SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

23Feb/09Off

Buchtrailer – der unterschätzte Marketing-Kanal

Autor des Artikels: Matias Roskos

Bücher sind so ziemlich das Genialste was wir Menschen erfunden haben. In Büchern lebt nicht nur unser Wissen weiter, sondern sie sind DAS Medium um unsere Fantasie und unsere Kreativität zum Leben zu erwecken. Bücher können viel stärker wie ein Film oder auch ein Bild unsere visuelle Vorstellungskraft anregen und unser Gehirn dahin bringen selbst aktiv zu sein. Wir stellen uns die handelnen Personen vor. Wir bauen in Gedanken Handlungsstränge auf. Es werden Wünsche geweckt. Träume erwachen in unserem Geist zu Leben. Durch das geschriebene Wort. Wir möchten hinein ins Buch. Wir wollen Teil der Handlung werden und sie mitgestalten. Nicht umsonst lieben es Kinder, wenn man ihnen etwas vorliest oder wenn sie selbst lesen, sobald sie es können. TV betäubt, Bücher beleben den Geist.

Verlage gelten als altbacken und verstaubt. Viele meinen, Bücher können mit den neuen Medien nicht mithalten. Der Geruch von Tod und Verwesung umwehe den Buchhandel, Bibliotheken, das Lesen überhaupt. Dem ist - zum Glück - ganz und gar nicht so. Erfolge wie die von Harry Potter, Eragon, dem Schwarm, Hexe Lilli und vieler vieler anderer beweisen, das Lesen "in" ist. Zu Recht. Bücher sind eine Macht, die nicht so laut brüllend nach Aufmerksamkeit heischt wie das Fernsehen oder die Hollywood-Bollywood-Filmindustrie.

Aber warum nutzen die Verlage die anderen Medien nicht, um noch mehr Menschen auf Bücher aufmerksam zu machen? Es gibt so viele wunderbare Geschichten, so viele exzellente Bücher. Es gibt so viele Menschen, die viel zu wenig lesen. Viele dieser Menschen sind im Internet aktiv. Und damit sind sie leicht erreichbar. Man muss sich nur die Instrumentarien zu eigen machen, die da sind. Ein leuchtendes Beispiel, wie man es richtig anpackt, ist Paulo Coelho. Ich berichtete mehrmals über sein erfolgreiches Agieren im Internet.

Ein bisher kaum beachteter und deutlich unterschätzer Weg um Menschen im Internet zu erreichen sind Buchtrailer. So langsam jedoch scheinen ein paar Verlage auf den Geschmack zu kommen. Wie mans macht, zeigt zum Beispiel Lübbe mit seinem Trailer "Neue Bücher 2009: Jedem seine Welt!"

Ein guter und gelungener Buchtrailer ist auch "Caffe della Vita".

Schon deutlich schwächer ist "Das Versprechen der Wölfe". Hier fehlt leider das zitierende, sprechende Wort. Dadurch wird viel verschenkt. Dieser Trailer macht nur bedingt Lust aufs Buch, was bei dem Trailer für "Caffe della Vita" anders ist.

Eher schwach ist der Trailer zu "Eragon - Die Weisheit des Feuers". Dazu muss man wissen, das ich die Eragon-Saga liebe und genau dieses Buch gerade lese. Ich war schon des öfteren auf der Suche nach gutem Eragon-Artwork, um für diese wunderbaren drei Bücher Werbung machen zu können. Aber ich fand kaum etwas Gutes. Der Trailer ist schwach, weil nichts aus der Geschichte erzählt wird. Wer Eragon nicht kennt, wird keinen Bezug dazu bekommen. Es fehlt das Mystische, das Geheimnisvolle der ganzen Welt, in der Eragon lebt, kämpft und liebt.

Ich glaube und hoffe, dass das ganze Segment Buchtrailer in den kommenden Jahren einen starken Aufwind erleben wird. Sicher - Bücher haben nicht diese Marketing-Budgets wie die Movie-Industrie. Und man kann bei Büchern nicht über das Produktionsbudget eines sogenannten Blockbusters schon vorausplanen, ob es ein Kassenschlager wird. Was übrigens auch nicht immer funktioniert. Viele gute Bücher wurden vollkommen überraschend zu Topsellern. Die Budgets fürs Marketing im Buchwesen sind erheblich geringer wie in der Filmindustrie.

Aber gerade deswegen sollte man auf Trailer setzen, die man wunderbar im Netz einsetzen kann. Gewonnen werden könnten sie über Kreativ-Crowdsourcing-Projekte. Es gibt da draußen so viele gute Kreative, die gerade für spannende Bücher ganz sicher liebend gern aktiv werden würden. Die Budgets wären überschaubar. Und man schafft ganz früh eine enge Fanbindung und kann diese Bindungen auch für die Zukunft wunderbar nutzen. In Socialnetworks, über Blogs, Twitter, auf dem eigenen Youtube-Profil, auf Flickr und und und.

