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12Jan/10Off

Warum die Leute nichts für Qype und andere Portale schreiben

Autor des Artikels: Matias Roskos

Zwischen den Feiertagen sitzt man oft mit Freunden und Familiemitgliedern zusammen und redet über alles mögliche. Oft habe ich mich dann auch in Restaurants und Cafés getroffen. Und selbstverständlich redet man dabei heutzutage auch übers Web 2.0, Facebook, Twitter, Bloggen und so weiter.

Wenn man in einem Restaurant sitzt, kommt bei mir automatisch auch der Gedanke: „Schreibe ich dazu jetzt was auf Qype?“ Meine Antwort ist meist „Nein.“. Bei diesen Gesprächen zwischen den Feiertagen habe ich dann auch meine Freunde gefragt, ob sie was auf Qype schreiben. Erstaunlich fand ich, wie viele schon von Qype gehört hatten. Einigen musste ich erklären worum es geht. Bei diesen Gesprächen tauchte dann immer wieder eine zentrale und entscheidende Frage auf: „Warum sollte ich auf Qype was schreiben?

Wo ist der Mehrwert?

So ungefähr geht es mir selbst auch. Warum? Was habe ich davon? Wo ist der Mehrwert? Qype steht hier nur exemplarisch für viele andere Bewertungsportale. Es gibt so viele Bewertungsportale da draußen, die alle unter dem gleichen Problem leiden. Sorry, Qype, dass ich schon wieder euch heraus picke. Ich hoffe, ihr seht das positiv. Denn über euch wird geredet. Das ist ein an sich gutes Zeichen.

Es gibt sie – diese Mehrwerte auf Qype. Es gibt gute Gründe, warum man was auf Qype schreiben sollte. Dessen bin ich mir bewusst. Ich kann meine Tipps zu guten gastronomischen Einrichtungen easy weiter teilen auf Facebook und Twitter. Ich kann so meine favorisierten Restaurants sammeln und mit Freunden teilen. Ich kann auch was Gutes tun, in dem ich Restaurants gut bewerte in denen ich mich wohlgefühlt habe. Und genau das ist auch der Hauptgrund, warum ich immer mal wieder was schreibe oder ein Bild hochlade. Aber ich gebe es zu, ich tue dies eher selten.

Die Leute machen zu wenig mit bei zahlreichen durchaus spannenden Web-Startups. Es fehlt die Motivation der Menschen. Man kann nicht omnipräsent sein im Netz. Es ist schier unmöglich aktiv zu agieren auf seinem bevorzugten Social Network (bei mir ist das Facebook), möglicherweise seinem Bilder-Account bei Flickr, seinem eigenen Blog und vielleicht noch in ein oder zwei Foren für Spezial-Themen. Dazu gibt es auch noch Email. Und dann ist da ja auch noch das echte Leben mit Job, Familie, Haushalt und allem was dazu gehört.

Der Wikipedia-Vergleich

Aber auf Wikipedia schreiben ja auch Tausende von Menschen, jeden Tag. Dann muss das bei uns doch auch funktionieren.“ Diese Sätze höre ich immer wieder. Und sicherlich gehört Qype zu den Portalen, die einigermaßen funktionieren, was die Community angeht. Aber Qype ist nicht Wikipedia. Das bedeutet ganz konkret: Wikipedia ist ein nichtkommerzielles Projekt, bei dem die Leute mitmachen um an einer gigantischen, weltweiten Wissenssammlung mitzuarbeiten. Aus Spaß. Und für "Ruhm und Ehre". Es geht auch ein Stück um das Erarbeiten eines Expertenstatus dort.

Qype dagegen ist, wie fast alle Portale im Web, ein kommerzielles Projekt. Das macht durchaus einen gewaltigen Unterschied für die Nutzer. Es geht dabei ums Image eines Portals. Bei einem Open Source Projekt macht man viel eher mit wie bei einem Webprojekt hinter dem ein Startup steckt.

Der kommerzielle Background ist aber sicherlich kein Killerkriterium. Wenn es gelingt ein spannendes Portal an den Start zu bringen, dass den Leuten echte Mehrwerte bietet, steht einem Erfolg an sich nichts im Weg. Aber – die alles entscheidende Frage muss von jedem Portalbetreiber beantwortet werden:

Was hat der Nutzer von seiner aktiven Teilnahme?

