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10Mrz/10Off

Idee der Zukunft: Print on demand und Crowdsourcing am Beispiel von Foodbox.de

Autor des Artikels: Matias Roskos

Drucken wird immer leichter. Print on demand hat der ganzen Branche eine ganz neue Perspektive eröffnet. Viele kleine Druckereien hassen diese Entwicklung. Andere schaffen es sich damit gewaltig zu etablieren. Die ganze Branche ist, ähnlich den Zeitschriften und Zeitungen, in einem großen Umbruch.

Die Menschen können sich nun Dinge drucken lassen, so wie sie es wollen. In Kleinstauflage. Mit dem entsprechenden Preis. Fotobücher werden zum Beispiel immer beliebter. Aber gerade auch für Crowdsourcing-Projekte sehe ich Dank Print on demand traumhafte Perspektiven. In einem Artikel aus dem Oktober letzten Jahres schrieb ich:

Jeder von uns ist ein kleiner Experte. Sei es in der Küche, beim Hobby, beim Reisen, in Sachen Auto, beim Sport, im Garten. Daher lassen sich theoretisch über Crowdsourcing viele Dinge realisieren. Zum Beispiel:

* Reiseführer, erstellt durch die Community. Bestellbar via print-on-demand.
* Kochbücher, wie zum Beispiel das „Food52“ Projekt von Amanda Hesser und Merrill Stubbs es exemplarisch vormacht
* Ratgeber für den Garten, für Heimwerker, für bestimmte Hobbythemen (Modellbahn, Fotografie, Stricken)
* Comic-Communitys, um neue Talente zu entdecken und um Fans zu finden und zu involvieren. Panini ist hier schon einen richtigen Schritt gegangen

Was die Ratgeber und Reiseführer angeht, ist es technisch ja machbar, dass man sich via Print-on-demand ein Buch erstellen und zuschicken lassen kann. Dieses stelle ich mir vorher auf der Crowdsourcing-Seite selbst zusammen und lasse es mir dann zuschicken. Oder ich verschenke es. Meine eigenen Tipps gemixt mit den Tipps der Community.

Die Community also sammelt Tipps zu einem bestimmten Themengebeit, wie Reise, Garten, Heimwerken, alle Formen des Sammelns oder Kochen.

Zum Thema Kochen wurde ich vor ein paar Wochen von den Jungs hinter Foodbox.de angemailt. Da sie, genauso wie ich, im Friedrichshain sitzen, trafen wir uns gleich auf einen Tee und plauderten über ihr jüngstes Projekt. Mit Cookelani, einer Community rund um Rezepte und das Kochen, sind sie schon länger auf dem Markt. Nun haben sie die Foodbox hinter her geschoben. Ein Projekt, das ich extrem spannend finde! Ich bin gespannt, wann die ersten Investoren ihre Fühler ausstrecken.

Foodbox

Bei Foodbox.de geht es darum, sich sein eigenes Kochbuch zu gestalten, ausdrucken und zuschicken lassen zu können! Alles wird in Berlin gedruckt und verpackt. Eines der spannenden Dinge dabei ist es, dass man ganz bewusst mit einem Ringbinder-System arbeitet, so dass man sich weitere Blätter später ausdrucken und auch zuschicken lassen kann. So kann das eigene Kochbuch weiter wachsen. Clever gemacht! 25 Rezeptseiten kosten dabei 24,95 EUR.

Auf der Startseite von Foodbox.de heißt es unter anderem:

Wählen Sie Ihre Startgröße und ändern Sie anschließend Cover, Titel und Inhalt. Ihr Vorteil? Sie haben in jeder FOODBOX bereits eine Vorauswahl von Lieblingsrezepten der Redaktion.

Man versucht geschickt die Angst vor einem leeren Blatt Papier zu nehmen. Das Prozedere ist denkbar einfach. Man wählt nach dem Login ein vorgefertigtes Rezeptbuch aus, zum Beispiel "Salate und Desserts". Darin findet man bereits 25 fertige Rezepte wie zum Beispiel "Quarkcreme mit Himbeeren" oder "Kheer Reispudding mit Mandeln". Allesamt stammen sie aus der Redaktion. Das ist eine der großen Stärken der Foodbox. Und aus meiner Sicht unerlässlich für Crowdsourcing-Projekte dieser Dimension.

Es bedarf einer readktionellen Betreuung und Unterfütterung mit Content, um ein auf Content ausgerichtetes Crowdsourcing-Projekt zum Erfolg zu führen.

Dies ist bei der Foodbox der Fall. Ein weiterer großer Vorteil für das Team ist hierbei, dass sie mit Cookelani bereits eine Community rund um das Thema Kochen aufbauen konnten! Beide sind lose miteinander verzahnt. Aus meiner Sicht muss die Verzahnung noch viel enger sein. Erst dann macht es so richtig Sinn. Man muss sich aktuell leider noch bei beiden Projekten separat anmelden und einloggen. Gut wäre es, wenn die Login-Daten übernommen werden könnten, für die Nutzer, die das möchten. Ich weiß, dass es da technische Hürden im Hintergrund gibt. Aber die Usability ist bei einem solchen Projekt elementar wichtig. Und da hapert es noch an der ein oder anderen Stelle. Ein wenig nervig finde ich auch die halbgrauen Texte überall. Schaut zwar schick aus auf den ersten Blick, lässt sich aber super schlecht lesen, Leute! Unbedingt ändern.