Liebe Verlage - gebt den Kreativen eine Chance. Sucht den Weg ins Internet hin zu den Menschen, wo sie sich bereits aufhalten. In den großen Socialnetworks. Und schafft gemeinsam Mehrwerte, die euch helfen eure Bücher noch besser zu verkaufen. Ihr seid dann ganz dicht dran an den Fans von Eragon, Hexe Lilli, Otherland und wie sie alle heißen, die wunderbaren Welten und ihre Helden.

Einen guten Artikel zum Thema gibt es auch von Susanna Gotsch bei Zoomer.de. Ich bin gespannt, wie sich dieses Gebiet weiter entwickelt.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (17) Trackbacks (3)
  1. Danke für diesen Artikel. Eigentlich muss man das Thema aber noch breiter beleuchten. Im Grunde geht’s doch darum, wie Verlage (und Autoren), das Internet für sich nutzen, mehr Reichweite zu generieren und mehr Leser zu bekommen. Hier geht’s also um eine „digitale Marketing-/Vertriebsstrategie“- inklusive den Bereichen „E-Books“, „Previews“, „Widgets“, „Buchtrailer“, „Podcasts“, „WebTV“ (und wahrscheinlich gibt’s noch mehr). Allein das Thema Podcast birgt so wahnsinnig viel Potenzial für die Verlage – weil sich die Zuhörer mit dem Inhalt auseinander setzen. Und das ist am Ende das, womit (im übrigen gerade kleinere) Verlage punkten können, wenn nicht gerade Dan Brown, Helmut Schmidt oder Hape Kerkeling auf dem Deckel stehen.

    Wir haben z.B. für einen kleinen Verlag einen Podcast gemacht, der als Teaser über mehrere Monate hinweg jede Woche (professionell als Hörbuch/Hörspiel produziert) die Geschichte des Buches erzählt. In den vergangenen zwei Monaten wurde der Podcast alleine über 50.000 mal gehört. Das Preis-Leistungsverhältnis gibt’s bei keiner Anzeige …

  2. Hi Ralf,
    du hast natürlich total Recht!
    Aber man darf die Leser auch nicht überfordern. Manchmal ist es einfacher an einem konkreten Punkt anzusetzen und dann Schritt für Schritt die anderen Bereiche anzusprechen.
    Und ich habe hier bereits mehrmals auf Paulo Coelho und seine Socialnetworkstrategien, also sein Agieren auf MySpace, Facebook, Youtube und mit einem eigenen Blog, dazu Crowdsourcing für die Verfilmung von der „Hexe von Portobello“ hingewiesen.
    Als Paradebeispiel, wie man es tun sollte.
    Klar – Podcasts sind ebenfalls ein super Ansatzpunkt. Aber Videos werden von noch deutlich mehr Menschen konsumiert wie Podcasts.
    Aber eine intelligente Web 2.0 Strategie, die aus mehreren passenden Bausteinen besteht, wäre ideal.

  3. Danke für den Link!!!
    Hatte ich auch auf meiner Auswahlliste. Aber das Buch „sprach dann nicht mit mir“. Aber du hast Recht. Auch ein guter Trailer. Gar keine Frage.

  4. Hi Matias –

    bei dem Coelho-Beispiel darf man aber nicht vergessen, dass er einer der wenigen (wirklich wenigen) ist, die in der Literatur einen Namen haben. Da zieht die Marke die Massen und deshalb funktionieren solche Sachen bei ihm auch. Aber klar, ein Paradebeispiel ist es allemal.

    Was es auf jeden Fall zeigt: Man darf sich nicht auf einen Kanal verlassen (schon gar nicht, wenn man nicht Coelho heißt). Man muss versuchen, überall präsent zu sein, um den Ball ins Rollen zu bringen.

    Danke auf jeden Fall nochmal für den Beitrag. Hab Dein Blog jetzt mal abonniert (kannte es vorher noch gar nicht) und hoffe auf mehr solcher interessanter Beiträge ;-).

    Viele Grüße!

  5. Einer der witzigsten und ansprechendsten Buchtrailer ist für mich derjenige für „Dinge geregelt kriegen“. Wirklich witzig gemacht und ich kenne viele Leute die aufgrund von diesem Trailer auch das Buch gekauft haben und restlos begeistert sind.

  6. Ich glaube, das Problem ist vielschichtiger.

    Zum Einen fehlen oft in den Verlagen Leute mit einer Affinität zu neuen Marketingkanälen. Entscheider in den Bereichen Marketing und Werbung wissen noch gar nicht um die vielen Möglichkeiten von Online Marketing. Oft gibt es gerade in dieser Branche ja auch starke Vorbehalte gegenüber neuen Medien. Dinge wie Kindle oder e-books machen vielen Leuten in der Verlagswelt eher Angst und werden als Konkurrenten gesehen.

    Dann sind schlichtweg Stellen in den Verlagen gar nicht besetzt mit Leuten, die Onlineaktivitäten koordinieren. Das setzt ja auch redaktionelle Arbeit voraus. Den ersten Trailer für Hornby, den ich für Kiepenheuer & Witsch realisiert habe, wurde von einem Menschen von Verlagsseite abgewickelt, der nebenbei Bücher lektorieren sollte, den Backlist-Katalog digitalisieren und noch Pressearbeit machen sollte. (Trotzdem hat der Mann einen Superjob gemacht).

