SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

21Jul/10Off

Crowdsourcing – Mehrwerte, Chancen, Definition

Autor des Artikels: Matias Roskos

Der Begriff Crowdsourcing ist - als ein wichtiger Part von Open Innovation - in vielen Unternehmen und Marketingagenturen angekommen. Und das ist gut so. Doch noch geht das Verständnis der Prozesse, der Einsatzmöglichkeiten und vor allem auch der diversen Mehrwerte, die generiert werden können, nicht tief genug.

Cases aus den vergangenen drei Jahren zeigen die verschiedenen Mehrwerte, die Crowdsourcing wirklich wertvoll machen. Und erst die Summe aus den unterschiedlichen Mehrwerten macht Crowdsourcing so enorm spannend und wertschöpfend. Doch dafür muss die strategische Ausrichtung vorab klar definiert sein und passende Rahmenbedingungen abgesteckt werden.

Unternehmen und Markenverantwortliche müssen verstehen, dass beim Crowdsourcing in fast allen Fällen auch die Mechanismen des Social Web greifen: Offenheit, Authentizität, Dialogbereitschaft, Glaubwürdigkeit. Nur dann kann man ein Crowdsourcing-Projekt meiner Meinung nach auch zum bestmöglichen Ergebnis führen.

Wer die Menschen im Netz nur als "Clickworker", als billige Sekundenlöhner sieht - wie ich es schon mehrmals in Vorträgen voll Grauen mit anhören musste - wird langfristig keinen Spaß daran haben. Und vor allem nur wenige der Mehrwerte abschöpfen können.

Doch was bedeutet Crowdsourcing nun eigentlich? Es gibt zahlreiche verschiedene Definitionsansätze. Jeder versteht etwas anderes darunter. Viele haben nur schwammige, oft sogar unkorrekte Vorstellungen.

Ich arbeite bereits seit über vier Jahren in diesem Feld und habe seitdem zahlreiche Crowdsourcing-Projekte nicht nur mit konzipiert, sondern viele auch selbst umgesetzt und betreut. Eigene praktische Erfahrung ist für mich unerlässlich, möchte ich über solch ein noch junges Gebiet sprechen und beratend tätig sein, wie ich es tagtäglich tue. Das wird hoffentlich auch in meinen Vorträgen und Kundenmeetings deutlich. Deswegen werde ich auch immer wieder als Crowdsourcing-Experte weiterempfohlen. Das freut und ehrt mich. Und spornt mich an, nicht nur einen guten Rundum-Blick auf neue und alte Crowdsourcing-Projekte zu haben, sondern auch immer weiter voran zu denken und für jeden Kunden nach individuellen und passenden Wegen und Konzepten zu suchen.

Was nun konkret verstehe ich unter Crowdsourcing.

Kurzdefinition Crowdsourcing

Unter Crowdsourcing versteht man das Involvieren einer Gruppe von Internetnutzern außerhalb der Strukturen des Unternehmens in einem vorher klar definierten Rahmen (Software, Zeitraum, Teilnahmebedingungen, Incentivierung) zur Generierung unterschiedlichster Mehrwerte (siehe weiter unten) für einen Auftraggeber (Unternehmen, Dienstleister, Webplattform, Einzelperson).

Dabei kommen die vielfältigen Mechanismen des Social Web zum Einsatz, um eine Zusammenarbeit der Nutzer zu ermöglichen. Dazu zählt man Kommentare, Wertungsmechanismen, Weiterempfehlungen und Verschlagwortungen.

Crowdsourcing ist ein Prozess, der auf einer eigenen Plattform oder unter Nutzung diverser schon vorhandener Web-Plattformen stattfinden kann. Unabdingbar ist das Nutzen des Internets, damit die Teilnehmer orts- und zeitunabhängig sich einbringen können.

Crowdsourcing ist ein noch sehr junger Baustein der virtuellen Wertschöpfungskette und setzt auf die Kraft der Vielen - die Kraft, die Kreativität und die Vielfalt der Menschen im Internet und ihre Ideen, kulturellen Backgrounds, beruflichen Qualifikationen und Erfahrungen sowie ihr Können.