Diese Frage wird ganz offensichtlich selten gestellt und meist unzureichend beantwortet. Es müssen echte Mehrwerte geschaffen werden. Dann und nur dann wird man langfristig eine starke und vor allem spannende Community aufbauen. Und damit letztendlich erfolgreich sein.

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Kommentare (10) Trackbacks (0)
  1. Also da könnte ich ebenfalls fragen wo der Mehrwert bei Facebook oder Twitter ist. Das ist nicht der einzige Grund warum Social Media genutzt wird. Qype hat das „Problem“, dass es aus Deutschland kommt und somit kein bestehender Hype zu uns herüber wandert. XING geht es da nicht anders, warum sonst ist LinkedIn erfolgreicher? Weil es besser ist?

    Die Deutschen (und Österreicher …) brauchen einfach für alles einen Grund warum Sie etwas tun sollten. Bei Facebook ist das was anderes, das ist in, jeder redet drüber usw. Wer keinen Mehrwert in Qype sieht braucht es ja nicht nutzen.

    Kommerziell oder nicht kommerziell, glauben die Leute ernsthaft, dass die Leute hinter Wikipedia kein Geld verdienen? Facebook und Twitter wurde wohl auch kaum mit dem Hintergedanken gegründet damit Geld zu verdienen.

    Der Wahre Grund warum jemand nicht bei Social Media Plattformen mitmacht ist Faulheit oder fehlendes Verständnis. Ich würde auch wetten, dass bei Qype und Wikipedia das Verhältnis der aktiven Nutzer sehr ähnlich ist. 1x von zig hundert Millionen ist eben mehr wie nur von ein paar hunderttausend.

  2. @ Frank Hübner: Wieso ist LinkedIn erfolgreicher? Weil es in den USA mit 3x mehr Einwohnern gestartet hat und zu Anfang in englischer Sprache zur Verfügung stand. Somit haben sie einfach einen größeren Markt angegriffen. Nominal sind sie also erfolgreicher, aber sonst eigentlich nicht! Man müsste den ROI betrachten.

    Das Problem bei Qype und co, auch bei Facebook ist, dass die Hürden zu interagieren einfach zu groß sind. Klar, man muss nur die Kiste anschmeisen, Firefox an und sich einloggen. Aber genau das sind drei Schritte zu viel. Vor allen die Schritte zur Kiste! Denn selbst jemand der ein Kommentar bei Qype veröffentlichen wollte, könnte es 30 min später zu Hause schon wieder vergessen haben, bzw. die Aussage ist vielleicht leicht verfälscht, weil er sich zwischendurch noch mit seiner Frau gestritten hat. Wenn Smartphones und schnelles Einloggen zukünftig der Masse zur Verfügung steht, dann wird es auch mit Qype und co funktionieren. Bis dahin wird sich aber auch hier die Spreu vom Weizen trennen und die besseren Portale nach Adam Smith Art gewinnen. Es muss keine extrinsische Motivation bestehen, keine Entlohnung oder ähnliches. Die Leute die ihre Meinung abgeben wollen, die werden das auch so tun. So wie hier im Blog. Es gibt die 90 – 9 – 1 Theorie… und mit den 9 müssen Qype und co arbeiten. Ihnen das Bett schön vorwärmen und einen netten Film einlegen. Diese Leute müssen sich auf den Portalen primär wohlfühlen, erst danach kommen die 90 Konsumenten.

  3. Meiner Meinung nach ist der Belohnungseffekt einfach nicht groß genug. Die Vergabe von kleinen Auszeichnungen wie z.B. bei foursquare könnte schon einen höheren Anreiz schaffen, etwas zu schreiben.

  4. @Frank Hübner
    Wo der Mehrwert bei Facebook und Twitter ist? DIE Liste wäre sehr lang… Ich sag nur: Livestream, mit Freunden vernetzen, Bildersammlung, Freunden auf Bildern markieren, Fanpages einrichten usw.
    Es ist auch gefährlich ein Social Network wie Facebook, einen Livestreamingdienst wie Twitter und ein Bewertungsportal wie Facebook direkt miteinander zu vergleichen. Qype ist kein Facebook und will es auch nicht sein.
    Die Mehrwerte müssen also auf ganz anderen Ebenen liegen.
    Aber ich gebe insofern recht, als das Projekte ab einer gewissen Größe allein durch ihre Größe eine gewaltige Anziehungskraft ausstrahlen. Das bedeutet aber nicht, dass sie langfristig Erfolg haben werden. Wenn ich mir da so StudiVZ anschaue… Größe allein reicht nicht. Man muss sich ständig hinterfragen: Was hat der Nutzer von seiner aktiven Teilnahme?

