SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

21Aug/09Off

Was ist Crowdsourcing? 12 Eckpunkte, die den Rahmen abstecken

Autor des Artikels: Matias Roskos

Crowdsourcing ist Teil neuer interaktiver Wertschöpfungsketten und kann als ein Segment von Open Innovation angesehen werden. Geprägt wurde der Begriff, der sich aus "Crowd", also einer unbestimmten Masse von Menschen, und "Outsourcing" zusammensetzt, durch den Amerikaner Jeff Howe in einem Artikel für das Wired Magazin im Jahr 2006 "The Rise of Crowdsourcing".

Beim Crowdsourcing werden Prozesse und Aufgaben ausgelagert ins Internet und dort durch eine Community bearbeitet. Hierfür nutzt man die Mechanismen und Kollaborationsmöglichkeiten des Web 2.0 zum Vorteil des Unternehmens. Hält man sich an den Fairness-Gedanken ist Crowdsourcing ein Nehmen und Geben und bringt für jeden Teilnehmer, Auftraggeber wie Community, Vorteile und Mehrwerte. Leider ist dies nicht bei allen Crowdsourcing-Projekten der Fall.

Die Aufgabenstellungen beim Crowdsourcing können ganz unterschiedlich sein, wie bei den 12 Crowdsourcing-Projekten deutlich wird, die ich vor wenigen Tagen in einem Artikel vorstellte. Marketing (Fiat500), Wissenssammlung (Wikipedia), Produktdesign (CROW'n'CROW-Contest), Modedesign (Threadless), Ideengenerierung (Tchibo ideas), Lösung konkreter fachspezifischer Probleme (Innocentive), Crowdfunding (Sellaband), kollaborative Projektumsetzung (Paulo Coelho) sind nur einige Einsatzbereiche.

Das Unternehmen ist nicht mehr der allein dominierende Faktor im Wertschöpfungsprozess. Nutzer im Internet übernehmen eine aktive Rolle, ganz im positiven Sinne des Web 2.0. Es findet im Idealfall eine Co-Kreation statt, zum beiderseitigen Nutzen für Unternehmen und Community.

Hier nun 12 Eckpunkte, die den Rahmen für Crowdsourcing abstecken.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Internet

Es klingt banal, ist aber so: Ohne Internet kein Crowdsourcing. Crowdsourcing bedarf der technischen Grundlagen des Internets damit Menschen auf virtuelle Plattformen zugreifen und sich einbringen können.
(Ein hochgeschätzter Kollege hatte Crowdsourcing mal mit Malkursen im Kindergarten verglichen. Schon dieser wichtige Punkt "Internet" führt diesen Vergleich ad absurdum.)

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Prinzip der Freiwilligkeit

Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit. Jeder kann, niemand muss sich beteiligen. Das hat durchaus positive Auswirkungen, denn es entfällt das Motivationsproblem, das viele klassisch strukturierte Unternehmen haben. Der Zwang etwas tun zu müssen wird durch das Freiwilligkeitsprinzip aufgehoben. Die Menschen haben die Möglichkeit selbstbestimmt zu arbeiten. Von überall auf der Welt, zu jeder Uhrzeit
Durch diese Prinzipien von Freiwilligkeit, selbstbestimmten, orts- und zeitungebundenem Arbeiten ist die Motivation deutlich höher wie in einem klassischen Unternehmen am althergebrachten Arbeitsplatz.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Spaß

Web 2.0 und damit auch Crowdsourcing bedeutet zu einem nicht zu vernachlässigendem Teil auch "Spaß". Ich tue etwas gern, aus Passion. Das betrifft sogenannte Amateure genauso wie Profis. Und damit tue ich es meist auch besser als Dinge, die ich einfach nur tun muss. Spaß ist ein entscheidender Faktor für positive Endergebnisse, in jedem Bereich unseres Lebens. Auch beim Agieren im Internet.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