    Zum Glück aber macht der Buchtrailer sich trotzdem langsam breit.

    Und dann sollte man ja nicht nur auf die Verlage schimpfen, sondern auch auf die vermeindlichen ”Gestalter” hinweisen, die verantwortlich sind für so viel Schrott, der
    durch´s Web geistert. Wie in allen Designbereichen, sollten eben Designer sich um Gestaltung kümmern. Leute mit einem Gespür u.A. für gute Gestaltung, Typografie, dem richtigen Erzähltempo und einem Sinn für Film. Das so eine Dienstleistung Geld kostet, das ist scheinbar vielen Leuten gar nicht klar.

    Einen interessanten Artikel zu diesem Thema gibt es übrigens zur Zeit in der Märzausgabe der PAGE zum Thema Literatur Marketing im Web. Und sonst http://www.buero-ziegler.de anschauen. Denn was Frisöre können, können nur Frisöre. In diesem Sinne!

  7. Ich kann dem ersten Beispiel von Dir nichts abgewinnen. Warum soll ich mir den Clip anschauen? Was fängt mein Interesse? Wie komme ich an zusätzliche Infos? Der Clip geht davon aus, dass ich Lust darauf habe, mir gefühlte 10 Minuten Werbung vorsetzen zu lassen. Ich finde ihn weder unterhaltend noch weckt er mein Interesse.
    Da gibt es Beispiele, die das wesentlich besser machen, erwähnt wurde schon das Beispiel zum Buch „Die Dinge geregelt kriegen“.

    Was ich bei allen Beispielen schwerig finde, ist dass sie wie Kinofilm-Clips daherkommen. Irgendwie deckt sich das dann nicht mit meiner Erwartungshaltung, wenn ich merke dass es um ein Buch geht.

    Interessant finde ich, dass aus den Beispielen nur der Eragon-Clip wirklich nennenswerte Views bei Youtube hat.
    Was dann aber auch zu einer interessanten Frage führt: wann sind andere bereit sich Buchtrailer anzuschauen, sie zu empfehlen und bei sich auf der Website einzubinden.
    Der Trailer zum Buch „Die Dinge geregelt kriegen“ lässt vielleicht ein paar Rückschlüsse zu.

  8. „Sehr geehrte Damen und Herren,

    mein Name ist Flavia De Luce. Selbstverständlich werde ich Ihnen meinen kleinen Teaser nicht vorenthalten. Ich will mich auch gar nicht mit anderen messen, dafür bin ich viel zu unschuldig & jung.
    .“

    Flavia de Luce

  9. Interessanter Artikel. Aber es gibt doch inzwischen sehr viel schönere Beispiele – meine Vorredner haben ja schon welche genannt, ganz toll ist z.B. „die Dinge geregelt bekommen“. Und es gibt auch schon Verlage, die das ganz gut anpacken, z.B. der Club Bertelsmann, der seit 4 Jahren einen Buchtrailerwettbewerb macht. http://www.derbuchtrailer.de der club hat zwar ein dröges image, aber der wettbewerb ist erstaunlich frisch. (wohl ne gute agentur dabei…:-)

  10. Vielen Dank, Florence, für diesen sehr interessanten Link hin zu DerBuchtrailer.de. Spannend. Und schön zu sehen, dass es so etwas gibt.
    Kannte ich bisher noch nicht.

  11. Auch auf die Gefahr, als Werbetrommelrührer in eigener Sache zu gelten, egal. Was sagst denn die Gemeinschaft zu dem Trailer ”Arthur und die Welt der vergessen Bücher”, arsEdition aus unserem Hause? Jenseits aller Grundsatzdiskussionen? Bin gespannt!

  12. Wunderbarer Artikel! Ich habe mich auch schon oft gewundert, warum dieses kostenlose (!) Medium nicht öfters genutzt wird, gerade in Zeiten, wo die Preise für Printwerbung in den Himmel schießt. Ich bin selbst Autorin und habe mit dem Windows Movie Maker zwei Trailer gebastelt, um mein Buch zu promoten. Es war gar nicht so schwer, für mich als Laien ein ansprechendes Ergebnis hinzubekommen – deswegen erscheint es mir umso merkwürdiger, dass dieses Medium nicht mehr genutzt wird.

    Viel Spaß mit meinen Trailern!

    http://vimeo.com/3080159

  13. Hier ein neuer Buchtrailer zu „GONE“ von Michael Grant:

    http://www.youtube.com/watch?v=KhqsTkg6yyM

    !!!

  14. oh, hier der richtige Link zu „GONE“

    http://www.youtube.com/watch?v=XrDimHHmZwo

    ;)

  15. Hier der neue Buchtrailer zum Roman »Dumm Sterben« von Brandon Walder:

    http://www.youtube.com/watch?v=HV2GKgymXKs