SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

24Feb/10Off

Social Web versus Reallife und die Sache mit den Freunden

Autor des Artikels: Matias Roskos

Ich habe aktuell 324 Freunde auf Facebook, 464 Kontakte auf Xing, mir folgen 554 Leute auf Twitter. Und auch auf etlichen anderen Portalen bin ich vernetzt. Doch sind das nun alles wirklich Freunde? Unter Gesichtspunkten, die im realen Leben, in der Offline-Welt, gelten, ganz sicher nicht. Es gibt eine klare Differenz zwischen dem Internet und dem Leben auf der Straße, im Büro, im Urlaub.

Online-Freunde sind nicht gleich echte Freunde!

Dies muss man wissen, wenn man den Schritt hinein wagt ins Web 2.0. Viele Menschen sind verwirrt, wenn sie plötzlich Personen als Freund auf Facebook oder anderswo akzeptieren sollen, mit denen sie auf einer Konferenz nur mal so geplaudert haben oder mit dem sie vor drei Jahren beim Urlaub an einem Frühstückstisch saßen. "Das ist doch nicht mein Freund! Aber ablehnen ist wohl auch unhöflich. Dann ist der bestimmt beleidigt."

Lieber Leser!
1. Jemanden ablehnen, den sie nicht teilhaben wollen an ihren Internetaktivitäten auf Facebook & Co., ist vollkommen in Ordnung! Auch ein Social Media Vielnutzer wie ich lehne hin und wieder jemanden ab.
2. Sie brechen sich keinen Zacken aus der Krone, andere an ihren Aktivitäten teilhaben zu lassen. Das hängt natürlich auch davon ab, was sie auf ihrem Account so anstellen. Aber wirklich geheim halten können sie im Web sowieso nichts. Dessen sollten sie sich immer bewusst sein. Darum
3. Achten sie darauf, was sie preisgeben auf Facebook, Flickr, MySpace, StudiVZ und den anderen Web-Plattformen. Irgendwann kann es eine Öffentlichkeit erreichen, die sie nie wollten. Gehen sie sensibel mit dem Internet um. Bitte!

Lose Bindungen sind wertvoll

Freunde im Internet sind also nicht gleich Freunde in der Offline-Welt. Es sind eher schwächere Bindungen, die wir auf Facebook, Twitter und den anderen Web 2.0 Diensten vorfinden. Daraus können sich übrigens auch echte Freundschaften entwickeln. Doch gerade diese eher losen Kontakte sind durchaus wertvoll. Denn sie sind vielfältiger als die wenigen echten Freundschaften. Vielfältiger in regionaler Hinsicht, dazu generationenübergreifend und thematisch oft stark gefächert. Man erhält so Informationen und Input aus den verschiedensten Richtungen. Das macht Spaß, kann bei der Jobsuche helfen, kann hilfreich sein eine neue Wohnung zu finden oder die Vorbereitung des nächsten Urlaubs erleichtern. Klar: es kann auch anstrengend werden. Dann sollte man vielleicht die Einstellungen seines Profils überprüfen und sich ein Stück weit zurück nehmen. Und auch mal einen Online-Freund, der einen nervt, in die virtuelle Wüste schicken.

Die losen Bindungen sind extrem spannend für Brands

Diese schwächeren Beziehungen in Social Networks sind gerade auch für Unternehmen und Marken extrem spannend. Denn durch sie wird Viralität erst ermöglicht. Mit Hilfe des Internets werden regionale Hürden locker überwunden, berufliche Territorien miteinander vernetzt und altersspezifische Schranke entfernt. Das Netz der heutigen Zeit, das Social Web, verändert so unendlich viel in der Kommunikation der Menschen miteinander. Nutella-Fans finden zueinander, von überall her auf der Welt, unterschiedlichsten Alters, mit komplett differenziertem kulturellem Background. IKEA-Fans gibt es in Brasilien, genauso wie in Deutschland oder Kanada. Coca Cola lieben Franzosen ebenso wie Südafrikaner. Und jeder Fan, egal in welcher Form er sich outet - in einem Blogbeitrag, einer 140-Zeichen-Nachricht auf Twitter, seiner Zugehörigkeit zu einer Facebook-Fanseite - ist für die Marke ein einzigartiger Glücksfall. Denn er ist (vermutlich) nicht nur zahlender Kunde, sondern zugleich auch Multiplikator. Seine Freunde im Web 2.0, seine eher losen Bindungen, werden von seinen Vorlieben für Nutella, Pepsi, Coca Cola, Audi, BMW, McFit oder IKEA erfahren. Oft eher nebenbei. Meist unaufdringlich. Und vor allem: authentisch. Menschen gehen behutsam um mit dem was sie anderen empfehlen. Das macht ihre Outings um so wertvoller.

Viralität verbreitet sich durch die Internet-Freundschaften

Und hier setzt Viralität ein. Person A findet Milka Schokolade lecker. Person B und Person C und Person D und Person E erfahren davon via Facebook oder Twitter oder Flickr oder Youtube oder oder. Kann es bessere Werbung geben? Ich sage: nein.

Das ist das Web 2.0. Machen sie was draus. Denn man kann dies alles nutzen. Zuhören, lernen, gemeinsam mit seinen Fans Neues entwickeln. (Hier kommt Crowdsourcing, mein Spezialgebiet mit ins Spiel.) Man kann ein Stück weit Einfluss nehmen auf das Bild, dass sich von der eigenen Marke draußen im WorldWideWeb gemacht wird. Einfluss durch Offenheit, Ehrlichkeit, Herz und Mut. Bleiben sie also ehrlich, vermeiden sie aufdringliche Push-Aktionen, nehmen sie die Menschen ernst. Suchen sie den Kontakt auf einem Level. Suchen sie den Dialog. Beweisen sie dabei Fingerspitzengefühl. Gehen sie sensibel mit ihren Fans um. Seien sie bereit täglich dazu zu lernen. Ihre Fans und ihre vermutlich bald auch neuen Kunden werden es honorieren.

Social Media ist das Marketing der Zukunft. Und die Freundschaften, diese losen Bindungen, sind die Basis dafür.

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Kommentare (1) Trackbacks (3)
  1. Communities/Soziale Netzwerke sind in der Tat extrem hilfreich seinen Horizont zu erweitern. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Wobei es natürlich für Firmen besonders interessant sein kann, die Möglichkeiten von sozial media intensiv zu nutzen. Habe hierzu eine, wie ich finde, recht passende Präsentation herausgesucht: http://somesso.com/blog/2009/06/video-jason-goldberg-on-how-communities-can-drive-rd/