Egal ob Profi oder Amateur. Jeder kann sich beim Crowdsourcing als wertvoller Bestandteil der Crowdsourcing-Community mit einbringen. Mit einer eigenen Idee oder auch als jemand, der seine Meinung in Form von Bewertungen und Kommentaren in konstruktiver Form einbringt. Oft sind gerade sogenannte Amateure, die aber häufig über ein tiefes Fachwissen verfügen, sowie "Querdenker", die aus ganz fremden Disziplinen kommen, diejenigen, die neue Sichtweisen, Ideen und vorwärtstreibende Denkanstöße einbringen.

Die Summe der Ideen, Erfahrungen und Meinungen führt zu neuen Egebnissen und Mehrwerten, wie sie bisher ohne das Internet nicht möglich waren.

Diverse Mehrwerte durch Crowdsourcing

Durch Crowdsourcing sind viele verschiedene Mehrwerte für den Auftraggeber zu erzielen. Welche Mehrwerte gewonnen werden, hängt von der strategischen Ausrichtung und der konkreten Umsetzung des Prozesses ab.

Hier 10 mögliche Mehrwerte, die durch Crowdsourcing generiert werden können, inklusive von Beispielen, wo dies in der Vergangenheit bereits erfolgreich praktiziert wurde.

    Socialnetworkstrategien: Crowdsourcing - Mehrwerte, Chancen, Definition

  • Marketing
    Immer häufiger wird bei integrierten Marketing-Kampagnen nicht nur das Social Web als neuer Kommunikationskanal implementiert, sondern auch auf Crowdsourcing-Mechanismen gesetzt, um Menschen dazu zu bewegen sich nicht nur zu beteiligen, sondern die Botschaften im Web auch weiter zu transportieren und somit Mundpropaganda anzuregen.

    Beispiel: die Doritos-Werbespots für den Superbowl 2010

  • Socialnetworkstrategien: Crowdsourcing - Mehrwerte, Chancen, Definition

  • Innovationsmanagement
    Mit Hilfe von Crowdsourcing kann ich neue Ideen generieren lassen. In so gut wie jedem Bereich, in so gut wie jeder denkbaren Komplexität. Allerdings müssen dafür die Rahmenbedingungen stimmen. Will ich Experten erreichen, müssen Incentivierung und aktive Ansprache stimmen. Und: oft kommen die besten Ideen von Querdenkern, von branchenfernen Köpfen. Diese kann ich durch Crowdsourcing wunderbar erreichen und involvieren. Und somit in mein Innovationsmanagement integrieren.

    Beispiel: Netflix, die mittels Crowdsourcing eine neue, bessere Vorhersage-Software durch externe Entwickler-Teams fanden. Dies war gleichzeitig ein grandioser Marketingerfolg. Denn Netflix, der größte amerikanische DVD-Verleih, wurde durch diese Aktion, die durch alle Medien ging, als innovatives, modernes und offenes Unternehmen wahrgenommen.

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  • Recruiting
    Passende Fachkräfte zu finden, die über eine gute Qualifikation verfügen und zugleich auch nicht in festgefahrenen Bahnen denken, wird immer komplizierter. Mit Hilfe von Crowdsourcing ist es möglich zum einen auf mich als innovatives, offenes, mutiges Unternehmen aufmerksam zu machen, für das man möglicherweise gern arbeiten würde. Ich kann als Unternehmen neue Menschen finden, die zu mir passen. Gerade auch die Vielfalt, die durch Crowdsourcing ermöglicht wird, erlaubt einen Blick über ein weites Feld von Ideen, Stilen und Können.

    Beispiel: Kreativ-Contest für MAM Babyartikel, bei dem es nicht allein darum ging neue, ausgefallene Illustrationen für Schnuller und Babyflaschen zu finden. Ziel war es auch, neue Illustratoren an die Marke zu binden, mit denen man in der Zukunft weitere ausgefallene und außergewöhnliche Kollektionen umsetzen kann.
    Unser Kunde - umgesetzt wurde diese Crowdsourcing-Maßnahme durch meine Agentur VOdA - war begeistert von der Vielfalt und der Qualität der Einsendungen und band im Anschluss an den Contest zwei der teilnehmenden Illustratoren für die Zukunft an MAM.

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  • Produktideen
    Wer weiß besser was er braucht als der Kunde. Noch viel zu selten wird er ganz direkt nach Ideen gefragt. Doch das wird sich in der Zukunft ändern. Denn: Kunden sind nicht dumm! Und Kunden wollen immer stärker involviert werden.
    Übrigens gilt das nicht nur für Direktkunden, also B2C. Auch für den Bereich B2B kann Crowdsourcing extrem spannend sein. Dazu mehr in einem anderen Artikel in den nächsten Tagen.

