Archiv für Mai, 2008

Crowdsourcing – Wen oder was erreiche ich damit

Crowdsourcing wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft noch mit amateurhafter Kostenlos-Arbeit gleichgesetzt. Das wird jedoch den Möglichkeiten und bereits existierenden und entstehenden Crowdsourcing-Konzepten in keinster Weise gerecht.

Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Projekte und welche Ansätze sich in Sachen Crowdsourcing durchsetzen können. Mit ziemlicher Sicherheit werden es in erster Linie die Konzepte sein, die auf eine faire Entlohnung der Crowd, der beteiligten und mitarbeitenden Community setzen.

Aber wen oder was genau kann man mit Crowdsourcing erreichen?

Crowdsourcing wird in erster Linie als Möglichkeit gesehen Dienstleistungen erbringen zu lassen, die eine Software nicht erbringen kann. Man zielt also auf ein Produkt, ein konkretes Ziel ab. Das kann wie im Fall von Mechanical Turk von Amazon die Indizierung von Bildern sein, das Sortieren von Fotos, das Erstellen von Produktbeschreibungen, Übersetzungsjobs oder eine andere schlichte Aufgabe. Das können Kreativleistungen wie das Designen von T-Shirts (Threadless, LaFraise) oder das kollaborative Arbeiten an vorgegebenen Aufgabenstellungen sein, wie wir sie mit VOdA immer wieder für Kunden umsetzen. Oder es kann um das gemeinsame Brainstormen bis hin zur Entwicklung technischer Geräte gehen, wie im Falle von Crowdspirit.

Als möglicher Container für Viralmarketing

Eine konkret definierte Zielsetzung ist eine der beiden Richtungen, in die Crowdsourcing-Projekte hin ausgerichtet werden. Aber es gibt noch eine zweite, die oft unterschlagen und von vielen unterbewertet wird. Und das ist der Bereich Virales Marketing.

Durch Crowdsourcing entstehen nicht nur greifbare Ergebnisse, die für sich allein schon einen Mehrwert bieten und auf die allein etliche Crowdsourcing-Projekte (Mechanical Turk) ausgerichtet sind. Die Menschen, die sich an Crowdsourcing-Aktionen beteiligen, beschäftigen sich ganz automatisch mit der Marke, dem Produkt, dem Slogan, der Strategie des Kunden. Und wenn dieses Produkt entsprechendes Potential besitzt, entsteht dabei Mundpropaganda. Die involvierten Menschen erzählen Freunden davon, sie bloggen darüber, sie laden Kollegen ein mitzumachen. Sie werden kreativ, sie voten, sie kommentieren, laden Fotos hoch, sie bringen eigene Ideen ein und lassen sich von anderen inspirieren. Crowdsourcing bietet somit ideale Bedingungen für Virales Marketing.

Crowdsourcing als Container in Social Networks

Crowdsourcing kann als alleinstehende Maßnahme aufgesetzt oder aber in größere Marketingkampagnen integriert werden. Crowdsourcing hat die vielfältigsten Facetten, die man nie außer Acht lassen sollte, wenn man über intelligente Marketing-Strategien nachdenkt. Und somit kann Crowdsourcing ganz sicher auch ein interessanter Container hinein in Social Networks sein. Man gelangt auf eine sympathische Art und Weise – wenn die Rahmenbedingungen wie Prämierung und andere Incentives, Dauer, AGBs, niedrige Einstiegshürden, präzise aber nicht einengende Vorgaben stimmen!!! – hinein in eine Community und kann damit ein gutes Instrument für virales Marketing in Social Networks sein.

Crowdsourcing ist kein Selbstläufer! Vieles muss bei guten Aktionen beachtet und vorher besprochen werden. Crowdsourcing ist eine intelligente Möglichkeit um spannende Ergebnisse zu generieren und um Mundpropaganda anzuregen. Crowdsourcing lohnt sich also um Gespräche zu initiieren und gleichzeitig spannende Ergebnisse zu erzielen. Dies kann für alle Unternehmen Sinn machen, die bisher die üblichen Marketinginstrumente genutzt haben und bereit sind neue Wege hinein ins Internet und vor allem heran an die dort agierenden Menschen zu entdecken. Dabei ist es wichtig, das man sich der Risiken und der Hürden bewusst ist. Darum sollte man dabei nie auf professionelle und erfahrene Hilfe verzichten.

Nachtrag: Als dritte Zielrichtung von Kreativ-Crowdsourcing: Suchmaschinenmarketing.
Siehe hierzu den Artikel “Crowdsourcing im Kreativbereich als SEM (Suchmaschinen-Marketing)“.

Erstellt am Freitag 23. Mai 2008
Unter: Crowdsourcing | 7 Kommentare »

Communitys und Social Networks – eine Differenzierung der Begrifflichkeiten

Immer wieder merke ich bei meinen Kunden, das der Unterschied zwischen einer Community und einem Social Network nicht klar ist. Beides wird willkürlich in einen Topf geworfen. Darum hier ein paar Ausführungen, worin konkret der Unterschied besteht.

Wenn ich von einer Community spreche, dann ist damit eine „Online-Community“ gemeint. Es gibt auch andere Formen von Communitys, die hier nicht Gegenstand sein werden. Der Einfachheit halber spreche ich aber weiter einfach nur von „Community“.

Community als Gemeinschaft von Menschen

Eine Community ist eine Gemeinschaft von Menschen, die im Internet mit Hilfe einer Plattform sich zu einem bestimmten Themenkomplex austauschen, beziehungsweise ähnliche Interessen haben und diese im Internet mit Gleichgesinnten teilen. Eine solche Plattform kann ein Forum sein, ein Chat-System, ein Blog, ein Webportal, ein virtueller Marktplatz oder ein Social Network. Sie treffen sich also virtuell und nutzen eine technische Lösung um miteinander zu kommunizieren oder gar gemeinsam zu agieren. Zwischen diesen technischen Lösungen gibt es unzählige Schnittmengen. Viele Webportale haben auch ein Forum. Virtuelle Marktplätze haben Blogs. Ein Social Network beinhaltet ein Chat-System. Klare Trennungen sind nicht immer möglich und sinnvoll.

