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8Sep/093

Das Internet-Manifest ist bei weitem nicht ausreichend

Gestern wurde das Internet-Manifest ins Netz gestellt. Erstunterzeichner sind:

Prinzipiell stimme ich allen 17 Thesen inbrünstig zu. Und hier könnte ich einen dicken PUNKT setzen. Kann ich aber nicht. DENN: Warum bezieht sich dieses Manifest ganz ausdrücklich nur auf den Bereich "Journalismus"?

1. Das Internet ist anders.

Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln - das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

Es ist gut und richtig, dass versucht wird aufzuzeigen, dass sich die Medienwelt und auch unsere sozialen Strukturen Dank und mit dem Internet komplett umwälzen. Und niemand kann definitiv sagen, wohin die Reise geht. Der Vergleich zu den gesellschaftlichen Umwälzungen, die der Buchdruck seinerzeit mit sich brachte, ist vollkommen richtig und nicht zu weit hergeholt.

Aber: es geht nicht allein um den Journalismus, der wichtig ist. Es gibt etliche andere Bereiche, die davon genauso massiv betroffen sind. Wo es ganz genauso starre Strukturen gibt, die aufgebrochen werden, ja aufgebrochen werden müssen. Und wo es einen Haufen Querköpfe gibt, die versuchen ihr Revier zu verteidigen und die noch nicht begriffen haben, was Internet im Jahr 2009 tatsächlich bedeutet:

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

Medienbotschaften werden nicht mehr auf Einbahnstraßen wie Zeitungen, TV oder Radio zu den Menschen dort draußen geschickt. Die Menschen haben eine Stimme bekommen. Viele wissen diese neue Stimme noch nicht zu nutzen. Das ist richtig. Es ist manchmal wie mit einem Baby, dass scheinbar sinnloses Zeugs vor sich hinbrabbelt. Aber es lernt zu sprechen. Und bald wird es die Welt entdecken und viele Dinge zu berichten haben. Genau diese Sprache gibt das Internet den Menschen. Sie können sich äußern. Auch wenn das vielen anderen nicht passen mag. Kommunikation ist das Zauberwort unserer Zeit. Und das ist gut so. Kommunikation statt Konfrontation. Kommunikation auf Augenhöhe.

Also:

Das Internet-Manifest ist richtig. Aber es muss viele andere Bereiche neben dem Journalismus mit einbinden. Ich denke da unter anderem an die Werbebranche, die Marketingindustrie, die Musikbranche, das Verlagswesen.

Mehr dazu auch bei Markus Beckedahl auf Netzpolitik.org.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. Auch meiner Meinung nach greift das Manifest zu kurz. Mit dem Wort “Manifest” verbinde ich eine gewisse Allgemeingültigkeit, die sich nicht nur auf einen Teilbereich beschränkt. In Ergänzung zum Artikel denke ich auch an die Verschiebungen im produzierenden Gewerbe, denn auch den passiven Konsumenten von Wirtschaftsgütern geht es an den Kragen, Stichwort “Prosument”.

    Man sollte sich Gedanken machen, ob es nicht besser Journalismus-Manifest, statt Internet-Manifest heißen sollte, denn: “Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet” und die Gesellschaft besteht aus weit mehr als Journalismus.

  2. Lustig, hatte gar nicht gesehen, dass du auch schon darüber gebloggt hast. Naja, wenigstens haben wir nicht das gleiche geschrieben :) :). VG Daniel

  3. Musste auch schmunzeln, Daniel, als ich bei Twitter sah, dass ihr euch auch intensiv mit dem Manifest auseinandersetzt.
    Können wir ja Samstag in Kaprun ein Bierchen drauf trinken.


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