SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

16Jul/09Off

Vodafone machts vor… und doch eher schlecht

Autor des Artikels: Matias Roskos

Wer in den vergangen vier, fünf Tagen im Web unterwegs war, ist kaum an der neuen Vodafone-Kampagne "Es ist deine Zeit" vorbeigekommen. Vor allem aus einem Grund: weil der Start dramaturgisch eine mittlere Katastrophe war. Schlechter kann man eine Kampagne dieser Größenordnung - gemunkelt wird von 20 bis 50 Millionen Euro - kaum launchen. Die Pressekonferenz hatte was von Deutsche Telekom Jahr 1988. Botschaften wurden vom Papier abgelesen, vorher schnell noch eingetrichterte Denglish-Marketing-Blasen in jedem zweiten Satz versucht unter zu bringen. Dazu ein Werbespot, der - sorry - ganz nett ist. Aber mehr auch nicht. Er berührt mich nicht. Andere vielleicht schon. Es gibt übrigens auch Spots, die ich richtig richtig cool finde (diesen hier zum Beispiel).

So viel zum (Fehl-)Start der neuen Vodafone-Kampagne. Andere Meinungen findet man zuhauf. Siehe hier und hier und hier und auf vielen anderen Blogs.

Einer der Protagonisten ist der Twitter-Irokesen-Mann Sascha Lobo, für meinen Geschmack einen Tick zu selbstverliebt, zu großspurig. Aber das gehört zu seinem Konzept. Lobo ist eine Brand. Und er kann damit gut leben. Ähnlich wie ein Robert Basic oder eine Paris Hilton. Menschen als Marke gehören heutzutage nunmal in die Medienlandschaft wie Knoblauchsauce in den Döner. Nicht jeder mag es, viele stört der Geruch, aber vielen schmeckt es auch. Sascha Lobo wird natürlich in der Bloggerszene heftigst attackiert, weil das Ganze, auch aus meiner Sicht, unglaubwürdig wirkt. Bis vor zwei Wochen war der Mann noch großer iPhone-Fan (was ihn mir wieder sympathisch macht). Nun plötzlich tut er aber so, als wäre das Vodafone-HTC DAS ultimative Smartphone. Hmmmm...

Glaubwürdigkeit ist eines der wichtigsten Güter in der Web 2.0 Welt. Das sollte auch Sascha Lobo wissen. Und so muss er sich nun Angriffen von allen Seiten erwehren. Was ihm sicherlich gefällt. Denn ohne Provokation keine Reibungspunkte, keine Diskussionen, kein Spaß. Und (!) - er sagt in seinem Selbstinterview etwas extrem Richtiges:

Zunächst halte ich es für richtig, dass eine große Marke in den Social Media-Bereich hineingeht und da über ähnlich viele Kanäle kommuniziert wie Internetmenschen es auch tun, von Twitter über ein Blog, Facebook, Youtube, Flickr und anderen Social Networks. Werbung muss an Orte gehen, die für die Menschen – früher nannte man sie Zielgruppe – wichtig sind. Insofern führt meiner Meinung nach für Markenkommunikation kein Weg daran vorbei, dort mitzuspielen.

Absolut richtig. Hier kann ich einfach nur beide Daumen nach oben richten. Und aus diesem Blickwinkel ist die neue Vodafone-Kampagne vorbildlich und der richtige Ansatz. Siehe hierzu auch die Infos bei Nico Lumma, der maßgeblich mitgewirkt hat bei der Planung des Ganzen bei Scholz & Friends.

Die Grundidee stimmt. Der Start war miserabel umgesetzt. Und Vodafone hat auf den ersten Blick nicht wirklich was zu bieten. Das ist das Hauptproblem. Ein Fiat Panda wird nicht dadurch schneller, das man ihn rosa lackiert und die Scheiben tönt. Will sagen: wo sind die wirklich fairen, neuen und spannenden Tarife für die Generation Upload (oder wie immer man uns nennen mag)? Wo ist das Smartphone, das auch nur annähernd mit dem iPhone mithalten kann? Mit diesem Background wirkt das Ganze stark gewollt und aufgesetzt. Sorry. Ich lasse mich in den kommenden Monaten gern vom Gegenteil überzeugen. Der Ansatz der Kampagne ist goldrichtig. Aber der Start war unglaubwürdig. Und viel hat Vodafone bisher nicht zu bieten. Alter Wein in neuen Schläuchen.

PS: Ich nutze das iPhone und bin dadurch auch T-Mobile-Kunde. Und ich sehe derzeit keinen Grund, warum ich wechseln sollte. Das nur mal so.

hat dir dieser Artikel gefallen?

Dann abonniere doch diesen Blog per RSS Feed!

Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. Ich sehe das Problem auch vor allem darin, dass Vodafone einfach keine interessanten und attraktiven Produkte anzubieten hat, die den Leuten, die sie ansprechen wollen, gefallen würden. Und damit war diese ganze Kampagne doch sowieso schon irgendwie von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die sollten wirklich erstmal an ihren Angeboten feilen, dann können sie vielleicht nochmal einen Start wagen.

  2. Ja hier hätte man einfach vorher viel mehr Energie reinsetzen müssen, anstatt etwas anzubieten, was noch gar nicht richtig ausgereift ist. Da kann man nur hoffen, dass Vodafone aus dieser Aktion gelernt hat und jetzt wirklich wieder mit den vernünftigen Mitteln versucht, die Kunden zu überzeugen, denn auf diese Art und Weise funktioniert das Ganze ja nicht.

  3. Mit Biegen und Brechen zu versuchen etwas umzusetzen, geht meistens nach hinten los. Das konnte man ja wieder anhand dieses Beispieles sehen. Vielleicht sollte Vodafone einfach wieder daran ansetzen, was sie am Besten können, anstatt unausgereifte Ideen umsetzen zu wollen.


Trackbacks are disabled.