    Beispiel: Tchibo ideas - sie fragen seit Sommer 2008 Menschen nach Problemen, die gelöst werden sollten. So bekommt man im Hause Tchibo ein gutes Bild vom Kernmarkt und erhält zugleich Kontakt zu neuen Produktdesignern mit guten Ideen. Also spielt hier wiederum das Recruiting eine wichtige Rolle.
    Außerdem wird mit dieser in Deutschland beispielhaften Plattform zugleich positiv am Markenimage von Tchibo gearbeitet.

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  • Materialsammlung
    Als eine der ersten Möglichkeiten des Einsatzes von Crowdsourcing zeigte sich die Sammlung von Bildern, Links, Themen. Viele Menschen tragen diesen Content zusammen, versehen ihn mit Schlagworten, sortieren ihn in Kategorien ein, verlinken Inhalte miteinander und empfehlen ihn weiter.

    Beispiel: Wikipedia - ohne Crowdsourcing würde es eine der meistbesuchten Seiten des Internets nicht geben. Wikipedia ist ein tolles Beispiel, wie wunderbar Crowdsourcing funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
    Dies gilt auch für die zahlreichen Bilder-Sammlungen wie Fotolia, iStockphoto & Co. oder auch eine Linksammlung wie StumbleUpon und Bewertungsplattformen wie Holidaycheck oder Qype. Allesamt groß geworden mit Hilfe von Crowdsourcing-Mechanismen.

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  • Kommunikationsanlässe
    Um Aktivität auszulösen in Communitys und bei Marketingaktionen sind Kommunikationsanlässe extrem wichtig. Diese können durch das Unternehmen bzw. die Communitymanager geschaffen werden. Crowdsourcing-Aktionen sind hier ein idealer Baustein, um für Aktivität und Kommunikation im Web 2.0 zu sorgen.

    Beispiel: DEWmocracy von MountainDEW, eine über ein Jahr angelegte Crowdsourcing-Aktion, die immer wieder verschiedene Social Media Plattformen einbezog und dort für neue Kommunikationsanlässe sorgte. Um Viralität anzuregen. Um einen Marketingeffekt zu erzielen. Um ein kundennahes Produkt entstehen zu lassen.

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  • Kundenbindung
    durch kundennähere Produkte. Nicht jede Produktidee, die Nutzer toll finden, würden sie auch kaufen! Das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität des Produktes oder der Dienstleistung spielen eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung. Aber auch die Usability der Webseite. Und vor allem auch: emotionale Gründe.
    Durch Crowdsourcing und damit die Involvierung der Internetnutzer in den Prozess der Produktentstehung und Produktverbesserung kann ich sie emotional an die Marke und das Produkt binden. Und letztendlich dadurch den Umsatz steigern. Denn loyale Kunden, im echten Leben "Stammkunden" genannt, sind bekanntlich die besten Kunden. Weil sie für nachhaltiges Wachstum sorgen. Und: zufriedene, weil involvierte Kunden, werden bevorzugt zu aktiven Markenbotschaftern, die mir helfen, neue Kunden auf meine Produkte aufmerksam zu machen.

    Beispiel: Threadless, eine amerikanische T-Shirt-Plattform, die 2001 entstand und mittlerweile einen Gewinn im siebenstelligen Dollar-Bereich pro Jahr einfährt. Auf der Basis von Crowdsourcing.
    Jedes Produkt, das im Online-Shop landet, musste vorher nicht nur durch die Community sein "go" bekommen, sondern basiert auch auf den kreativen Ideen (Illustrationen) der Communitymitglieder.

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  • nutzbare Designs
    Kreativ-Contests sind sicherlich eine der simpelsten und zugleich erfolgreichsten Formen von Crowdsourcing. Hierbei findet - zurecht wie ich finde - eine heftige Diskussion über "spec work", also spekulative Arbeit statt (siehe meinen Beitrag dazu oder auch diesen Artikel von Alex Bogusky).
    Ganz klar: die Incentivierung der Teilnehmer und die weiteren Rahmenbedingungen (Teilnahmebedingungen, Rechteübertragung, offenes und authentisches Communitymanagement) müssen stimmen.
    Hier kann viel verkehrt gemacht werden. Und ob die in den letzten Monaten aus den Boden schießenden Marktplätze für Logos und Webdesigns die beste Seite von Crowdsourcing sind, möchte ich bezweifeln. Oft sind die Crowdsourcing-Mechanismen dort gar nicht oder nur rudimentär zum Einsatz gebracht.
    Aber es gibt viele Beispiele, wie wunderbar Crowdsourcing auch im Bereich Produktdesign, Videoclips, Verpackungsdesign, Illustrationen funktioniert. Wenn der Rahmen stimmt.
    Meine Agentur VOdA ist seit 2006 erfolgreich auf diesem Gebiet tätig und arbeitet aktuell an einer neuen Plattform für unsere Kreativcommunity.