  5. @Julian
    Ich stimme zu, was die Hürden anbelangt. Die Einstiegshürden müssen so gering wie möglich sein. Usability ist hier extrem wichtig. Und daran arbeitet man bei Google oder Facebook auch permanent.
    Aber das allein reicht nicht. Man muss die Menschen hinterfragen, die auf einem Portal aktiv sein sollen.
    Im Kern muss immer der Mensch stehen und nicht die Technik!

  6. Auf den Punkt getroffen: Es geht immer um den Mehrwert. Besonders frage ich mich des Öfteren, warum Menschen an einem sog. Web 2.0 Angebot teilhaben sollten, welches selbigen eben genannten Mehrwert nicht bietet? Das ist doch die große Stärke der Social-Media (Revolution), um mal ein Schlagwort zu benutzen, das zwar gängig ist, aber in der Tragweite eher selten verstanden wird. Ich glaube allerdings auch, das dies umittelbar mit der konservativen Medienkonditionierung vergangener Dekaden zusammen hängt. Oder anders formuliert: Viele Unternehmen glauben tatsächlich noch, das eine Investition in einen TV-Spot zuträglicher ist, als die Mittel für eine gelungene Web-Maßnahme freizugeben. Aber ich schweife wieder einmal ab. Durch Qype habe ich immerhin die Zubereitungsstätte des besten Burgers Berlins gefunden.
    Noch eine Anmerkung: Ich habe mich mit Qype noch nicht eingehend beschäftigt, aber auf den ersten Blick mangelt es einfach an Schnittstellen, mal ganz abgesehen davon, dass ich weder das Design, noch die Seitenstruktur für ansprechend bzw. gelungen halte. Außerdem finde ich es befremdlich, dass hier oftmals Nationalbefindlichkeiten und Allgemeinplatzthesen zur conditio humana als Erklärungsmodelle herhalten sollen. Ich glaube, da wird einiges vermischt, was 1. einer Differenzierung bedürfte und 2. einer sauberen Argumentation. Ich gebe Matias im Kern allerdings recht: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, da sich dieser der Technik bedient (im gelungenen Fall), nicht umgekehrt. Kommt auch einer medienphilosophischen Auseinandersetzung sehr nahe, ist aber fundamental für die Partizipationsstruktur des sog. Web 2.0.

  7. Sehr interessanter Beitrag. Gibt es Erkenntnisse, welche „Mehrwerte“ zur stärksten Teilnahme der Community Anreiz geben?

  8. @Georg
    ja, die gibt. Zumindest bei uns inhouse. Und auch bei einigen anderen Agenturen, die sich intensiv damit auseinandersetzen.
    Ohne hier jetzt zu sehr ins Detail gehen zu können – man muss sich zuerst einmal mit der Zielgruppe intensiv beschäftigen und schauen, wer die potentiellen Leaduser sind. Daraus abgeleitet dann sind entsprechende Strategien sinnvoll und notwendig.

  9. Also ich erkläre das eben aus meiner Sicht. Ich benutze Qype und lese mir auch meistens die Kommentare durch. Doch ich muss gestehen, dass ich auch einer der kaum bzw. so gut wie gar nicht kommentiert.

    Warum? Um ein Kommentar abzugeben ist mir das einfach zu lästig. Einloggen, den Eintrag raus suchen, dann den Gedankenfluss niederschreiben. Der Weg bis zum kommentieren ist einfach zu lang und da man meistens vorher etwas raus sucht wo man hingeht sieht es schlecht für Qype aus. Vielleicht könnte man es vereinfachen – mit ein paar Klicks?

    Man stellt einfach ein paar grundlegende Fragen, die der User/Besucher anklicken muss:

    Ich mache hier mal ein plattes Beispiel:
    Hat das Essen geschmeckt? JA / NEIN / GEHT SO
    Wie war der Service? Gut und schnell / Sehr schlecht

    Zusätzlich kann man dann noch kommentieren, wenn man unbedingt was loswerden will. Denn mit dem Bewertungssternen (1-5) kann man schlecht was anfangen.

  10. vielen Dank für den Beitrag. Ich mag Qype sehr gerne und empfehle es auch oft. Und dass die Bewertungen bei Googlemaps auftauchen ist ja auch schon mal was.

    andere Frage: warum sind denn die Leute bei Amazon so fleissig am bewerten? Da gibt es doch auch nichts dafür oder irre ich mich?


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