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16Jun/10Off

Das beste Crowdsourcing-Projekt der Welt: Innocentive

Autor des Artikels: Matias Roskos

innocentiveOpen Innovation und Crowdsourcing sind für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden. Ich glaube an diese Idee. Ich liebe die Idee, die hinter Open Innovation und Crowdsourcing steckt. Und ich werde nicht müde in Vorträgen, Meetings und Projektkonzepten die enormen Möglichkeiten, die in Crowdsourcing-Konzepten stecken, anderen Menschen, vor allem auch Entscheidern in Unternehmen und Agenturen, zu erklären.

Eines der Leuchttürme auf diesem Gebiet ist die amerikanische Plattform Innocentive. Wenn ein Unternehmen ein Problem hat, das es Inhouse nicht lösen kann oder vielleicht auch gar nicht Inhouse lösen möchte, dann geht es zu Innocentive und stellt die Aufgabe dort ein. Damit wird das Unternehmen zu einem sogenannten "Seeker". Aus der Community heraus wird dann versucht das Problem zu lösen. Diese Problemlöser werden auf Innocentive „Solver“ genannt.

Gegründet wurde das Unternehmen bereits im Jahr 2001, mit Unterstützung des Pharmaunternehmens Eli Lilly and Company. Daher war die Ausrichtung anfangs auch stark auf den Pharma- und Chemie-Sektor konzentriert. Doch Schritt für Schritt möchte man sich zu einer Open Innovation Plattform für alle denkbaren Felder entwickeln. Einer der größten und wichtigsten Kunden wurde in den vergangenen Jahren beispielsweise Procter & Gamble.

Innocentive spricht davon, dass man welt rund 4 Millionen potenzielle Problemlöser erreicht. Das gelingt, weil man nicht nur etwa 200.000 Forscher, Ingenieure und Produktdesigner in der Innocentive-Community vereint, sondern weil man zugleich Mitarbeiter und vor allem auch ehemalige Mitarbeiter von Unternehmen wie SAP, Eli Lilly oder Procter & Gamble ansprechen darf. Und was den Erfolgsfaktor anbelangt, spricht man bei Innocentive von einer Lösungsquote von etwa 50 Prozent bei erfolgskritischen Aufgaben aus Unternehmen.

Seit Anfang dieses Jahres gibt es auch eine deutsche Dependance in München, wie auf fair-news nachzulesen ist. "Mit der Eröffnung der ersten europäischen Niederlassung verfolgt InnoCentive das Ziel, die Kundenbetreuung in Europa zu verbessern und den Kundenstamm weiter auszubauen." heißt es dort. Und weiter: ""In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Open Innovation im Allgemeinen und nach unserer Dienstleistung stark gestiegen", so Dwayne Spradlin, CEO von InnoCentive Inc. "Rund ein Drittel unserer Kunden hat seinen Hauptsitz in Europa und viele mehr sind große US-amerikanische Unternehmen, die jedoch in Europa operieren. Höchste Zeit also, um unsere erste europäische Niederlassung zu gründen."

Der europäische Markt ist reif für Open Innovation und Crowdsourcing-Konzepte

Ich finde es gut und richtig, dass Innocentive den Schritt über den Teich wagt. Auch wenn der europäische Markt aus meiner Sicht komplizierter ist und vieles sicherlich nicht 1:1 übertragen werden kann aus den USA. Ich bin mir auch nicht sicher, ob auf allen Gebieten amerikanische Problemlöser die Richtigen für ein Problem eines deutschen Unternehmens sind. Wenn es um rein wissenschaftliche Problemstellungen geht, ist das sicherlich kein Thema. Aber wenn kulturelle Aspekte mit berücktsichtigt werden müssen, muss man sicherlich auch auf Menschen setzen, die den gleichen kulturellen Background haben. Mit Atizo und einigen kleineren Anbietern gibt es bereits deutschsprachige Plattformen, die ähnlich aufgestellt sind wie Innocentive. Auch meine Agentur VOdA ist im Bereich Crowdsourcing aktiv, wie viele der Leser hier bereits wissen. Wobei wir stark aus dem visuell-kreativen Bereich kommen und uns in den vergangenen Jahren auch immer stärker dem Bereich Communityaufbau und der Nutzung der vielfältigen Möglichkeiten von Social Media im Zusammenspiel mit Crowdsourcing-Mechanismen angenommen haben.

