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22Jul/10Off

Bild-Reporter und Social-Media-Reporter

Autor des Artikels: Matias Roskos

Ich bin ein Social Media Reporter. Manchmal. Immer wieder mal. Immer wieder gern. In einem meiner Blogs. Und sehr stark auch auf Facebook. Ein wenig auch auf Twitter. Oft unter Einbeziehung von Flickr.

Ich bin kein Bild-Reporter. Bin keiner von den Tausenden, die 685.595 Fotos an die Bild-Redaktion sandten, von denen letztendlich stolze 13.514 ins Blatt gelangten. Warum nicht? Weil ich keine Bildzeitung lese. Ist nicht mein Blatt. Wahrlich nicht.

Aber andere tun dies. Viele andere. Sie lesen die Bild. Und einige von ihnen wurden zu Bild-Reportern.

Ich find die Idee der Bild-Reporter Klasse! Die Nutzer einbeziehen. Super. Über Qualität will ich jetzt und hier nicht reden. Ein anderes Mal. Vielleicht. Wenn Zeit ist. Hab ich wenig.

Ich bin Social Media Reporter. Immer wieder gern. Freiwillig.

Viele andere Blogger sind Social Media Reporter. Von sich aus. Aus freien Stücken. In der Freizeit. Oder mit der Hoffnung dadurch auch einen Teil des Lebensunterhaltes zu bestreiten. Funktioniert nicht. Jedenfalls nicht direkt als Social Media Reporter.

Warum eigentlich nicht?

Weil der Wert, den Social Media Reporter schaffen, noch nicht erkannt wird. Außer von Bild.de. Puh.

Wäre ich in einem Redaktionshaus verantwortlich, würde ich mir intensiv Gedanken machen über gute Social Media Reporter. Hätte ich was zu sagen in einer Marketingabteilung, würd ich mir Gedanken machen, ob meine Marke so sexy ist, dass Blogger sich einbinden lassen.

Anders gehts nicht. Man muss schon was zu bieten haben als Marke! Viele Marken haben das. Die haben sogar schon Fans. Und wissen es oft noch nicht einmal.

Aber Vorsicht - ich kann Blogger bezahlen. Viele Blogger würden sich sogar darüber freuen, wenn sie mal ein paar Euro dafür bekommen, wenn sie was Gutes schreiben. Aber: Blogger kann man nicht kaufen! Social Media Reporter kann man nicht kaufen.

Es wäre unglaubwürdig, was da an Content entsteht. Und die Leser würden es spüren. Der Content würde seinen Wert verlieren. Die Authentizität. Authentizität ist eines der höchsten Güter des Social Web. Ein Grund, warum so viele es lieben (mich eingeschlossen).

Sich kaufen lassen und dafür bezahlt werden, Dinge zu schreiben die man gern schreibt, weil man dahinter steht - das ist ein gewaltiger Unterschied. Und es gibt diesen Unterschied. Glauben sie mir.

Also: Social Media Reporter für sich gewinnen und einbinden als Marke, Urlaubsregion, Unternehmen? Ja.

Social Media Reporter bezahlen, wenn sie gute Artikel schreiben, spannende Fotos hochladen und Videos einstellen? Ja.

Mit Social Media Reportern über neue Marketingaktionen für meine Marke, mein Produkt, meine Dienstleistung nachdenken und reden? Ja.

Social Media Reporter kaufen? Nein! Wird nicht funktionieren. Versuchen sie es gar nicht erst!

"Hey - schreibst du mal über mich. Ich bin ganz toll. Und bezahl dir auch was dafür, lieber Blogger." Wird nicht funktionieren.

"Hey - ich finds klasse wie du schreibst und über was du schreibst. Hab ein paar Artikel von dir gelesen. Der über deinen Ausflug nach Dingsbums-Hausen war super. Hab Tränen gelacht. Ich arbeite bei Firma XYZ oder Tourismus-Büro ABC. Und ich kann mir vorstellen, dass dir gefällt, was wir so machen. Wollen wir mal telefonieren? Oder willst du mal vorbeikommen bei uns? Vielleicht können wir zusammenarbeiten?!" Wird in vielen Fällen funktionieren.

Viel Spaß. Viel Erfolg. So vieles ist möglich und ist noch ungenutzt. Bild macht vor, dass es funktioniert. (Mehr dazu bei Meedia.) Warum tun dies andere nicht auch? Vielleicht mit mehr Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit. Ich wär dabei.

Hier ein paar Artikel als Social Media Reporter von mir. Freiwillig. Unbezahlt. Gern. Auch in der Zukunft.

