SocialNetworkStrategien Crowdsourcing, Communities, Communitymanagement und Social Media Marketing

19Mai/08Off

Communitys und Social Networks – eine Differenzierung der Begrifflichkeiten

Autor des Artikels: Matias Roskos

Immer wieder merke ich bei meinen Kunden, das der Unterschied zwischen einer Community und einem Social Network nicht klar ist. Beides wird willkürlich in einen Topf geworfen. Darum hier ein paar Ausführungen, worin konkret der Unterschied besteht.

Wenn ich von einer Community spreche, dann ist damit eine „Online-Community“ gemeint. Es gibt auch andere Formen von Communitys, die hier nicht Gegenstand sein werden. Der Einfachheit halber spreche ich aber weiter einfach nur von „Community“.

Community als Gemeinschaft von Menschen

Eine Community ist eine Gemeinschaft von Menschen, die im Internet mit Hilfe einer Plattform sich zu einem bestimmten Themenkomplex austauschen, beziehungsweise ähnliche Interessen haben und diese im Internet mit Gleichgesinnten teilen. Eine solche Plattform kann ein Forum sein, ein Chat-System, ein Blog, ein Webportal, ein virtueller Marktplatz oder ein Social Network. Sie treffen sich also virtuell und nutzen eine technische Lösung um miteinander zu kommunizieren oder gar gemeinsam zu agieren. Zwischen diesen technischen Lösungen gibt es unzählige Schnittmengen. Viele Webportale haben auch ein Forum. Virtuelle Marktplätze haben Blogs. Ein Social Network beinhaltet ein Chat-System. Klare Trennungen sind nicht immer möglich und sinnvoll.

Eine Community ist also ein soziales Phänomen. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen. Diese benötigen aber eine technische Lösung, eine Plattform, auf der sie sich treffen können. Dort kommunizieren sie miteinander. Sie vernetzen sich untereinander. Sie arbeiten gemeinsam an Problemlösungen. Sie geben Informationen weiter. Sie informieren sich und beziehen News und Tipps zu ihren Interessens-Gebieten.

Ein Social Network ist eine technische Lösung

Im Web 2.0 Zeitalter sind diese Plattformen immer häufiger Social Networks. Ein Social Network ist also in erster Linie eine technische Lösung. Aber es ist durchaus ebenso ein soziales Phänomen. Denn hier treffen sich Menschen, tauschen sich aus und vernetzen sich miteinander. Die namhaftesten Beispiele für Social Networks sind MySpace, Facebook, StudiVZ oder Xing.

Auch hier ist wieder der Hinweis darauf notwendig, das ich von einem virtuellen Social Network spreche. Oder noch besser: einem Social Network Service. Dies ist die korrekte Bezeichnung. Denn soziale Netzwerke gibt es nicht nur im Internet sondern auch im realen Leben. Gegenstand dieses Artikels sind aber ausschließlich die Erscheinungen, die das Internet betreffen.

Auf einem Social Network versammelt sich also eine Community. Eine Community sind Menschen mit gleichen oder ähnlichen Interessen. Ein Social Network ist eine technische Lösung, die den Nutzern Instrumente an die Hand gibt, mit denen sich die Mitglieder der Community vernetzen können. Hierzu zählt die Möglichkeit der Einrichtung eines eigenen Profils, Freunde einladen, Freunde/Kollegen suchen und finden, mit anderen Nachrichten unabhängig von Emails austauschen, Votingsysteme, eigene und gemeinsame Bildergalerien, virtuelle Geschenke, Linksammlungen (Social Bookmarking) und vieles andere mehr.

Es gibt verschieden starke Communitys. Mit „stark“ meine ich den Grad der Interaktion und die Festigkeit der Bindung untereinander. Es gibt Unterschiede, wie fest die Bindung der Community-Mitglieder ist und in welcher Form sie miteinander agieren.

Es gibt im realen Leben Hausgemeinschaften, in denen sich die Nachbarn kaum kennen. Man wohnt nur in dem Haus, teilt außer der Räumlichkeit aber nichts miteinander. In anderen Hausgemeinschaften werden Geburtstage, Silvester, Sommerfeste und andere Dinge zusammen zelebriert. Man kennt und hilft sich. Ähnlich ist es im Internet.