User generated content

Crowdsourcing ist User generated Content (UGC), also nutzergenerierter Inhalt. Das ist ein Fakt. Die Inhalte kommen durch im Internet agierende Menschen und in den seltensten Fällen durch Unternehmen.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Konkrete Aufgabenstellung

Damit Crowdsourcing erfolgreich sein kann, bedarf es konkreter Aufgabenstellungen. Diese dürfen nicht einengen, die Kreativität der Menschen nicht einzwängen. Aber es hilft ihnen sich zu fokussieren und damit zielgerichtet zu agieren. Dies ist eine Erfahrung, die ich bei von uns betreuten Crowdsourcing-Projekten immer wieder machen konnte.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Klar definierter Rahmen

Damit etwas funktioniert, bedarf es eines klar abgesteckten Rahmens für die Agierenden. Das betrifft den zeitlichen Ablauf, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Incentivierung, Ansprechpartner, die Internet-Plattform. Lässt man Crowdsourcing einfach so laufen, wird es keine wirklichen, verwertbaren Mehrwerte geben.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Fairness

Fairness ist ein Faktor, der immer mal wieder gern vernachlässigt wird im Web 2.0. Fairness ist sicherlich auch mehr eine subjektiver, kulturell unterschiedlich wahrgenommener Faktor, den man technisch nur schwer definieren kann. Es ist ein Gefühl, ob ich fair behandelt werde oder nicht.
Dennoch ist Fairness aus meiner Sicht enorm wichtig, damit Crowdsourcing langfristig funktioniert. Nur wenn die Menschen das Gefühl haben nicht ausgenutzt und fair behandelt zu werden, werden sie dazu beitragen echte Mehrwerte zu generieren, die dem Projekt dienen. Ganz wichtig sind hierbei die rechtlichen Rahmenbedingungen, die dem Kunden zwar ein hohes Maß an Schutz geben müssen, aber auch für den Kreativen fair bleiben.
Ich möchte auch betonen, dass jedes Unternehmen und jede Marke ein Recht auf faire Behandlung hat! Auch dieser Punkt darf keine Einbahnstraße sein.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Incentivierungsstrategie

Mit einer Incentivierungsstrategie meint man die Anreize die man schafft, damit Nutzer sich beteiligen. Dies können monetäre Anreize sein oder auch andere spannende Systeme, die dem Nutzer einen Mehrwert bringen und ihm das Gefühl geben, nicht nur etwas zu geben, sondern auch etwas zurück zu bekommen.
Viele Unternehmen scheuen vor intelligenten Incentivierungsstrategien zurück, weil sie explodierende Kosten befürchten und meinen, im Internet würde man doch alles kostenlos erhalten. Dies ist ein großer Fehlglaube. Nur wenn man bereit ist den Nutzern etwas zu geben, durchaus auch in Form von Prämienstrukturen kombiniert mit anderen für den Nutzer interessanten Dingen, wird man als fair wahrgenommen und kann die bestmöglichen Ergebnisse mit Crowdsourcing erzielen. Der Punkt Fairness spielt hier sehr stark mit hinein.
Viele Crowdsourcing-Projekte, die nicht so funktionieren wie sich die Iniatoren das anfangs vorgestellt haben, scheitern genau an diesem Punkt. Ohne dass sie das bereit sind zuzugeben oder zu ändern. Warum nur fällt "Geben" so schwer?

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Zusammenarbeit

Es findet eine Kollaboration statt, die allerdings unterschiedliche Qualitätsgrade erreichen kann. Auch das gemeinsame Sammeln von Material wie Fotografien und das Einordnen durch das Prinzip des Taggings und das Bewerten der Fotos kann bereits als Crowdsourcing angesehen werden. Auch wenn hier der Grad der Zusammenarbeit relativ gering ist.
Auch Design-Contests - wie ich sie mit meiner Agentur VOdA regelmäßig für Kunden durchführe - werden allgemein als Crowdsourcing angesehen, insofern hier Bewertungen und Kommentare möglich sind. Oft findet "hinter den Kulissen" auch Kollaboration in Form von Teambildung, Ideenaustausch und Inspiration durch die Arbeit anderer statt. Dies darf nicht mit Ideenklau verwechselt werden, der durchaus ein Risikofaktor beim Crowdsourcing sein kann.
Das Beispiel für exzellent funktionierende Zusammenarbeit ist die Erfolgsgeschichte der Wikipedia.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Bewertungsmechanismen

