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3Mrz/09Off

Wie die Fans das neue Erfolgsalbum von Pimkin Dark entscheidend mitgestalteten

Autor des Artikels: Matias Roskos

Pimkin DarkDas neue Nummer-1-Album der russischen New-Metal-Band Pimpkin Dark ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die das neue Internet, das sogenannte Web 2.0, entscheidend mitgeprägt hat. Denn dies ist kein normales Band-Album mit normalen Songschreibern und den üblichen Abläufen der Entstehung einer CD. Jedenfalls an entscheidenden Stellen lief es bei "Gig it, dig it, blow it up" - so der Name des Albums - anders wie sonst üblich in der Branche, wo sich (noch) leider fast alles um Verträge, Klauseln und dergleichen mehr dreht. Dinge, die die Künstler und die Kunst einengen und Kreativität damit vor allem behindern.

Die noch junge Band aus Wolgograd hat sich in den vergangenen drei Jahren eine erstaunliche Fanbase in Russland erspielt und suchte und sucht immer wieder den engen Kontakt zu ihren Leuten. Das geht so weit, das man sich regelmäßig in virtuellen Chatrooms trifft. Und auch das ein oder andere gemeinsam durchgefeierte Partywochenende an der Wolga soll schon dabei gewesen sein.

Als es nun darum ging die Songs für das zweite Album von Pimkin Dark zu suchen und zu schreiben lag es für die fünf Jungs nur allzu nah, die eigenen Fans zu fragen, was sie sich denn von ihrer Band wünschen. Und schnell wurde deutlich - sie wollen nicht einfach nur gefragt werden. Sie sind bereit eigene Songs für ihre Band zu schreiben. So entstand eines der beeindruckendsten Fan-Generated-Songprojects (Kreativ-Crowdsourcing durch die eigenen Fans) des Jahres.

Über vier Monate hatte die Fan-Community die Möglichkeit eigene Entwürfe für das neue Album hoch zu laden. Als Plattform wurde hier eine ähnliche Plattform wie Hobnox genutzt, die sich ideal gerade auch für solche Kreativ-Projekte eignet und zahlreiche Tools im Bereich Musik und Video zur Verfügung stellt. Made in Russia natürlich. Es beteiligten sich nicht nur eigene Fans an dieser spannenden Crowdsourcing-Aktion. Auch viele Songschreiber, die vorher von der Band noch nichts gehört hatten, wurden über Mundpropaganda aufmerksam auf diese Möglichkeit eigene Songs vorzustellen und vielleicht auf ein Album zu kommen. Letztendlich waren es 174 Songs von 98 Autoren, die zur Auswahl standen. Schon während dieser ersten Phase war es zu Kollaborationen zwischen einigen Song-Schreibern, Textern und normalen Mitgliedern der Community gekommen. Es wurde bei etlichen Songs diskutiert, ob man dies und jenes nicht so oder so machen könnte. Erste Texte wurden passend zu den Songlines erstellt, Titel gesucht, Favoriten kristallisierten sich heraus.

Nach Abschluss dieser ersten Phase begann dann die eigentliche Suche nach den richtigen Songs für das Album. Diesen Job übernahm nicht wie sonst üblich das Management oder die Band. Die Songs sollten von den Fans bestimmt werden. Natürlich unter reger Beteiligung der Bandmitglieder. Denn schließlich müssen auch sie sich mit der Musik, die sie in der Zukunft spielen, identifizieren.

Es war super spannend für uns zu hören und zu lesen, welche Songs die Leute da draußen als passend für uns ansehen. Da waren Titel dabei, von denen wir nie gedacht hätten, das wir die wirklich spielen wollen. Doch jetzt, ein paar Monate danach, sind wir total überrascht wie geil einige Titel tatsächlich zu uns passen. Die Fans waren hier und da schlauer als wir. Die hatten den richtigen Riecher und wussten genau, welcher Song nicht nur perfekt zu uns und unserem Stil und meiner Stimme passt, sondern welcher Song dann auch noch ein echter Hit werden würde. Ich kann nur den Leuten da draußen sagen: Danke! Für diesen genialen Job, den ihr gemacht habt. Wir sind so stolz auf euch. Unendlich stolz.
Das ist UNSER Album. Das von Pimkin Dark und seinen Fans!

so Frontmann Wadi Tschuramow in einem Interview im Januar.

