Archiv für Juli, 2008

Localbased Networks funktionieren noch immer nicht

Vor zwei Jahren wurden Projekte wie Townster, Plazes und Co. gehyped wie kaum etwas anderes im Netz. Neben SecondLife vielleicht noch. Aber was ist daraus geworden? Wie stark sind diese mit viel Geld hochgezogenen Portale heute, im Sommer 2008? Alle jubilierten damals, sie selbst feierten sich als die neuen Goldgruben des Web 2.0. Businessmodelle? “Na über Werbung! Und später dann vielleicht mit bezahlten SMS und so” war eine häufige Aussage.

Ich habe mir via Google Trends for Websites mal die Zugriffszahlen angeschaut, die sicherlich einen guten Eindruck vermitteln, wie stark frequentiert sie sind.

Im Vergleich

Als Vergleichsmaßstab habe ich Wer-kennt-wen in den Vergleich mit eingebaut, eine Social Network, welches auch auf regionale Bezüge setzt:

Vergleich von Local Based Networks 03

Erschreckend, wie ich finde. Plazes, Yumondo, Townster und Townkings haben nicht den Hauch einer Chance gegen Wer-kennt-wen.

Nehme ich Wer-kennt-wen aus dem Vergleich raus und setze dafür mal Dawanda ein (ich bin davon ausgegangen, das Dawanda nicht ganz so stark ist Wer-kennt-wen, aber immer noch mit nennenswerten Zugriffszahlen), schauts so aus:

Vergleich von Local Based Networks 02

Auch gegen Dawanda haben die Portale keinerlei Chance. Oben ist der Chart für die weltweiten Zugriffszahlen zu sehen. Begrenze ich das auf Deutschland, schaut es nicht anders aus:

Vergleich von Local Based Networks 01

Nur das nun von den Portalen gar nichts mehr zu sehen ist… In Deutschland will sie anscheinend (fast) niemand. Und das bei diesen Budgets die dort verbraten wurden.

Woran liegts? Wurde der Zeitgeist nicht getroffen? Das kann nicht sein, wenn parallel StudiVZ wie eine Rakete abging und Facebook täglich Tausende Nutzer hinzu gewinnt.

Wo also sind die Ursachen?

Damit eine Anwendung von den Leuten angenommen wird und sich vor allem weiter verbreitet, muss sie in sich selbst genug Potential für Viralität besitzen. An sich haben das all diese Portale, weil sie auf Regionalität setzen. Aber man hat es bis heute ganz offensichtlich nicht geschafft eine kritische Masse auf die Portale zu ziehen. Erst wenn diese erreicht ist, verbreitet sich die Message “Hier ist ein cooles Portal, das du nutzen solltest” wie ein Virus scheinbar von selbst.

Und warum nun keine kritische Masse bisher?

  1. Weil es zeitgleich mehrere gleich interessante Player auf dem Markt gibt (Plazes, Townkings, Townster, Yumondo). Alle unterscheiden sich für den unerfahrenen Nutzer nur marginal.
  2. Weil sie zu schwer zu bedienen sind und damit viele gleich wieder abschrecken. Wer-kennt-wen ist da das beste Gegenbeispiel. Viele sagen “We langweilig”. Ja, mag sein. Aber erfolgreich! “Keep it simple” kann ich immer nur wieder betonen. Zumindest zu Anfang.
    Wenn man dann, wie Facebook sich mit seiner dann schon gewachsenen Community weiter entwickelt ists okay.
  3. Zu geringe Abgrenzung zu anderen Social Networks.
    Warum soll ich eines der genannten Portale nutzen, wenn ich auch Facebook oder StudiVZ nutzen kann. Wo sind die echten Mehrwerte dieser Dienste?
  4. Fehlende Mobil-Anbindung.
    Das Ganze macht doch nur Sinn, wenn ich es gut und easy mit dem Handy nutzen kann. Wo sind meine Freunde, wenn ich selbst gerade unterwegs bin. Auf welche Party soll ich gehen? Das muss ich via Handy erfahren oder auch mitteilen können. Wenn da die SMS aber besser und schneller funktioniert…
    Vielleicht ist ja hier das iPhone die Erlösung für diese Projekte.
  5. Schnittstellen zur Offline-Welt.
    Wie tritt man außerhalb des Netzes an die Leute heran? Anscheinend gar nicht. Dabei hats StudiVZ doch vorgemacht, wie es geht. Einfach mal Ehssan Dariani fragen – der weiß wie man sowas macht.
  6. Communitymanagement unterschätzt
    Nichts ist so wichtig und zugleich auch so zeitintensiv wie gutes Communitymanagement. Das macht man nicht mal so nebenbei. Man braucht gute Leute, die wissen was sie tun. Die wissen, wie man mit einer Community redet. Und man braucht meist nicht nur einen, sondern ein gutes Team.
    Brands4friends hats vorgemacht wie es geht. Einen großen Anteil am enormen Erfolg hat dort, neben der simplen wie erfolgreichen Story “Coole Markenklamotten zu unschlagbaren Preisen”, das exzellente Communitymanagement!