In Social Networks wie MySpace oder Facebook richtet man sich ein. Man lädt seine Freunde ein, vernetzt sich mit Kollegen und Geschäftspartnern. Man kommuniziert in relativ kleinen, geschlossenen Kreisen, kennt seine „Nachbarn“ aber kaum. Andere Communitys sind deutlich kollaborativer. Oft sind das Foren-Communitys, wo jeder Fragen stellen kann, die andere dann beantworten. Der Gedanke der Interaktion ist viel größer. Es geht weniger ums Vernetzen wie um Antworten auf Fragen oder die Weitergabe von Wissen. Der Grad der gemeinsamen Interessen ist deutlich höher wie in großen Social Networks.

Foren sind oft bessere Communitys

Überhaupt werden Foren in Zeiten der Social Networks stark unterbewertet! Ihre Communitys sind meist über einen viel längeren Zeitraum gewachsen. Und durch den hohen Grad der Interaktion sind die Strukturen viel enger und gefestigter wie bei den täglich um mehrere tausend Mitglieder wachsenden Social Networks. In den großen Social Networks wiederum bilden sich Nischen, in denen sich eigene Subcommunitys bilden. Zum Beispiel um eine Musikband herum. Oder um Künstler, die ihre Fans dort versammeln.

Was man bei all den Gedanken über Communitys und Social Networks nie vergessen darf: Es sind Menschen, die im Internet aktiv sind. Menschen mit Wünschen, Hoffnungen, Sehnsüchten, mit Wissen, Können, Erfahrungen.

Darum wird der Beruf des Communitymanagers in der Zukunft auch immer wichtiger sein. Denn er ist der Manager, Vermittler, Schlichter in einer Community. Auf den Communitymanager werde ich hier in naher Zukunft näher eingehen.

Community = Gefüge von Menschen / Social Network = technische Plattform für eine Community

Zusammenfassend kann man sagen, das ein Social Network eine technische Plattform ist. Wenn jedoch viele Menschen von Social Networks sprechen, meinen sie die dort existierende Community. Man kann dann auch von einer Social Network Gemeinschaft sprechen. Neue Social Networks haben oft aber noch gar keine Community und müssen sich diese erst erarbeiten.

Eine Community kann es aber auch in einem Forum geben oder auf anderen Internet-Plattformen. Mit ihr ist das Gefüge von Menschen gemeint, die gemeinsame Interessen haben und interagieren.

In den nächsten Wochen werde ich dann auf das Agieren innerhalb von Communitys, auf Monetarisierungsmöglichkeiten der Social Networks, auf sinnvolles Crowdsourcing und auf Nischencommunitys eingehen.

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Autor Info's mit anzeigen Matias Roskos

Kommentare (1) Trackbacks (1)
  1. vielleicht noch einen Einwurf unter den strukturellen Aspekten, die als Unterscheidungsmerkmale zwischen einer Community (sehr weit gefasster Begriff) und einer SNS herangezogen werden können.

    1. In einer Community steht das Thema im Mittelpunkt.
    2. In einer SNS steht das Individuum im Mittelpunkt.

    Die SNS bietet zwar mehr Möglichkeiten der Vernetzung,
    dafür geht die Qualität der Forenstruktur verloren.
    Ein Beispiel:
    In einer SNS kann das Mitglied eine Forenfunktion erzeugen, indem er eine Gruppe gründet. Die Gruppenfunktionen emuliert so zu sagen ein Forum.
    Das hat Vor- und Nachteile.
    Beispielsweise wird hierbei das Identitätsmanagement nicht vom System selbst verwaltet, sondern hängt vom Ausschlusskriterium des „Einladers“ ab (d.h. die Tendenz nach außen geschlossen zu sein).
    Wenn das Mitglied es nicht möchte, gibt es keinen Zugang in die Gruppe.
    In einem Forum registriert man sich und hat Zugang zu allen Themenbereichen. Es besitzt eine zentral Zugangsstruktur.
    Bei SNS ist es dezentral aufgebaut und thematisch Strukturlos.
    Man kann auch von unorganisierten temporären Foren sprechen.
    Ein Forum bleibt in ihrer Themenstruktur i.d.R beständig.
    Bei einer SNS stirbt die Forenfunktion, wenn das Mitglied die Gruppen löscht oder schließt.

    lg