SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

2Sep/09Off

12 Dinge, die man beim Crowdsourcing unbedingt beachten sollte

Autor des Artikels: Matias Roskos

Es gibt für Crowdsourcing noch keine wirklich gut strukturierte und alles einschließende Definition. Crowdsourcing wird unterschiedlich interpretiert und wahrgenommen. Darum hier eine Liste mit 12 Punkten, die man aus meiner Sicht bei Crowdsourcing-Projekten beachten sollte, damit sie erfolgreich verlaufen. Ich arbeite seit fast vier Jahren nun schon in diesem Segment und habe unzählige Crowdsourcing-Aktionen betreut, konzipiert und viele andere ganz genau beobachtet. Etliche Crowdsourcing-Projekte beachten etliche dieser Punkte so gut wie gar nicht. Was strategisch ein großer Fehler ist. Gerade die aus dem Boden schießenden Billig-Crowdsourcing-Plattformen, die stark in Richtung Preisdumping gehen, können hier kaum punkten. Womit ich ihnen nicht ein gewisse Daseinsberechtigung absprechen möchte. Aber ernsthaft an Crowdsourcing interessierten Kunden rate ich dringend dazu, diese 12 Punkte zu beachten.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Diverse Beteiligungsmöglichkeiten für die Community

Das bedeutet, dass Communitymitglieder nicht allein durch kreative Ideen sich einbringen beim Crowdsourcing. Genauso wichtig sind Mitglieder, die Arbeiten, Vorschläge und Ideen bewerten (Voting) und die mittels Kommentaren Meinungen abgeben und somit als kritischer Regulator fungieren.
Erst durch diesen Komplex von Partizipationsmöglichkeiten wird eine größere Menge von Menschen, die sogenannte Crowd, angesprochen. Niemand wird ausgeschlossen. Der Marketingeffekt und die Qualität der Wertschöpfung ist deutlich höher

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Interessante Incentivierungsstrategien

Die Mitglieder einer Crowdsourcing-Community werden um so engagierter sein, wie sie durch spannende Incentivierungen motiviert werden sich einzubringen. Bei karitativen oder auf dem Prinzip des Open Source basierenden Projekten, hinter denen kein kommerzieller Anbieter steckt, mag das anders sein.
Aber sobald ein Unternehmen, egal wie groß, Crowdsourcing einsetzen möchte, ist es bereits in der Konzeptionierungsphase unerlässlich spannende Strategien zu entwickeln, wie man die Community entlohnen und damit motivieren kann.
Viele schrecken davor zurück Geld als Entlohnung einzusetzen. Meist ein Fehler. Warum sollen Teilnehmer nicht auch monetär vom Erfolg partizpieren? Tchibo ideas zum Beispiel prämiert jeden Monat die besten Ideen und schießt so knapp 5.000 € jeden Monat in die Community. Bei Innocentive ist es selbstverständlich, dass jeder Auftrag auch adäquat entlohnt wird. Die Summen reichen hier von 5.000 bis 500.000 $. Bei Sellaband sind diejenigen, die als "believer" in einen Musiker investieren dann anteilig am Verkauf der CD's beteiligt. Außerdem erhält man für jeden Anteil, den man für 10 $ erworben hat, eine CD dieses Künstlers zugesandt.
Aber auch andere Modelle sollten ergänzend eingesetzt werden. Hier gibt es diverse Möglichkeiten, die mit dem Streben nach einem besonderen Status in der Community, dem Sammeln virtueller Güter und dem Spaß am Wettkampf spielen.
Dass nicht ausreichende Incentivierungsstrategien auch zu Misserfolgen führen können, habe ich ganz gut am Beispiel von Qype herausgearbeitet: "Der Qype-Schock – Wenn Crowdsourcing nicht funktioniert".

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Als Marketing-Baustein

In einem eigenen Beitrag ("Crowdsourcing als Marketingbaustein am Beispiel der Mountain Dew Kampagne") habe ich mich dem Thema Marketing im Zusammenhang mit Crowdsourcing gewidmet. Viele, die über Crowdsourcing fabulieren, denken nicht an diesen Komplex. Er ist aber enorm spannend. Denn mit Crowdsourcing kann man auf einem sympathischen, weil aktiven und authentischen Weg hinein ins Web 2.0 - und damit zu seinen potentiellen Fans und Multiplikatoren - finden. Crowdsourcing kann zudem Mundpropaganda erzeugen, die im kommunikativen Web 2.0 immer wichtiger wird.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Faire Rahmenbedingungen

Wer meine anderen Crowdsourcing-Artikel kennt, wird sagen, ich wiederhole mich. Ja das stimmt. Aber es kann nicht oft genug und nicht eindringlich genug betont werden. Faire Rahmenbedingungen sind beim Crowdsourcing unerlässlich, will man mit diesem spannenden Baustein der virtuellen Wertschöpfungskette langfristig Erfolg haben. Dazu gehört eine rechtliche Absicherung, die allen Teilnehmern einen fairen rechtlichen Rahmen gewährleistet und zum Beispiel niemanden dazu nötigt umsonst, also ohne Entlohnung, erbrachte Leistungen abzutreten.
Fairness bedeutet für mich aber auch, dass der Kunde beziehungsweise Plattformbetreiber das Recht hat fair behandelt zu werden. Kommentare die nur den Zweck haben jemanden zu diskreditieren oder Arbeiten anderer schlecht zu machen gehen nicht konform mit dem Prinzip von Fairness.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Kommunikationsbaustein