Alle haben parallel die gleichen Fehler gemacht. Immer nach dem Motto “Das MUSS schon funktionieren. Wenn alle (Blogger, Berater, Business Angel) es cool finden, ists doch ein Selbstläufer, oder? Nicht wirklich, wie sich gezeigt hat.

Ausblick

Klar – Plazes wurde nun doch erfolgreich verkauft. Immerhin. Und die anderen? Man hat Lehrgeld gezahlt. Man hat vieles nicht getan, was man hätte tun sollen. Man wartet nun auf bessere Zeiten und verfährt nach dem Motto “Wir waren einfach nur zu früh dran” anstatt zu überleben, wie man Viralität implementiert bekommt und sich spannende Konzepte überlegt. Mag sein, das ich ungerecht bin. Aber die nackten Zahlen sprechen eine ziemlich deutliche Sprache. Anspruch und Wirklichkeit gehen weit auseinander. Erfolg schaut anders aus.

Und die wahre Konkurrenz – Wer-kennt-wen, StudiVZ/MeinVZ, Facebook, MySpace – zieht weiter auf und davon.

Erstellt am Montag 28. Juli 2008
Unter: Viralmarketing | Keine Kommentare »

Oomph macht mich traurig

AAL beudetet “Andere arbeiten lassen” und meint: “ihr bekommt nix dafür, nur Ruhm und Ehre”. Und dafür gebt ihr mir eure Ideen, eure Kreativität.

Dabei läuft mir ein unangenehmer, kalter Schauer über den Rücken. AAL macht den Ruf von Crowdsourcing kaputt. AAL stinkt. AAL ist unfair und birgt immer die hohe Gefahr in sich, das die Leute sich verarscht fühlen. Entschuldigung für die klaren Worte. Muss manchmal sein.

Ich hatte neulich schon über die miese Aktion für das neue CD-Cover von Oomph geschrieben. Nun ist das Cover da:

Das Cover steht fest!
Ihr erinnert Euch: Wir hatten Euch aufgerufen, das Cover zum neuen OOMPH!-Album „Monster” zu gestalten und Eure Vorschläge auf der Myspace-Seite der Band hoch zu laden. Die Resonanz war überwältigend und hat alle Erwartungen übertroffen! Mehr als 600 (!) Vorschläge kamen von Euch. Wer die Wahl hat, hat die Qual – demnach haben sich Dero, Crap und Flux ausgiebig mit Euren Einsendungen beschäftigt und lange darum gerungen, welche der vielen tollen Ideen das Rennen macht. Nun endlich steht der Sieger fest! Ihr könnt ihn ab heute auf www.myspace.de/oomph sehen und wir hoffen, Ihr seid genau so begeistert wie die Band. Mit genau diesem Cover wird die „Monster”-CD am 22. August in die Läden kommen – also klickt rein! Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben – OOMPH! sind stolz, die kreativsten Fans der Welt zu haben!

heißt es im Oomph-Blog.

Sollte es tatsächlich nix, gar nix – und so hat es den Anschein – für den Kreativen für das Cover gegeben haben, dann find ich das einfach nur traurig und mies. Eine vernünftige Entlohnung wäre allemal drin gewesen. Oder es lief etwas im Hintergrund, von dem man nichts erfährt. Aber dann sollte man das kommunizieren.

Ansonsten kann ich immer wieder nur sagen: seid fair zu euren Fans, fair zu den Kreativen. Denn auch ihr – egal ob Band, Lebensmittelkonzern, Klamottenmarke, Internetprojekt – wollt fair behandelt worden! Kommunikation im Web 2.0 findet auf Augenhöhe statt. Ob man es will oder nicht. Dazu sollte man bereit sein. Behandelt man die Fans nicht so wie sie es wert sind, wird bei vielen ein schaler Beigeschmack bleiben. So wie bei mir in diesem Fall.

Wie man es anders, besser macht, zeigt gerade CROW’n'CROW, die die Open Beta ihres Lifestyle-Portales für Individualisten mit einer wunderbaren Kreativ-Crowdsourcing-Aktion gestartet haben und dafür über 5.000 Euro an Prämien bereitstellen. “BE! Your own brand!” ist komplett anders ausgelegt wie die traurig Oomph-Aktion. Schön, das es auch Gegenbeispiele gibt.

Erstellt am Samstag 26. Juli 2008
Unter: Crowdsourcing | 1 Kommentar »

OpenInnovation als brandaktuelles Thema bei McKinsey

Bei McKinsey heißt es heute:

  • The Internet and new social-networking technologies are allowing companies and their customers to interact with unprecedented levels of richness. Some leading organizations are using this opportunity to draw customers into the heart of the product-development process.
  • Cocreating products and services with customers, however, is uncertain territory fraught with challenges and questions—for instance, who owns the resulting intellectual property? Nonetheless, smart companies are now beginning to encourage their customers to help them develop the products and services consumers really want.

Erfreulich, das man bei McKinsey tatsächlich so nah am Puls der (Internet-)Zeit ist und diese Trends erkennt und weiter vermittelt.

Erstellt am Dienstag 8. Juli 2008
Unter: Crowdsourcing | Keine Kommentare »