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4Sep/092

Ehssan Dariani hat recht – StudiVZ ist schlafmützig

Wer mich noch aus dem Jahr 2006 kennt, der wird wissen wie sehr ich auf Ehssan Dariani, den Gründer von StudiVZ, eingehackt habe. Weil sein Auftreten und Agieren oft peinlich und eines Geschäftsführers eines mittelständischen Unternehmens - und das war StudiVZ seinerzeit dann bereits - unwürdig war. Weil sein "Krawall-Marketing" aus meiner Sicht der Web 2.0 Szene hierzulande nicht gut tat. Aber, auch das möchte ich klar und deutlich sagen: Ich habe größten Respekt vor der Leistung eine Plattform wie StudiVZ aufgebaut und zu einem beachtlichen Erfolg geführt zu haben! Auch wenn man "nur" Facebook kopierte. Gerade in Sachen Communityaufbau und Marketing hat das Team um Ehssan Dariani verdammt viel richtig gemacht. Sie hatten die Zeichen der Zeit erkannt und virale Effekte perfekt genutzt.

Seit langem liegt Ehssan Dariani nach dem Verkauf des Portals an Holtzbrinck und seinem folgenden Rauswurf im Clinch mit dem Verlag. Es geht dabei um Gewinne und Verluste und die Frage, ob ihm nach den ersten 10 Millionen Euro noch mehr Geld zusteht oder ob Holtzbrinck absichtlich Verluste erzielt. Wenn ich auf Meedia Folgendes lese, dann bleibt mir nix anderes als Ehssan Dariani zuzustimmen.

Die "Zeitungsverkäufer aus Stuttgart" hätten den innovativen Geist bei Studi VZ abgetötet und "den Laden" zu einer Verwaltungseinheit gemacht.

Genau dieser Eindruck bestätigt sich Monat für Monat. Wie ein beinkranker Igel hechelt StudiVZ den Entwicklungen der Zeit hinterher. Wenn man es mit Facebook vergleicht, dann muss man unweigerlich an ein Rennen zwischen einem Dacia und einem BMW denken. Nein: StudiVZ ist nicht der BMW!

Andere Portale sind deutlich innovativer und mutiger. StudiVZ verschläft permanent neueste Entwicklungen. Und verliert dadurch immer mehr Boden an Facebook. Ob man das in der Zentrale in Berlin nun wahrhaben möchte oder nicht. Dass es zum Beispiel durchaus Ideen für neue Erlösmodelle gibt, hatte ich ja schon mehrmals angesprochen (siehe Artikel "Die künftigen Erlösmodelle für Social Networks – So wird die Zukunft aussehen" und "Über die Bedeutung von Virtual Gifts und virtueller Währungen für Social Networks"). Und dass man schnell und innovativ sein Portal weiterentwickeln kann, hat gerade Podcast.de bewiesen. Es ist durchaus möglich die Zeichen der Zeit zu erkennen und schnell zu reagieren.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass man bei StudiVZ gar keinen Wert darauf legt innovativ zu sein. Ob man das nun absichtlich tut, wie Ehssan Dariani dem Unternehmen unterstellt, oder einfach nur aus einer Beamtenmentalität heraus, sei dahingestellt. Aber so wird man ein einst starkes Portal nicht in die Zukunft führen können. Womöglich will man den Koloss auch einfach nur noch verkaufen. Aber wer zahlt heute noch dafür? Schade - der dynamische Gründergeist, der mir selbst auch von ehemaligen StudiVZ-Leuten bestätigt wurde, ist schon lange futsch. Man hat viel verschenkt. Die Amerikaner haben den Dreh irgendwie besser raus. Andere Web 2.0 Projekte hierzulande sollten es besser machen als StudiVZ.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Der Vergleich der Automarken hinkt gewaltig. Dacia (als Teil von Renault) hat erkannt/asl Ziel, das auch die einfache Technik von gestern zum 1/3 des Normalpreis eine definitive Marktnische beliefert!

    Und warum sollte StudiVZ allem hinterher rennen. WENN die Besitzer sich an IBM als Platzhirn orientieren, können sie alle Entwicklungen abwarten und irgendwann reagieren. Das StudiVZ nicht IBM (im web2.0 markt sind) und IBM auch kurz vor dem Ende war, kann man ja auch verschweigen.

  2. Okay. Sehe ich ein. Dacia reduziert ganz bewusst um ein anderes Preissegment zu bedienen. In dem Punkt gebe ich mich gern geschlagen.
    Aber StudiVZ mit IBM zu vergleichen? Nee nee nee. Unakzeptabel.


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