild hoch zu laden, dann macht man dies viel eher.
Man hat bei Qype nun auch eine Checkin-Funktion eingeführt, wie sie Social Media Nerds schon von Foursquare, Gowalla und anderen kennen. Das macht noch wenig Sinn, weil viel zu wenig Freunde Qype nutzen. Auf Facebook, wo der Launch dieser Checkin-Funktion für Deutschland kurz bevorsteht, macht das schon deutlich mehr Sinn. Sehen, wer von den eigenen Freunden gerade in der Nähe ist. Sinnvoll und von mir sicherlich in der Zukunft auch genutzt.
Vielleicht würde hier perspektivisch ein Verknüpfen dieser Ortungs-Funktion von Qype mit Facebook-Places Sinn machen? Warten wir es ab.
Das neue Qype Radar ist deutlich verbessert in der Usability. Es macht Spaß Bilder hoch zu laden! Was ich für elementar wichtig halte. Denn der Mensch ist nun mal ein visuelles Wesen. Und ich schaue mir gern Bilder von einem Restaurant an, bevor ich dorthin gehe. Aber es gibt noch viel zu wenig Bilder auf Qype? Warum nutzt man hier nicht Schnittstellen zu Flickr oder auch Facebook? Und zeigt passende Bilder an, die dort hochgeladen wurden? Nur so eine Idee... Ich selbst lade, wenn ich als Social Media Reporter unterwegs bin, viele Bilder auf Flickr hoch. Da hab ich dann keine Lust mehr, sie auch noch auf Qype oder anderen Bewertungsportalen separat hochzuladen. Würd mich aber dennoch freuen, wenn sie auch dort zu finden sind.
Klasse finde ich auch die Kartenfunktion, mit der mir Qype Radar nicht nur in einer Liste, sondern auch in einer Kartenfunktion die entsprechenden Orte in der näheren Umgebung anzeigt. Das hilft, sich in einer fremden Stadt zu orientieren.
Was mich total nervt, ist die Einordnung in Rubriken, die nur bedingt funktioniert. Immer wieder passiert es mir, dass ich in einem Café sitze, dieses aber nicht unter „Cafés & Coffee Shops“ finde. Sondern dann nach längerem Suchen unter „Bars & Kneipen“ oder unter „Fast Food & Imbiss“. Hier würde es helfen, wenn die Suche stärker mit Tags (also Schlagworten) kombiniert wird und man Locations in mehrere Rubriken - Café + Restaurant zum Beispiel - einsortieren könnte. Damit sie auch wirklich gefunden werden. Denn darum muss es doch gehen: dass Menschen passende Locations finden! Schnell und unkompliziert.
Was ich auch weiterhin nicht leiden kann, sind Orte, bei denen die Daten eindeutig aus einem Branchenbuch gezogen wurden, es aber keine Fotos oder Bewertungen gibt. Das hatte ich bereits letztes Jahr heftig kritisiert. Ich bin gerade in Garmisch-Partenkirchen und muss feststellen: Wirklich passiert ist in der Richtung nichts. Hier würde eine spannende Kampagne Sinn machen, um Nutzer zu motivieren noch undokumentierte Lokalitäten mit virtuellem Leben zu füllen. "Leaduser ausfindig machen und stärker involvieren" heißt dies in meinen Vorträgen und Workshops.
Noch immer bleibt meine Kritik: die Community wird durch Qype viel zu wenig eingebunden. Qype verhält sich viel zu passiv gegenüber den Mitgliedern und dem Social Web. Man lässt vieles laufen und hofft, dass die Community von allein funktioniert. Tut sie auch. Aber nur in Ballungsräumen. Doch gerade in nicht so stark frequentierten Gegenden brauche ich doch gute Informationen! Nischen müssen besetzt werden. Ich denke da zum Beispiel an „Schmilka“ in Sachsen. Dort gibt es einiges zu entdecken. Ich war ja gerade erst da. Dies nur ein Beispiel von vielen.
Den Fokus derartig stark auf die Technik (und die Expansion in andere Länder) und weniger auf die Community zu lenken, ist ein großer Fehler, den nur allzu viele Internetprojekte tun. Und der mittelfristig schädlich sein wird für eine Social Media Plattform.
Dennoch: Qype Radar ist eine mittlerweile erstklassige App, die ich super gern nutze! Bitte weiter so. Und irgendwann vielleicht auch mit spannender, funktionierender Incentivierungsstragie, um Menschen in „Nischen-Regionen“ zu motivieren sich aktiv einzubringen und die Plattform weiter mit Leben zu füllen. Denn Social Media bedeutet, dass Menschen sich aktiv einbringen und ein gelebtes Geben und Nehmen stattfindet. Erst dann werden Crowdsourcing-Projekt wie Qype und andere ihre wirkliche Kraft voll entfalten können.