Crowdsourcing ist ein Teil des Web 2.0. Und damit ist es elementarer Bestandteil der neuen Kommunikationsströme und Kanäle. Dies muss man nicht nur wissen. Man kann und sollte dies auch aktiv nutzen. Mit Crowdsourcing findet unter anderem auch Kommunikation statt. Über die eigene Marke, über das Unternehmen, über Strategien. Doch statt nur "über", sollte man auch "mit" dem Unternehmen reden können!
Crowdsourcing kann hier als Kommunikationsbaustein eingesetzt werden. Im Sinne von: "Kommunikation auf Augenhöhe." Statt der veralteten, rumpelnden Marketingeinbahnstraßen. Zuhören, Kritik zulassen und Annehmen, bereit sein Dinge zu ändern.

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Ein Rahmen gibt halt

Crowdsourcing sollte in einem klar definierten Rahmen stattfinden. Das meint nicht nur die rechtlichen Bedingungen, sondern auch die Aufgabenstellungen und Zielgebiete. Das hilft den Communitymitgliedern sich zu fokussieren und dem Projekt letztendlich auch verwertbare Ergebnisse hervor zu bringen.
Dabei sollte aber die kreative Freiheit der Teilnehmer nicht beschränkt werden. Ein nicht immer ganz einfacher Weg.

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Communitymanagement und der Faktor Zeit

"Mal schnell so eine Community hochziehen" - das funktioniiert in den seltensten Fällen. Einem guten Crowdsourcing-Projekt muss man Zeit zum Wachsen geben. Hilfreich ist es, wenn man auf eine bereits existierende Community setzen kann. Oft empfehle ich daher statt des Aufbaus einer neuen Plattform lieber den Kontakt zu bereits seit Jahren existierenden Foren, Communitys und Facebook-Gruppen zu suchen und hier gemeinsam mit den Betreibern Konzepte zu entwickeln. Das erhöht nicht nur den Grad der Authenzität, sondern garantiert auch ein schnelleres Vorankommen.
Damit ein Crowdsourcing-Projekt funktioniert, ist ein professionelles, gekonntes Communitymanagement unerlässlich. Es sollten Communitymanager zum Einsatz kommen, die wissen was sie tun und die Freude an diesem Job haben. Hierfür empfehle ich in den meisten Fällen die Zusammenarbeit mit einem professionellen Partner, der zumindest in der Einführungsphase den Kunden begleitet und neue Communitymanager anlernt.
Immer wieder wird auch der Einsatz von Manpower komplett unterschätzt. Oft reicht ein einziger Communitymanager bei weitem nichtg aus um ein ambitioniertes Web 2.0 Projekt zu betreuen. Der Faktor Personaleinsatz ist ungemein wichtig und muss von Anfang an großzügig mit hinein kalkuliert werden. Damit man später nicht untergeht in den vielfältigen Arbeitsgebieten, die dann stündlich auf ein solches Projekt einprasseln. Das Communitymanagement sollte eng verzahnt sein mit dem Support und dem Marketing.

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Leaduser involvieren

Schon im Vorfeld sollten die potentiellen Leaduser ausfindig gemacht und überlegt werden, wie man sie für das Projekt begeistern kann. Sie dienen als starke Multiplikatoren und können im Idealfall als Moderatoren und Admins Teilaufgaben des Communitymanagements mit übernehmen.
Während des Projektes werden sich weitere Leaduser herauskristallisieren, die es gilt dann ebenso offensiv anzusprechen und stärker zu involvieren in das Projekt. Hierfür muss das Communitymanagement intelligent arbeiten und gekonnt mit diesen Menschen kommunizieren.

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Risiken

Man darf mögliche Risiken im Vorfeld nicht verdrängen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Aber es bestehen auch hier Gefahren, die man kennen und auf die man sich frühzeitig einstellen sollte. Diese können dann im Vorfeld bereits minimiert werden. Dies betrifft Spam genauso wie Trolle, rechtliche Probleme, Ideenklau, Diffamierung.
Probleme, die auftreten müssen offensiv und zeitnah angegangen werden. Hierfür wiederum ist ein erfahrenes und personell gut aufgestelltes Communitymanagement unerlässlich, um entsprechend reagieren zu können.

