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28Apr/10Off

Social Media im Mittelstand – Interview mit McFit zur Aktion mit einem Blogger

Autor des Artikels: Matias Roskos

Auf die aus meiner Sicht sehr gelungene Social Media Aktion von McFit in Zusammenarbeit mit dem Blog Stadt-Bremerhaven.de hatte ich bereits mehrfach hingewiesen. Aufgrund dieser Aktion habe ich mich mit dem Verantwortlichen bei McFit, Timo Maier, zu einem virtuellen Interview verabredet, um ein wenig über die Hintergründe der Aktion und über die Social Media Strategie von McFit zu erfahren. Hier das Interview.

Guten Tag Herr Maier. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreichen Social Media Kampagne mit dem Blog Stadt-Bremerhaven. Wie ist es ihnen denn gelungen einen der namhaftesten Blogger Deutschlands für ihr Unternehmen und eine solche Kampagne zu gewinnen? War er teuer?

McFit - Timo Maier: Hallo Herr Roskos. Vielen Dank! Eines vorweg: Carsten Knobloch hat von uns kein Geld erhalten. Er hat die Aktion von sich aus im Sinne der Wohltätigkeit durchgeführt. Von einem Bekannten haben wir erfahren, dass Carsten Knobloch, in der Blogosphere als Caschy bekannt, einen Sponsor für eine Wohltätigkeitsaktion sucht. Daraufhin habe ich Kontakt zu ihm aufgenommen, um zu erfahren, was er überhaupt vorhat.

Matias Roskos: Und wie kam er dann zu McFit? War er bereits Mitglied oder mussten sie ihn erst überreden?

Timo Maier: Caschy war bereits Mitglied bei McFit. Darin bestand ja zunächst einmal das Problem - er war zwar Mitglied, konnte aber seinen inneren Schweinehund nicht überwinden, um regelmäßig zu trainieren. So wollte er ein konkretes Ziel haben, um daraus Motivation zu schöpfen.

Verstehe. Und dann hat McFit ihm diese Social Media Kampagne vorgeschlagen? Oder von wem kam konkret die Idee?

Timo Maier: Wie sie ja selbst wissen, ist Social Media kein Alleingang. So habe ich zusammen mit Caschy die Grundzüge erarbeitet und dann weiter ausgefeilt. Wir waren uns von Anfang an einig darin, dass wir einen wohltätigen Zweck verfolgen wollen.

5.000 € wurden bei Erfolg an ein wohltätiges Projekt gespendet. War es schwer die Verantwortlichen bei McFit von dieser recht hohen Summe für eine Social Media Aktion zu überzeugen?

Timo Maier: Zunächst einmal ist es für deutsche Unternehmen im Allgemeinen noch etwas ungewöhnlich auf diesem Feld zu arbeiten. Da McFit aber generell sehr aufgeschlossen ist und willens, neue Wege zu beschreiten und darüber hinaus der Leiter der PR-Abteilung Björn Köllen ein sehr gutes Gespür für Entwicklungen hat, war er von Anfang an von der Aktion begeistert. Für uns ist es eine konkrete Zielsetzung, im Bereich Social Media zu arbeiten. Dorthin gehen, wo unsere Kunden sind. Dafür wurde im Unternehmen auch extra meine Position geschaffen.

Wie lautet ihre Position konkret? Und entsteht da eine eigene Social Media Unit bei McFit?

Timo Maier: Konkret lautet meine Position Junior Manager Online-PR. Natürlich könnte sie auch als Social Media Stratege oder anders betitelt werden. Von fundamentaler Wichtigkeit ist lediglich, dass die Position in der PR-Abteilung eines Unternehmens angesiedelt ist, da es sich nun mal um öffentlichkeitswirksame Arbeit handelt. Wir kommunizieren mit Menschen und wollen sie nicht bloß mit Werbung überfluten. Das ist es doch gerade, was Social Media aus Unternehmenssicht ausmacht: Partizipieren an einem dynamischen, offenen Dialog in gegenseitigem Respekt.
Zu ihrer zweiten Frage: Wir befinden uns natürlich noch im Aufbau. Zunächst einmal werden wir dieses Jahr den Bereich Social Media Stück für Stück erweitern und die gängigen Dienste im Internet erschließen. Dann werden wir evaluieren, welche Anforderungen unsere Aktivitäten nach sich ziehen.

Sie wurden also über einen Bekannten aufmerksam auf die Sponsorensuche von Caschy. Um solche Gelegenheiten zu nutzen, muss man seine Nase ja weit im "Social Media Wind" haben. Erfolgt bei ihnen denn ein Monitoring nach für McFit relevanten Feldern? Wie entstehen Ideen für Social Media Aktivitäten? Wie werden Chancen erkannt?

