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18Jun/08Off

Wann ist Crowdsourcing Crowdsourcing?

Autor des Artikels: Matias Roskos

Ein anerkannter Viralmarketing-Experte hat einmal in einem aus meiner Sicht sehr ungeschickt formuliertem Blogbeitrag Crowdsourcing auf eine Stufe gestellt mit Malwettbewerben im Kindergarten. Ziemlicher Blödsinn, wie ich ihm deutlich machte.

Oft findet Crowdsourcing vor allem im Kreativbereich noch als Contest, als „Competition“ statt. Das kollaborative Element, das wichtiger Bestandteil von Crowdsourcing ist, tritt hierbei auf den ersten Blick nicht so stark in den Vordergrund.

Doch auch ein Kreativ-Contest kann Crowdsourcing sein. Aber welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit man von Crowdsourcing sprechen kann. Was unterscheidet Crowdsourcing von Casting-Shows, Telefon- und Straßenumfragen oder Kindermalwettbewerben.

Welche Elemente sind Grundbestandteil von Crowdsourcing?

Damit Crowdsourcing Crowdsourcing ist, müssen aus meiner Sicht folgende Bestandteile enthalten sein:

  1. Das Internet
    Erst mit Hilfe des Internets ist es möglich auf die Arbeitskraft von Menschen, die weltweit verteilt sind, zuzugreifen.
    Im Wort „Crowdsourcing“ steckt der Begriff „Outsourcing“. Man gibt Arbeiten heraus aus der eigenen Firma, hinein ins Internet, an eine wie auch immer definierte Crowd.
  2. Zusammenarbeit
    Durch das Internet ist es möglich das Menschen gemeinsam an der Bewältigung von Arbeitsaufgaben arbeiten. Dies kann bedeuten, das man mit Hilfe von Wikis, Blogs oder Forensystemen gemeinsam Problemlösungen diskuttiert und Ideen generiert.
    Es kann auch bedeuten, dass man Teilbereiche eines Aufgabenfeldes an verschiedene virtuell vernetzte Personen überträgt.
    Die Zusammenarbeit kann sehr eng sein wie zum Beispiel bei einem Wiki. Bestes Beispiel dafür ist Wikipedia, wo Tausende Menschen Informationen zusammentragen und die weltweit größte Wissenssammlung durch Crowdsourcing entstanden ist.
    Die Zusammenarbeit kann aber auch sehr sehr lose sein, wie beispielsweise bei Amazons Mechanical Turk, wo Menschen Teilaufgaben (dort Hits genannt) übernehmen und so für zahlende Kunden eine effektive Dienstleistung erbringen.
    Die Tiefe der Zusammenarbeit kann also unterschiedlich stark sein. Aber selbst bei Crowdsourcing-Contests gibt es diese virtuelle Zusammenarbeit: im Votingprozess, in den Kommentaren, beim gegenseitigen Inspirieren der eingesandten Arbeiten.
  3. Faire Rahmenbedingungen
    Um effektiv arbeiten zu können braucht jeder Mensch gewisse Rahmenbedingungen. Das ist beim Crowdsourcing nicht anders wie im normalen Arbeitsleben.
    Die Teilnehmer müssen gebrieft werden, was von ihnen erwartet wird. Der rechtliche Rahmen muss – zur Sicherheit des Auftraggebers wie auch zum Schutz der Rechte der Teilnehmer – klar vorgegeben werden (AGBs). Möglicherweise müssen Vorlagen zum Download bereitgestellt werden.
    Manchmal geht es darum sich an die Branding-Strategie eines Unternehmens zu halten. Ein anderes mal müssen bestimmte Slogans integriert oder konkretes Bildmaterial verwendet werden.
    Meine Erfahrungen zeigen ganz klar, das die beteiligten Nutzer sich am wohlsten fühlen, wenn man einen gewissen Rahmen absteckt, in dem sie sich bewegen können. Dieser darf jedoch nicht einengen und gerade auch bei Kreativprojekten die Kreativ der Beteiligten nicht unnötig einschränken.
    Wichtig ist, das die Rahmenbedingungen nicht einfach nur den Rahmen abstecken, sondern das sie auch fair sind und den Teilnehmern ein gutes Gefühl vermitteln, sie gern wiederkommen und das Projekt anderen weiter empfehlen.
  4. Einsatz von Web 2.0-Elementen
    Voting-Mechanismen, Tagging, Kommentarmöglichkeiten sind elementare Bestandteile der meisten Crowdsourcing-Aktionen. Man nutzt dadurch die vielfältigen Möglichkeiten des Gedankenaustauschs und des Bewertens von Ideen, Meinungen und Vorschlägen, die das Web 2.0 zu dem gemacht haben, was es ist - eine neue Form des sozialen Agierens im virtuellen Raum.
    Sie helfen nicht nur die Inhalte und Botschaften viral transportieren zu lassen. Sie sind auch Mittel um die besten Lösungen, spannendsten Konzepte, effektivsten Ideen heraus zu filtern.
  5. Professionelles Projekt-Management
    Jede gute Crowdsourcing-Aktion muss professionell und permanent betreut werden. Es darf zu keinem Wildwuchs kommen. Ohne Betreuung der Nutzer, der Community, wird Crowdsourcing ineffektiv bleiben.
    Hierfür ist der Einsatz guter Communitymanager unablässig. In der Zukunft wird man sicherlich mit sich spezialisierenden Agenturen oder Crowdsourcing-Units im Unternehmen zusammenarbeiten.
  6. Entlohnungsmechanismen/Incentives
    Ein wichtiger Aspekt beim Crowdsourcing sind die sogenannten Incentives. Warum machen Menschen beim Crowdsourcing mit. Dafür gibt es die vielfältigsten Beispiele und Antworten. Mal ist es Geld (welches auch hier oft als das effektivste Mittel Anwendung findet). Mal geht es aber auch darum sich und sein Können einer Öffentlichkeit präsentieren zu können.
    Ein anderes Mal geht es um Zugang zu exklusiven Kanälen, die man über andere Wege nicht erreichen könnte. Hier denke man an Backstage-Tickets von Rock-Konzerten, Sonder-Editionen von CDs, das Kennenlernen seiner "Stars" und ähnliches.
  7. Offenheit
    Man nutzt beim Crowdsourcing ja nicht nur allein die Vorteile des vernetzten Arbeitens im Internet. Man begibt sich damit quasi auch in einen öffentlichen Raum.
    Natürlich gibt es „geschlossene“ Crowdsourcing-Projekte. Aber selbst diese sind nur bedingt geschlossen. Das Internet ist ein offenes Medium. Dem muss man sich jederzeit bewusst sein.
    Man begibt sich also mit Crowdsourcing ganz bewusst hinein in die Offenheit des Web 2.0. Menschen lernen dadurch die Marke, die Firma, die Markenbotschaft, das Produkt, die Webseite kennen.
    Dessen muss man sich immer bewusst sein. Und oft nutzt man dies ja auch um Mundpropaganda anzuregen und Crowdsourcing als Instrument für Suchmaschinenmarketing zu nutzen.

Es gibt etliche Elemente, die Crowdsourcing zu dem machen, was es ist - eine moderne und ungemein innovative Form der Zusammenarbeit von Menschen an den unterschiedlichsten Plätzen der Welt. Diese kollaborative Arbeitsform steht noch ganz am Anfang und wird in den kommenden zehn Jahren die Arbeitswelt vieler Menschen und vieler Unternehmen verändern und für intelligente Marketingformen unerlässlicher Bestandteil werden.

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