    Beispiel: Kicker-Table-Contest - gesucht waren Designs für Kickertische für einen Kickerverleih in Hannover. Die Kreativen hatten viel Spaß an diesem Thema. Und der Auftraggeber war mehr als zufrieden. Mehr Beispiele dazu finden sie auf unserer Contest-Übersicht.

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  • Imagegewinn und Markenaufbau
    Durch die Öffnung der Prozesse, wie ein Produkt entsteht und wie das Branding eines neuen Produktes erfolgt, am besten in Kombination mit weiteren Social Media Bausteinen, kann ich deutlich mein Image als Marke in Richtung innovativ, modern, cool, offen, aufgeschlossen verbessern. Die Marke wird dadurch anders wahrgenommen und die Markenbotschaften, die passend zu den Ideen des Social Web sein sollten, können durch die Nutzung diverser Social Media Bausteine eine virale Verbreitung im Web erfahren.

    Beispiel: Tchibo ideas. Tchibo hat sich mit der Etablierung der Tchibo ideas Plattform als modern und voll im Trend der Zeit präsentiert. (Leider fehlt noch immer die enge Verknüpfung mit weiteren Social Media Bausteinen.)

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  • SEO
    Jedes öffentlich einsehbare und damit auch für die Suchmaschinen erfassbare Crowdsourcing-Projekt ist immer auch ein Stück weit Suchmaschinenoptimierung (SEO). Denn Crowdsourcing ist lebendig. Es gibt ständig neue Inhalte und neue Kommunikationsanlässe, die von den Suchmaschinen-Bots erfasst werden. Blogs greifen die Aktionen und Themen möglicherweise auf. Hinweise zur Aktion werden von Teilnehmern und passiv Interessierten per Twitter und auf Facebook weiter gereicht.
    Außerdem befördert Crowdsourcing die Verbreitung von Inhalten und damit auch von Links und Bildern. Google liebt Social Media. Und damit auch Crowdsourcing.
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Ich hoffe, mit diesem Artikel wieder ein Stück Aufklärungsarbeit in Sachen Crowdsourcing geleistet zu haben. Ich glaube an die vielfältigen Möglichkeiten des Einsatzes von Crowdsourcing-Mechanismen. Noch viel zu wenig werden die verschiedenen Mehrwerte beleuchtet und beachtet, wenn das Thema in Unternehmen aufblitzt.

Die entscheidene Frage im Social Web

Die wichtigste Frage bei jedem Social Media Konzept und damit auch bei einem Crowdsourcing-Projekt muss auf jeden Fall befriedigend beantwortet werden. An dieser fehlenden Antwort scheitern nur allzu viele Projekte. Diese Frage lautet:

Warum soll ich als Nutzer dabei mitmachen?

Man muss den Nutzern Motivationsanreize bieten, die stark genug sind um sie zu aktiver Teilnahme zu veranlassen. Dazu zählt in erster Linie die Incentivierungsstrategie, aber auch ein authentisches Communitymanagement (kennt man die Communitymanager persönlich mit Namen?), ein positives Marken- und Kampagnen-Image, die Arbeit mit passenden Testimonials, faire Rahmenbedingungen und ein Geben und Nehmen für alle Beteiligten.

Gern stehe ich ihnen als Berater und in der Konzeption genauso wie bei der Betreuung von Crowdsourcing-Projekten zur Verfügung. Ich liebe Crowdsourcing und seine Möglichkeiten für fast jeden Bereich. Wir werden in der Zukunft die vielfältigsten Projekte sehen, die auf die Kraft der Vielen zugreifen und dadurch ganz neue Sammlungen, Produkte und Portale entstehen lassen. Noch stehen wir ganz am Anfang dieser Entwicklung. Ich freue mich auf die Internet-Zukunft, aus der Crowdsourcing nicht mehr wegzudenken sein wird.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

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