Damit die sogenannte "Kraft der Masse" sich entfalten kann, sind Votingsysteme meist unerlässlich und eine gute Möglichkeit um zu messen, was die Mehrheit der Nutzer für gut und richtig hält. Hier haben sich diverse Votingsysteme (Sterne, Favoriten, Zensuren und andere Bewertungen durch Zahlen) etabliert und als nützlich heraus kristallisiert. An diesem Punkt besteht aber auch immer die Gefahr der Manipulation. Bots könnten die Votes beeinflussen. Nutzer können durch Mehrfachaccounts und Votingspam versuchen Einfluss zu nehmen. Hier sind die Plattformbetreiber gefordert dem entgegen zu wirken.
Für die Zukunft ist es sicherlich unerlässlich die existierenden Votingsysteme immer weiter zu verfeinern, wie wir das unter anderem auch bei unseren eigenen Crowdsourcing-Modulen tun.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Kommunikation

Web 2.0 ist Kommunikation. Crowdsourcing ist Bestandteil von Web 2.0. Und Web 2.0 heißt vor allem auch Kommunikation auf Augenhöhe. Marketing-Einbahnstraßen sind passé. Dies begreifen nun endlich auch immer mehr Unternehmen.
Crowdsourcing ist ein wunderbares Instrument um im Sinne von Kommunikation auf Augenhöhe mit dem Nutzer in direkten Kontakt zu treten. Unternehmen können das Gespräch über Probleme, über Entwicklungen der Marke, über die Zukunft des Unternehmens suchen. Sie müssen dabei vor allem eines: Zuhören. Und daraus dann die richtigen Schlüsse ziehen.
Aus Kommunikation Dank Crowdsourcing können kundennähere Produkte entstehen, kann eine engere Fanbindung stattfinden und können sogenannte Gatekeeper und Leaduser ausfindig gemacht werden. Damit wird Crowdsourcing unter anderem auch zu einem spannenden Baustein von Viralmarketing.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Communitymanagement

Im Web 2.0 agieren Menschen. Auch wenn sie "nur" virtuell zu sehen sind. Es sind und bleiben Menschen, die hinter dem Rechner oder dem Smartphone sitzen. Sie äußern sich auf den verschiedensten Portalen und Kanälen. Facebook, MySpace, Twitter, Produktbewertungsportale, Foren, Blogs sind nur einige davon.
Um mit ihnen in einen echten Austausch von Wissen und Ideen zu kommen, bedarf es nicht einfach nur einer technisch gut gemachten Plattform. Es bedarf auch hier: Menschen. Communitymanager, die wissen wie man im Netz kommuniziert. Die Spaß daran haben zu kommunizieren. Die in der Lage sind nicht nur Fragen zu beantworten, sondern eine Community auch zu motivieren. Die bereit sind zuzuhören und ein Gespür für Strömungen und auch Gefahren haben und darauf reagieren können.
Gute Communitymanager sind Gold wert. Leider wird bei vielen Projekten dieser Faktor aus Kostengründen hinten angestellt. Ein großer Fehler, wie ich denke.
Nur ein gutes Communitymanagement, das die sogenannten Leaduser dann intensiv in das Agieren auf der Plattform einbindet, kann langfristig dafür sorgen dass ein Crowdsourcing-Projekt erfolgreich verläuft.

Socialnetworkstrategien: 12 gelungene Crowdsourcing-Projekte

Dies waren 12 Eckpunkte, die aus meiner Sicht wichtig sind, wenn man über Crowdsourcing redet und nachdenkt. Sie sind sicherlich nicht vollständig. Ständig kommen neue Entwicklungen, Ideen, Gedankengänge hinzu. Immer mehr Universitäten nehmen sich den Bereichen Open Innovation und Crowdsourcing an. Und das ist gut so. Gern stehe ich übrigens möglichen Kooperationen zur Verfügung.

