SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

19Sep/09Off

Worum gehts bei diesem “Und alle so: Yeaahh”?

Autor des Artikels: Matias Roskos

Ich wurde seit gestern zig mal gefragt: "Sag mal, Matias. Worum gehts denn bei diesem Yeahh-Dings?". Ist doch ganz einfach. Web 2.0 pur.

Schritt 1: Man nehme ein Bild und lade es bei Flickr hoch.

Und alle so: Yeaahh

Schritt 2: Ein namhafter Blogger wird drauf aufmerksam, lacht sich scheckig und lädt es in seinem Blog hoch (Danke, Mr. Nerdcore für den Fun!), damit auch andere was zu lachen haben.

Ein anderer namhafter Blogger (Johnny Häusler) greift das auf, weil auch er sich kaputt lacht. Bis hierhin ist es noch "unspektakulär". Aber die Welle ist bereits am Rollen, ohne das jemand dies ahnt oder geplant hätte. Viralität setzt ein.

Schritt 3: Johnny Häusler greift das Thema erneut auf und so langsam bekommt das Ganze eine Eigendynamik.

Abends dachte ich dann erstmal darüber nach, wie man diesen Witz am besten erklärt.
...
Und dann dachte ich: Alles Quark. Um diesen Witz zu erklären, braucht es mehr als eine Person! Es braucht die kollektiven Kräfte vieler, die kollaborative Erläuterung, die Witzerklärung 2.0, das gemeinsame Sezieren der Grandiosität, es braucht:

Die Kommentare.

Und so bitte ich alle Leserinnen und Leser: Lasst uns mit gemeinsamen Kräften erklären, was genau so witzig ist an obigem Bild!

Er regt also die Diskussion an. Feinstes Web 2.0! Ein Dialog setzt ein.

Schritt 4: In den Kommentaren sagt ein Edgar:

Gerne wäre ich morgen in Hamburg!
Wer geht hin? Ein “Yeaahh”-Flashmob?

Buuuuummm. Die Idee des Flashmobs für bei Angela Merkel entsteht.

Schritt 5: Johnny Häusler sagt: "Lasst uns doch einen Song dazu machen." Und so entsteht neben einem T-Shirt nun auch ein Song, den man sich auf Spreeblick downloaden kann.

Schritt 6: Das ganze Thema macht gewaltig die Runde auf Twitter.

Schritt 7: Der Flashmob! Es kommt tatsächlich zu einem Flashmob in Hamburg auf der Wahlkampfveranstaltung der CDU, auf der Angela Merkel auftritt. Hunderte Menschen sind dort und rufen nach jedem Satz von Frau Merkel laut und deutlich "Yeaahh!". (siehe Video) Ob Frau Merkel vorgewarnt war? Findet bei den Parteien ein Social Media Monitoring statt? Vermutlich nicht.
(Bei einem Flashmob treffen sich Menschen für einen kurzen Zeitraum an einem im Netz vorher koordinierten Platz und machen irgendwas Verrücktes.)

[Nachtrag vom vom 24. September 2009]
Schritt 8: Und weil gerade Wahlkampfzeit ist, schafft man es damit dann sogar in die Tagesthemen! Glückwunsch René (Nerdcore)!
Und alle so yeaahh!

Und nun die Frage: Und was soll das? Vor allem: Spaß! Es ist Fun. Die Leute, die mitmachen, haben was zu lachen. Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob es einen politischen Hintergrund hat. Ein Stück weit sicherlich. Und wäre der Wahlkampf nicht so albern und flach, hätten solche Aktionen vielleicht auch gar keine Chance. Es ist eine Reaktion auf das, was die Parteien bieten: nichts.