Ich überlege, diesen Bereich in der Zukunft ein Stück weit auszubauen. Weil es mir einen riesen Spaß macht. Das wiegt die knappe Zeit auf.

Und weil ich glaube, dass so etwas gebraucht wird in der Zukunft. Social Media in Form von Fotos, Videos und guten Artikeln, erstellt durch Nutzer, wird immer mehr an Bedeutung und Aufmerksamkeit gewinnen. Nur viele Markenverantwortliche haben das noch nicht kapiert.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (6) Trackbacks (3)
  1. Mich bezahlt auch keiner :))

    Also ich finde das gut, was Du machst. Sehe aber die Bild-Reporter etwas skeptisch.
    Das endet dann so wie in England, wo es einen Versuch gibt, dass Leute von Verkehrsvergehen etc (Hundehäufchen nicht wegmachen, Falschparken,…) Bilder machen sollen, per MMS schicken und Belohnung erhalten.

  2. Darum auch der Hinweis auf die „Qualität“ der Social Media Reporter, Jessi.

    Mir gehts darum, dass man die, die sowieso schon zeigen, wie gern sie schreiben und berichten noch viel stärker involvieren kann und sollte. Da ist noch so viel ungenutztes Potential, das aktuell noch brach liegt.

    Du gehörst da ja auch zu 100% dazu!

  3. Gut gesagt.

    Aber nicht imemr realistisch, denn nicht alle Blogger sind so positiv und offen wie Du. Leider gibt es immer noch viele Super-Pharisäer, die unrealistische Forderungen stellen, denen man es NIE Recht machen kann, und die auf freundliche Aufforderungen mit Aufruhr reagieren.

    Vergleiche zum Beispiel den unprofessionellen und lächerlichen Stunk, den Deef Pirmasens zum m.A. nach freundlichen Angebot der WELT Kompakt gemacht hat (Zusammenfassung der Geschichte hier: http://www.webzweipunktnull.de/welt-kompakt-vs-blogger-umdenken-ueberfaellig/). Der hätte sich über die kostenlose Werbung für seinen Blog ein Loch in den Bauch freuen sollen. Stattdessen klagt er an, dass man ihm nicht sofort seinen individuellen Tagessatz anbietet und tut so, als könne er JEDEN VERDAMMTEN TAG verkaufen und Welt wolle ihn auf billig abrippen. Unterstellt sogar noch, man wolle teure Journalisten durch billige Blogger ersetzen und damit Arbeitsplätze vernichten.

    Sowas ärgert mich als Initiator ähnlicher Aktionen masslos, weil ich eben weiss, dass derartige Angebote inklusive Organisation viel TEURER sind als der Redaktionsalltag.

    Kein Wunder, dass in Deutschland die Blogosphäre dem Einfluss, den Sie in angelsächsischen Ländern hat, um Meilen hinterher hinkt.

  4. Ja – die deutsche Bloggerlandschaft ist ein Thema für sich. Aber sie ist wie sie ist.
    Und ich finde es gut, dass es sie gibt! Und es gibt viele tolle, sympathische Typen darunter. Und viele engagierte Leute mit ner interessanten Schreibe!
    Deef kenne ich selbst nicht. Darum kann ich dazu nix sagen.

    Aber meine Erfahrung ist: Blogger kalt anquatschen kann gefährlich sein. Das wird schnell missverstanden und wird dann zum „Die wollen mich einkaufen. Aber nix dafür bezahlen.“
    Da hilft nur eins: Dialog! Ach ja – und noch was: viel viel Fingerspitzengefühl, das man eigentlich nur haben kann, wenn man seit Jahren in der Szene ein Stück weit mit drin steckt. Erst dann versteht man viele Dinge besser.

  5. @Mathias:

    Schon richtig. Aber dieses Gefühl kann man eben nicht von jedem Brand / Product maager verlangen, der gutwillig auf Blogger zugeht – und man muss auch mal ein Stück guten Willens von der Blogosphäre einfordern, wenn sie als Stakeholder der öffentlichen Diskussion Ernst genommen werden will.

    Oder gar professionell am Marketing von Firmen teilhaben will,

    Mit gutem Willen meine ich übrigens keinesfalls „sich kaufen lassen“ oder wie Deef befürchtete ‚Leistungen für Nix erbringen müssen“. Aber man darf nciht IMMER und ÜBERALL bösen Willen beim jeweils anderen vermuten.

    Und das was man von Firmen wie Jack Wolfskin verlangt (erstmal mit den leuten reden, die etwas „Falsches“ getan haben anstatt gleich Abmahnungen schicken) muss im übertragenenen Sinne auch für Blogger gelten. Gerade für Etablierte und Einlussreiche.

  6. Zustimmung in allen Punkten, Markus.