Lieben tue ich ja "drag & drop", also wenn ich Bausteine direkt in meine eigene Foodbox ziehen kann. Sehr cool! Das Hinzufügen von Rezepten geht denkbar einfach. Man kann sich aus verschiedenen Kategorien bedienen oder seine eigenen Rezepte anlegen. Und genau das macht es aus meiner Sicht so spannend:

Ich kombiniere Inhalte, die aus der Community kommen, mit eigenen Inhalten und erhalte ein Produkt, das ich via Print on demand ausdrucken und mir zusenden lassen kann. Und gleichzeitig bereichere ich damit das Contentangebot für die Community.

Das ist Crowdsourcing von seiner besten Seite! Jeder hat etwas davon.

Solche Kochbücher lassen sich prima verschenken. Dadurch, dass man sich 25 weitere Blätter später zuschicken lassen kann, ist das Buch wunderbar erweiterbar. Ich kann immer mal wieder stöbern, was es für neue Rezepte gibt. Wenn die Community funktioniert, dann wird die Datenbank an spannenden und ausgefallenen Rezepten immer weiter wachsen.

Aber das ist die große Kunst bei langfristig konzipierten Crowdsourcing-Projekten: erst einmal muss ich es schaffen, dass die Community aktiv wird. Hier muss auch Foodbox.de noch aktiver werden. Die Verbreitung im Social Web zum Beispiel ist noch deutlich zu gering. Ein Widget für das eigene Blog mit meinen eigenen Rezepten wär eine super Sache für jeden Blogger.

Ich liebe dieses Konzept. Es ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, bis weitere Themengebiete erschlossen werden. Alles was mit do it yourself zu tun hat, bietet sich perfekt an. Bastler, Gartenfreaks, Hobbyschrauber, Autonarren... Die Liste ist schier unendlich. Und alle sehnen sich doch nach Austausch in ihrem Interessensgebiet, mit Gleichgesinnten. Es lebe die Nische!

Über ein solches Print on demand Tool wie Foodbox.de bekommen die Nutzer ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie ihr Wissen sogar für andere wie auch für sich selbst anfassbar machen können! Und die Community kann dadurch wachsen und vom Beitrag jedes Einzelnen profitieren. Ein solches Startup hat sogar ein eingearbeitetes Businessmodell! Großartig.

Ich wünsche viel Erfolg und bin gespannt, wo die Reise hingeht und was es an weiteren Crowdsourcing-Projekten mit Print on demand Baustein in der Zukunft geben wird. Noch schlafen die großen Verlage.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (3) Trackbacks (1)
  1. Produkte mit und durch eine Community entwickeln lassen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Kostenminimierung für Anbieter wie Konsumenten und Kauf eines Produkts, das individuell auf des Käufers Bedürfnisse angepasst ist. So soll es sein!

  2. Habs jetzt dreimal gelesen.

    Irgendwie kann ich nicht glauben, dass sowas als Business funktioniert. Mein eigenes Rezeptbuch, das ich mir zusammen gestellt habe für 25 Euro drucken lassen?

    Kann ich mir doch billiger und praktischer am Computerdrucker zu Hause ausdrucken?

    Hab ich was übersehen?

  3. Hi Otmar,
    Danke für die Kritik!
    1. Ob dieses Projekt letztendlich wirtschaftlich erfolgreich wird, muss sich erst noch zeigen.
    Aber: ich kann es mir sehr gut vorstellen. Wenn die Jungs die offenen Baustellen (Marketing, Performance, Communitybuilding) in den Griff bekommen.
    2. Ja – sowas kann man sich auch am heimischen PC ausdrucken. So wie man sich auch die eigenen Urlaubsbilder ausdrucken kann. Und trotzdem scheinen die Fotoalben-Webprojekte gut zu funktionieren.
    Weil: es ist bequem, wird in 99% der Fälle schicker und lässt sich somit besser verschicken. Man hat Zugriff auf die Rezepte anderer! Man muss sich nicht um den Kauf des Binders kümmern.
    3. Nur die wenigsten Normal-Nutzer können sowas auch am heimischen PC in professioneller Qualität erledigen. Da kommt meist gar nix oder Murks raus.
    Fazit: Ich denke, Foodbox.de macht absolut Sinn. Nicht für jeden. Und für dich anscheinend nicht. Und das ist auch okay. Aber viele andere werden dankbar sein für solche Webprojekte. Auch, weil sie dann mit ihrem Hobby, ihrer Leidenschaft nicht mehr allein sind, sondern Gleichgesinnte treffen!