Man kann wunderbar sehen, wie das moderne Internet, das sogenannte Web 2.0 funktioniert und welche Kraft es entfalten kann. Es braucht eine witzige Idee, ein paar sogenannte Leaduser und ein Thema das gerade perfekt passt. Und dann entsteht eine solche Welle. Ungeplant, ungewollt. Die Instrumente des Web 2.0 werden dabei perfekt genutzt: Bild hochladen und Flickr nutzen, Blogs, Kommentare in den Blogs und Dialog, Twitter zum weiter transportieren der Nachricht und zur Koordination eines Flashmobs, gemeinsam Song produzieren, Aktion filmen und auf Youtube hochladen. Gibt es schon eine Facebook-Fanseite? Kommt vermutlich noch. Mit schönen Grüßen an alle Parteien aus der Welt des Web 2.0, die von diesen noch immer nicht wirklich verstanden wird...

Danke fürs Teilen!
Facebook Twitter Digg Linkedin Delicious Reddit Email

hat dir dieser Artikel gefallen?

Dann abonniere doch diesen Blog per RSS Feed!

Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (7) Trackbacks (3)
  1. Fax das mal an SpOn. Dann kapieren die es auch.

  2. Hi Cem,
    da gibts so einige, die das auch in zwei Jahren noch nicht kapiert haben werden.
    Traurig ist’s.

  3. Sehr gute Zusammenfassung, danke! Als ich das gesehen habe dachte ich mir, ja, man kann online so viel bewegen, dass die Yeaahh!-Rufe auch offline zu hören sind.

  4. vielleicht ein ganz kleines bisschen »off-topic« mein kommentar, weil ich nur den letzten satz des eintrages kommentieren möchte.

    ich frage mich: was wollen die parteien mit web2.0? nur weil ein hubertus heil twittert, wird dieser politiker für mich nicht interessanter. da kann er sich noch so sehr die seele aus dem leib web-zwei-nullen. ganz old-school gilt für mich nach wie vor: »product ist king«. obama rockte im web, weils eben der obama war. und das web 2.0 passt auf sein profil, weil er an den menschen interessiert ist (ein idealist eben) und präsident werden wollte. unsere volksparteien-politiker wollen doch überhaupt kein web-zwo-null und sich möglicherweise den lässtigen fragen/anregungen/hinweisen/beschwerden aussetzten. aber um im flow zu bleiben darfs ja mal ein videocast sein…

    klar, die cdu hätte mit ihren jungen-union-anhängern einen flashmob bei der SED, ähm den linken, einen solchen organisieren können. hätte bestimmt einige erst-wähler imponiert. aber wie Cem bereits vor mir kommentiert hat, da fehlt es an substanz.
    vielleicht ist das ja auch gut so! denn so bleibt der flashmob, bzw. die web 2.0-tools, als werkzeug für die »rache des souverän« für das volk erhalten.
    #yeeeah

  5. @Tobias: Ich stimme dir da durchaus zu. Web 2.0 funktioniert nur, wenn es authentisch ist. Wenn man es ernst meint.
    Gerade darum sind die Versuche vieler Politiker ja so traurig. Weil man sofort spürt, dass sie es nur als Tool sehen und komplett unglaubwürdig dabei sind.
    Aber ich halte zum Beispiel Monitoring für super wichtig für jede Marke im Web. und das ist nunmal auch jede Partei und jeder (namhafte) Politiker.
    Und ich denke, mal sollte als Politiker der Zukunft das Web wenigstens VERSTEHEN! Begreifen, was dort passiert. Aber selbst das ist ja meist noch nicht einmal der Fall.

  6. richtig @Matias – aber womit sollen die herrschaften anfangen? die verstehen/wollen/können ja noch nicht mal ihre eigenen, die elementare aufgaben erfüllen.
    und dann kommen wir junge leute auch noch mit solchen dingen wie monitoring, web 2.0 und internet ;)))

    aber wie heisst es so schön: »die hoffnung stirbt zuletzt!« – und jetzt faxen wir los!

  7. Wieso ausgerechnet Angela Merkel? Soll es auch FLashmobs bei Guido oder Frank-Walter geben? Wäre doch lustig.