Amateure oder Profis? Was zählt beim Crowdsourcing?

Abfällig wird von dem ein oder anderen beim Crowdsourcing von "Hobby-Experten" gesprochen. Darauf habe ich immer zwei Antworten. 1. Was ist schlecht an einem sogenannten "Amateur"? Wenn man sein Hobby über einen langen Zeitraum und mit Leidenschaft betreibt, wird man auf diesem Feld ein echter Profi sein und über professionelles Wissen verfügen. Auch wenn man beruflich womöglich etwas ganz anderes tut. Gerade die Ideen und Problemlösungen von Menschen, die aus einer ganz anderen Richtung an eine Aufgabe herangehen, machen Open Innovation und Crowdsourcing so spannend. Und sorgen für Lösungen, auf die ein interner Experte möglicherweise nicht gekommen wäre.

Und 2.: Beim Crowdsourcing machen oft auch echte Profis mit. Es findet, zumindest bei einer gut aufgestellten Community, die nicht einspurig und eingeschränkt fährt (was leider noch bei vielen Crowdsourcing-Projekten tatsächlich der Fall ist), eine wunderbare Durchmischung statt, die für viele verschiedene Denk- und Lösungsansätze sorgt. Und die es ermöglicht, dass sich Menschen gegenseitig inspirieren und befruchten. Ein gutes Beispiel ist das Netflix-Projekt, bei dem es darum ging die vorhandene, hauseigene Prognose-Software des DVD-Verleihs zu schlagen. Und die Prämie von 1 Million Dollar abzuräumen. Dies gelang letztendlich einem Team, dass sich erst während dieser Kampagne fand und gemeinsam ganz neue Lösungswege entwickelte. Mehr dazu in diesem Beitrag. Wirtschaftlich ein großer Erfolg für Netflix, weil die Prognose welche Filme bei den Kunden ankommen enorm wichtig ist für das Unternehmen. Und zugleich war es ein riesiger PR-Erfolg, weil man immer wieder in den Medien war und diese Aktion über das Social Web positiv die Runde machte. So steht Netflix als innovativ und kundenorientiert da am Ende dieser über drei Jahre laufenden Aktion.

Crowdsourcing für MAM BabyartikelBei Plattformen wie Innocentive machen unter anderem viele pensionierte, ehemalige leitende Mitarbeiter mit, die sich so ihre Rente ab und zu aufbessern. Es wird also mit Crowdsourcing das Wissen von älteren Menschen angezapft, das sonst komplett verloren wäre! Bei den Aktionen meiner Agentur VOdA, spezialisiert auf visuell-kreative Crowdsourcing-Aktionen - siehe unsere Aktion für MAM Babyartikel, die für unseren Kunden ein toller Erfolg war - machen zu einem nicht unerheblichen Anteil selbstständige Grafikdesigner und Illustratoren mit. Dazu viele Studenten, aber auch in Agenturen angestellte Kreative. Die Mischung dabei ist bunt, was es für Kunden so extrem spannend macht und für eine große Vielfalt bei den Ergebnissen auf hohem Niveau sorgt.