Es wurde lange über jeden einzelnen Titel diskutiert. Die Community gab Anregungen, was verändert und verbessert werden könnte. Schnell wurde so auch klar, welche Songs echtes Potential haben und wo es sich lohnt weiter daran zu arbeiten. Insgesamt 33 Songs fanden so Eingang in den "Preroom" genannten Bereich des Projektes, wo es um die Finalisierung des Albums ging.

Alle 33 Songs wurden von Pimkin Dark eingespielt und dann auf der Plattform erneut einem Voting durch die Community gestellt. Die entschied dann, welche 18 Songs aufs Album dürfen. Dann ging es an die Produktion des Albums. Und wieder wurde auf die eigene Fanbase zurück gegriffen, um das Album realisieren zu können. Ähnlich wie auf Sellaband konnten die Fans Anteile am Album erwerben und so die finanzielle Basis für die CD schaffen. Innerhalb von 6 Wochen waren die notwendigen 35.000 Dollar beisammen und das Album konnte produziert werden.

Jeder, der sich in Form von Kommentaren und Votings am Prozess der Songfindung beteiligt war, erhielt ebenfalls Anteile am Album. Das bedeutet letztendlich: 75% der Erlöse aus dem Verkauf des Albums fließen zurück an die Community. Zum einen an die, die investiert haben. Zum anderen an die, die mitgeholfen haben die richtigen Songs zu finden. Selbstverständlich erhalten auch die Künstler, von denen die Songs stammen, ein entsprechendes Honorar. Außerdem konnte alle Mitglieder der Community die CD zum halben Preis online ordern und sich zwei Tracks kostenlos downloaden. Und es gab ein kostenloses Konzert in Wolgograd, der Heimatstadt der Band, zu dem nur Mitglieder der Fan-Community Zugang hatten. 56.000 Menschen feierten eine gigantische Party mit Pimkin Dark.

Das Album wurde in Russland zu einem gigantischen Erfolg und erreichte in extrem kurzer Zeit Platinstatus dort. Nun soll bald das restliche Europa in Angriff genommen werden. Der ungewöhnliche Sound der New-Metal-Band dürfte auch hierzulande extrem gut ankommen. Ich bin gespannt, wann sie auf MySpace & Co. auftauchen und die CDs in den Regalen stehen.

Eine wunderbare Geschichte, wie gutes Crowdsourcing funktionieren und Kreativität helfen kann sich zu entfalten.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (5) Trackbacks (3)
  1. irgendwie glaub ich das nicht …
    story klingt interessant, aber nirgends findet man musik von diesen pimkin dark …

    weder in itunes, last.fm, wikipedia (nicht mal in der russischen), google, youtube findet man irgendeinen hinweis auf die existenz der band, oder gar ein track zum hören

    außerdem klingt mir pimkin dark nach ner billigen kopie von linkin park, also der name. das würd doch auch keine band machen

  2. irgendein link, oder quellen wären gut

  3. @Doe
    Du meinst, zu schön um wahr zu sein? … :)

  4. Die Idee ist ja so abwegig nicht, der Name erinnert ja an Vorreiter Linkin Park, letztlich ist es ja ein möglicher Weg.

    Allerdings erscheint mir der erdachte Weg zu sehr aus kommerzieller Sicht betrachtet. Kunst wird nicht produziert. Konsumentenwünsche können vielleicht inspirieren, aber eine solche Synergie wie im Artikel beschrieben, dürfte den meisten Künstlern nicht kreativ sondern einengend erscheinen.
    Nur weil die Fans bestimmte Sachen bevorzugen und immer wieder hören wollen, muss es der Band nicht gleich Freude bereiten, das umzusetzen. Insofern ist die Vision schon speziell.
    Markt für Art.

  5. Hey, Ralf,
    freut mich, das du mitliest!
    Und ja – genauso war es gemeint. Ein möglicher, leider noch fiktiver Weg… Aber nicht wirklich abwegig. Wenn man es denn anpacken will.
    Natürlich passt dieses Modell nicht zu jedem Künstler. Aber wenn man bedenkt, das die meisten Songs von anderen für Bands und Künstler geschrieben werden… warum dann nicht von den eigenen Fans?