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7Mai/09Off

Crowdsourcing: Machts die Masse?

Autor des Artikels: Matias Roskos

Wenn ich zu geplanten Crowdsourcing-Projekten als Berater oder mit VOdA als Dienstleister herangezogen werde, ist eine der ersten Fragen immer auch: "Machen da auch möglichst viele Leute mit?" Da wir mit VOdA Crowdsourcing auch immer gern als Baustein von Viralmarketing sehen und versuchen die Aktion in diese Richtung hin mit auszurichten, ist es verständlich, dass möglichst viele Kreative und Interessierte mitmachen sollen. Dabei gibt es einige Probleme, die es unbedingt zu beachten gilt.

Ich kann mich an einen Logocontest von Mister Wong erinnern, bei dem man einfach mal so - ohne jemanden zu fragen, der was von Crowdsourcing versteht - 10.000 Dollar Siegprämie in den Topf gehauen hat. Die Folge: es gab über 1.000 Einsendungen. Erfreulich, weil man so wunderbar im Gespräch war. Der Nachteil: der Contest war nicht mehr überschaubar. Es gab große Probleme im Communitymanagement. Der Contest musste sogar zwischenzeitlich pausieren. Nutzer die voten wollten, schafften es einfach nicht sich durch die viel zu vielen Einsendungen zu klicken. Viele Kreative waren total gefrustet, weil ihre Einsendung irgendwo im Nirvana des Contests verschwand. Die Stimmung war letztendlich wenig positiv.

Bei unserem Contest im letzten Jahr für CROW'n'CROW hatten wir am Ende 306 Einsendungen. Der Kunde hatte insgeheim auf 1.000 gehofft, wär aber auch mit 500 happy gewesen. Ich hatte von Anfang an gesagt: 250 sind optimal.

Beim aktuellen Contest "Karte sucht Design" für Tchibo ideas gab es 92 Einsendungen. Das Thema war hier deutlich komplexer und von Hobby-Grafikern nur schwer zu bewältigen. Daraus erklären sich die Unterschiede in der reinen Zahl der Einsendungen zum Sitzsack-Contest für CROW'n'CROW. Tchibo ideas ist super happy, vor allem weil die Qualität des vorderen Drittels extrem hoch und die Vielfalt an Ideen sehr groß ist.

Bei 306 Einsendungen war es schwer und erforderte viel Geduld sich durch die komplette Galerie zu klicken, wollte man wirklich alle Designs sehen und bewerten. 92 Einsendungen sind deutlich angenehmer zu handhaben. Wir haben in unsere Contest-Software, eine Eigenentwicklung die permanent verbessert wird, extra in der Galerie Filtermöglichkeiten eingebaut, um es dem Nutzer leichter zu machen sich die Einsendungen anzuschauen. So kann man danach sortieren, zu welchem Datum die Einsendungen reinkamen. Aber man kann sich auch anzeigen lassen, wer gerade beim Voting vorn liegt. Oder auch wer hinten. Oder man filtert so, dass man sieht, welche Designs bisher am meisten gevotet wurden und welche noch ganz wenige Votes haben. Alphabetisch nach Titel und Name des Designers geht natürlich auch. Das hilft schonmal enorm.

Kommen wir zum Kern dieses Artikels. Masse ist oft interessant für den Kunden. Aber Masse sagt selten etwas über Klasse aus. Die Chance, dass was richtig Gutes dabei ist, steigt natürlich bei einer hohen Zahl von Einsendungen. Aber: Der Fokus von gutem Kreativ-Crowdsourcing sollte in einem gesunden Verhältnis von Masse und Qualität liegen. Es ist für den Kunden immer am spannendsten, wenn es 20 richtig gute Ideen gibt statt 500 mal Mittelmaß. Das gilt auch, hat man mögliche Mundpropaganda im Blickpunkt. Wer redet schon über Mittelmaß. Nur richtig gute Ideen haben die Chance dass man über sie redet.

Wie so oft im Leben gilt auch für gutes Crowdsourcing: Es muss ein gesunder Mittelweg gefunden.

Eine große Masse an Einsendungen ist vom Communitymanagement kaum noch zu handhaben oder kann nur über große Manpower abgefangen werden, die viel Geld kostet. Software hilft an der Stelle übrigens nicht weiter. Darum gebe ich den ganzen aus dem Boden schießenden Billigplattformen für ein Quickie-Logo keine Zukunfts-Chance. Ohne Communitymanagement keine wirklich funktionierende Community. Vor allem nicht, möchte man mit Kreativen zusammen arbeiten. Da muss eine funktionierende Vertrauensbasis aufgebaut werden, sonst sind die guten Leute ganz schnell wieder weg. Und gutes Communitymanagement kann nie von einer Softwarelösung erledigt werden, sondern immer von Menschen. Am besten von solchen, die wissen was sie tun, eine sympathische Art haben und über ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit verfügen.

Eine zu große Masse an Einsendungen ist für die Community, die voten und kommentieren möchte, kaum noch überschaubar und führt zu einer Fruststimmung. Filtermöglichkeiten von Seiten der Plattform können da helfen und der Community das Leben erleichtern. Ein gekonntes Communitymanagement dazu ist das A und O von erfolgreichem Agieren mit Communitys, auch beim Crowdsourcing. Das haben übrigens leider noch viel zu wenige aktuell im Web 2.0 Agierende verstanden.

Fazit: Masse ist durchaus spannend für Crowdsourcing-Aktionen, die auch den Bereich Viralmarketing im Blickpunkt haben. Aber man sollte dabei nicht die Qualität aus dem Auge verlieren. Ein guter Mix von spannenden Ideen, die generiert werden und genug Masse um Mundpropaganda anzuregen ist die Ideallösung. Und das ist nicht mit reinen Softwarelösungen zu erreichen. Das ist nur mit einem hohen Maß an Glaubwürdigkeit der für die Aktion Verantwortlichen und damit einhergehend gekonntem Communitymanagement erreichbar.

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veröffentlicht unter: Crowdsourcing Kommentare