SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

28Jul/08Off

Localbased Networks funktionieren noch immer nicht

Autor des Artikels: Matias Roskos

Vor zwei Jahren wurden Projekte wie Townster, Plazes und Co. gehyped wie kaum etwas anderes im Netz. Neben SecondLife vielleicht noch. Aber was ist daraus geworden? Wie stark sind diese mit viel Geld hochgezogenen Portale heute, im Sommer 2008? Alle jubilierten damals, sie selbst feierten sich als die neuen Goldgruben des Web 2.0. Businessmodelle? "Na über Werbung! Und später dann vielleicht mit bezahlten SMS und so" war eine häufige Aussage.

Ich habe mir via Google Trends for Websites mal die Zugriffszahlen angeschaut, die sicherlich einen guten Eindruck vermitteln, wie stark frequentiert sie sind.

Im Vergleich

Als Vergleichsmaßstab habe ich Wer-kennt-wen in den Vergleich mit eingebaut, eine Social Network, welches auch auf regionale Bezüge setzt:

Vergleich von Local Based Networks 03

Erschreckend, wie ich finde. Plazes, Yumondo, Townster und Townkings haben nicht den Hauch einer Chance gegen Wer-kennt-wen.

Nehme ich Wer-kennt-wen aus dem Vergleich raus und setze dafür mal Dawanda ein (ich bin davon ausgegangen, das Dawanda nicht ganz so stark ist Wer-kennt-wen, aber immer noch mit nennenswerten Zugriffszahlen), schauts so aus:

Vergleich von Local Based Networks 02

Auch gegen Dawanda haben die Portale keinerlei Chance. Oben ist der Chart für die weltweiten Zugriffszahlen zu sehen. Begrenze ich das auf Deutschland, schaut es nicht anders aus:

Vergleich von Local Based Networks 01

Nur das nun von den Portalen gar nichts mehr zu sehen ist... In Deutschland will sie anscheinend (fast) niemand. Und das bei diesen Budgets die dort verbraten wurden.

Woran liegts? Wurde der Zeitgeist nicht getroffen? Das kann nicht sein, wenn parallel StudiVZ wie eine Rakete abging und Facebook täglich Tausende Nutzer hinzu gewinnt.

Wo also sind die Ursachen?

Damit eine Anwendung von den Leuten angenommen wird und sich vor allem weiter verbreitet, muss sie in sich selbst genug Potential für Viralität besitzen. An sich haben das all diese Portale, weil sie auf Regionalität setzen. Aber man hat es bis heute ganz offensichtlich nicht geschafft eine kritische Masse auf die Portale zu ziehen. Erst wenn diese erreicht ist, verbreitet sich die Message "Hier ist ein cooles Portal, das du nutzen solltest" wie ein Virus scheinbar von selbst.

Und warum nun keine kritische Masse bisher?

  1. Weil es zeitgleich mehrere gleich interessante Player auf dem Markt gibt (Plazes, Townkings, Townster, Yumondo). Alle unterscheiden sich für den unerfahrenen Nutzer nur marginal.
  2. Weil sie zu schwer zu bedienen sind und damit viele gleich wieder abschrecken. Wer-kennt-wen ist da das beste Gegenbeispiel. Viele sagen "We langweilig". Ja, mag sein. Aber erfolgreich! "Keep it simple" kann ich immer nur wieder betonen. Zumindest zu Anfang.
    Wenn man dann, wie Facebook sich mit seiner dann schon gewachsenen Community weiter entwickelt ists okay.
  3. Zu geringe Abgrenzung zu anderen Social Networks.
    Warum soll ich eines der genannten Portale nutzen, wenn ich auch Facebook oder StudiVZ nutzen kann. Wo sind die echten Mehrwerte dieser Dienste?
  4. Fehlende Mobil-Anbindung.
    Das Ganze macht doch nur Sinn, wenn ich es gut und easy mit dem Handy nutzen kann. Wo sind meine Freunde, wenn ich selbst gerade unterwegs bin. Auf welche Party soll ich gehen? Das muss ich via Handy erfahren oder auch mitteilen können. Wenn da die SMS aber besser und schneller funktioniert...
    Vielleicht ist ja hier das iPhone die Erlösung für diese Projekte.
  5. Schnittstellen zur Offline-Welt.
    Wie tritt man außerhalb des Netzes an die Leute heran? Anscheinend gar nicht. Dabei hats StudiVZ doch vorgemacht, wie es geht. Einfach mal Ehssan Dariani fragen - der weiß wie man sowas macht.
  6. Communitymanagement unterschätzt
    Nichts ist so wichtig und zugleich auch so zeitintensiv wie gutes Communitymanagement. Das macht man nicht mal so nebenbei. Man braucht gute Leute, die wissen was sie tun. Die wissen, wie man mit einer Community redet. Und man braucht meist nicht nur einen, sondern ein gutes Team.
    Brands4friends hats vorgemacht wie es geht. Einen großen Anteil am enormen Erfolg hat dort, neben der simplen wie erfolgreichen Story "Coole Markenklamotten zu unschlagbaren Preisen", das exzellente Communitymanagement!

Alle haben parallel die gleichen Fehler gemacht. Immer nach dem Motto "Das MUSS schon funktionieren. Wenn alle (Blogger, Berater, Business Angel) es cool finden, ists doch ein Selbstläufer, oder? Nicht wirklich, wie sich gezeigt hat.

Ausblick

Klar - Plazes wurde nun doch erfolgreich verkauft. Immerhin. Und die anderen? Man hat Lehrgeld gezahlt. Man hat vieles nicht getan, was man hätte tun sollen. Man wartet nun auf bessere Zeiten und verfährt nach dem Motto "Wir waren einfach nur zu früh dran" anstatt zu überleben, wie man Viralität implementiert bekommt und sich spannende Konzepte überlegt. Mag sein, das ich ungerecht bin. Aber die nackten Zahlen sprechen eine ziemlich deutliche Sprache. Anspruch und Wirklichkeit gehen weit auseinander. Erfolg schaut anders aus.

Und die wahre Konkurrenz - Wer-kennt-wen, StudiVZ/MeinVZ, Facebook, MySpace - zieht weiter auf und davon.

hat dir dieser Artikel gefallen?

Dann abonniere doch diesen Blog per RSS Feed!

Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

veröffentlicht unter: Viralmarketing Kommentare
Kommentare (0) Trackbacks (0)

Die Kommentarfunktion ist hier derzeit deaktiviert.

Trackbacks are disabled.