SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

6Jun/08Off

Crowdsourcing kostet – vor allem Zeit

Autor des Artikels: Matias Roskos

In der allgemeinen Wahrnehmung wird einer der Trends im kollaborativen Internet – Crowdsourcing - vor allem gleichgesetzt mit amateurhafter Billigarbeit. Dies wird jedoch gut gemachtem Crowdsourcing in keiner Weise gerecht.

Grafikagenturen setzen meist auf ein Heer von Praktikanten

Im Kreativbereich, wo etablierte Kreativagenturen und studierte Grafikdesigner immer mal wieder über die neue Konkurrenz aus dem Internet jammern, ist es üblich, das man mit Praktikanten arbeitet. Diese sind oft (nicht immer und überall) mies bezahlt und schuften zehn und mehr Stunden am Tag. Ohne Praktika bei einer namhaften Grafikagentur hat man später nirgends eine Chance auf Festanstellung. Viele Kreativagenturen könnten ohne Praktikanten nicht existieren und ihre Preise halten. Die Kreativ-Praktikanten sind in dieser Branche das, was im Gesundheitswesen die Zivis sind. Viele gute Ideen und viele in Fleißarbeit entstandene Webseiten-Designs, Logo-Entwicklungen und Werbekampagnen entstanden unter einem nicht unerheblichen Anteil von Praktikanten. Meist wacht ein Kreativ-Direktor über das Heer der fleißigen Bienchen. Und sicherlich werden die Ergebnisse professionell verfeinert und präsentiert.

Also: wer mit Kritik nur so um sich wirft, sollte vielleicht überlegen wie es im eigenen Büro ausschaut. Und er sollte darüber nachdenken, ob Crowdsourcing nicht vielleicht eine echte Alternative zur üblichen Agenturarbeit und ein neues, spannendes Instrument im Bereich Ideenfindung sein kann. Ich betone: KANN. Nicht: MUSS.

Richtige Rahmenbedingungen für gutes Crowdsourcing

Vieles gilt es zu beachten beim Crowdsourcing. Vieles kann man falsch, vieles kann man schlecht machen. Wie in jedem Arbeitsfeld. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, wenn eine Crowdsourcing-Aktion am Ende als Erfolg bezeichnet werden soll. Dazu gehören:

  • ein detailliertes Abstecken der Ziele im Vorfeld in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden
  • ein zielgenaues Briefing der Teilnehmer
  • die fair gestaltete Abtretung von Rechten und die allgemeinen Teilnahmebedingungen
  • der tägliche Umgang mit der involvierten Community durch professionelle Communitymanager
  • die professionelle Betreuung der Aktion über den kompletten Zeitraum (wenn sie sich als Kunde allein gelassen fühlen, ist ihr Partner nicht der richtige)
  • persönliche Ansprechpartner für den Kunden wie auch für die Community
  • die Entlohnungsmechanismen

Wenn man all diese Punkte liest und kurz darüber nachdenkt, wird einem umgehend klar: das kostet! Crowdsourcing ist keine „Billig-Kiste“.

Crowdsourcing ist zeitintensiv

Ja – es kostet, vor allem Zeit! Eine gut aufgesetzte Crowdsourcing-Aktion zu initiieren und dann vor allem auch gekonnt zu managen und zu betreuen erfordert einen hohen zeitlichen Aufwand und enormes persönliches Engagement des Projektleiters und der Communitymanager. Manpower über einen längeren Zeitraum ist gefragt. Das wird von vielen potentiellen Kunden meist unterschätzt.

Crowdsourcing, will man es richtig machen, ist also keine Billig-Variante für die schnelle Dienstleistung. Wer schnelle und billige Ergebnisse will und womöglich sogar bekommt, wird mit der Qualität und den Effekten (Virales Marketing, Feedback von der Community) unzufrieden sein.

Crowdsourcing ist ein zeit- und personenintensiver Mix aus einer Dienstleistung für den Kunden, erbracht von einer Community und parallel dazu generierter Mundpropaganda plus gutes Suchmaschinenmarketing. Und dieser intelligente Mix aus drei wertvollen Bausteinen macht Crowdsourcing so interessant im Hinblick auf intelligente Marketing-Konzepte. Und es ist – gut initiiert und betreut – jeden Cent wert und ein möglicher, spannender Weg hinein in Socialnetworks.

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veröffentlicht unter: Crowdsourcing Kommentare