Wir befinden uns gerade wenn es um Web 2.0, Social Networks, Microblogging oder auch Crowdsourcing geht in einer ungemein dynamischen und spannenden Zeit. Aber ich hoffe, dass diese Stichpunkte helfen Crowdsourcing ein wenig besser zu verstehen und das ein oder andere Unternehmen darüber nachdenkt dieses großartige Prinzip in der Zukunft einzusetzen. Und dabei die von mir genannten Eckpunkte zu beachten.

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie von fünf geplanten Artikeln hier auf Socialnetworkstrategien. Ein Teil davon ging unter dem Titel "12 gelungene Crowdsourcing-Projekte" bereits online.

Ich freue mich über ergänzende Anmerkungen oder auch Kritik an dem ein oder anderen Punkt in den Kommentaren. Und wenn man jemand diesen Artikel ins Englische übersetzen möchte - bitte Kontakt mit mir aufnehmen.

Ich selbst arbeite als freier Berater im Bereich Social Media und Web2.0-Strategien und richte meinen Fokus auf Social Networks und gutes Crowdsourcing. Seit fast vier Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Komplex Crowdsourcing und habe etliche Projekte konzipiert und umgesetzt. Nehmen sie Kontakt mit mir auf, wenn sie Unterstützung und Beratung suchen.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

veröffentlicht unter: Crowdsourcing Kommentare
Kommentare (6) Trackbacks (9)
  1. Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Bericht! Einen Film dazu wie Crowdsourcing/Open Innovation funktioniert sehen Sie hier: http://bit.ly/qnoou

    LG Reinhard Karner von brainfloor.com

  2. bitte nicht die vielen kleinen Crowdsourcing Projekte vergessen. wo z.B. nur ein Slogan gesucht wird. siehe z.B. auf ***URL gelöscht***
    Ich hatte extra gesagt: keine Werbung in den Kommentaren! Sowas nennt man Spam. Danke.
    Und in diesem Artikel geht es ja gerade NICHT um die vielen Kleinen, von denen etwa 80% nicht überleben werden. Ich wollte zeigen, was es bereits an erfolgreichen Projekten gibt. Wenn ihr Projekt so erfolgreich ist, können sie mich gern über die üblichen Wege (Email, Xing, Twitter) kontaktieren.

  3. Bei der Problematik der Bewertungsmechanismen besteht nicht nur die Gefahr der Manipulation, wie du schreibst. Bei schwachem Markenkern kann es auch passieren, dass die User die Beiträge nicht im Sinne des Unternehmens bewerten, und aus einer “Innovation” eine “Spaß”-Aktion wird. “Pril” mit dem Brathähnchen-Etikett war ein gutes Beispiel dafür.

  4. Prinzipiell richtig, Ksenia. Finde ich per se aber nicht weiter schlimm. Denn Spaß ist ein super Ansatzpunkt, um mit der Community in Kommunikation zu kommen.
    Man muss nur bereit sein, die Kritik, die dahinter steckt, anzunehmen. Und durch gutes, geübtes Community Management etwas Positives für die Marke daraus machen.

  5. Matias, du hast vollkommen recht. Der Community Manager muss über eine “Interaktionskompetenz” verfügen, um die Community in die für das Unternehmen gewünschte Richtung zu dirigieren. Doch diese Flexibilität, die beim Umgang mit der Community erforderlich ist, sollte dann auch im Unternehmen strategisch verankert sein. Und souveräner Umgang mit Kritik ist das “A” und “O”.

  6. Die strategische Verankerung wäre sehr wünschenswert. Ist aber selten der Fall. Da kommt es dann wieder drauf an, das der oder die Community Manager auch nach innen, also ins Unternehmen hinein, gut argumentieren und überzeugen können.

    Wir landen also immer wieder bei einer Schlüsselrolle des Community Managers. :)