Eine Community ist also ein soziales Phänomen. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen. Diese benötigen aber eine technische Lösung, eine Plattform, auf der sie sich treffen können. Dort kommunizieren sie miteinander. Sie vernetzen sich untereinander. Sie arbeiten gemeinsam an Problemlösungen. Sie geben Informationen weiter. Sie informieren sich und beziehen News und Tipps zu ihren Interessens-Gebieten.

Ein Social Network ist eine technische Lösung

Im Web 2.0 Zeitalter sind diese Plattformen immer häufiger Social Networks. Ein Social Network ist also in erster Linie eine technische Lösung. Aber es ist durchaus ebenso ein soziales Phänomen. Denn hier treffen sich Menschen, tauschen sich aus und vernetzen sich miteinander. Die namhaftesten Beispiele für Social Networks sind MySpace, Facebook, StudiVZ oder Xing.

Auch hier ist wieder der Hinweis darauf notwendig, das ich von einem virtuellen Social Network spreche. Oder noch besser: einem Social Network Service. Dies ist die korrekte Bezeichnung. Denn soziale Netzwerke gibt es nicht nur im Internet sondern auch im realen Leben. Gegenstand dieses Artikels sind aber ausschließlich die Erscheinungen, die das Internet betreffen.

Auf einem Social Network versammelt sich also eine Community. Eine Community sind Menschen mit gleichen oder ähnlichen Interessen. Ein Social Network ist eine technische Lösung, die den Nutzern Instrumente an die Hand gibt, mit denen sich die Mitglieder der Community vernetzen können. Hierzu zählt die Möglichkeit der Einrichtung eines eigenen Profils, Freunde einladen, Freunde/Kollegen suchen und finden, mit anderen Nachrichten unabhängig von Emails austauschen, Votingsysteme, eigene und gemeinsame Bildergalerien, virtuelle Geschenke, Linksammlungen (Social Bookmarking) und vieles andere mehr.

Es gibt verschieden starke Communitys. Mit „stark“ meine ich den Grad der Interaktion und die Festigkeit der Bindung untereinander. Es gibt Unterschiede, wie fest die Bindung der Community-Mitglieder ist und in welcher Form sie miteinander agieren.

Es gibt im realen Leben Hausgemeinschaften, in denen sich die Nachbarn kaum kennen. Man wohnt nur in dem Haus, teilt außer der Räumlichkeit aber nichts miteinander. In anderen Hausgemeinschaften werden Geburtstage, Silvester, Sommerfeste und andere Dinge zusammen zelebriert. Man kennt und hilft sich. Ähnlich ist es im Internet.

In Social Networks wie MySpace oder Facebook richtet man sich ein. Man lädt seine Freunde ein, vernetzt sich mit Kollegen und Geschäftspartnern. Man kommuniziert in relativ kleinen, geschlossenen Kreisen, kennt seine „Nachbarn“ aber kaum. Andere Communitys sind deutlich kollaborativer. Oft sind das Foren-Communitys, wo jeder Fragen stellen kann, die andere dann beantworten. Der Gedanke der Interaktion ist viel größer. Es geht weniger ums Vernetzen wie um Antworten auf Fragen oder die Weitergabe von Wissen. Der Grad der gemeinsamen Interessen ist deutlich höher wie in großen Social Networks.

Foren sind oft bessere Communitys

Überhaupt werden Foren in Zeiten der Social Networks stark unterbewertet! Ihre Communitys sind meist über einen viel längeren Zeitraum gewachsen. Und durch den hohen Grad der Interaktion sind die Strukturen viel enger und gefestigter wie bei den täglich um mehrere tausend Mitglieder wachsenden Social Networks. In den großen Social Networks wiederum bilden sich Nischen, in denen sich eigene Subcommunitys bilden. Zum Beispiel um eine Musikband herum. Oder um Künstler, die ihre Fans dort versammeln.

Was man bei all den Gedanken über Communitys und Social Networks nie vergessen darf: Es sind Menschen, die im Internet aktiv sind. Menschen mit Wünschen, Hoffnungen, Sehnsüchten, mit Wissen, Können, Erfahrungen.

Darum wird der Beruf des Communitymanagers in der Zukunft auch immer wichtiger sein. Denn er ist der Manager, Vermittler, Schlichter in einer Community. Auf den Communitymanager werde ich hier in naher Zukunft näher eingehen.

Community = Gefüge von Menschen / Social Network = technische Plattform für eine Community

Zusammenfassend kann man sagen, das ein Social Network eine technische Plattform ist. Wenn jedoch viele Menschen von Social Networks sprechen, meinen sie die dort existierende Community. Man kann dann auch von einer Social Network Gemeinschaft sprechen. Neue Social Networks haben oft aber noch gar keine Community und müssen sich diese erst erarbeiten.

Eine Community kann es aber auch in einem Forum geben oder auf anderen Internet-Plattformen. Mit ihr ist das Gefüge von Menschen gemeint, die gemeinsame Interessen haben und interagieren.

In den nächsten Wochen werde ich dann auf das Agieren innerhalb von Communitys, auf Monetarisierungsmöglichkeiten der Social Networks, auf sinnvolles Crowdsourcing und auf Nischencommunitys eingehen.

Erstellt am Montag 19. Mai 2008
Unter: Theoretische Gedanken | 2 Kommentare »