Fairness, Incentivierung und authentisches Agieren für eine gut funktionierende Community

Eine wichtige Rolle spielt dabei selbstverständlich auch die Incentivierung. Die Menschen, die beim Crowdsourcing mitmachen, tun dies aus den verschiedensten Gründen. Oft geht es darum sich zu zeigen und Spaß zu haben neue Ideen vorzustellen und umzusetzen. Auch der Kontakt zu Firmen, die potentiell neue Auftraggeber werden könnten, ist für viele ein lohnenswerter Anreiz. Crowdsourcing gehört in vielen Fällen für die Teilnehmer auch zum Marketing in eigener Sache. Man will sich zeigen und andere auf sich aufmerksam machen. Ein immer wichtiger werdenes Argument, möchte man in der Fülle von kreativen Menschen, die sich mit Hilfe des Internets neue Kommunikationskanäle schaffen, auffallen und nach vorn stellen. Auch insights aus dem Unternehmen können ein entscheidener Motivationsgrund sein. Informationen als Erster erhalten, mit dabei sein neue Ideen für ein spannendes Produkt zu entwickeln, für wichtig genommen werden - all dies motiviert Menschen sich aktiv mit einzubringen beim Crowdsourcing.

Und ja - auch Geld spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Bei Innocentive liegen die Prämien für Problemlösungen zwischen 10.000 und 100.000 Dollar. Bei der extrem erfolgreichen Crowdsourcing-Kampagne von Doritos für den SuperBowl 2010 ging einer der drei Gewinner letztendlich mit 625.000 Dollar nachhause. Eine faire und spannende Entlohnung ist also immer auch eines von diversen Argumenten für Menschen mitzumachen bei Crowdsourcing und Open Innovation. Auch auf die Gefahr hin, dass man möglicherweise am Ende leer ausgeht, weil jemand anderes vor einem landet. Das ist im wirklichen Leben oft nicht anders. Und jeder Agentur-Pitch läuft unter ähnlichen, dafür aber weniger transparenten Bedingungen ab.

Nicht den Einzelnen, sondern die Community entlohnen

Wünschenswert wäre es sicherlich, wenn die ganze Community noch stärker monetär am Erfolg der Plattform beteiligt wird. Und genau daran arbeiten wir intensiv bei VOdA. Mit der neuen Plattform, die hoffentlich Ende dieses Jahres an den Start geht, werden wir genau dort ansetzen und die Community damit noch stärker aufwerten. Denn Crowdsourcing und Open Innovation sind nur so gut, wie die beteiligte Online-Community vielfältig, motiviert und qualitativ extrem gut aufgestellt ist.

Open Innovation bedeutet also keineswegs, dass man aus dem Internet für umsonst oder für lau gute Ideen abgreifen kann. Wird man dies versuchen, wird man auf die Schnauze fliegen. Und das ist auch gut so. Einige Marktplätze, die sich das Label "Crowdsourcing" aufgepappt haben, versuchen es über die Billigschiene. Aber für gute Ideen und gute Konzepte wird es mit der Billig-Masche nicht funktionieren. Denn um eine gut funktionierende Community in ein Crowdsourcing-Projekt einbringen zu können, bedarf es eines über mehrere Jahre gewachsenen Vertrauensverhältnisses zwischen den Mitgliedern der Community und dem Plattformbetreiber. Authentisches und ehrliches Auftreten sind dabei genauso unerlässlich wie ein gutes Fingerspitzengefühl für die Belange der Menschen. Und jede Crowdsourcing-Maßnahme muss permanent betreut und mit gesteuert werden. Dafür zahlen Kunden bei Innocentive genauso wie bei VOdA. Crowdsourcing-Plattformen und Crowdsourcing-Agenturen sind Dienstleister. Sie zeichnen sich durch tägliche professionelle Arbeit aus. Und nur so wird es auch langfristig funktionieren.

Ich wünsche Innocentive viel Erfolg in Europa und bin begeistert, dass dieses großartige Projekt den Schritt herüber gewagt hat. Und ich freue mich natürlich über jeden neuen potentiellen Kunden, der sich für die Einsatzmöglichkeiten und Chancen von Crowdsourcing und Open Innovation interessiert. Ich bin gern für sie da in Beratung, Konzeption und Umsetzung.

Weitere Infos zu Innocentive und seine Europa-Strategie finden sie auf fair-news.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

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