SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

16Jun/08Off

Paulo Coelho zeigt, wie man in Socialnetworks agiert

Autor des Artikels: Matias Roskos

Der brasilianische Erfolgsautor Paulo Coelho gehört zu den Schriftstellern, die nicht nur still in ihrer Stube sitzen und an neuen Romanen stricken. Er ist jemand, der offen mit der neuen Zeit und ihren Medien umgeht. Man findet ihn überall im Netz. Er betreibt ein eigenes Blog, hat eine eigene MySpace-Seite und scheut nicht davor zurück neue Dinge auszuprobieren und zu testen, was es an Möglichkeiten im Internet gibt.

Witch of PortobelloUnter diesem Gesichtspunkt kann man auch seine neueste Initiative sehen: Das HexenProjekt (Witch of Portobello Project).

Im Laufe meines Schriftstellerlebens habe ich Kontakt zu vielen Menschen gehabt, die mir vertrauten, ohne mich persönlich gut zu kennen. Sie haben mir geholfen, meine Träume weiter zu verfolgen. Im vergangenen Jahr habe ich immer wieder Webseiten von Lesern besucht und darauf ausgezeichnete Arbeiten von Schauspielern und Schauspielerinnen, Musikern und Regisseuren gefunden. Da dachte ich mir: Warum machen wir nicht zusammen einen Film? Obwohl ich alle Rechte am Buch habe, wäre es doch interessant zu versuchen, eine Partnerschaft mit meinen Lesern einzugehen. Und aus diesem Gedanken heraus entstand folgendes Projekt:

1. Im Roman Die Hexe von Portobello gibt es 15 Erzähler, die ihre eigene Sichtweise der Geschichte einbringen. Die meisten von ihnen – genau genommen 13 –haben direkt mit Athena, der Hauptfigur, zu tun gehabt.

Erzählerfigur:
Andrea McCain, Antoine Locadour, Derdre O'Neill, Heron Ryan, Lella Zainab, Liliana, Lukas Jessen-Petersen, Nabil Alaihi, Newspaper, Padre Giancarlo Fontana, Pavel Podbieskli, Peter Sherney, Samira R. Khalil, Vosho 'Boshalo', Meta-Erzählerin : Scotland Yard

2. Sie suchen sich die Figur aus, deren Blickwinkel sie filmisch umsetzen möchten, Sie entwickeln das Drehbuch, suchen die Schauspieler aus, führen Regie etc.
...
Da es unterschiedliche Projekte auf der ganzen Welt geben wird, wird auch Athena selbstverständlich immer anders sein (Lateinamerikanerin, Afrikanerin, Asiatin etc.). Diese Vielfalt ist gewollt, denn im Buch wird offen gelassen, wie Athena aussieht.
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Nach der Auswahl der besten Videos setzt sich das Experimental-Witch-Team mit den Gewinnern in Verbindung, um ihnen den Vertrag zu schicken und die Adresse zu nennen, an die sie ihr Originalmaterial schicken sollen. Die Sieger erhalten ein Preisgeld in Höhe von 3.000 €. Die Rechte am Bildmaterial werden dem Experimental-Witch-Team vollständig übertragen.

6. Mit dem Originalmaterial der Gewinner wird ein von uns ausgesuchter professioneller Regisseur die im Buch erzählte Geschichte rekonstruieren. Wir werden alles tun, um die Endversion auf Filmfestspielen überall auf der Welt zu zeigen und zudem die Rechte an Filmverleihe zu verkaufen (obwohl wir uns bewusst sind, wie schwierig dies sein wird).

7. Wir laden auch MusikerInnen von Myspace dazu ein, für den Film einen Soundtrack oder musikalische Themen für jeden Erzähler oder jede Figur zu schaffen. Das Preisgeld für den Gewinner beträgt 1500 €. Der/die MusikerIn/KomponistIn muss die Rechte an seiner Musik für den Film abtreten, nicht aber die Rechte für ein mögliches Album.

Was kann es für zum Teil namenlose Regisseure und Schauspieler Genialeres geben als ein solches Projekt? Gewiss – die Verdienstmöglichkeiten sind gering. Aber für einen Mann wie Paulo Coelho arbeiten zu können und letztendlich auch von seiner Genialität und seinem Bekanntheitsgrad zu profitieren ist extrem spannend und inspirierend. Ich bin mir sicher, das viele Kreative seinem Aufruf folgen werden.

So ist es nachzulesen im entsprechenden MySpace-Blog zum Hexenprojekt. Ich frage mich, ob er beim Schreiben des Buches bereits an diese Möglichkeit der filmischen Umsetzung gedacht hat. Denn erschienen ist es 2007.

Er erklärt auch, warum er sich auf ein solches Crowdsourcing-Projekt - den Begriff benutzt er übrigens nirgends - einlässt:

Sie fragen sich vielleicht: Was bringt das alles?

Ich sehe das so: Obwohl ich weiterhin alle Rechte an meinem Buch habe, und mir die Möglichkeit vorbehalte, später mit einem Filmstudio zu verhandeln, werde ich in eine neue Erfahrung eintauchen und die vielfältigen Sichtweisen meiner Leser kennen lernen.

Und schließlich, was nicht minder wichtig ist, werden wir zusammen ein bisschen Filmgeschichte schreiben: indem ein Film entsteht, dessen Regisseure Leser sind! Ich hoffe, Ihnen gefällt diese Idee.

Falls das eingesandte Material nicht unseren Maßstäben entspricht, kann das Projekt allerdings abgesagt werden. Alle, die teilnehmen möchten, können sich unten anmelden.

Mir liegt viel daran, dass dieser Film entsteht – ein Film, dessen Regisseure meine Leser sind!

Sehr herzlich,

Paulo

Er behält sich also eine Absage vor. Aber ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird.

Paulo Coelho sucht den engen Kontakt zu seinen Lesern. Er lässt sich, und das nicht erst mit diesem Projekt, darauf ein mit seinen Fans und Lesern in Kontakt und einen regen Austausch zu treten.

Paulo Coelho ist nicht nur ein Autor, einer der erfolgreichsten der letzten Jahre. Er ist zugleich auch eine Marke, eine Brand. Und er hat erkannt, das diese Marke "Paulo Coelho" mit Hilfe des Internets besser, schneller und auf eine für ihn ungemein spannende und inspirierende Art weiter transportiert werden kann. Er nutzt das Netz und vor allem Socialnetworks wie MySpace ganz intensiv und auf eine sehr intelligente Art um sich inspirieren zu lassen und um sich, seine Werke, seine Marke zu den Menschen transportieren zu lassen. Er hat die Zeichen der Zeit zu einhundert Prozent erkannt und setzt voll auf neue Socialnetworkstrategien, in diesem Fall auf Crowdsourcing.

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