Timo Maier: Natürlich versuchen wir, im Netz soviel wie möglich in Erfahrung zu bringen. Was bewegt unsere Mitglieder? Wie spricht man über uns im Netz? Und natürlich, welche Dienste werden vorrangig genutzt? Ich durchsuche das Netz täglich insbesondere nach Blogs, die über uns berichten und recherchiere in Twitter. Ideen entstehen allein schon durch die Beobachtung technologischer Entwicklungen - was gibt es Neues, wie funktioniert das und was können wir damit machen? Der größte Teil meiner Arbeit ist Recherche. Dazu kommt dann noch eine gute Intuition und Beurteilungsgabe. Dies lernt man im Social Media Bereich meiner Meinung nach allerdings nicht als rein theoretischer Beobachter, sondern als Netzarbeiter. Persönlich komme ich aus dem Bloggen, was ich privat auch immer noch weiter mache. Es war auch eine konkrete Anforderung an meine Stelle, diese mit jemandem zu besetzen, der Teil der Entwicklung ist und nicht nur als Zuschauer am Rand steht. Der wichtigste Faktor allerdings ist die Teamarbeit - wir sind hier keine Eigenbrödler und Einzelgänger. Genau so wenig wie im Social Web.

Kommt dabei spezielle Monitoring-Software zum Einsatz?

Timo Maier: Noch nicht, ist jedoch geplant. Im Moment screene ich noch mit einer Reihe offener Dienste wie IceRocket, BlogPulse oder SocialMention. Aber auch hier probiere ich immer wieder neue Technologien aus.

Zurück zur Aktion mit Caschy. Wie passt das eigentlich zusammen - McFit und Blogs?

Timo Maier: Die entscheidende Kommunikation im Social Web spielt sich in der Blogosphere ab. Hier liegt das Potential für Diskurs. Das bietet für jedes Unternehmen, nicht nur für McFit, große Möglichkeiten. Und wir wollen am Diskurs teilnehmen und uns nicht verschließen.

Die Blogosphäre ist wichtiger als Facebook zum Beispiel? Und: sind denn McFit-Kunden Leser von Blogs wie Stadt-Bremerhaven?

Timo Maier: Das würde ich nicht unbedingt sagen. Ich halte Facebook für eine sehr wichtige Plattform, doch funktioniert sie anders als Blogs. Da aber auch hier ein großes Potential für McFit ersichtlich ist - es gibt allein über achtzig Gruppen, die von Mitgliedern gepflegt werden - werden wir uns auch auf Facebook in nächster Zeit konzentrieren (soviel verrate ich Ihnen schon). McFit-Kunden lesen eigentlich alle Arten von Blogs, da wir auch alle Arten von Mitgliedern haben – vom Arbeiter bis zum Akademiker, Schüler und Sportler, alt wie jung. Dieser Pluralismus spiegelt sich natürlich auch im Netz.

McFit hat 5.000 Euro für die Arche in Hellersdorf gespendet im Rahmen der Aktion. Sie haben zudem viel Zeit sicherlich investiert, was McFit wiederum auch Geld kostet. Wie hoch ist denn aus der Sicht von McFit der generierte Nutzen? Was konkret hat McFit eine solche Aktion gebracht?

Timo Maier: Nun ja, wir wissen wohl beide, dass sich ein ROI aus der Arbeit mit Social Media nur sehr schwer ableiten lässt. Zumindest lässt sich sicher sagen, dass wir mit Hilfe der Aktion ein sehr positives Bild in der Netzöffentlichkeit kreiert haben. Daraus sind auch neue Bindungen entstanden, die sich in monetärem Wert gar nicht messen lassen. Zudem ist uns Wohltätigkeit sehr wichtig. Der Firmengründer und Inhaber Rainer Schaller nennt das "etwas zurück geben". Außerdem haben wir gezeigt, dass wir unsere Kunden und die Menschen da draußen ernst nehmen, mit ihnen interagieren – und das Web nicht bloß als nächsten Werbekanal nutzen wollen.

Und was kommt als Nächstes? Ist schon eine weitere Aktion mit einem Blogger angedacht? Wie schaut die Social Media Zukunft 2010 für McFit aus?

Timo Maier: Die Zukunft ist sicher Facebook. Aber deswegen werden wir den Rest des Social Web bestimmt nicht missachten. Der Ausbau unseres YouTube-Channels ist auch ein wichtiges Feld, genauso wie des Unternehmens-Twitters. Und wie Sie schon sagten: Wenn es um Social Media geht, muss man seine Nase immer im Wind haben. Die Offenheit für den Zufall spielt eine wichtige Rolle.

Letzte Frage - Warum gibt es eigentlich kein McFit-Blog? In einem Magazinformat zum Beispiel. Das würde doch prima passen. Oder gibt es nichts zu erzählen aus den vielen Studios deutschlandweit? Mir jedenfalls fallen da hunderte von Themen ein... Und dann wäre McFit sogar Bestandteil der Blogosphäre und nicht nur Außenbetrachter.

Timo Maier: Auch dies ist eine gerechtfertigte Frage. Ein Corporate Blog hat viele Vorteile. Aber first things first, wie man so schön sagt. Und man darf nie vergessen, dass jedes Medium, dass von einem Unternehmen genutzt wird, auch einen echten Mehrwert für die User darstellen muss. Das Thema Blog steht definitiv zur Diskussion. Sollte es konkret werden, werden Sie es als Erster erfahren.

Herr Maier, ich bedanke mich für das interessante Gespräch und die Zeit, die sie sich genommen haben. McFit weiterhin viel Erfolg auch im Internet. Ich finde es gut, dass Unternehmen wie McFit sich an den Bereich Social Media herantasten und dort Engagement zeigen.

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