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Verknüpfung mit dem echten Leben

Ein guter Schachzug ist es, wenn es einem gelingt ein eigentlich rein virtuelles Projekt mit dem echten Leben da draußen zu verzahnen. Denn viele Menschen sind nicht permanent online, andere nutzen das Internet noch gar nicht. Aber auch die kann man erreichen, wenn man diesen Punkt beachtet.
Für unseren aktuellen Kunden MAM Babyartikel (siehe Contest "Feel good style") haben wir die Community im Vorfeld der Aktion gefragt, wer denn gern ein Päckchen mit den zu designenden Produkten zugesandt bekommen möchte. So konnten sich im Vorfeld schon einige Kreative auf eigenen Wunsch ein Bild machen und sich ganz direkt mit den Produkten auseinander setzen. Hier griffen Marketing und Crowdsourcing wieder eng ineinander.
Bei einem anderen Projekt für CROW'n'CROW haben wir Taschenbotschafter gesucht, die nun im echten Leben die Taschen testen und Freunden und Bekannten vom Konzept von CROW'n'CROW erzählen. Außerdem veranstalteten wir ein Bag-Race in verschiedenen Social Networks, um die Taschen direkt zu den Menschen da draußen, außerhalb des Internets, zu transportieren.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Kooperation

Gerade im Designbereich gibt es oft hitzige Diskussionen, weil Werbeagenturen und gelernte Grafiker Angst davor haben Aufträge zu verlieren und durch Crowdsourcing in einen Sog von Preisdumping gezogen zu werden. Bei einigen Plattformen besteht die Gefahr durchaus. Aber jedes namhafte Unternehmen wird sich ihr Logo oder ihr Plakat nicht für 150 Euro auf einer Plattform holen, auf der sich 25 Hobby-Grafiker tummeln. Ich bin fest davon überzeugt, dass in der Zukunft eine enge Zusammenarbeit zwischen spannenden Crowdsourcing-Plattformen und den Grafikagenturen stattfinden muss und wird. Kooperation heißt hier das Zauberwort.
Durch Crowdsourcing können gute Ideen generiert werden. Durch Crowdsourcing können neue, frische Talente entdeckt werden. Diese Ideen, diese Talente können durch einen professionellen und erfahrenen Partner fertig ausgestaltet und weitergeführt werden. Es sollte nicht darum gehen Profis auszuschließen, sondern gemeinsam die neuen Wege des Web 2.0 zu beschreiten.
Und seien wir doch mal ehrlich: wieviel Murks wurde in den letzten 20 Jahren von sogenannten professionellen Agenturen verzapft in Sachen Werbung?! Wieviel Schlechtes mussten wir sehen und hören. Jetzt Crowdsourcing vorzuwerfen, es würde nur Schrott dabei herauskommen, wie es einige tun, halte ich für absurd und vollkommen falsch.
Crowdsourcing ist ein neuer und extrem spannender Baustein der virtuellen Wertschöpfungskette. Wenn man es denn ernsthaft und gekonnt anpackt. Hierfür ist eine Zusammenarbeit aller Player im Bereich Kreativ-Dienstleistung sinnvoll und der einzig richtige Weg.

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Glaubwürdigkeit

Glaubwürdigkeit ist das Gold des Web 2.0! Nichts ist wichtiger wie ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit.
Darum sollten Unternehmen, die sich ins Web 2.0 wagen, dies offen und ehrlich tun. Denn nur dadurch werden sie glaubwürdig. Dafür muss der enge Kontakt und der Austausch mit den bereits im Web 2.0 agierenden Menschen gesucht werden. Zuhören statt brüllen! Aufmerksam sein statt belehren. Ehrlich statt verklausuliert.
Dies gilt für Crowdsourcing genauso wie für alle anderen Social Media Bausteine.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Ich hoffe, mit diesen mir sehr wichtigen 12 Punkten einen kleinen Beitrag zum besseren Verständnis von gutem Crowdsourcing geliefert zu haben. Und ich würde mir wünschen, dass die Sinne für die Wichtigkeit bestimmter Punkte beim Crowdsourcing geschärft werden dadurch. Man kann viel falsch machen. Man kann einiges vergessen. Doch Crowdsourcing bietet enorme Möglichkeiten, die in den kommenden Jahren immer besser und intelligenter angegangen und ausgeschöpft werden. Davon bin ich überzeugt. Aber ich halte es für wichtig, dass diese hier genannten Punkte dabei nicht außer acht gelassen werden.

Lesen sie auch die anderen Artikel dieser Crowdsourcing-Serie: "12 gelungene Crowdsourcing-Projekte", „Was ist Crowdsourcing? 12 Eckpunkte, die den Rahmen abstecken“, „12 Dinge, die man beim Crowdsourcing unbedingt beachten sollte“, „Crowdsourcing als Marketingbaustein“, "Crowdsourcing und die Kontroverse um spekulative Arbeit (spec work)", "10 mögliche Crowdsourcing-Einsatzgebiete".

Gern stehe ich auch ihnen beratend im Bereich Communityaufbau und Crowdsourcing zur Verfügung und setze mit meiner Agentur VOdA Crowdsourcing-Aktionen für sie unter dem Marketingaspekt um. Kontaktieren sie mich.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

veröffentlicht unter: Crowdsourcing Kommentare
Kommentare (2) Trackbacks (12)
  1. Schöner Artikel Matias, der mich auf eine gute Idee gebracht hat. Vielen Dank ;-)

  2. Hi Jörg,
    *grins*
    Freut mich, wenn ich auch dich inspirieren konnte!
    Rechnung kommt dann später. ;)


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